{"id":2854,"date":"2015-12-25T15:29:08","date_gmt":"2015-12-25T14:29:08","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=2854"},"modified":"2017-10-22T12:08:50","modified_gmt":"2017-10-22T10:08:50","slug":"die-fracht-am-rhein-teil-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=2854","title":{"rendered":"Die Fracht am Rhein (Teil 10)"},"content":{"rendered":"<p>Ich hatte meinen Umzug also mit dem Vermieter abgemacht und unterrichtete meine Arbeitgeber, denn das hie\u00df, dass ich den Sprinter zum Transport meiner Sachen und gegebenenfalls einen freien Tag brauchte (der jedem Arbeitnehmer f\u00fcr den Fall eines Umzugs aus beruflichen Gr\u00fcnden auch zusteht). Da fingen die erst mal an zu gr\u00fcbeln und zu hadern, bevor sie sich im Laufe des Morgens damit abfanden. Scheinbar war ihnen die Sache mit dem Umzug wohl dann doch zu schnell gegangen. <\/p>\n<p>\u00dcbrigens, was einem Arbeitnehmer noch so interessantes zusteht: Es gibt u.a. in Rheinland-Pfalz das so genannte <a href=\"http:\/\/landesrecht.rlp.de\/jportal\/portal\/t\/1hwa\/page\/bsrlpprod.psml;jsessionid=E8FCA2D7BBC61456A89311D1F811A87D.jp12?doc.hl=1&#038;doc.id=jlr-BiFreistGRPrahmen&#038;documentnumber=2&#038;numberofresults=29&#038;showdoccase=1&#038;doc.part=X&#038;paramfromHL=true#jlr-BiFreistGRPV3P1-jlr-BiFreistGRPV2P1\" target=\"_blank\"><strong>&#8220;Landesgesetz \u00fcber die Freistellung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern f\u00fcr Zwecke der Weiterbildung&#8221;<\/strong><\/a>. Laut diesem Gesetz stehen jedem Arbeitnehmer in jedem Kalenderjahr f\u00fcnf Tage Dienstfreistellung zum Zwecke der pers\u00f6nlichen Weiterbildung zu. Ich kann nur empfehlen, sich einmal hineinzulesen, und weise darauf hin, dass das Land dem Arbeitgeber eine Entsch\u00e4digung f\u00fcr die entgangene Arbeitsleistung zahlt.<\/p>\n<p>Doch zur\u00fcck zu meinem Arbeitsleben. Der n\u00e4chste Punkt w\u00e4re also &#8220;mit Magnus 22.06.&#8221;. Peter setzte mich zu Magnus mit ins Auto, einem Vito, damit ich mir das Aufgabenfeld des Gefahrgut- und Fr\u00fchdienstfahrers ansehen k\u00f6nnte, denn auch das sollte ja Teil meiner neuen Aufgaben sein. Und Fr\u00fchdienst hei\u00dft: Aufbruch gegen sieben Uhr, also \u00fcber eine Stunde vor den anderen Fahrern.<br \/>\nDas Gefahrgut auf dieser Tour besteht in erster Linie aus radioaktiven Stoffen f\u00fcr R\u00f6ntgen- und Strahlentherapieabteilungen, und die laufen nat\u00fcrlich nicht \u00fcbers Band, sondern m\u00fcssen gesondert aus dem Verschlusslager abgeholt werden. Warum kann eine gew\u00f6hnliche Liefertour einen Kanister Schwefels\u00e4ure transportieren aber keinen faustgro\u00dfen Bleibeh\u00e4lter mit C\u00e4sium? Weil laut ADR-Bestimmungen ein Kanister Schwefels\u00e4ure weniger als 1000 Gefahrgutpunkte aufweist und ein nur oberfl\u00e4chlich angewiesener Lieferfahrer somit im Rahmen des geltenden Rechts als Transporteur in Frage kommt, w\u00e4hrend eine C\u00e4siumpille locker einige Hunderttausend Punkte auf die Waage bringt.<\/p>\n<p>Die Abholung des Transportguts im Lager ist eine Formalie f\u00fcr sich, wo man nicht nur den Empfang quittiert, man muss auch den Gefahrgutschein vorzeigen und das Dosimeter sichtbar tragen. Das Dosimeter sieht aus wie ein kleiner Plastikorden und reagiert auf radioaktive Strahlung. Verf\u00e4rbt sich der Testbereich des Dosimeters, wei\u00df der Betrachter, dass die maximal erlaubte Strahlenmenge bald erreicht sein wird und der Fahrer darf nicht in den Einsatz. Die Warnanzeige ist allerdings eine reine Formsache, da das Material, das in Strahlentherapien eingesetzt wird, eine nur geringe Strahlungsreichweite hat, keine 50 cm. Schnallt man die Beh\u00e4lter also ans hintere Ende des Autos, hat man eigentlich nichts zu bef\u00fcrchten. Den Rocker musste ich allerdings erst davon &#8220;unterrichten&#8221;, dass diese Plastikkarte mit biometrischem Passbild, die ich bei mir trug, eben der neue Gefahrgutschein ist. Ich war Absolvent des ersten Lehrdurchgangs nach den neuen Vorschriften, der die Karten ausgestellt bekam. Vorher waren Papiere im urspr\u00fcnglichen Sinne des Wortes \u00fcblich. Nachdem alles sicher verzurrt war, brachten wir die Warntafeln an und es konnte losgehen. <\/p>\n<p>Dabei muss ich zu allererst beschreiben, dass Magnus&#8217; Wagen wie neu aussah, um nicht das kolloquiale &#8220;wie geleckt&#8221; zu verwenden. Das fing schon mit den Warntafeln an: Die steckten nicht einfach irgendwo, wo sie leicht zu greifen waren, nein, Magnus hatte eine Art gro\u00dfen Ordner daf\u00fcr besorgt und die einzelnen Schilder, drei an der Zahl, noch durch Zeitungspapier getrennt, damit keinesfalls eins am anderen rieb und es dadurch zu Sch\u00e4den kommen konnte.<br \/>\nIn dem Auto selbst lag kein Kr\u00fcmel, da wurde regelm\u00e4\u00dfig der Staubsauger eingesetzt, auf dem Boden lagen noch mehr Zeitungsseiten, damit sich kein Stra\u00dfenschmutz in der Oberfl\u00e4che festsetzte. So musste man nur schmutziges Papier entfernen und vielleicht noch Kr\u00fcmelchen rauskehren, anstatt, wie ich als Nichtpapieranwender, den Boden mit einer feuchten B\u00fcrste zu reinigen, denn: das Wasser sickert ja in Ritzen ein und verbleibt unter der Verkleidung. Eine abscheuliche Vorstellung im Geist des \u00e4lteren Herrn.<br \/>\nAuch au\u00dfen konnte man nur staunen, wo sich kein St\u00e4ubchen auf der Karosserie befand. Im Falle feuchter Witterung reinigte Magnus den Vito sofort nach Arbeitsende, noch bevor sich der Stra\u00dfenstaub festbacken konnte.<br \/>\nIch brachte seine sorgsam gew\u00e4hlte Anordnung im Inneren erst einmal durcheinander, weil ich den Beifahrersitz ben\u00f6tigte, aber scheinbar kam er damit zurecht. <\/p>\n<p>Wir setzten uns auf die A48 und Magnus fuhr mit 160 Sachen in Richtung Wittlich. Es w\u00fcrde ein wundersch\u00f6ner, angenehm fr\u00fchsommerlicher Tag mit warmen Temperaturen und blauem Himmel werden. Eigentlich ein perfekter Tag, um eben NICHT zu arbeiten, sondern nur irgendwo sinnierend auf der Wiese zu liegen oder einfach nur das Wetter zu genie\u00dfen. Leider war uns solche Mu\u00dfe nicht geg\u00f6nnt.<br \/>\nErste Lektion in Sachen Ortskenntnis: Wenn man aus Richtung Koblenz kommend zum Krankenhaus &#8220;St. Elisabeth&#8221; Wittlich m\u00f6chte, dann f\u00e4hrt man nicht die Ausfahrt Wittlich raus und dann durch die Stadt, nein, man nimmt die Ausfahrt Hasborn und gelangt \u00fcber ein paar Serpentinen quasi direkt dorthin. Gut zu wissen.<br \/>\nWeitere Stopps hatten wir in Bitburg, Trier und Saarburg, auf die man nicht weiter eingehen muss, vielleicht von einer kurzen Szene im Br\u00fcder-Krankenhaus in Trier abgesehen, wo Magnus zwei Damen, die ebenfalls vor dem Aufzug warteten, mit dem Hinweis auf unsere radioaktive Fracht dazu \u00fcberredete, vielleicht doch erst den n\u00e4chsten zu nehmen und nicht direkt mit uns zu fahren. <\/p>\n<p>Man muss ja auch ein bisschen reden und Geschichten von Leuten sind ja das, was mich im Kern interessiert. Magnus war bereits Mitte 70 und hatte schon so einiges gesehen und erlebt. Er war kein abh\u00e4ngig Angestellter, schlie\u00dflich hatte er das gesetzliche Rentenalter bereits \u00fcberschritten, sondern arbeitete als selbst\u00e4ndiger Subsubunternehmer im Auftrag der JP-Transporte. Nat\u00fcrlich zeigte er bereits k\u00f6rperliche Einschr\u00e4nkungen, auff\u00e4llig sind zum Beispiel die relativ kurzen, wenn auch schnellen Schritte, mit denen er sich fortbewegt, was f\u00fcr mich nach H\u00fcftproblemen aussieht, aber man muss festhalten, dass ihm ein wacher und immer noch scharfer Verstand gegeben ist. Im Allgemeinen kann man sagen, dass es sich um jemanden handelte, der alle ihm gestellten Aufgaben mit 200 % Genauigkeit erf\u00fcllte. Er heftete zum Beispiel alle Tour\u00fcbergabebl\u00e4tter fein s\u00e4uberlich in Aktenordner und es kursierten Witzchen, dass Magnus sicherlich alle Transporte der vergangenen 10 Jahre nachweisen k\u00f6nne. Die Tour\u00fcbergabebl\u00e4tter wurden nach Feierabend eigentlich \u00fcberfl\u00fcssig und wurden weggeworfen. Magnus sah das scheinbar anders. <\/p>\n<p>Im Einzelnen&#8230; fand ich eher das auff\u00e4lliger, was er nicht sagte, als das, was er erz\u00e4hlte. Oder vielleicht sollte ich sagen: Die Interpretationen, die seine Geschichte zulie\u00df, schienen mir das \u00fcber ihn auszusagen, was er lieber aussparte.<br \/>\nScheinbar war er vor, ja, Jahrzehnten einmal Versicherungsagent gewesen, f\u00fcr Geb\u00e4ude, Hausrat, Kfz, und so weiter. Er schien auch gro\u00dfe St\u00fccke auf seine F\u00e4higkeiten zu halten, erz\u00e4hlte er doch schmunzelnd, dass Kunden, die wegen einer K\u00fcndigung des Vertrags zu ihm kamen oder anriefen, nach einem intensiven Gespr\u00e4ch nicht nur seine Kunden blieben, sondern sogar noch Vertr\u00e4ge \u00fcber zus\u00e4tzlichen Versicherungsschutz unterzeichneten. Es handele sich dabei um ein streng provisionsbasiertes Gesch\u00e4ft, f\u00fchrte er aus, und an kleinen Basisvertr\u00e4gen verdiene man nicht eben viel, aber die gro\u00dfen Papiere br\u00e4chten auf einen Schlag kleine bis mittlere f\u00fcnfstellige Betr\u00e4ge in die Haushaltskasse. Mit denen m\u00fcsse man dann wirtschaften, bis einem der n\u00e4chste Wurf gelang. <\/p>\n<p>Scheinbar waren ihm in den besten Zeiten einige gro\u00dfe W\u00fcrfe gelungen, denn er hatte sich ein gro\u00dfes Grundst\u00fcck mit einem sch\u00f6nen Haus ausgesucht, mit Wiese und W\u00e4ldchen und einem kleinen G\u00e4stehaus sogar. Die Wiese zu m\u00e4hen habe \u00fcber zwei Stunden gedauert und von dem Ertrag des Gartens h\u00e4tte man sich wohl zu zweit das ganze Jahr \u00fcber ern\u00e4hren k\u00f6nnen. Klingt ja toll. Aber&#8230; die Zeiten blieben nicht rosig. Die Monatsraten wurden irgendwann zu viel und er richtete sich mit seiner Frau etwas kleiner ein. Auch das erwies sich allerdings als zu kostspielig&#8230; also noch eine Nummer kleiner. Und als selbst das zu teuer wurde, ja, da kamen die beiden zu dem Mietapartment, wo sie heute leben. Konservativ, aber geschmackvoll eingerichtet, wie er mir anhand von Fotos darlegen konnte. Biedermeier, w\u00fcrde ich sagen.<\/p>\n<p>Was hatte er also nicht gesagt? Nun ja, wie ich aus seinen Gesamtdarstellungen schlussfolgern m\u00f6chte, hat Magnus einen Hang zum Prestigeobjekt und zur Selbstdarstellung. Er hatte sich in seinem Streben nach Statussymbolen in seinen wirtschaftlichen M\u00f6glichkeiten nach meiner Interpretation v\u00f6llig \u00fcbersch\u00e4tzt, was eigentlich ein krasser Unterschied zu seinem Arbeitsverhalten ist, wo er streng auf das sicher M\u00f6gliche achtet. In letzter Konsequenz muss ich schlussfolgern, dass er m\u00f6glicherweise noch Restschulden hat, dass er sich also derart \u00fcbernommen hat, dass er arbeiten muss, bis er dazu nicht mehr in der Lage ist. Auch dazu kursieren entsprechende Witzchen: <em>&#8220;Der f\u00e4hrt, bis er im Auto stirbt.&#8221;<\/em><br \/>\nUnd eigentlich ist das nicht witzig, aber er ist nun mal so ein krasser Fall, in dem Wollen, K\u00f6nnen und M\u00fcssen zusammenkommt.<\/p>\n<p>Sicherheit schien doch eigentlich generell seine Dom\u00e4ne? Als ich ihn (an einem ganz anderen Tag) auf meine Erk\u00e4ltung hinwies, wich er demonstrativ drei Schritte zur\u00fcck. Bei einer kurzen Erl\u00e4uterung der gemeinsamen Haushaltsf\u00fchrung erz\u00e4hlte er, dass er die Duschkabine nach dem Waschen nicht nur grob reinigte, sondern auch trocken rieb, um Schimmel erst gar keine Grundlage zu liefern. Im Krankenhaus wies er mich darauf hin, am besten keine T\u00fcrklinken anzufassen, da sich im Krankenhaus (im Sinne der Sache) eine hohe Zahl von Menschen mit tendenziell ansteckenden Krankheiten aufhalte. Beim Verlassen von Krankenh\u00e4usern und Altenheimen verwende er grunds\u00e4tzlich die heutzutage aufgestellten Desinfektionsapparate. So weit bin ich dann doch noch nicht, aber ich trage bei der Arbeit Handschuhe, und mit denen reibe ich mir ja auch nicht die Augen und im Mund rumfummeln tu ich damit ja auch nicht. Er hatte wohl eine \u00fcbersteigerte Angst vor Ansteckungen und Schmutz, denn auch, wenn ich kerngesund war, sch\u00fcttelte er niemals meine Hand und wir fassten uns stattdessen an den Unterarmen, wie man es in Sandalenfilmen manchmal sieht.<\/p>\n<p>Die Darstellung der gemeinsamen Haushaltsf\u00fchrung war nat\u00fcrlich schon interessant, geh\u00f6rt Magnus doch zu einer Generation, die noch eher zu patriarchalischem Verhalten neigt. Stattdessen beschrieb er eine Beziehung zweier Individualisten, deren Ansichten schon einmal kollidierten, aber wenn man \u00fcber 50 Jahre verheiratet sei, dann bringe einen so schnell nichts mehr auseinander. Hausarbeiten werden bei ihm gleichm\u00e4\u00dfig verteilt, aber ich erinnere mich nicht daran, ob er etwas von festen Pflichten gesagt hat, ob also jeder Aufgaben hat, die nur er oder sie ausf\u00fchrt. Gekocht wird scheinbar von der Person, die den besten Men\u00fcvorschlag macht, den Abwasch macht der jeweils andere, und w\u00e4hrend man sich bei den Vorbereitungen helfe, wie zum Beispiel Karotten sch\u00e4len, Pilze schneiden, Zwiebeln hacken, und so weiter, wolle er beim Kochen selbst allein sein und werfe seine Frau dann aus der K\u00fcche.<\/p>\n<p>In Saarburg kam es zu einer kurzen Verz\u00f6gerung auf dem Weg zum Krankenhaus, als ein Auto vor uns keine klare Fahrtrichtung einschlug. Die Person darin war sich wohl nicht ganz klar, wo sie sich einzuordnen hatte.<br \/>\n<em>&#8220;Manchmal w\u00fcnsche ich mir &#8216;ne Kanone am Auto,&#8221;<\/em> sagte er, <em>&#8220;damit man solche Hindernisse aus dem Weg sprengen kann.&#8221;<\/em> Dann konnte er zum \u00dcberholen ansetzen. <em>&#8220;Ach,&#8221;<\/em> bemerkte er mit einem Seitenblick, <em>&#8220;da sitzt ja auch &#8216;ne Frau drin, da kann das ja nichts werden.&#8221;<\/em><br \/>\nDa war ich erstaunt, negativ \u00fcberrascht. Hatte ich mich mit all dem bisher Gesagten in dem alten Mann so sehr get\u00e4uscht?<br \/>\nAber er fuhr fort: <em>&#8220;Versteh mich nicht falsch, ich bin der Meinung, dass Frauen das Gleiche k\u00f6nnen wie M\u00e4nner. Das Problem ist, dass man es ihnen nicht beibringt.&#8221;<\/em><br \/>\nDas deckt sich dann schon eher mit dem, was ich bei den Soziologen gelesen und gelernt hatte: Jungs und M\u00e4dchen werden durch Erziehung, also selektive Fertigkeitszuordnung, in ihre gesellschaftlich hergebrachten Rollen gepresst und damit entsteht das h\u00e4ufig bem\u00e4ngelte Diskriminierungspotential. Ich war beruhigt.<\/p>\n<p>Wir nutzten eine Sitzgelegenheit vor dem Krankenhaus, um eine Pause zu machen, wo wir auch Patienten trafen, die die warme Sonne genie\u00dfen wollten. Mit einem davon f\u00fchrten wir ein kurzes, freundliches Gespr\u00e4ch und ich fragte ihn, wie es zu dem dicken Verband an seiner rechten Hand gekommen sei. Ein Unfall mit der S\u00e4ge, erz\u00e4hlte er.<br \/>\n<em>&#8220;Heimwerker oder Handwerker?&#8221;<br \/>\n&#8220;Heimwerker&#8230;&#8221;<\/em> gab er etwas zerknirscht zu.<\/p>\n<p>Bei dieser Fahrt erfuhr ich nebenher, dass die JP-Werkstatt einen neuen Meister angestellt hatte. Was aus dem Russen geworden ist, habe ich weder erfahren noch je erfragt. Ich nenne den Neuen mal &#8220;Scotty&#8221; (einfach, weil ich viel sp\u00e4ter erfuhr, dass seine Schwester in Schottland verheiratet ist). Wie habe ich von dem neuen Mann &#8220;nebenher&#8221; erfahren?<br \/>\nAls wir unser letztes Paket mit radioaktiver Fracht abgegeben hatten, entfernten wir anweisungsgem\u00e4\u00df die Warntafeln vom Auto, und bei dieser Gelegenheit sagte Magnus, dass er Scotty jedesmal beim Abnehmen der Platten zum Teufel w\u00fcnsche und zeigte mir auch gleich, wieso: Die Tafeln werden in Halterungen gesteckt, die nat\u00fcrlich nicht serienm\u00e4\u00dfig ab Werk am Auto zu finden sind, diese Halterungen werden in der Plaidter Werkstatt angenietet. Jetzt hatte Scotty diese Halterungen allerdings unachtsamerweise so angebracht, dass die Kanten der Warntafeln an einer Kante der Karosserie scheuerten und auf diese Art und Weise die Lackierung in Mitleidenschaft zogen. W\u00e4hrend ich Scotty mit dem mittlerweile gegebenen zeitlichen Abstand f\u00fcr einen interessanten Menschen und auch kompetenten Handwerker halte (der auch immer gern und auf verst\u00e4ndliche Art und Weise Dinge erkl\u00e4rt, warum etwas so und so gemacht werden muss und nicht anders und wie die Dinge am Auto funktionieren und ineinander greifen), muss ich dennoch sagen, dass diese Arbeit keineswegs eine Meisterleistung darstellte. War ihm auch unangenehm. <\/p>\n<p>Es handelte sich um einen ganz und gar angenehmen Tag, und das nicht nur, weil ich quasi nichts gearbeitet hatte. Diese Art von Job w\u00fcrde mir gefallen. Peter k\u00fcndigte mir an, dass ich demn\u00e4chst einmal alleine Gefahrgut fahren sollte. Vielleicht sollte sich zumindest diese H\u00e4lfte meiner Hoffnungen erf\u00fcllen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich hatte meinen Umzug also mit dem Vermieter abgemacht und unterrichtete meine Arbeitgeber, denn das hie\u00df, dass ich den Sprinter zum Transport meiner Sachen und gegebenenfalls einen freien Tag brauchte (der jedem Arbeitnehmer f\u00fcr den Fall eines Umzugs aus beruflichen Gr\u00fcnden auch zusteht). 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