{"id":2751,"date":"2014-06-30T09:47:07","date_gmt":"2014-06-30T07:47:07","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=2751"},"modified":"2017-10-22T12:10:42","modified_gmt":"2017-10-22T10:10:42","slug":"die-fracht-am-rhein-teil-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=2751","title":{"rendered":"Die Fracht am Rhein (Teil 4)"},"content":{"rendered":"<p>Weiterer Exkurs \u00fcber nennenswerte Pers\u00f6nlichkeiten an meinem Arbeitsplatz:<\/p>\n<p><strong>Big<\/strong> &#8211; der hat einen hundsgew\u00f6hnlichen deutschen Familiennamen, und den hat er, weil er als Dreizehnj\u00e4hriger aus Thailand heraus nach Deutschland adoptiert wurde, von einem Ehepaar, bei dem die Frau thail\u00e4ndischer Herkunft ist, und abgelegt hat er die thail\u00e4ndische Staatsangeh\u00f6rigkeit auch nicht. Er wird allgemein Big genannt, weil sein Vorname f\u00fcr deutsche Ohren doch sehr exotisch ist und weil er als Kind einer der gr\u00f6\u00dften in seiner Grundschule war, aber der Effekt hat nicht angehalten&#8230; er d\u00fcrfte so um die einssechzig sein. <\/p>\n<p>Ich traf ihn Ende Fr\u00fchjahr 2013, als man ihn zu mir ins Auto setzte, damit er die Tour Trier West \u00fcbernehmen konnte, die ich zu dem Zeitpunkt f\u00fcr ein paar Wochen gefahren hatte. Er hatte bereits zuvor f\u00fcr das Unternehmen gearbeitet, war aber derzeit arbeitslos und JP Transporte erschien ihm wohl besser als gar nichts.<br \/>\nBig ist f\u00fcnf oder sechs Jahre j\u00fcnger als ich, also \u00fcber 30, was ihn zu der Behauptung veranlasst, er sei schon alt. Er hat Witz, Herz und Verstand; einfach zu behaupten, er w\u00fcrde mangelnde K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe durch ein freches Mundwerk ausgleichen, ist zu kurz gegriffen.<\/p>\n<p>Trier West ist eine gute Tour, ich schaffte sie bis etwa um Vier und war ganz zufrieden damit, weil ich zu dem Zeitpunkt noch in Trier wohnte. Aber es sollte nur ein Zwischenspiel sein, da es Peter und Rama darauf ankam, meine Ortskenntnis auszuweiten. Sch\u00f6n und gut &#8211; Big tauchte auf, fuhr einen Tag mit und sagte, dass er mit dem Arbeitsaufwand fertig werde. Gleich am Folgetag wies man ihn an, die Tour allein zu fahren und ich wurde auf eine andere Tour gesetzt. Big war fix &#8211; nach ein paar Tagen schaffte er die Tour bis um zwei Uhr und war zwischen Drei und halb Vier zuhause in Bendorf.<\/p>\n<p>Als kurze Zeit danach mein Umzug nach Koblenz anstand, machte er nicht viele Worte, sondern half mir bereitwillig, indem er nicht nur beim Kistenschleppen half, sondern er lieh mir auch Werkzeug und begleitete mich beim Einkaufen. Ich hatte n\u00e4mlich keine Ahnung, was ich zum Beispiel zur Installation einer K\u00fcchensp\u00fcle alles brauchte.<br \/>\nLeider fand der Einkaufsbummel durch verschiedene Koblenzer Baum\u00e4rkte nach einer durchzechten Freitag Nacht statt und mein Helfer war noch nicht ganz da &#8211; was zur Folge hatte, dass er mir die falschen Zubeh\u00f6rteile empfahl. Die Abflussrohre waren f\u00fcr einen Sp\u00fclmaschinenanschluss und die Flexleitungen waren f\u00fcr Unterdruckwasserspeicher (den Boiler unter der Sp\u00fcle) ungeeignet, ich musste das darauffolgende Wochenende also opfern, um die Teile umzutauschen. <\/p>\n<p>Im Folgemonat musste er selbst umziehen und ich meldete mich nat\u00fcrlich freiwillig. Etwa am Jahresanfang war sein Vater gestorben und er wollte seine Mutter besser unterst\u00fctzen k\u00f6nnen, au\u00dferdem wollte er Geld sparen, indem er wieder im Hotel Mama wohnte. Das Geld brauchte er f\u00fcr sein Projekt &#8220;Fernstudium&#8221;.<br \/>\nSein eigener Umzug offenbarte allerdings auch seine chaotische Natur. Denn aus dem kurzen Gespr\u00e4ch, das wir im Vorfeld f\u00fchrten, hatte ich schlussfolgert, dass wir Kartons von der aktuellen in die neue Wohnung fahren und vielleicht noch saubermachen w\u00fcrden. Weit gefehlt. In seinem Apartment war so gut wie nichts vorbereitet, zwei oder drei Kartons waren mit irgendwelchem Zeug vollgestopft, hier Sachen aus dem Bad, da Sachen aus der K\u00fcche, dort dies und das aus dem Wohnzimmer, und die Kisten waren echt &#8220;gestopft&#8221;, also einfach so gef\u00fcllt, ohne darauf zu achten, dass die Dinger auch stapelbar sein sollten. Mangels kurzfristiger Alternativen trat ich ihm die H\u00e4lfte meiner im Keller gelagerten Umzugskartons ab. Er versprach zwar, sie bald zur\u00fcckzugeben, aber von dem Gedanken verabschiedete ich mich ziemlich schnell. Der Rest seiner Wohnungseinrichtung befand sich noch an Ort und Stelle und die K\u00fcche war ein unhygienisches Pand\u00e4monium junggeselliger Ignoranz. <\/p>\n<p>Wir ackerten den ganzen Nachmittag bis in den Abend, und der einzige weitere Helfer war ein etwa zw\u00f6lfj\u00e4hriger Junge aus der Nachbarschaft. Wir packten den Sprinter voll und fuhren die paar Kilometer zum Haus seiner Mutter, wo wir die Kisten je nach Bedarf in sein Zimmer und gr\u00f6\u00dftenteils in den Keller stellten.<br \/>\nIch war beim Anblick des Wohnhauses doch erschreckt, denn ich hatte irgendwie eine Bleibe erwartet, wie man sie sich zum Beispiel als Facharbeiter oder angestellter Handwerker leisten kann, ich wei\u00df nicht mehr, wie ich darauf kam. Stattdessen fand ich einen ziemlich heruntergekommenen Altbau vor. Das Haus ist nach meiner Sch\u00e4tzung mindestens 150 Jahre alt und braucht dringend eine Renovierung. W\u00e4rmed\u00e4mmung ist nicht existent, der Dachstuhl macht einen bedenklichen Eindruck und in dem Zimmer, in das Big einzog, bedeckte Schimmel die Au\u00dfenwand. Allein schon das enge Zimmer, das wohl als Kombination von K\u00fcche, Ess- und Wohnzimmer dient, machte eine deutliche Aussage: Hier wohnen arme Leute.<br \/>\nWir sa\u00dfen an dem Abend noch kurz zusammen und unterhielten uns \u00fcber dies und das, auch dar\u00fcber, wie schlecht geplant sein Umzug war, und er sagte zu mir:<br \/>\n<em>&#8220;Ich versteh das nicht: Ich kenn soviele Leute, und von denen ist keiner hier. Dich kenn ich erst seit ein paar Wochen und Du hilfst mir beim Umzug.&#8221;<\/em><br \/>\n&#8220;Du hast mir ja auch sofort geholfen,&#8221; antwortete ich, &#8220;und ich bin so einer, der das einfach so macht&#8230; ich kann ja auch nicht erwarten, dass man mir mal hilft, wenn ich es nicht vormache.&#8221;<br \/>\nWir schlussfolgern: Party- und Facebookkontakte sind nicht das Wahre, wenn es um die m\u00fchsameren Aspekte des Lebens geht. <\/p>\n<p>Am Tag darauf half sogar meine Liebste noch beim R\u00e4umen und Wischen, aber letztendlich musste Big beim Vermieter um eine Verl\u00e4ngerung des \u00dcbergabetermins bitten.<\/p>\n<p>Das Gl\u00fcck der schnellen Trierer Tour hielt nicht lange. Im Laufe des Jahres kam es zu einer strategischen Umstellung der Touren und Peter gab ein paar seiner Touren an JP Transporte zur\u00fcck. Ich wei\u00df bis heute nicht, was ihn geritten hat, aber ein Teil der Umstellung bestand darin, dass er Big an die abgetretene Morbacher Tour abgab und daf\u00fcr einen alterfahrenen Fahrer vom Tourenf\u00fcrsten erhielt &#8211; einen Typen \u00fcber F\u00fcnfzig mit gro\u00dfer Klappe und wenig Substanz, der immerhin ab und zu mal ganz witzig sein konnte. Ich nenne ihn <strong>Babylon Ben<\/strong>. Warum schweife ich so ab? Nun, Babylon Ben hatte bekannterma\u00dfen Probleme mit dem R\u00fccken und bereits Schrauben in der Wirbels\u00e4ule, und bekannt als &#8220;fauler Hund&#8221; war er auch. Wie also Peter einen jungen, motivierten Fahrer gegen einen alten, weitgehend verbrauchten eintauschen konnte, entzieht sich mir v\u00f6llig.<br \/>\nBig war wohl auf Morbach gesetzt worden, weil er einen guten Ruf als schneller Fahrer hat und die Morbacher Tour ist (oder war zu jener Zeit) riesig. Bigs Arbeitszeit verl\u00e4ngerte sich auf einen Schlag um drei Stunden (pro Tag, versteht sich), und daran \u00e4nderte sich auch nichts, aller seiner Erfahrung und Fixheit zum Trotz. Nicht nur, dass die Arbeitszeiten ungesetzlich und unmenschlich waren &#8211; die Einsicht, dass die Dauer der t\u00e4glichen Tour entgegen der Meinung des Managements nicht am Fahrer, sondern an den Beschaffenheiten der Tour und den wachsenden Frachtzahlen lag, dass also dringend geboten war, dauerhaft eine Entlastungstour einzusetzen, setzte sich erst nach Monaten und damit viel zu sp\u00e4t durch. <\/p>\n<p>Big wollte sein Fernstudium durchziehen und stellte fest, dass er keine Zeit mehr daf\u00fcr hatte. Um Vier nach Hause zu kommen ging ja noch, aber um Sieben? Wie sollte er da noch irgendwas lernen? Er versuchte es dennoch und ging sp\u00e4ter schlafen, er schlief oft nur vier Stunden pro Nacht und kam immer h\u00e4ufiger zu sp\u00e4t, von einer Erosion seiner sonst unverw\u00fcstlich guten Laune ganz zu schweigen.<br \/>\nEr fasste den festen Vorsatz, zu k\u00fcndigen, wollte aber erst eine andere Stelle haben. Eine Leiharbeitsfirma machte ihm da Hoffnungen, er z\u00e4hlte schon die verbliebenen Tage herunter, und er versprach sogar mir, mich aus dem Laden herauszuholen. Allerdings erf\u00fcllte sich diese Hoffnung nicht, die Leiharbeitsfirma meldete sich nicht bis zum vereinbarten Zeitpunkt, also hatte man wohl einen geeigneteren Bewerber gefunden. Das Trauerspiel zog sich in Folge also noch \u00fcber Wochen hin und Big f\u00fchrte heimlich Verhandlungen mit der Firma der Koblenzer Fahrer &#8211; das klappte dann irgendwann Ende Winter und Big wechselte auf die andere Seite des Paketbands, wo seine Tour bedeutend n\u00e4her an seinem Wohnort lag und beherrschbarer war als Morbach.<br \/>\n<em>&#8220;Herzlichen Gl\u00fcckwunsch,&#8221;<\/em> sagte ich zu Peter, <em>&#8220;Big ist ein guter Fahrer und Ihr habt ihn verheizt.&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Was h\u00e4tt&#8217; ich denn machen sollen???&#8221;<\/em> fragte er zur\u00fcck.<br \/>\nDie Antwort war symptomatisch daf\u00fcr, wie es in der Firma lief.<\/p>\n<p><strong>Milli<\/strong> ist ja bereits bekannt aus den Geschichten vom Anfang, aus Trier. Sie war mit nach Koblenz gegangen, aber ich wei\u00df nicht, ob sie ernsthaft langfristig bleiben wollte oder ob sie nur vermeiden wollte, die Zeit bis zu einem geeigneteren Job arbeitslos verbringen zu m\u00fcssen.<br \/>\nDie alten Trierer Fahrer wandten sich zuerst an sie, wenn sie Fragen oder andere Anliegen hatten, nicht allein, weil wir sie kannten, sondern auch, weil die Umgangsformen in der Koblenzer Ablaufkontrolle (AK) andere waren als in Trier. Es k\u00f6nnte durchaus sein, dass es nicht zuletzt diese Umgangsformen waren, die Milli binnen weniger Wochen davon \u00fcberzeugten, dass sie hier nicht bleiben wollte (sofern sie, was ja ebenfalls sein k\u00f6nnte, nicht sowieso nur einen begrenzten Zeitraum zu bleiben gedachte). Nach drei Monaten verabschiedete sie sich und ward nie mehr gesehen. <\/p>\n<p>Wie ist das denn nun mit den Koblenzer Umgangsformen? Mancher Leser wird sich daran erinnern, dass die AK in Trier sehr jung war: Von Lilly, Milli, Laubschi, Octavia und Antonius war niemand \u00e4lter als 23. Der gegenseitige Umgang war kameradschaftlich bis freundschaftlich, man nannte sich ganz selbstverst\u00e4ndlich beim Vornamen, und ich zumindest hatte immer das Gef\u00fchl, mich unter Gleichen zu bewegen. In Koblenz war das so radikal anders, dass die Umstellung von einem Tag auf den anderen wie ein Schock wirkte.<br \/>\nAbgesehen von Milli bestand die Koblenzer AK aus drei weiteren Damen: Frau Nachtw\u00e4chter, Frau Bock und Frau Kanter. Letztere war wohl etwa Mitte 20, die anderen beiden d\u00fcrften zu dem Zeitpunkt knapp unter, bzw. Mitte 50 gewesen sein, und es waren die beiden \u00e4lteren Damen, die einen sp\u00fcren lie\u00dfen, dass nicht der Geist, sondern allein das System z\u00e4hlte (um es mal mit Remarque zu halten): Die Beantwortung einfachster Ja\/Nein Fragen (z.B. <em>&#8220;Ist das Paket, das ich noch suchen muss, Neuware oder Altware?&#8221;<\/em>) wurde einem in herrischem Tonfall verweigert, wenn die beiden gerade mit egal was besch\u00e4ftigt waren. <\/p>\n<p>Ich machte es mir schon bald zur Gewohnheit, die \u00e4lteren zu ignorieren und wandte mich wann immer es m\u00f6glich war, an Frau Kanter, die weniger launisch und einer h\u00f6flichen Anfrage gegen\u00fcber bedeutend offener war. Die geradezu unbeherrscht zu nennende Tonart von Frau Bock war fast sprichw\u00f6rtlich (sofern sie nicht ausnahmsweise einen guten Tag hatte) und machte auch vor telefonischen Kundenanfragen nicht Halt. Ich war selbst dabei, als sie einen Anrufer unwirsch aufforderte: <em>&#8220;Jetzt schalten Sie mal die Sprechanlage ab und nehmen bitte den H\u00f6rer in die Hand! Ich verstehe Sie nicht, hier ist Betrieb!&#8221;<\/em><br \/>\nJa, die Umst\u00e4nde sprachen f\u00fcr sie, denn zur Zeit der Fahrerabfertigung ist es da vorn nicht gerade leise und eine Sprechanlage fordert dem Nutzer wegen der Entfernung zum Mikrofon durchaus mehr Lautst\u00e4rke ab &#8211; aber man kann sich doch wohl auch h\u00f6flich ausdr\u00fccken!? Felix stand neben mir und h\u00f6rte der Konversation fassungslos mit offenem Mund zu, und ich selbst konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen, eingedenk der Tatsache, dass wir Fahrer sowohl in unseren schriftlichen Anweisungen als auch mittels eines kleinen Bildschirms vor der AK st\u00e4ndig darauf hingewiesen werden, dass wir dem Kunden &#8220;h\u00f6flich, zuvorkommend und kompetent&#8221; gegen\u00fcberzutreten haben. F\u00fcr die B\u00fcroarbeiter gilt das scheinbar nicht.<\/p>\n<p>In Koblenz hatte ich nie auch nur den Anflug des Gef\u00fchls, ich bewege mich unter Gleichen. Die AK waren die da oben, und die Fahrer, das waren wir da unten. Daran wurde nie ein Zweifel gelassen. Ich kam daher nie auf die Idee, dort irgendjemanden mit Vornamen anzusprechen oder im Gegenzug etwas solches f\u00fcr meine Person zuzulassen. Ich sprach mit Frau Kanter dar\u00fcber, weil sie mich mal beim Vornamen und mal beim Nachnamen ansprach, und bot an, sie k\u00f6nne mich ruhig beim Vornamen nennen, aber sie wechselte weiter unschl\u00fcssig hin und her, also schienen mir weitere Kl\u00e4rungsversuche Zeitverschwendung zu sein.<br \/>\nGenausowenig w\u00e4re ich je auf die Idee gekommen, anders als in Trier, mal Snacks mitzubringen. In Trier hatte ich zweimal o-Nigiri mitgebracht (Reisb\u00e4llchen mit Thunfisch-Mayo-F\u00fcllung), einmal zu meinem Geburtstag und einmal zu meinem einj\u00e4hrigen Jubil\u00e4um. H\u00e4tte mich in Koblenz jemand darauf angesprochen, h\u00e4tte ich ihm einen Vogel gezeigt.<br \/>\nJetzt k\u00f6nnte man einwerfen, dass man ja unter den Fahrern, wo mehr Kameradschaft herrschte, solche Sitten h\u00e4tte fortf\u00fchren k\u00f6nnen, aber man kann meinen bisherigen Beschreibungen ja entnehmen, dass die Arbeitsbelastung das gar nicht mehr zulie\u00df, es gab ja nur noch Arbeiten und Schlafen. Damit h\u00e4ngt zusammen, dass ich nicht zu allen Kollegen Zugang fand. In Trier kamen die meisten eine halbe Stunde vor Bandstart zur Arbeit. Man hatte also Zeit f\u00fcr einen kurzen Plausch, konnte sich gegenseitig abklopfen und ein bisschen kennen (und sch\u00e4tzen) lernen. In Koblenz war Bandstart ja bereits um 0500, also 30 min fr\u00fcher als in Trier, und da kam niemand (au\u00dfer mir und zwei oder drei anderen, die in der Umgebung wohnten) freiwillig noch eine halbe Stunde fr\u00fcher. Die meisten Fahrer trafen um etwa F\u00fcnf ein, dann begann das Laden &#8211; wann h\u00e4tte man sich da kennen lernen sollen? Die einzige freie Zeit, die blieb, waren die paar Minuten, die man wartend vor dem VL verbrachte, bis man seine abgeholten Pakete reinbringen konnte, das war&#8217;s. Bis ich in Koblenz Leute so gut kannte, dass ich wusste, ob ich mich mit ihnen verstand, verging ein knappes Jahr. Ich h\u00e4tte beim Verteilen von Snacks also sehr selektiv sein m\u00fcssen, und das wollte ich nicht. Entweder f\u00fcr alle oder f\u00fcr keinen. Die allm\u00e4hliche Zerschlagung meiner Motivation, durch die Vielzahl der bis dato genannten Umst\u00e4nde, sorgte daf\u00fcr, dass ich mich f\u00fcr letzteres entschied. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weiterer Exkurs \u00fcber nennenswerte Pers\u00f6nlichkeiten an meinem Arbeitsplatz: Big &#8211; der hat einen hundsgew\u00f6hnlichen deutschen Familiennamen, und den hat er, weil er als Dreizehnj\u00e4hriger aus Thailand heraus nach Deutschland adoptiert wurde, von einem Ehepaar, bei dem die Frau thail\u00e4ndischer Herkunft ist, und abgelegt hat er die thail\u00e4ndische Staatsangeh\u00f6rigkeit auch nicht. 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