{"id":2914,"date":"2017-02-02T09:27:41","date_gmt":"2017-02-02T08:27:41","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=2914"},"modified":"2017-02-02T09:27:41","modified_gmt":"2017-02-02T08:27:41","slug":"wo-heldenvaeter-niederschaun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=2914","title":{"rendered":"Wo Heldenv\u00e4ter niederschaun"},"content":{"rendered":"<p>So, ich bin also umgezogen. Das war Ende Mai 2013.<br \/>\nDas als Notiz ist eigentlich schon der Kern der Aussage, und viel Schale oder Fruchtfleisch hat sie nicht. Wie ich zu der Wohnung gekommen war, habe ich bereits im Teil 9 der <strong>Fracht am Rhein<\/strong> dargelegt, ich kann also gleich &#8220;in medias res&#8221; gehen, wie man im geisteswissenschaftlichen Jargon so sagt.<\/p>\n<p>Man soll nicht glauben, wie viel Krempel man in einer kleinen Wohnung mit nur zwei Zimmern haben kann. Ich bat mir von Peter den Sprinter f\u00fcr den Umzug aus und rechnete mit zwei Fahrten. Es wurden aber drei. Das f\u00fchrte schon zu unangenehmen Spritkosten um die 100 Euro. Ich w\u00e4re billiger gefahren, wenn ich mir den LKW und Puck als Fahrer geliehen h\u00e4tte, da h\u00e4tte n\u00e4mlich alles auf einmal hineingepasst.<br \/>\nF\u00fcr das Ausladen in Koblenz kann ich Teil 4 der <strong>Fracht am Rhein<\/strong> w\u00f6rtlich zitieren:<br \/>\n<em>&#8220;Als kurze Zeit danach mein Umzug nach Koblenz anstand, machte [Big] nicht viele Worte, sondern half mir bereitwillig, indem er nicht nur beim Kistenschleppen half, sondern er lieh mir auch Werkzeug und begleitete mich beim Einkaufen. Ich hatte n\u00e4mlich keine Ahnung, was ich zum Beispiel zur Installation einer K\u00fcchensp\u00fcle alles brauchte.<br \/>\nLeider fand der Einkaufsbummel durch verschiedene Koblenzer Baum\u00e4rkte nach einer durchzechten Freitagnacht statt und mein Helfer war noch nicht ganz da \u2013 was zur Folge hatte, dass er mir die falschen Zubeh\u00f6rteile empfahl. Die Abflussrohre waren f\u00fcr einen Sp\u00fclmaschinenanschluss gedacht und die Flexleitungen waren f\u00fcr Unterdruckwasserspeicher (den Boiler unter der Sp\u00fcle) ungeeignet, ich musste das darauffolgende Wochenende also opfern, um die Teile umzutauschen.&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Beim Auszug warf ich einiges weg und das ein oder andere verschwand auch von allein spurlos. Aber es handelte sich nur um ein paar CD-ROMs ohne wirklich bedeutenden Inhalt. Mal abgesehen von meinem Wohnungsschl\u00fcssel. Ich vermute, dass ich ihn beim letzten Waschgang im Keller habe liegen lassen. Nun, der nette Hausmeister machte da kein Aufhebens, er habe gen\u00fcgend Schl\u00f6sser in Reserve und es dauere ja nur einen Augenblick, es auszutauschen. Der Mann arbeitet scheinbar wirklich nur zum Spa\u00df da.<br \/>\nSagte er mir doch mal, dass er in seiner Wohnung wirklich tolle T\u00fcren verbaut habe, die, mit Zargen und allem drum und dran, 4000 E das St\u00fcck kosteten. Was sind das f\u00fcr T\u00fcren? Aus Gold? Oder Panzerstahl? Nein, gut verarbeitetes, edles Holz. Dabei h\u00e4tte ich nicht gedacht, dass das Einkommen eines Hausmeisters f\u00fcr solchen Luxus reicht &#8211; tut es auch nicht, denn der nette Hausmeister verdient den allergr\u00f6\u00dften Teil seines Haushaltsgelds wohl damit, dass er grenznah mehrere Apartments an Luxemburger Gesch\u00e4ftsleute vermietet, die ordentlich was hinlegen und dabei immer noch bedeutend g\u00fcnstiger dran sind, als mit vergleichbarem Wohnraum in Luxemburg selbst.<br \/>\nAlso, wenn ich mir mal mehrere T\u00fcren f\u00fcr 4000 E das St\u00fcck f\u00fcr ein Eigenheim leisten kann, dann gehe ich garantiert nicht mehr arbeiten. Aber schlie\u00dflich hat jeder Mensch eine andere Vorstellung davon, was Spa\u00df ist. Ich habe schon mehrere Leute getroffen, denen es Spa\u00df macht, zu arbeiten, und ich muss dabei festhalten, dass alle diese Leute, drei an der Zahl mittlerweile, anderweitige Haupteink\u00fcnfte haben; denen macht das Arbeiten Spa\u00df genau deswegen, WEIL SIE ES EIGENTLICH NICHT M\u00dcSSTEN!<\/p>\n<p>Ich hatte nicht wirklich eine Wahl bei der Einrichtung meiner Wohnung, legte aber Wert darauf, dass die Leuchtk\u00f6rper, die am h\u00e4ufigsten gebraucht wurden, LEDs sein w\u00fcrden. Die Strahler waren nicht billig. Daf\u00fcr musste der Rest erstmal g\u00fcnstig sein, weswegen Big uns den B1 Discount Baumarkt in Neuwied empfahl. Ja, billig ist der. Langfristig aber nicht g\u00fcnstig. Dort wird nur das Billigste vom Billigen verkauft, von ein paar Einzelposten einmal abgesehen, und &#8211; ganz ehrlich: Wenn man da kaufen muss, weil man sich Bauhaus nicht leisten kann, ist man arm dran. Das Zeug von B1 tut seinen Dienst, sozusagen, aber unsere K\u00fcche sieht aus wie vom Sperrm\u00fcll.<br \/>\nIm Laufe der vergangenen Jahre haben wir die Wohnungseinrichtung weitgehend durch bessere Qualit\u00e4ten ersetzt, aber K\u00fcche und Schlafzimmer stehen noch aus. Ich danke dabei besonders folgenden Personen:<br \/>\n&#8211; Frau G. aus Trier f\u00fcr den Gartenfeldteppich, der heute mein Wohnzimmer ziert.<br \/>\n&#8211; Horst N. aus Saarbr\u00fccken f\u00fcr den Wohnzimmertisch, die St\u00fchle dazu, den K\u00fchlschrank, und noch viele kleinere Dinge mehr, die ich gar nicht alle nennen kann.<br \/>\n&#8211; Theo N. aus Saarbr\u00fccken f\u00fcr ein Mountainbike, das uns im pr\u00e4-automobilen Zeitalter gute Dienste leistete.<br \/>\n&#8211; Oliver F. aus Saarbr\u00fccken f\u00fcr den praktischen Kleiderschrank mit Schiebet\u00fcren, weil unser Schlafzimmer zu eng f\u00fcr Klappt\u00fcren ist.<br \/>\n&#8211; Ricarda B. aus Bonn f\u00fcr einen Schreibtisch, der immerhin besser war, als keiner.<br \/>\n&#8211; Reinhold S. aus Saarbr\u00fccken f\u00fcr den wenn auch h\u00e4sslichen Fernsehunterschrank, den ich inzwischen zum Gl\u00fcck wieder los bin.<br \/>\n&#8211; Roman S. aus Saarbr\u00fccken f\u00fcr eine Eckcouch aus Kunstleder, die uns besonders dazu anspornte, etwas besseres zu besorgen.<\/p>\n<p>Was wir schnell merkten, war, dass die Interntverbindung ihren Namen nicht wirklich verdiente. Laut Vertrag hatten wir Anspruch auf eine 4-MBit-Leitung, aber an guten Tagen kamen vielleicht 1,5 MBit davon an, und so blieb das die kommenden drei Jahre&#8230; ich machte mir Gedanken dar\u00fcber, wie wir zu einer schnelleren Leitung kommen k\u00f6nnten, aber das war mir alles zu teuer. <\/p>\n<p>Nach wenigen Wochen k\u00fcndigte sich das n\u00e4chste Problem der Wohnung an: Schimmel.<br \/>\nEs schimmelte an den Au\u00dfenw\u00e4nden, und das nicht nur in den feuchten Bereichen K\u00fcche und Bad, sondern auch im Wohnzimmer und im Hausflur, an der Hausseite, wo der Regen herkam. Ich war deswegen ziemlich sauer und war wohl der Vermieterin gegen\u00fcber (f\u00fcr meine Verh\u00e4ltnisse) tendenziell ungehalten, worauf sie sich gegen den (so direkt nicht ge\u00e4u\u00dferten) Vorwurf wehrte, sie habe uns wider besseres Wissen eine Schimmelh\u00f6hle vermietet. Hatte der Vormieter nie etwas in der Richtung gesagt? Bei diesem Gedanken erhielt die nebenl\u00e4ufige Aussage, der Vormieter habe nur wenige Monate in der Wohnung verbracht, einen ganz anderen Stellenwert.<br \/>\nAber gut, unsere Verwalterin reagierte kulant. Sie besorgte Reinigungsmittel, schrubbte selbst, veranlasste Renovierungsma\u00dfnahmen, und erlie\u00df uns einen Teil der Miete, bis das Problem im Griff war. In K\u00fcche und Bad wurden Entl\u00fcfter installiert, die sich bei hoher Luftfeuchte einschalteten, das Bad wurde ordentlich \u00fcberarbeitet. Der Schimmel wurde damit letztendlich nicht besiegt, aber er wurde ins Mauerwerk zur\u00fcckverwiesen, und wenn er an der einen oder anderen Stelle zum Vorschein kommt, kann man ihn mit Desinfektionsmittel f\u00fcr ein paar weitere Wochen verbannen. <\/p>\n<p>Dann hatten wir pl\u00f6tzlich zwei Waschmaschinen, weil es Details gab, die wir nicht kannten. Eines Tages schalteten wir die Waschmaschine ein, aber es lief kein Wasser. Der Wasserhahn war aufgedreht, alles schien in Ordnung, das einzige, was ich mir denken konnte, war ein Defekt der Pumpe. Also schnell eine Ersatzmaschiene besorgt, bei irgendeinem Privatverk\u00e4ufer nahe einer \u00f6rtlichen Bundesstra\u00dfe. Das Haus machte einen eher heruntergekommenen Eindruck, hoffentlich war die Maschine brauchbar.<br \/>\nZur\u00fcck zuhause schlossen wir die &#8220;neue&#8221; Maschine an den Wasserschlauch an, luden W\u00e4sche hinein und starteten das Waschprogramm. Nichts geschah. Moment mal, die einzige offen erkennbare Gemeinsamkeit zwischen den beiden Ger\u00e4ten war der Wasserschlauch. Ich besah mir das Ding. Gleich unterhalb des Wasserhahns befindet sich eine Art Hohlkammer, in die eine Art Linse eingebracht ist. Hinter der Linse schimmerte es bei Licht betrachtet rot. Ich wechselte auch den Schlauch. Der Waschgang startete wie gewohnt. Nach dem Waschgang schloss ich die Bosch-Maschine an den neuen Schlauch an &#8211; alles funktionierte wie gesollt. Kurze Recherche bei erfahrenen Verwandten: Ja, in den Schl\u00e4uchen ist eine Art Ventil eingebaut, das verhindern soll, dass im Falle des Falles die Wohnung \u00fcberflutet wird. Unser Ventil hatte also wohl just nach wenigen Tagen Betrieb in Koblenz den Geist aufgegeben und hatte die Leitung ohne Not blockiert.<br \/>\nIn der Folge verkauften wir die \u00fcberfl\u00fcssige Waschmaschine an eine Organisation, die sich um bed\u00fcrftige Familien k\u00fcmmert, da kamen zwei M\u00e4nner vorbei und luden das Ding auf einen offenen Kleintransporter. <\/p>\n<p>An der Stelle kann ich gleich zum n\u00e4chsten wichtigen Punkt kommen: Nachbarn.<br \/>\nDeren Namen nat\u00fcrlich ge\u00e4ndert sind. <\/p>\n<p>Die erste Mitbewohnerin stellte sich mir gleich am Tag des Einzugs als Anna vor und dabei blieb es dann. Sie arbeitet im B\u00e4ckerladen um die Ecke und ich w\u00fcrde sie als herzensguten Menschen betrachten. <\/p>\n<p>Das Ehepaar Rohr: Eher schwierige alte Leute. Man kommt mit ihnen klar, wenn man in der Lage ist, das eine oder andere Merkmal auszublenden. Herr Rohr ist in Erfurt geboren und kam als Jugendlicher \u00fcber die damals noch gr\u00fcne Grenze in den Westen. Wurde LKW-Fahrer und f\u00fchlt vielleicht deswegen eine gewisse Solidarit\u00e4t mit einem Fahrer wie mir. Ein ihm eigener Wesenszug ist allerdings &#8220;Vorurteile gegen\u00fcber Ostdeutschen&#8221;. Er sagt, die h\u00e4tten alle einen Hang zum gegenseitigen Bespitzeln und zur Missgunst, daher wolle er mit den Familienangeh\u00f6rigen, die dr\u00fcben noch lebten, so wenig wie m\u00f6glich zu tun haben. Es hei\u00dft sogar, er habe sich mit einer ebenfalls aus Ostdeutschland stammenden Mieterin derma\u00dfen in der Wolle gehabt, dass diese irgendwann entnervt ausgezogen sei. <\/p>\n<p>Dabei m\u00fcsste sich der Mann einmal dar\u00fcber klar werden, dass er mit dem Stasi-Blockwart der Stra\u00dfe sein Ehebett teilt. Seine Frau stammt aus dem Rheinland, und auch mit der kann man sich nett unterhalten, wir tauschen auch schon mal Weihnachtspl\u00e4tzchen und Kuchen aus (niemand ist schlie\u00dflich ganz schlecht), aber nach den Erfahrungen der ersten Monate muss ich mich um ein freundliches \u00c4u\u00dferes schon ein wenig bem\u00fchen. Denn wenn ich unbewusst irgendetwas tue, was nicht in das fest gepr\u00e4gte Ordnungsschema der Frau Rohr passt, bekomme ich aus heiterem Himmel einen Anruf meiner Hausverwalterin, die mich fragt, was denn los sei. Nat\u00fcrlich wurde der Name der Frau Rohr nie explizit genannt, aber die Andeutungen lie\u00dfen wenig Interpretationsspielraum zu und die Verwalterin schien auch selbst von derlei Aktionen eher unbegeistert. <\/p>\n<p>Einfaches Beispiel: Ich parke den Transporter links neben dem Haus, wo sich der Mieterparkplatz f\u00fcr mein Apartment befindet. So ein Sprinter hat eine gewisse L\u00e4nge; um also den Bordstein nicht v\u00f6llig zu blockieren, fahre ich so weit wie m\u00f6glich hinauf, bis das Blumenbeet mir Einhalt gebietet.<br \/>\nBei der Auffahrt handelt es sich gleicherma\u00dfen um die Garageneinfahrt der Nachbarn links nebenan und mein Parkplatz ist durch eingelassene Pflastersteine leicht erkennbar vom Grund und Boden des Nachbarn getrennt. Wenn ich nun ganz nach oben fahre, dann steht mein Vorderreifen gerade so auf dem Nachbarsgrundst\u00fcck. Das war mir sehr wohl aufgefallen. Als ich den Nachbarn zuf\u00e4llig einmal traf, fragte ich ihn, ob das ein Problem sei und er sagte, das sei in Ordnung. Jener Umstand fiel der Frau Rohr aber ebenfalls auf, vielleicht, als sie zum Blumengie\u00dfen unterwegs war. Anstatt aber bei mir zu klingeln und mich auf den Missstand aufmerksam zu machen, rief sie beim Ehepaar Z. an, denen das Haus geh\u00f6rt, die informierten ihre Tochter, die das Haus verwaltet, und die rief mich an und bat mich darum, ich m\u00f6ge doch auf die Grundst\u00fccksgrenzen achten, um Missverst\u00e4ndnisse zu vermeiden. Nun gut, der B\u00fcrgersteig verdient eh seinen Namen nicht, also parkte ich das Auto weiter r\u00fcckw\u00e4rts Richtung Stra\u00dfe. <\/p>\n<p>Dadurch entstand allerdings ein anderes Problem. Gegen\u00fcber vom Haus befinden sich Parkpl\u00e4tze auf der Fahrbahn, die nicht an Anwohner gebunden sind. Dadurch ist zwischen meinem Transporter und eben jenen Stellpl\u00e4tzen nur eine Fahrbahnbreite frei. Das ist f\u00fcr den Durchgangsverkehr in Ordnung, wenn man aber, wie der \u00fcbern\u00e4chste Nachbar nach links, einen gro\u00dfen Audi f\u00e4hrt und die Auffahrt ebenfalls benutzen m\u00f6chte, dann k\u00f6nnen einem beim beengten Abbiegen von der Stra\u00dfe herunter schon mal graue Haare wachsen. Als ob der Oberstabsfeldwebel nicht bereits genug graue Haare h\u00e4tte. Der kam jedenfalls nur noch mit vorsichtigen Gekurbel an seinen Carport. Ich telefonierte mit der Verwalterin und machte ihr klar, warum ich in Zukunft weiter so parken w\u00fcrde, wie es zweckm\u00e4\u00dfig war, sollte sich also noch einmal &#8220;jemand&#8221; beschweren, k\u00f6nne man jene Person ja in Kenntnis setzen, dass ich mir bei meinem Verhalten etwas denke. <\/p>\n<p>Noch mehr genervt war ich, als mir, erneut telefonisch \u00fcber die Verwalterin, irgendwann unterstellt wurde, ich h\u00e4tte &#8211; gro\u00dfe G\u00fcte! &#8211; zur mir zugeordneten Zeit die Stra\u00dfe nicht gefegt. So ein Verbrechen! Die mir zugeteilten Monate sind M\u00e4rz und September, was in Ordnung ist: Im M\u00e4rz schneit es eher selten noch und im September schl\u00e4gt das Herbstlaub noch nicht zu. Am Anfang, gebe ich zu, habe ich das schon mal vergessen, aber ich besserte mich. Da ich am gemeinten Tage definitiv gekehrt hatte, war ich sauer, denn ich hatte halt nicht in dem Zeitraum gekehrt, in dem die Kehrwoch-Mafia am Fenster liegt und guckt, wie die Autos parken und die Wolken vorbeifliegen. Jenes Ereignis war aber das letzte seiner Art und wir leben bislang in Frieden und Eintracht. Sozusagen.<\/p>\n<p>Weitere Nachbarn: Willi von links, der meinen Reifen auf seinem Grundst\u00fcck erduldet, der auch schon mal klingelt, wenn ich oder meine Freundin das Licht am Auto haben brennen lassen, wir bekamen auch schon Muffins geschenkt, und er bittet auch allj\u00e4hrlich darum, dass wir die Einfahrt zur Fronleichnamsprozession freir\u00e4umen, weil dann dort ein kleiner Altar aufgebaut und ein kurzer Sermon gehalten wird. Jaja, da kommt der Pfarrer mit Baldachin in Begleitung des Musikvereins, der jedes Jahr das gleiche melancholische St\u00fcck spielt, mit einem Trupp singender, uralter Nonnen (hier am Ortsrand befindet sich ein Mutterhaus ausgerechnet der Dominikanerinnen) und einem H\u00e4uflein Messdienern, zuz\u00fcglich einiger Anwohner in Zivil; sie gehen in geheiligtem Schritt die Stra\u00dfe hinunter und halten an meinem Stellplatz an, um ein paar geweihte Worte zu sprechen, denen ich durch das Fenster meiner Toilette lauschen kann. Irgendwie ist das witzig. <\/p>\n<p>Frau Hirsch von rechts: Ich erkenne sie in erster Linie an ihrem Hund. Welche Sorte das ist, habe ich vergessen, eher klein, so goldbraun-wei\u00df-schwarz gefleckt mit gro\u00dfen H\u00e4ngeohren. Und der Hund hei\u00dft Josef. Ich habe wohl noch nie einen Hund mit einem solch ernsthaften Namen getroffen. <\/p>\n<p>Die H\u00fchner von gegen\u00fcber. Nein, keine M\u00e4dchenbande, sondern echte H\u00fchner, so mit Hahn und allem, was dazu geh\u00f6rt. Der Hahn kr\u00e4ht auch, aber er hat mich noch nie beim Schlafen gest\u00f6rt, obwohl er 50 Meter weiter sitzt und wir bei offenem Fenster schlafen. M\u00e4dchen gibt es auch hier, ja, aber ich w\u00e4re nicht so unh\u00f6flich, sie als &#8220;H\u00fchner&#8221; zu bezeichnen. Ich sa\u00df im Sommer einmal am offenen Wohnzimmerfenster und las, w\u00e4hrend das M\u00e4dchen, das gegen\u00fcberwohnt wohnt, zusammen mit einer Freundin die Stra\u00dfe bunt anmalte. Die sind so um die zw\u00f6lf, denke ich. Und dann sa\u00dfen sie da auf der Bordsteinkante und unterhielten sich dar\u00fcber, welcher Junge in ihrer Klasse zu welchem M\u00e4dchen passen w\u00fcrde &#8211; dabei diskutierten sie allerdings nicht etwa passende oder sich erg\u00e4nzende Charaktereigenschaften, sondern solche \u00c4u\u00dferlichkeiten wie <em>&#8220;die sind beide hellblond&#8221;<\/em> oder <em>&#8220;deren Namen haben die gleiche Anfangssilbe&#8221;<\/em>. Kawaii!<\/p>\n<p>Herr Pfeifer: Der singt und pfeift ab und zu oder schimpft mit seinem Enkel, wenn der zu Besuch ist und versucht, sich Dinge herauszunehmen, die er zuhause nicht darf. W\u00e4hrend die Schallisolierung nach oben ganz hervorragend ist &#8211; von den Rohrs h\u00f6re ich keinen Schritt und auch nicht den Fernseher, den sie wegen wachsender H\u00f6rprobleme sehr laut drehen &#8211; ist sie zum Nachbarapartment richtig mies. Singen und Pfeifen h\u00f6rt man deutlich ebenso wie den Wasserhahn. Ich muss im Gegenzug st\u00e4ndig verdr\u00e4ngen, dass wir ihn damit ziemlich eindeutig an unserem Intimleben teilhaben lassen&#8230;<\/p>\n<p>Der Zahntechniker: So einen haben wir auch hier. Der war irgendwann so nett, einen Schwenkgrill in den Garten zu stellen und uns zu erlauben, ihn ebenfalls zu benutzen. Er grille eh lieber im Fr\u00fchjahr und im Herbst, wenn es nicht mehr so hei\u00df sei, denn er stehe den ganzen Tag am Schmelzofen, um dritte Z\u00e4hne aus Kunststoffen und Metallen herzustellen und da wolle er nicht noch nach Feierabend an einem hei\u00dfen Feuer herumstehen.<\/p>\n<p>Das w\u00e4ren im Gro\u00dfen und Ganzen die wichtigsten Eindr\u00fccke meines Umzugs selbst, f\u00fcr den ich mich sehr in Unkosten gest\u00fcrzt habe: Als ich aus Trier weg bin, stand mein Konto bei \u00fcber 3000 E, als ich den letzten notwendigen Einkauf kurz vor dem n\u00e4chsten Zahltag hinter mir hatte, besa\u00df ich noch 70 E. Das war schockierend.<br \/>\nNicht ganz unwesentlich lag das aber auch daran, dass ich den Umzug schnell hinter mich bringen musste, um den Zuschlag zur Wohnung nicht zu verlieren, und die Folge war, dass ich f\u00fcr die Trierer Wohnung keinen Nachmieter fand und zwei Monate lang zwei Mieten zahlte, da ich die K\u00fcndigungsfrist unterschritten hatte. Das war schon eine starke Belastung.<\/p>\n<p>Als n\u00e4chstes kommen wir dann langsam zu den Dingen, die ich meinte, als ich mir irgendwann dachte: <em>&#8220;Ich gehe mit nach Koblenz &#8211; und sei es nur, um \u00fcber die Schei\u00dfe schreiben zu k\u00f6nnen&#8221;<\/em>, und \u00fcber eine letzte Reise im Sp\u00e4tsommer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So, ich bin also umgezogen. Das war Ende Mai 2013. Das als Notiz ist eigentlich schon der Kern der Aussage, und viel Schale oder Fruchtfleisch hat sie nicht. 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