{"id":2563,"date":"2013-08-18T11:57:36","date_gmt":"2013-08-18T09:57:36","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=2563"},"modified":"2013-08-18T11:57:36","modified_gmt":"2013-08-18T09:57:36","slug":"nebensaechlichkeiten-2012-teil-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=2563","title":{"rendered":"Nebens\u00e4chlichkeiten 2012 (Teil 3)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Spielversuche<\/strong><br \/>\nIn der Jahresmitte 2012 hatte ich es geschafft, eine neue Shadowrungruppe (SRII) ins Leben zu rufen, bestehend aus Puck, dem Kleinen und Big M. Als Handlungsort wurde das anarchistische Berlin des Jahres 2052 gew\u00e4hlt. Ich hatte ein paar interessante Regelquellen gesammelt und wollte das Beste daraus machen. <\/p>\n<p>Zum einen das SRII Regelwerk, das Melanies Vater in sehr gutem Zustand vor Jahren zuf\u00e4llig auf dem Flohmarkt gekauft hatte; dass er es (mitsamt einer Kiste weiterer unterschiedlicher B\u00fccher) nach Trier brachte, hatte eigentlich den Zweck, das alles per EBay zu verkaufen &#8211; B\u00fccher erzielen dort keinen Verkaufspreis, der die Zeitinvestition lohnend erscheinen l\u00e4sst, aber in der Not frisst der Teufel Fliegen. Ich fischte das Buch aus der Kiste und konnte mein Gl\u00fcck kaum fassen, ich baute eine erste Gruppe auf, die aber nicht lange Bestand hatte. Immerhin war das Ergebnis, dass mir einer der damaligen Spieler das Magieregelwerk &#8220;Grimoire&#8221; schenkte und ich mir &#8220;Deutschland in den Schatten&#8221; und den &#8220;Shadowrun Companion&#8221; kaufte (beide in englischer Sprache) &#8211; die dann erst mal wieder im Regal zustaubten. <\/p>\n<p>Vor etwa einem Jahr ergab sich also eine neue Gelegenheit. Ich hatte mir f\u00fcr die Charaktergestaltung das eine oder andere \u00fcberlegt und verwurstete brauchbare Ideen aus alten Abenteuern mit neuen Ideen, die nicht f\u00fcr ein ganzes Abenteuer reichten. Teil dieser Ideen beruhten auf Nichtspielercharakteren (NSCs), die ich als Generierungsexperiment voll ausgestaltet hatte, sie sollten als roter Faden zwischen Abenteuern dienen, da viel Plastizit\u00e4t in der Spielwelt gewonnen wird, wenn die Spieler gewisse Figuren immer wieder treffen. Ich mochte dieses Konzept schon immer besser als eine Reihe von so genannten Connections, die man einfach kauft und die nur ein Posten auf der Haben-Seite, eine Notiz auf dem Datenblatt sind. <\/p>\n<p>Am interessantesten heben sich hervor der Magier Erasmus, der Schlaf- und Unsichtbarkeitszauber zu seinen Lieblingsspr\u00fcchen z\u00e4hlt, aber mit seinen schulterlangen braunen Haaren, dem schwarzen Sakko auf wei\u00dfen T-Shirt, und den schwarzen Armeehosen \u00fcber den Springerstiefeln auch ein bisschen l\u00e4cherlich aussieht.<br \/>\nZum anderen der chinesische Troll Shen Li, der nicht nur voll ausgebildeter Shaolin-M\u00f6nch ist, sondern auch noch Ki-Adept mit gesteigerten Reflexen. Ein wahres Nahkampfmonster. Er ist allerdings Pazifist und verwendet nur Nahkampfwaffen mit Bet\u00e4ubungsschaden. <\/p>\n<p>Big M kam auf einen Ork namens Harry Gosowius, der der Einfachheit halber ebenfalls Mechaniker ist. Im ersten Anlauf richtete er den Fokus der Charaktergenerierung v\u00f6llig auf Geld, da er nicht nur eine Werkstatt, sondern auch das luxuri\u00f6seste Auto auf dem Markt besitzen wollte. Im Laufe der darauf folgenden halben Stunde merkte er allerdings, dass dann f\u00fcr k\u00f6rperliche Attribute und allgemeine Fertigkeiten nicht mehr viel \u00fcbrig blieb. Einen Ork, der derma\u00dfen schwach auf der Brust war, wollte er nicht spielen. Also nochmal: Ein sehr durchschnittlicher Ork mit einer Werkstatt und einem Motorroller statt Luxusauto, dabei mit einem Wert auf &#8220;B\/R Fahrzeuge&#8221;, den man nach der Gesellenpr\u00fcfung etwa hat. Waffen seiner Wahl waren eine Uzi und ein gro\u00dfer Maulschl\u00fcssel. Aber er war zufrieden damit. Benannte die Mitarbeiter seiner kleinen Firma auch gleich nach Leuten, mit denen er im echten leben nicht so klarkam, von daher verzichte ich auf die Nennung von Namen. <\/p>\n<p>Der Kleine baute einen Troll, den man einfach &#8220;W\u00f6lkchen&#8221; rief, wegen seiner chronischen Verdauungsst\u00f6rungen&#8230; ebenfalls ein friedlicher Typ, der \u00c4rger lieber aus dem Weg ging, ohne dabei Pazifist zu sein. Sein Geld verdiente er bezeichnenderweise als freiberuflicher Lieferfahrer. Dazu besa\u00df er einen Kleinwagen, in den er nicht reinpasste, weswegen das Dach abges\u00e4gt wurde. Nachdem es ihm allerdings ein paar Mal den Sitz nassgeregnet hatte, konstruierte er mit Harrys Hilfe aus einem Zeltbausatz eine Art Verdeck, das immerhin Geschwindigkeiten von 50 km\/h aushielt, bevor es die Stangen verbog oder die ganze Sache gleich aus der Verankerung riss. <\/p>\n<p>Puck baute einen Elfen, einen bunten Vogel mit hohem Charisma, einen Studio- und Stra\u00dfenmusiker namens Eris, der von einer Solokarriere tr\u00e4umte und f\u00fcr den es nichts wichtigeres als seine Gitarre und Musik gab &#8211; Schattenlaufen war f\u00fcr ihn eine M\u00f6glichkeit, schneller an das ben\u00f6tigte Kleingeld zu kommen. Er wurde aber meist &#8220;Heinz&#8221; gerufen, denn eine seiner gew\u00e4hlten Eigenschaften war &#8220;human looking&#8221;, eine Option aus dem Sammelsurium des &#8220;Shadowrun Companion&#8221; zur farbigeren Ausgestaltung von Spielercharakteren, die ich als &#8220;menschen\u00e4hnlich&#8221; \u00fcbersetzte. Er sieht also auf den ersten Blick nicht aus wie ein Elf und Eris legte sich den Stra\u00dfennamen &#8220;Heinz&#8221; zu, um den Effekt weiter zu festigen.<\/p>\n<p>Der Auftakt: W\u00f6lkchen erhielt von einer anonymen Person den Auftrag, eine Metallkiste von der Gr\u00f6\u00dfe eines Aktenkoffers an einer bestimmten Adresse abzugeben; wie sich herausstellte, das Hauptquartier der Motorradgang &#8220;Burning Blisters&#8221;, die in dem Bereich f\u00fcr Ruhe und Ordnung sorgten. W\u00f6lkchen bekam sein Geld, die T\u00fcr schloss sich, er setzte sich wieder ins Auto, und als er den Z\u00fcndschl\u00fcssel drehte, bemerkte er im Augenwinkel eine Bewegung. Er k\u00fcmmerte sich nicht weiter darum und fuhr los. <\/p>\n<p>Tags drauf war die H\u00f6lle los im Kiez. Das Hauptquartier der Burning Blisters war \u00fcberfallen worden, es gab zwei Tote, und au\u00dfer offensichtlichen Wertsachen war scheinbar nur eine Metallkiste verschwunden &#8211; DIE Metallkiste. Der Auftraggeber war nicht davon angetan und forderte W\u00f6lkchen unmissverst\u00e4ndlich auf, sich an der Suche nach der Kiste zu beteiligen, da er nicht frei von Verdacht sei. W\u00f6lkchen schaltete seine beiden Bekannten ein und sie wandten sich gemeinsam an den Informationsh\u00e4ndler ihres Vertrauens. \u00dcber ein paar weitere Ecken kamen sie so zu dem Wissen, dass man sich auf der Stra\u00dfe erz\u00e4hlte, eine rivalisierende Gang, die &#8220;Razors&#8221;, h\u00e4tten den \u00dcberfall im Zuge einer bereits l\u00e4nger laufenden Fehde ausgef\u00fchrt. <\/p>\n<p>W\u00f6lkchen und Heinz versuchten sich an einem &#8220;Undercover-Unternehmen&#8221;, in dem sie sich zum Treffpunkt der Razors vorarbeiteten. Dabei rannten sie beinahe in ein anderes Kommandounternehmen, das mit der laufenden Handlung nichts zu tun hatte, aber ich finde es immer unterhaltsam, wenn meine Spieler glauben, dass alles, was ihre Spielfiguren erleben, in einem Zusammenhang mit der Gesamtgeschichte stehe. Ich meine, wenn man auf der Stra\u00dfe jemandem begegnet, der einen nach dem Weg fragt, dann kommt man ja auch nicht auf die Idee, dass dieses Ereignis Auswirkungen auf das sp\u00e4tere Leben hat, oder?<br \/>\nWie dem auch sei: Die beiden fanden sich irgendwann im Treffpunkt der Razors ein, einer Art Rockkneipe, und versuchten vorsichtig, an Informationen zu kommen, allerdings erfolglos. <\/p>\n<p>Harry w\u00e4hlte daraufhin den direkten Weg: Er fuhr am kommenden Abend allein an der Kneipe vor, ging hinein und fragte den ersten mit einem &#8220;Razors&#8221; Aufn\u00e4her, ob sie was mit dem \u00dcberfall zu tun h\u00e4tten. Er hatte binnen zehn Sekunden ihre ungeteilte Aufmerksamkeit, und gefragt, wer solche Sachen erz\u00e4hlte, fiel ihm nur Heinz ein. Der bem\u00fchte sich zu dem Zeitpunkt gerade um Aufnahme in eine Art Kuschelrock-Liveband mit der Bezeichnung &#8220;ShmooRiders&#8221; und probte mit denen im Keller des Bandleaders. Die Razors kamen an, verlangten Rede und Antwort und Heinz stritt erfolgreich ab, diesen Bekloppten, der sie hergef\u00fchrt hatte, \u00fcberhaupt zu kennen, versicherte ihnen glaubhaft, es handele sich um einen armen Irren, den er ab und zu am Bahnhof herumlaufen sehe, der jedem, den er zum zuh\u00f6ren brachte, alles m\u00f6gliche erz\u00e4hle, wenn er hoffen konnte, daf\u00fcr Aufmerksamkeit oder vielleicht sogar Geld geschenkt zu bekommen. Die Gang zog ab, ohne gr\u00f6\u00dfere Sch\u00e4den anzurichten, nahm nur ein paar Wertgegenst\u00e4nde aus dem Haus mit und zerlegte den rechten Vorderreifen von Harrys Auto mit Hilfe einer Pumpgun. Heinz war mindestens stinksauer und riet Harry, sich keinesfalls am Bahnhof sehen zu lassen, und am besten erst mal ein paar Tage in seiner Werkstatt zu bleiben (wo ihm der Pausenraum eh als Wohnung diente).<\/p>\n<p>Aber Harry langweilte sich, und es war auch nur genug Arbeit da, um die Kosten zu decken und seine beiden Mechaniker nicht nach Hause schicken zu m\u00fcssen. Also kam er auf den Trichter: <em>&#8220;Ich zieh meinen Helm an, damit mich keiner erkennt, fahr mit dem Roller rum und schlag Autoscheiben mit meinem Maulschl\u00fcssel ein &#8211; dann kommen die alle in meine Werkstatt, um den Schaden beheben zu lassen.&#8221;<\/em> Ah ja.<br \/>\nNun, er fuhr rum und zerschlug ein paar Scheiben, am hellichten Tag und nat\u00fcrlich in seiner eigenen Nachbarschaft, damit die Leute auch zu ihm gingen, und nicht in die Werkstatt drei Blocks weiter. Dabei wurde er zwar nicht erkannt, aber ein Passant ertappte ihn und ein weiterer h\u00e4tte ihn beinahe vom Roller gezerrt, bevor er mit Vollgas davonbrausen konnte. So kam er auf den Gedanken, dass die Sache vielleicht doch keine so gute Idee war und richtete seine Energien wieder auf den Fall, der eigentlich zu l\u00f6sen war, n\u00e4mlich, wie man die verschwundene Kiste wiederbesorgen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Nach einem Tag des Br\u00fctens hatte er einen &#8220;Plan&#8221;, der ihm so gut gefiel, dass er ihn Heinz sofort mitteilen wollte. Es war nicht schwer, herauszufinden, dass der Musiker zu diesem Zeitpunkt gerade im Bahnhof spielte. Allen Warnungen zum Trotz ging er schnurgerade dorthin und fand Heinz im entr\u00fcckten Zustand beim Spielen eines improvisierten und besonders gelungenen Riffs im Kreis von einem Dutzend interessierter Zuh\u00f6rer. Alle verbalen Versuche, ihn auf sich aufmerksam zu machen, schlugen fehl, aber Harry platzte vor Mitteilungsbed\u00fcrfnis, zog seine kleine Uzi aus der Seitentasche seiner Arbeitshose und feuerte eine Salve in die Deckenverkleidung.<br \/>\nDie Leute stoben sofort in Panik, manche schreiend, auseinander und rannten zum n\u00e4chsten Ausgang. Noch bevor Harry etwas sagen konnte und Heinz damit fertig war, ihn zu beschimpfen, begannen die Sicherheitstore sich zu schlie\u00dfen. Harry bekam Muffensausen, sprintete zum Ausgang und lie\u00df sich aus vollem Lauf unter dem Rolltor hindurchgleiten, bevor es sich zu weit schloss. <\/p>\n<p>Der Bahnhof befand sich im Besitz eines der gro\u00dfen Konzerne, die die Skyline Berlins pr\u00e4gen und dank der \u00fcblichen \u00dcberwachungsma\u00dfnahmen wurde der Schuldige schnell gefunden. Zwei Herren in Anz\u00fcgen besuchten Harry in der Werkstatt und machten ihm ein ziviles Angebot, das eine Strafzahlung beinhaltete. Harry warf die beiden raus.<br \/>\nEine Weile sp\u00e4ter fuhr die Konzernsicherheit mit drei Einsatzwagen vor, forderte ihn auf, mit erhobenen H\u00e4nden rauszukommen, aber Harry rief ihnen zu, er werde bis zum Letzten k\u00e4mpfen. Eine einsame Tr\u00e4nengasgranate durchschlug ein Fenster und eine Minute sp\u00e4ter wurde Harry eingepackt und weggefahren. <\/p>\n<p>Harry wurde zwei Tage bei Wasser und Brot in einer Zelle geparkt, bis sich sein M\u00fctchen gek\u00fchlt hatte, bevor er sich mit einem Mitarbeiter der Rechtsabteilung und einem von der Immobilienverwaltung auseinandersetzen musste. Der Konzern war m.E. gn\u00e4dig: Sein Vier-Mann-Betrieb bekam einen Verwaltungschef gestellt, der die \u00dcberweisung der Strafe, der Instandsetzungskosten der Bahnhofshalle und die Kosten f\u00fcr den Einsatz der Konzernsicherheit sicherstellen soll. <\/p>\n<p>Damit endeten die beiden Spielsitzungen, die wir hinbekamen. Die Chancen daf\u00fcr, die drei Leute zu koordinieren, um vielleicht irgendwann zumindest das angedachte Abenteuer zu beenden, sind eher schwach. Meine Pl\u00e4ne gehen derzeit in die Richtung, Aush\u00e4nge in einschl\u00e4gigen Koblenzer L\u00e4den zu machen, ob sich hier vielleicht irgendeine Gruppe findet, die mich aufnehmen w\u00fcrde, wobei mir das Spiel eigentlich fast egal ist &#8211; na ja, &#8220;Vampire&#8221; und &#8220;Werewolf&#8221; und der ganze Gothicmist m\u00fcssten nicht sein.<br \/>\nWelche Anforderungen habe ich eigentlich? Hm&#8230; ich glaube, ich w\u00fcrde nur unter g\u00fcnstigsten Bedingungen mit Jugendlichen (also j\u00fcnger als 21 oder so) spielen wollen, aber, wer wei\u00df, es soll ja auch vern\u00fcnftige Jugendliche geben. Andererseit will ich auch weder Powergamer noch Rollenspieler, die so hardcore sind, dass man am Tisch nur &#8220;in character&#8221; sprechen darf und idealerweise mit den Slangausdr\u00fccken der Spielwelt um sich schmei\u00dfen muss, um den Spielrealismus zu erh\u00f6hen. Ist doch alles Bullshit, das Spielziel besteht darin, Spa\u00df zu haben. Ich hoffe also zumindest mal, dass ich \u00fcberhaupt mal zum Testen zu Leuten komme, und sei es nur, um dr\u00fcber schreiben zu k\u00f6nnen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spielversuche In der Jahresmitte 2012 hatte ich es geschafft, eine neue Shadowrungruppe (SRII) ins Leben zu rufen, bestehend aus Puck, dem Kleinen und Big M. Als Handlungsort wurde das anarchistische Berlin des Jahres 2052 gew\u00e4hlt. Ich hatte ein paar interessante Regelquellen gesammelt und wollte das Beste daraus machen. 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