{"id":2785,"date":"2015-02-08T12:23:14","date_gmt":"2015-02-08T11:23:14","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=2785"},"modified":"2017-10-22T12:09:58","modified_gmt":"2017-10-22T10:09:58","slug":"die-fracht-am-rhein-teil-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=2785","title":{"rendered":"Die Fracht am Rhein (Teil 7)"},"content":{"rendered":"<p>Ich muss noch eine Saarburger Geschichte hinzuf\u00fcgen. Da war ich in Irsch bei einem Arzt angekommen, kramte sein Paket hervor und schloss gerade die Hintert\u00fcr des Sprinters, als ein \u00e4lterer Herr in verd\u00e4chtiger Kleidung auf die gleiche Eingangst\u00fcr zuspaziert kam: Gr\u00fcner Filzhut mit Gamsbart, gr\u00fcner Lodenmantel, Bundhosen, gr\u00fcne Wollstr\u00fcmpfe, wanderfestes Schuhwerk, rustikaler Wanderstock. Ja, es fehlte nur noch die Flinte an der Schulter. Nach einem kurzen Blick auf mein amtliches Kennzeichen &#8211; es beginnt mit &#8220;WW&#8221; &#8211; grinste er mich vergn\u00fcgt an und sagte (w\u00f6rtlich):<br \/>\n<em>&#8220;Ah, Sie kommen aus &#8217;em Westerwald &#8211; da wer&#8217;n die Frau&#8217;n geknallt!&#8221;<\/em><br \/>\nIch war erstmal zwei oder drei Sekunden sprachlos wegen dieser unerwarteten Obsz\u00f6nit\u00e4t und entgegenete dann &#8220;Nee, da pfeift mir der Wind zu kalt&#8230;&#8221;, holte mir meine Unterschrift von der Sprechstundenhilfe, und sah zu, dass ich wegkam.<\/p>\n<p>Auch Stranski wollte mal Urlaub, und so kam es, dass uns, den verbliebenen &#8220;Trierern&#8221;, ein alter Bekannter \u00fcber den Weg lief: Der Kurde. Richtig, das ist der Typ, der damals versucht hatte, in Komplizenschaft mit drei anderen Mitarbeitern, massenweise Elektronikware zu stehlen. \u00dcberf\u00fchrt hatte er alles zur\u00fcckgegeben und kam mit irgendeinem nie durchgesickerten Deal ungeschoren (wenn auch fristlos entlassen mit Hausverbot im Trierer Depot) davon. Er fuhr dann zwei Tage Bitburg, weil er Peter diese Bitte scheinbar nicht abschlagen konnte. Dabei sei er hundem\u00fcde, erz\u00e4hlte er, da er eigentlich Sp\u00e4tschicht in einer Schlosserei arbeite und nach vier Stunden Schlaf nach Koblenz komme, um bis zum Nachmittag Pakete in Bitburg zu verteilen. Wohl auf Grund dieser Belastung kam es dann dazu, dass der Kurde nach zwei Tagen erl\u00f6st und durch mich ersetzt wurde.<\/p>\n<p>Durch mich? Moment mal! Warum zum Teufel ich? Vor laaanger Zeit (<em>&#8220;vor dausendundeinem Jahr&#8221;<\/em>, um es mal mit der Rhetorik eines Oberst Gerhardus auszudr\u00fccken) war ich mal mit Kelvin die Tour gefahren, im Sp\u00e4tsommer 2011, ich hatte sie also schon mal GESEHEN, mehr aber auch nicht. Es lief also wieder so, wie es immer gelaufen war: Ich erhielt morgens ohne Vorwarnung den Auftrag, eine mir unbekannte Tour zu fahren und bekam eine, na ja, halbwegs brauchbare Stoppsetzung, an der ich mich orientieren sollte. Nat\u00fcrlich wurden die ersten drei Tage zur reinen Katastrophe, weil nichts klappte und ich musste mir bei (damals noch) Toom einen Tadel vom ber\u00fcchtigten Herrn N\u00f6rgel anh\u00f6ren, weil er seine Tchibo-Pakete nicht am Mittwoch, sondern erst am Donnerstag erhielt &#8211; niemand hatte mir gesagt, dass die bereits um 1300 zumachen. <\/p>\n<p>Herr N\u00f6rgel stellte in jener Woche auch weiterhin klar, warum er einen Ruf als altes Ekel hatte: Ein offenbar neuer LKW-Fahrer fuhr an die Rampe und weil er scheinbar davon ausging, er m\u00fcsse sich erst beim Lagermeister anmelden (ist ja vielerorts so), stellte er sich auf dieselbe, rief mangels Klingel in die offene T\u00fcr hinein und wartete auf den Lagermitarbeiter. Lagermitarbeiter N\u00f6rgel (irgendwo Mitte F\u00fcnfzig, Brille, einen Kopf kleiner als ich, hager, Schnauzbart) kam aus jener seiner T\u00fcr, fasste den Fahrer scharf ins Auge und forderte ihn unmissverst\u00e4ndlich auf, hinabzusteigen:<br \/>\n<em>&#8220;Runter von der Rampe! Sie haben hier nichts zu suchen!&#8221;<\/em><br \/>\n&#8220;Ich steh doch nur hier!&#8221;<br \/>\n<em>&#8220;Das ist egal, sie haben hier oben nichts zu suchen, also runter da!&#8221;<\/em><br \/>\n&#8220;Das ist aber unh\u00f6flich&#8230;&#8221; f\u00fcgte der Fahrer noch leise hinzu und trollte sich dann.<br \/>\nIch merkte mir also gut, die Laderampe \u00fcberhaupt nur dann anzufassen, wenn es unbedingt notwendig war. <\/p>\n<p>Es wurde im Laufe der kommenden Zeit, in der es mich wieder (und gleich f\u00fcr mehrere Monate) nach Bitburg verschlagen sollte, aber auch klar, dass Herr N\u00f6rgel seine Ungunst verteilte, je nachdem, wie sympathisch ihm der entsprechende Lieferant war. Ich habe die Gewohnheit, gerade grantige Kunden mit ausgesuchter H\u00f6flichkeit zu behandeln und bekam den Herrn N\u00f6rgel nach wochenlanger Bearbeitung dahin, dass er tats\u00e4chlich meinen Abschiedsgru\u00df erwiderte (ich w\u00fcnsche jedem Kunden einen sch\u00f6nen Tag &#8211; soviel Zeit muss sein). Auf die Idee, wie der UPS-Mann nach dem Ausladen tats\u00e4chlich (ungestraft!) auf die Rampe zu h\u00fcpfen, um die Unterschrift zu bekommen, kam ich allerdings nie. Und ich m\u00f6chte zu guter Letzt noch hinzuf\u00fcgen: Der Umgangston des Herrn N\u00f6rgel mag hin und wieder ruppig erscheinen, aber prinzipiell macht er seinen Job richtig, denn er macht nicht lang rum und unterschreibt sofort, und er achtet darauf, dass Lieferanten in der Reihenfolge entladen, wie sie an seiner Rampe ankommen &#8211; keine Chance f\u00fcr Vordr\u00e4ngler.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 2013 machte Peter sein Versprechen wahr und buchte mir einen Platz bei der ADR-Fortbildung. Das Akronym &#8220;ADR&#8221; steht f\u00fcr <em>&#8220;Accord Europ\u00e9en relatif au transport international des marchandises dangereuses par route&#8221;<\/em>, offiziell \u00fcbersetzt als <em>&#8220;Europ\u00e4isches \u00dcbereinkommen \u00fcber die internationale Bef\u00f6rderung gef\u00e4hrlicher G\u00fcter auf der Stra\u00dfe&#8221;<\/em>. Ich sollte den Basiskurs und im Anschluss das Seminar \u00fcber den Transport von nuklearem Gefahrgut besuchen, mit abschlie\u00dfender Pr\u00fcfung, Kostenpunkt: 600 E.<br \/>\nLaut Kursplan waren mindestens 18 Einheiten Theorie zu je 45 Minuten vorgesehen, zuz\u00fcglich einer Unterrichtseinheit Praxis. Der Unterricht fand in der Transoflex DG K\u00f6ln statt, jeweils samstags, von 0800 bis in den Nachmittag, inlusive einer Stunde Mittagspause, wenn ich mich nicht irre. Aber es ist schon lange her, und, wie ich bereits erw\u00e4hnte, sind meine Notizen zur ersten Jahresh\u00e4lfte 2013 verloren gegangen. Es erscheint mir jedenfalls nachvollziehbar, dass wir dreieinhalbe Tage Grundkurs und zwei Tage Aufbaukurs machten, genau wei\u00df ich es leider nicht mehr. <\/p>\n<p>Der halbe Tag jedenfalls bestand gleich aus einem Freitag, ich w\u00fcrde also nach der Tour sofort nach K\u00f6ln fahren m\u00fcssen. Zu jener Zeit war ich in Trier unterwegs, hatte gewisserma\u00dfen Gl\u00fcck &#8211; ich hielt schnell am Weidengraben an, a\u00df etwas und machte das Auto \u00fcbernachtungsf\u00e4hig, weil Peter vergessen oder nicht vorgesehen hatte, mich in einem Hotel oder so unterzubringen. Die Planungen hierzu stotterten jedenfalls bereits im Vorfeld und ich teilte ihm schlie\u00dflich mit, dass ich mich selber um die Angelegenheit k\u00fcmmern w\u00fcrde. Ich nahm die G\u00e4stematratze, Bettzeug und den Reiskocher (zusammen mit Reis, Furikake und Mayonaise) und fuhr nach K\u00f6ln.<br \/>\nAm K\u00f6lner Depot erkl\u00e4rte ich dem Wachmann meine Situation: Ich w\u00fcrde heute abend nicht mehr nach Trier fahren, nur um morgen in aller Fr\u00fche wieder herzukommen &#8211; ob es denn m\u00f6glich w\u00e4re, auf dem gesicherten Firmengel\u00e4nde unterzukommen. Der Wachmann teilte mir in (nach meiner Erfahrung) ganz und gar un-wachmann-m\u00e4\u00dfig freundlicher Weise mit, dass dies auf Grund eindeutiger Vorschriften leider nicht m\u00f6glich sei, aber ich k\u00f6nne problemlos die Waschm\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Linienfahrer nutzen, f\u00fcr die eine Dusche vorhanden sei.<\/p>\n<p>Peter hatte angek\u00fcndigt, die Sitzung am Freitag Abend dauere nicht lange, ein bis zwei Stunden oder so, da w\u00fcrden nur der Kursplan besprochen und Formalia erledigt. Aber damit war&#8217;s nichts. Nach der Besprechung und den Formalit\u00e4ten stiegen wir gleich ab etwa 19 Uhr bis 22 Uhr in den Unterrichtsstoff ein, quasi volle Pulle. Ich hatte mit einer Freundin aus Trierer Studentenzeiten ausgemacht, uns am Abend kurz zu treffen, aber das konnte ich vergessen. Wir erhielten ein Lehrbuch, neueste Ausgabe, weil wir der erste Kurs waren, der nach der neuesten Fassung der Gesetzesvorlage ausgebildet wurde. In Folge dessen bekamen wir nach erfolgreicher Pr\u00fcfung auch keine &#8220;ADR-Scheine&#8221; mehr, sondern eine Karte im Kreditkartenformat, inklusive eines biometrischen Lichtbildes (wobei ich feststellte, dass gar keine nicht-biometrischen Bilder f\u00fcr solche Zwecke mehr angeboten wurden). Das Gesicht wird f\u00fcr diese Bilder exakt frontal fotografiert und beide Ohren m\u00fcssen zumindest theoretisch sichtbar sein. Auf keinen Fall d\u00fcrfe das Kopfhaar ins Gesicht h\u00e4ngen, so wie bei einem Koblenzer Fahrer vor zwei Jahren. Seiner Beschreibung entnahm ich, dass es sich m\u00f6glicherweise um den Michael-Jackson-Verschnitt handelte, dessen Auftritt bei der Weihnachtsfeier 2011 ich ja verpasst hatte. <\/p>\n<p>Der Kurs sah \u00fcbrigens f\u00fcr Fr\u00fchst\u00fccks- und Mittagspausen etwas Verpflegung vor, belegte Br\u00f6tchen und Getr\u00e4nke, da es in der Umgebung des Depots scheinbar keine Verpflegungsm\u00f6glichkeiten gibt. Wir wurden genau dar\u00fcber belehrt, wieviele Br\u00f6tchen und Flaschen uns zustanden, aber letztlich war es \u00fcberfl\u00fcssig, weil nicht jeder von den Br\u00f6tchen a\u00df, von daher waren f\u00fcr die anderen Teilnehmer mehr als genug da und niemand hatte Grund, sich zu beschweren, er sei zu kurz gekommen.<br \/>\nEin bisschen Lachen musste ich nur wegen eines gleichzeitig im Geb\u00e4ude stattfindenden Managerseminars, denn deren Catering machte einen viel appetitlicheren Eindruck als unseres. Wir bekamen gute, einfache Br\u00f6tchen mit K\u00e4se, Wurst oder Hackepeter (also gew\u00fcrztes Hackfleisch, f\u00fcr dessen Verfeinerung noch Zwiebeln gereicht wurden):<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/01-ADR-Br\u00f6tchen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/01-ADR-Br\u00f6tchen-800x600.jpg\" alt=\"01 ADR Br\u00f6tchen\" width=\"800\" height=\"600\" class=\"aligncenter size-large wp-image-2814\" srcset=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/01-ADR-Br\u00f6tchen-800x600.jpg 800w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/01-ADR-Br\u00f6tchen-300x225.jpg 300w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/01-ADR-Br\u00f6tchen.jpg 912w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Bei den Managern machten die Br\u00f6tchen und Schnittchen zumindest optisch einiges mehr her:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/02-ADR-Managerbr\u00f6tchen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/02-ADR-Managerbr\u00f6tchen-800x600.jpg\" alt=\"02 ADR Managerbr\u00f6tchen\" width=\"800\" height=\"600\" class=\"aligncenter size-large wp-image-2815\" srcset=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/02-ADR-Managerbr\u00f6tchen-800x600.jpg 800w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/02-ADR-Managerbr\u00f6tchen-300x225.jpg 300w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/02-ADR-Managerbr\u00f6tchen.jpg 912w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nach dem Unterricht ging ich Duschen, brauchte aber mangels Appetit den Reiskocher noch nicht, ich hatte in Trier gegessen. Auf der Ladefl\u00e4che richtete ich das G\u00e4stebett her und ordnete ein paar verbliebene Pakete zu einer Ablage f\u00fcr meine Habseligkeiten. Dabei stellte ich fest, dass meine Telefonbatterie beinahe leer war &#8211; nicht weiter schlimm, wenn das Handy nicht auch mein Wecker w\u00e4re. Mit dem verbliebenen Ladestand w\u00fcrde das Ger\u00e4t den n\u00e4chsten Morgen nicht mehr erleben. Allerdings war es scheinbar so, dass der Wecker auch funktionierte, wenn ich das Telefon abschaltete, damit die Batteriespannung nicht weiter abnahm, aber ich war mir nicht sicher. Ich hatte jedoch keine Wahl, als es zu testen. <\/p>\n<p>Der Wecker funktionierte in der Tat, erwies sich aber als \u00fcberfl\u00fcssig. Um sieben Uhr begann der Arbeitstag eines Wertstoffrecyclingunternehmens quasi neben meinem Bett und tonnenweise Altmetall wurden ger\u00e4uschvoll auf dem Gel\u00e4nde abgeladen. Ich war auf einen Schlag hellwach, fuhr hoch &#8211; und die Alarmanlage des Sprinters ging los, weil ich die Schlie\u00dfanlage eingeschaltet hatte, um mich sicherer zu f\u00fchlen. Ich sprang also zum Lichtschalter hoch, es war saukalt im Laderaum, krallte mir hastig den Schl\u00fcssel und schaltete die Hupe ab. Ich habe in den kommenden Wochen darauf verzichtet, mich im Auto einzuschlie\u00dfen, aber ich blieb dabei, freitags nach der Tour nach K\u00f6ln zu fahren, da es mir angenehmer schien, als samstags in aller Fr\u00fche fahren zu m\u00fcssen. Es herrschten drau\u00dfen aber halt Minustemperaturen, und ich sp\u00fcrte das nachts durch die Decke, da sonst um mich herum nur das Blech des Autos war.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/03-ADR-Unterbringung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/03-ADR-Unterbringung-450x600.jpg\" alt=\"03 ADR Unterbringung\" width=\"450\" height=\"600\" class=\"aligncenter size-large wp-image-2816\" srcset=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/03-ADR-Unterbringung-450x600.jpg 450w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/03-ADR-Unterbringung-225x300.jpg 225w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/03-ADR-Unterbringung.jpg 684w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Kursleiter, Herr Bach (Name nat\u00fcrlich ge\u00e4ndert), zeigte sich weniger pedantisch, als man ihn mir beschrieben hatte. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an meine Schilderung der Begebenheit, als der Kurde auf genau diesen Lehrgang geschickt worden war und meine Freundin mehr oder minder scherzhaft mutma\u00dft hatte, das sei vielleicht Peters Wahl der Mittel, um ihn loszuwerden, da der Kurde fast grunds\u00e4tzlich zu sp\u00e4t kam und bestimmt aus dem Kurs fliegen w\u00fcrde. Der Kursleiter war in der Tat streng, aber auch flexibel. Einer der Teilnehmer kam zweimal zu sp\u00e4t und erntete Missfallen, wohl am meisten wegen seiner fadenscheinigen Erkl\u00e4rungen, aber er schien nicht in Gefahr, gesperrt zu werden. Er zog es scheinbar selbst vor, zur dritten Sitzung nicht mehr zu kommen.<\/p>\n<p>Herr Bach war ein F\u00fcllhorn interessanter Anekdoten. Er hatte wohl selbst als LKW-Fahrer angefangen und hatte sich mittels Fortbildungen in seine aktuelle Position hochgearbeitet, als Hauptverantwortlicher f\u00fcr Gefahrg\u00fcter bei Transoflex. W\u00fcrde irgendeiner von uns beim Gefahrguttransport einmal Mist bauen, w\u00fcrde er es binnen f\u00fcnf Minuten erfahren.<br \/>\nSo erz\u00e4hlte er zum Beispiel, dass er mit einem Lastzug mit fl\u00fcssigem Aluminium an einer eisglatten Steigung (er nannte auch die konkrete Stelle einer bestimmten Autobahn) ein R\u00fcckw\u00e4rtsrutschen nur hatte verhindern k\u00f6nnen, indem er bei Vollgas die R\u00e4der drehen lie\u00df, und gl\u00fccklicherweise war die Fahrbahn so ausgewalzt, dass ihn die Spurrillen zur Seite hin festhielten.<br \/>\nAu\u00dferdem war er Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und hatte bei einem Rettungseinsatz wegen einer Massenkarambolage auf einer Autobahn erleben m\u00fcssen, wie die Gegenfahrbahn von haltenden Schaulustigen blockiert wurde und einer der Neugierigen ihn w\u00e4hrend der Erstversorgung eines Verletzten von hinten wegzuschieben versuchte, um ein Foto machen zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Mein Vater hat selbst einmal mit dem LKW in einem solchen Stau irgendwo zwischen Saar und Odenwald gestanden und war irgendwann nach vorn gegangen, um zu sehen, warum der Verkehr stillstand, obwohl der Verkehrsfunk wissen lie\u00df, dass sich der Unfall in der Gegenrichtung ereignet hatte. Auch in diesem Fall standen da Schaulustige, die mitten auf der Autobahn angehalten hatten. Er krallte sich einen davon und fragte ihn, was er glaube, hier zu tun? <em>&#8220;Och&#8230; mal gucken&#8230;&#8221;<\/em> sagte er Angesprochene ziemlich unverbindlich, worauf meinem Vater der Kamm schwoll, also sagte er zu ihm, er werde jetzt die 200 m zu seinem LKW gehen und den Axtstiel hinterm Sitz hervorkramen, und wenn er dann hier zur\u00fcckkomme und die Fahrspur nicht frei sei, werde er sein Auto kurz und klein schlagen. Der Verkehr kam binnen einer Minute wieder ins Rollen.<br \/>\nEinen solchen Extremfall habe ich selbst noch nicht erlebt, aber es passiert bei Blaulicht auf der Fahrbahn gegen\u00fcber immer wieder einmal, dass es zu einer Verlangsamung des Verkehrsflusses kommt, weil die Neugierigen zwar nicht stehen bleiben, aber das Tempo zur\u00fccknehmen, um wenigstens einen Blick auf das Geschehen werfen zu k\u00f6nnen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich muss noch eine Saarburger Geschichte hinzuf\u00fcgen. Da war ich in Irsch bei einem Arzt angekommen, kramte sein Paket hervor und schloss gerade die Hintert\u00fcr des Sprinters, als ein \u00e4lterer Herr in verd\u00e4chtiger Kleidung auf die gleiche Eingangst\u00fcr zuspaziert kam: Gr\u00fcner Filzhut mit Gamsbart, gr\u00fcner Lodenmantel, Bundhosen, gr\u00fcne Wollstr\u00fcmpfe, wanderfestes Schuhwerk, rustikaler Wanderstock. 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