{"id":2869,"date":"2016-01-24T14:20:31","date_gmt":"2016-01-24T13:20:31","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=2869"},"modified":"2018-07-28T22:07:40","modified_gmt":"2018-07-28T20:07:40","slug":"exotik-heil-und-horror","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=2869","title":{"rendered":"Exotik, Heil und Horror"},"content":{"rendered":"<p>Was lese ich da denn schon wieder?<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ze.tt\/japan-hat-eigene-zugverbindung-fuer-elf-schueler\/\" target=\"_blank\"><strong>Japan hat eigene Zugverbindung f\u00fcr elf Sch\u00fcler<\/strong><\/a><\/p>\n<p>Hokkaid\u00f4 ist ja in gewisser Hinsicht das MeckPomm Japans, daran kann man nicht wirklich zweifeln. Da gibt es kleine D\u00f6rfer, die in wenigen Jahren aufgegeben werden m\u00fcssen, weil die Bev\u00f6lkerung r\u00fcckl\u00e4ufig ist, denn die jungen Leute wandern aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden in St\u00e4dte ab. Was mich an dem Text st\u00f6rt, ist der Hinweis: <em>&#8220;Die F\u00fcrsorge der Bahngesellschaft n\u00e4hert sich dem Deutsche-Bahn-Niveau.&#8221;<\/em> Wegen der Ank\u00fcndigung, dass im kommenden M\u00e4rz, zum Ende des Schuljahres, Schluss sei und die Linie eingestellt werde. Die Polemik st\u00f6rte mich irgendwie und solcherlei Berichte \u00fcber Nebens\u00e4chlichkeiten in meinem Lieblingsland wecken nat\u00fcrlich meine Neugier, da die dortige Realit\u00e4t sich selten so verh\u00e4lt, wie sie in den Medien auf der anderen Seite der Weltkugel dargestellt wird.<\/p>\n<p>Schauen wir also \u00fcber den im Bericht genannten Tellerrand. Bei der Japanischen Eisenbahngesellschaft kann man nachlesen, dass die im Text aufgezeigte Bahnlinie mit der Bezeichnung Sekihokusen den gr\u00f6\u00dften Teil der Insel Hokkaid\u00f4 durchquert, insgesamt 234 km lang, in mehrere Unterabschnitte organisiert ist, und 40 Bahnh\u00f6fe und Haltestellen aufweist. Der angeblich vor der Schlie\u00dfung stehende Streckenabschnitt von Shirataki bis nach Engaru liegt so ziemlich genau in der Mitte.<\/p>\n<p>Erstens muss man sich doch fragen, warum man f\u00fcr nur elf Personen nicht einfach einen Kleinbus im Format 3,5 t fahren l\u00e4sst? Das w\u00e4re doch billiger.<br \/>\nZweitens w\u00fcrde es doch keinen Sinn machen, ein paar Kilometer in der Mitte der Sekihokusen stillzulegen und auf dem Rest einen so getrennten Betrieb aufrecht zu erhalten.<br \/>\nIch will sagen, dass die auf <em>ze.tt<\/em> angebotenen Informationen allein zum Verst\u00e4ndnis nicht ausreichen.<\/p>\n<p>Zuerst: Von welchem Bahnhof reden wir nun eigentlich, wenn es um die Obersch\u00fclerin Kana geht? Im Text wird Shirataki genannt. Der Marker auf der Landkarte liegt aber auf Ky\u00fbshirataki, etwa f\u00fcnf Kilometer weiter in Richtung Engaru. Und auf dem Foto, das diese seltsam vorindustrielle H\u00f6lzh\u00fctte zeigt (so sehen Landbahnh\u00f6fe in Japan oftmals aus), erkennt man den Haltestellennamen Kamishirataki (wenn man es denn lesen kann), was von Shirataki Hbf sch\u00e4tzungsweise drei Kilometer in die entgegengesetzte Richtung liegt, und das auch nicht der Bahnhof sein kann, an dem die verschneite Sch\u00fclerin steht, weil man auf den ersten Blick erkennen kann, dass es sich um ein ganz anderes Geb\u00e4ude handelt. Dieses Foto ist somit als sinnfreie Illustration entlarvt.<br \/>\nDenn wenn wir uns ein Bild von der Haltestelle Ky\u00fbshirataki ansehen, stellen wir als erstes fest, dass es sich nicht um einen Bahnhof im eigentlichen Sinne, sondern lediglich um einen Bahnsteig mit Unterstellh\u00e4uschen mitten in der Pampa handelt, also eine Gegebenheit, die man in Deutschland oft als &#8220;Milchkanne&#8221; bezeichnet, weil so manche deutsche Regionalbahn ja angeblich an einer jeden solchen anh\u00e4lt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Kyushirataki-Haltestelle-800x600.jpg\" alt=\"Kyushirataki Haltestelle\" width=\"800\" height=\"600\" class=\"alignleft size-large wp-image-2877\" srcset=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Kyushirataki-Haltestelle-800x600.jpg 800w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Kyushirataki-Haltestelle-300x225.jpg 300w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Kyushirataki-Haltestelle-768x576.jpg 768w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Kyushirataki-Haltestelle.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/p>\n<p>Aber wir stellen zweitens auch fest: Es ist die richtige Milchkanne. Man sieht das vom Beobachter abgewandte kleine Schild, die Laterne neben dem Unterstand und das Fenster an der Giebelseite.<\/p>\n<p>Wenn ich meine japanischen Quellen richtig verstehe, dann wurde beschlossen, wegen des geringen Passagieraufkommens in diesem Bereich das Angebot zu privatisieren und drei Haltestellen einzusparen (bzw. diese in reine Signalstationen umzuwandeln, wo entgegenkommenden Z\u00fcge per Doppelgleis nur noch einander ausweichen), zu denen auch Ky\u00fbshirataki geh\u00f6rt. Shirataki Hbf und Engaru Hbf werden in Abstimmung mit dem \u00fcberregionalen Expresszug, der die Endbahnh\u00f6fe der Linie verbindet, auch in absehbarer Zukunft f\u00fcnfmal t\u00e4glich angefahren, und das hei\u00dft, dass nur die seltenen Fahrg\u00e4ste aus den kleinen Siedlungen f\u00fcnf bis maximal sechs Kilometer nach Shirataki zur\u00fccklegen m\u00fcssen, um von dort aus die Bahn nach Engaru (oder in die andere Richtung) nehmen zu k\u00f6nnen. Das ist f\u00fcr die Betroffenen zwar unbequem, klingt aber schon ganz anders als die in dem Bericht genannten, als alternativlos auffassbaren, 38 Kilometer bis Engaru. <\/p>\n<p>Es wird also keineswegs die Bahnlinie eingestellt &#8211; nur diejenigen Haltestellen mit einem unwesentlichen Passagieraufkommen werden nicht mehr angefahren. Die Angabe von elf Sch\u00fclern bezieht sich also scheinbar nur auf diese kleine Siedlung, die als Ky\u00fbshirataki auf der Landkarte verzeichnet ist, da sowohl in Engaru als auch in Shirataki gen\u00fcgend Menschen leben und mit dem Zug fahren, dass sich der Betrieb auch weiterhin lohnt. Das ist etwas ganz anderes und deutlich weniger krass. Denn Japan Railways f\u00e4hrt auch weiterhin in D\u00f6rfer (in Shirataki selbst wohnten vor zehn Jahren noch \u00fcber 1150 Menschen), die die Deutsche Bahn aus Gr\u00fcnden mangelnder Rentabilit\u00e4t l\u00e4ngst aufgegeben h\u00e4tte. Das hat auch f\u00fcr einen politisch nach links neigenden B\u00fcrger wie mich nichts mit mangelndem Willen zur Dienstleistung zu tun, obwohl ich die Meinung teile, dass die Deutsche Bahn sich auf den Pendlernahverkehr konzentrieren sollte, wo sie kaum schlagbar w\u00e4re, anstatt prestigetr\u00e4chtig auf Fernstrecken mit der Luftfahrt zu konkurrieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was lese ich da denn schon wieder? Japan hat eigene Zugverbindung f\u00fcr elf Sch\u00fcler Hokkaid\u00f4 ist ja in gewisser Hinsicht das MeckPomm Japans, daran kann man nicht wirklich zweifeln. 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