{"id":2521,"date":"2013-05-01T16:25:07","date_gmt":"2013-05-01T14:25:07","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=2521"},"modified":"2017-10-22T12:13:44","modified_gmt":"2017-10-22T10:13:44","slug":"gaytal-kamikaze-teil-17","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=2521","title":{"rendered":"Gaytal-Kamikaze (Teil 17)"},"content":{"rendered":"<p>&#8230; und im Osten, \u00e4h, ich meine nat\u00fcrlich AM HIMMEL standen dunkle Wolken. Die Bedrohung kam geografisch gewisserma\u00dfen aus dem S\u00fcden, wenn man die Transoflex Konzernzentrale Weinheim meint.<\/p>\n<p>Die Initialz\u00fcndung der Bombe, die die Schockwelle ausl\u00f6ste, die sogar Weinheim erreichte und zu uns zur\u00fcck reflektierte, bestand aus einem einzigen, aus DEM einzigen Fahrzeug der DG Trier, das f\u00fcr eine Handvoll wichtiger Kunden in Belgien eingeteilt war. Ich wei\u00df nicht, ob das Fahrzeug zur Firma des Herrn Murtaza geh\u00f6rte, die f\u00fcr die Belieferung des Luxemburger Raums zust\u00e4ndig war, Fakt ist jedoch, dass sich eines Tages die Neuigkeit verbreitete, dass eben jenes Fahrzeug gestohlen worden war. Der Fahrer hatte es bei einem Anlieferstopp entweder einfach nicht abgeschlossen oder gar den Schl\u00fcssel stecken und den Motor laufen lassen, wie manche Fahrer das aus Gr\u00fcnden der Zeitersparnis gern tun (als ob es so viel Zeit kosten w\u00fcrde, den Schl\u00fcssel abzuziehen und nachher den Motor wieder anzulassen). Das Auto war jedenfalls verschwunden. Zun\u00e4chst. Es wurde sp\u00e4ter gefunden &#8211; leer nat\u00fcrlich. Es ging die Rede, dass das zust\u00e4ndige Unternehmen (bzw. der mutma\u00dflich daf\u00fcr verantwortliche Fahrer) nicht nur die gestohlene Fracht zu ersetzen hatten, sondern dass in einem solchen Fall auch eine pauschale Vertragsstrafe an Transoflex in H\u00f6he von 100.000 Euro zu entrichten sei.<\/p>\n<p>Sofort wurden die Sicherheitsbelehrungen versch\u00e4rft und wir mussten alle eine solche Belehrung unterschreiben, nach der wir verpflichtet wurden, bei jedem Halt, bei dem wir das Auto aus den Augen lie\u00dfen, den Wagen komplett zu verschlie\u00dfen. Puck weigerte sich, diese Abmachung zu unterschreiben, da diese Verpflichtung nur von Leuten geschrieben worden sein konnte, die nicht nur keine Ahnung von Juristerei, sondern auch und sogar noch weniger Ahnung davon hatten, wie der Job eines Lieferfahrers abl\u00e4uft.<br \/>\nOkay, wenn man einen Sprinter f\u00e4hrt, ist die Sache noch einfach: Ich ziehe den Schl\u00fcssel ab, h\u00e4nge ihn an einem Band um den Hals, dr\u00fccke den Verriegelungsknopf und die Sache ist sicher. Wenn man wie Puck allerdings LKW f\u00e4hrt, wird die Angelegenheit komplizierter.<br \/>\nAnders als die Sprinter stehen die LKW an einer Rampe vor der Halle, die nicht zus\u00e4tzlich eingez\u00e4unt, also von der Stra\u00dfe aus einfach erreichbar ist. Geht der Fahrer von der Rampe weg, um zum Beipiel etwas im Disporaum oder im B\u00fcro zu kl\u00e4ren, um ein Paket zu suchen, um eine Palette zu wickeln oder um aufs Klo zu gehen, m\u00fcsste er, gem\u00e4\u00df der neuen Weisung, jedes Mal die Hebeb\u00fchne hinten hochklappen, ein Vorh\u00e4ngeschloss daran anbringen und bei seiner R\u00fcckkehr den Vorgang in umgekehrter Reihenfolge wiederholen, also mindestens ein Dutzend Mal jeden Morgen. Wenn man sich auch nur oberfl\u00e4chlich mit dieser Sorte LKW besch\u00e4ftigt hat, wei\u00df man, dass das \u00d6ffnen und Verschlie\u00dfen eine Weile dauert.<br \/>\nLeider habe ich diesen Disput nicht weiter verfolgt, aber wenn ich mich nicht irre, gab es eine Weile darauf einen zufriedenstellenden Kompromiss.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Folge der belgischen Bombe war, dass die Belgientour eingestellt wurde. Bei den Schulden, die der Frachtf\u00fchrer mittlerweile haben musste, wunderte einen das wenig. Ich glaube, das war im Oktober 2012. So weit, so schlecht.<br \/>\nAnfang November kam Stranski morgens zu mir und sagte sowas wie: <em>&#8220;Haste schon geh\u00f6rt? Sieht so aus, als ob sie zum Jahresende das Depot hier zumachen. Hat mir &#8216;n GLS-Fahrer erz\u00e4hlt.&#8221;<\/em><br \/>\nNun, ich gebe nicht viel auf solche Ger\u00fcchte, zumal dann, wenn sie von au\u00dferhalb kommen. Was zum Teufel hatte ein Fahrer von GLS damit zu tun und woher sollte der eine solche Information haben? Klang f\u00fcr mich nach einer Facebook-Ente. Das Ger\u00fccht hielt sich aber (eines sch\u00f6nen Tages fragte mich ein UPS-Fahrer, ob es wahr sei) und es wurde best\u00e4rkt, als ich Peter dazu befragte und der mir eine nur als ausweichend zu bezeichnende Nicht-Auskunft gab. Die Damen im B\u00fcro sagten ihrerseits, sie d\u00fcrften nichts dazu sagen. Aha!<br \/>\nNach zwei Wochen war die Information im Depot so gel\u00e4ufig, dass R. offiziell etwas verlauten lie\u00df. Die Konzernzentrale Weinheim pr\u00fcfe nach dem Wegfall der Belgientour die Effizienz der Luxemburger Fahrten und sollte diese Pr\u00fcfung negativ ausfallen, dann werde das Trierer Depot geschlossen, weil sich f\u00fcr ein Dutzend Fahrzeuge und deren Fracht allein der Betrieb eines Depots dieser Gr\u00f6\u00dfe nicht lohne.<\/p>\n<p>Dann kamen also wichtig aussehende Leute mit Anzug und Schlips und Schuhen, mit denen sie die Halle nach ihren eigenen Regeln eigentlich nicht betreten durften, pr\u00fcften und w\u00e4gten und diskutierten und beschlossen am Ende, das Luxemburger Gesch\u00e4ft mangels ausreichender Gewinnspanne abzusto\u00dfen. Ich musste dar\u00fcber schon irgendwie lachen, denn ich hatte gegen\u00fcber den Kollegen auf der anderen Seite der Halle im Laufe des vergangenen Jahres immer wieder Witze gemacht, dass die Firma Murtaza doch sicherlich nur eine Geldw\u00e4scherei sei, weil mit dem bisschen Fracht pro Auto bestimmt kein Gewinn zu machen sei: Die fuhren mit gerade halbvollen Sprintern und waren um 13 bis 14 Uhr zuhause, bekamen alle Auslagen ersetzt, gingen bei M\u00e4ngeln einfach sofort in die n\u00e4chste passende Werkstatt und genossen vollen Versicherungsschutz ohne jede Eigenbeteiligung.<br \/>\nAber scheinbar war das mit der Ineffizienz genau so und das eine Auto nach Belgien hatte die ganze Sache gekippt. Es war nicht der sprichw\u00f6rtliche Schmetterling in China, der mit seinem Fl\u00fcgelschlag \u00fcber eine Verkettung von Effekten auf der anderen Seite der Welt einen Orkan ausgel\u00f6st hatte, aber ein oder zwei Diebe in Belgien hatten das Leben von \u00fcber 30 Leuten kr\u00e4ftig durcheinandergebracht.<\/p>\n<p>Anfang Dezember war es amtlich. Die DG Trier machte dicht, und das zog Ereignisse und darauf fu\u00dfende Entscheidungen nach sich, die mein Leben, wenn auch weiterhin im Rahmen meines aktuellen Arbeitgebers, verkomplizieren w\u00fcrden.<br \/>\nEs gab Mitarbeitergespr\u00e4che, denn die Firma JP konnte es sich ja nicht leisten, dass alle &#8220;Trierer&#8221; absprangen, man musste denen schon etwas bieten, damit sie blieben, oder besser: man musste ihnen was versprechen. Doch schon die Organisation der daf\u00fcr angesetzten Gespr\u00e4che empfand ich als eine mittlere Ohrfeige. Es gab Leute, die bekamen Einzelgespr\u00e4che. Gut, bei Mike war das klar, immerhin war er der Disponent und Vorgesetzter. Aber auch zum Beipiel der Engel bekam ein Einzelgespr\u00e4ch. Ich stand letztendlich mit Elmo, dem Kleinen (sein Backenzahn of Doom meldete sich erst ein paar Tage sp\u00e4ter) und Puck zusammen in R.s B\u00fcro, gegen\u00fcber R., quasi als Protokollant, Chefoberboss JP und Peter. Mir war noch nie so konkret bewusst gemacht worden, dass ich nur ein Depp vom Dienst bin, f\u00fcr den sich ein Einzelgespr\u00e4ch nicht lohnt, und das empfand ich als verletzend. Der Boden f\u00fcr weiteren Ehrgeiz war damit gelegt, und Ehrgeiz ist eigentlich keine meiner auff\u00e4lligen Charaktereigenschaften (glaube ich zumindest).<\/p>\n<p>Wir wurden also gefragt, ob wir mit nach Koblenz gehen w\u00fcrden: Elmo sagte, er werde das eher nicht tun, weil er zu fr\u00fch losfahren m\u00fcsse, um zeitig in Koblenz sein zu k\u00f6nnen, und da fing der interessante Teil des Gespr\u00e4chs an, der sich mir schon auf Grund meiner bisherigen Erfahrungen ins Ged\u00e4chtnis brannte, weil mir von vorneherein klar war, dass man dieses Ereignis noch in Beziehung zu sp\u00e4teren Entwicklungen w\u00fcrde setzen m\u00fcssen. Kurz: Es wurden Versprechungen gemacht, und wichtig dabei ist, dass diese vom Chefoberboss kamen; Peter stand gewisserma\u00dfen nur schm\u00fcckend im Hintergrund rum.<\/p>\n<p>Die Versprechungen allgemeiner Art lassen sich folgenderma\u00dfen zusammenfassen:<br \/>\n&#8211; <em>&#8220;Ihr k\u00f6nnt zur gleichen Zeit von zuhause wegfahren, wie Ihr es bisher gewohnt seid. In Koblenz sind Leute, die f\u00fcr Euch abr\u00e4umen. Ihr m\u00fcsst dann nur noch scannen, laden und losfahren.&#8221;<\/em><br \/>\n&#8211; <em>&#8220;Ihr m\u00fcsst dann nicht f\u00fcr jede kleine Sache nach Plaidt in die Werkstatt fahren. Kleinere Sachen machen wir auch direkt vor Ort.&#8221;<\/em><br \/>\nF\u00fcr LKW-Fahrer kam hinzu:<br \/>\n&#8211; <em>&#8220;Zweit- und Dritttouren wird es keine mehr geben, vielleicht einen Zw\u00f6lftonner, ja.&#8221;<\/em><br \/>\nF\u00fcr den z\u00f6gernden Elmo wurden noch Details draufgelegt:<br \/>\n&#8211; <em>&#8220;Wenn Du kommst, sind Deine Paletten schon gewickelt und gescannt, Du musst nur noch laden.&#8221;<\/em><br \/>\nPuck meinte an der Stelle, dass er vielleicht noch Fr\u00fchst\u00fcck fordern solle als Dreingabe, aber Chef JP sagte, Br\u00f6tchen spendiere man in Koblenz ohnehin immer wieder mal.<\/p>\n<p>Warum war es nun (im Rahmen meiner subjektiven Wahrnehmung) wichtig, dass Peter nur da stand und selbst nichts sagte?<br \/>\nWir interpretieren: Peter ist unser direkter Arbeitgeber und Ansprechpartner; w\u00fcrde sich von dem Gesagten etwas nicht umsetzen lassen, kann er sich darauf berufen, dass er selbst rein gar nichts versprochen habe, das habe Herr JP getan.<br \/>\nDabei bin ich immer noch nicht sicher, ob Peter der Mann f\u00fcrs Kalk\u00fcl ist&#8230; die Rolle passt eher zu seinem Bruder, im Guten wie im Schlechten.<\/p>\n<p>Die meisten sagten schlie\u00dflich zu. Felix war dennoch skeptisch, ob das eine so gute Idee sei, und da war es Peter, der sich zu der Aussage hingerissen f\u00fchlte: <em>&#8220;Guck&#8217;s Dir doch erst mal an. Du wirst sehen, in Koblenz ist alles einfacher und unkomplizierter. Es gibt zumindest nicht mehr Arbeit als vorher.&#8221;<\/em><br \/>\nFelix ging also mit. Klar sagte auch ich zu. Nat\u00fcrlich w\u00fcrde ich einer Arbeitslosigkeit mit Unbehagen entgegensehen, aber da war ein geradezu perverser Gedanke in meinem Kopf: Ich seh&#8217;s mir an &#8211; und sei&#8217;s nur, um \u00fcber die Schei\u00dfe nachher schreiben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Willigen wurden an einem Wochenende nach Koblenz gebeten, um sich die Anlage anzusehen und in die Gepflogenheiten eingewiesen zu werden. Leider hatte ich an dem Tag Samstagsdienst und Puck wollte zu seinem Vater nach Gelsenkirchen fahren. Peter meinte aber, das werde schon klappen und ich solle mit Puck eben die Samstagsdienste ausfahren, das geht ja schneller zu zweit, anschlie\u00dfend nach Koblenz kommen, und dann k\u00f6nne Puck auch gleich weiterreisen. Das wurde nat\u00fcrlich nix, weil an dem Samstag irgendwelche hinterletzten K\u00e4ffer um Saarburg Richtung Luxemburger Grenze und um Morbach herum beliefert werden wollten und die Kilometer kosten halt Zeit. Um 1130 sagten wir also endg\u00fcltig ab und Puck regte sich v\u00f6llig zu Recht dar\u00fcber auf, dass er sich zu dieser d\u00e4mlichen Samstagsaktion hatte \u00fcberreden lassen.<\/p>\n<p>Wie war das Endergebnis dieser klassengetrennten Gespr\u00e4che denn nun? Wie bereits gesagt, gingen die meisten mit, konkret waren das Stranski, Konrad, Felix, Elmo, Puck, Bert und Milli von der Ablaufkontrolle, sowie zwei Leute von den Luxemburgern, Tom und Hyper. Angedacht war auch, die einzige Fahrerin unter Vertrag zu nehmen, aber sie fand was bei einem Immobilienmakler und entschied sich anderweitig. Aber ganz abgesehen davon verloren wir die drei besten Leute.<\/p>\n<p>Mike entschied sich dazu, Peters Firma zu verlassen. Es machte f\u00fcr ihn auch wenig Sinn, mitzugehen, denn als Disponent fing sein Arbeitstag um 0400 an, und wenn er nicht um drei Uhr morgens zuhause wegfahren wollte, w\u00fcrde er umziehen m\u00fcssen, und dagegen spricht ganz nachvollziehbar, dass er einen Sohn von etwa zehn Jahren hat, der in Trier zur Schule geht, und eine Frau, die ebenso in Trier als Angestellte arbeitet.<br \/>\nKnut ging nicht mit. Der wohnt in Hermeskeil und hatte keinen Bock auf Ortswechsel, und so ein allt\u00e4glicher Tripp nach Koblenz von Hermeskeil aus dauert mehr als anderthalb Stunden.<br \/>\nDer Engel sagte auch ab, mit verst\u00e4ndlichem Hintergrund: Er hat sich ein Haus gekauft und eine Frau mit Festanstellung geheiratet. Was soll der in Koblenz? Bei seinem Einzelgespr\u00e4ch &#8211; und sowas sickert gern durch &#8211; ging es nach Mikes Abgang interessanterweise aber auch darum, ob er denn als Disponent arbeiten w\u00fcrde; wenn einer von uns als Ersatz f\u00fcr Mike in Frage kommen w\u00fcrde, dann er. Aber er wollte nicht. Wie er mir sp\u00e4ter sagte, hing das auch damit zusammen, dass er vor Trier schon zwei Jahre in der DG Koblenz gearbeitet habe und das wolle er sich nicht noch einmal geben.<\/p>\n<p>Von den b\u00fcrogebundenen Mitarbeiterinnen ging nur Milli mit nach Koblenz. R. wurde ins Koblenzer Team integriert; wie es scheint, ist er f\u00fcr die Erkundung von Expansionsm\u00f6glichkeiten zust\u00e4ndig. Lilly schwor sich, nie wieder in der Logistikbranche zu arbeiten, das sei ihr zu stressig. Antonius fand eine Stelle in Luxemburg, wo er zwar nach Mindestlohn bezahlt werde, aber mit \u00fcber 1800 Euro sei er damit dort eindeutig besser dran als in Trier. Octavia bewarb sich auf eine h\u00f6her angesetzte Stelle in der DG Donaueschingen und trat damit in direkte Konkurrenz mit Laubschi, die die selbe Stelle haben wollte, und Laubschi erhielt den Zuschlag.<\/p>\n<p>Mir steht kein Urteil \u00fcber die Kompetenz der beiden zu, aber es ist offensichtlich so, dass das selbstbewusste Auftreten und die noch selbstbewusstere Schnauze unserer Transohex den Ausschlag gaben, w\u00e4hrend man Octavia mit kaum anderen Begriffen als &#8220;h\u00f6flich&#8221;, &#8220;freundlich&#8221;, &#8220;lieb&#8221; und &#8220;nett&#8221; beschreiben kann. Was in menschlichen Beziehungen ein Qualit\u00e4tssiegel darstellt, trifft leider nicht notwendigerweise auf gesch\u00e4ftliche Beziehungen zu, und ich muss ganz ehrlich sagen: In so einem Job muss man darauf achten, dass einem die Fahrer nicht auf der Nase herumtanzen, denn es gibt zum einen die Testosteronbomber und M\u00e4nnlichkeitsfanatiker, die meinen, Frauen seien eine Art besseres Haustier, das sich letztlich zu f\u00fcgen habe, und dann die allgemein Unversch\u00e4mten, die ihre eigenen Aufgaben so weit wie eben m\u00f6glich auf andere abw\u00e4lzen wollen, nach dem Motto <em>&#8220;Frech gewinnt!&#8221;<\/em>. Octavia w\u00fcrde bereitwillig Dinge \u00fcbernehmen, f\u00fcr die Laubschi Dir den langen Finger zeigen w\u00fcrde.<br \/>\nUnd zuletzt behielt Octavia einen Groll gegen R., weil dieser das von ihr vorgelegte Arbeitszeugnis abgelehnt und einen anderen Wortlaut verlangt hatte. Auf weitere B\u00fcroquerelen will ich nicht eingehen, das ist nicht meine Welt.<\/p>\n<p>Unsere drei Besten gingen also, aber die waren keinen Tag lang arbeitslos, denn das Schicksal bewies den dreien, dass es auch gutes Timing gab. Im Januar w\u00fcrde n\u00e4mlich in Sehlem &#8211; im ehemaligen DPD-Standort &#8211; ein Subunternehmer von GLS ein Depot er\u00f6ffnen, und der bekam so gleich einen hochqualifizierten Mitarbeiterstamm: Knut unterschrieb dort, ohne lange dr\u00fcber nachzudenken. Mike wurde stellvertretender Depotleiter und der Engel bekam eine Vorarbeiterstelle. Nach kurzer Zeit fand sich \u00fcbrigens auch Big M dort ein: Die Werkstatt, bei der er gearbeitet hatte, musste schon kurz nach seiner Anstellung schlie\u00dfen. Big M bekam den Bereich Petrisberg und Tarforst als Zustellungsgebiet, aber \u00fcber den Vergleich erz\u00e4hle ich sp\u00e4ter mehr.<\/p>\n<p>Mike und der Engel waren daran interessiert, dass ich ihnen folge; ich bin zwar kein schneller Fahrer, aber ich habe ja scheinbar andere Eigenschaften, die gesch\u00e4tzt werden. Das Anliegen brachten sie mir gegen\u00fcber nie direkt zur Sprache, warum auch immer, und ich hatte auch wenig Interesse. Ich hatte mir im Umfeld meiner Transoflex-T\u00e4tigkeit einen guten Ruf angearbeitet und wollte mein Prestige f\u00fcr einen Aufstieg nutzen, wie klein auch immer er ausfallen m\u00f6ge, ich wollte was besseres im Lebenslauf stehen haben, als einfach nur <em>&#8220;Fahrer bei &#8230;&#8221;<\/em>. Klar w\u00e4re GLS wegen der N\u00e4he bequemer (und das Nettoeinkommen auch ohne gehobene Verantwortung bei ca. 1400 E), aber ich w\u00fcrde dort wieder bei Null anfangen.<\/p>\n<p>Ich war entschlossen, nicht auf unbestimmte Zeit der Depp vom Dienst zu bleiben oder zumindest meinen Lebenslauf etwas aufzupeppen, also traf ich die folgenschwere Entscheidung, Peter eine SMS zu schreiben: <em>&#8220;Ich habe geh\u00f6rt, Du brauchst einen Disponenten? Ich h\u00e4tte da Interesse.&#8221;<\/em> Er antwortete, dass wir dar\u00fcber reden sollten.<br \/>\nDieses Sondierungsgespr\u00e4ch fand am Folgetag (ein paar Tage nach den oben beschriebenen Unterredungen) statt, worin Peter mir sein Drei-S\u00e4ulen-Modell kurz vorstellte (das er nat\u00fcrlich nicht selbst so nannte) und eine Beurteilung meiner f\u00fcr ihn relevanten F\u00e4higkeiten abgab. Ich habe ganz klar zu wenig Erfahrung in dem Arbeitsfeld, um Disponent zu sein. Dazu muss man quasi das gesamte Liefergebiet auswendig kennen und das trifft auf mich nicht zu. Knapp zwei Jahre sind zu wenig, um sich ein solches Wissen anzueignen. Ich sollte daher die S\u00e4ule sein, die sich um organisatorische und disziplinarische Dinge k\u00fcmmert. Genaueres werde er mir zusammen mit seinem Bruder darlegen, idealerweise in Koblenz, da ich ja noch nicht dort gewesen sei. Daraufhin bearbeitete ich Mike tagelang, bis er mir endlich mit einer realistischen Gehaltsforderung r\u00fcberkam: <em>&#8220;Verlang f\u00fcr eine Dispostelle nicht weniger als 1600 Euro.&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Es ist hierzulande un\u00fcblich, \u00fcber sein Gehalt zu sprechen, die Leute haben da irgendwie Hemmungen. Ich wei\u00df nicht genau, warum. Die, die mehr verdienen, wollen vermutlich keinen Neid auf sich ziehen, und die, die weniger verdienen, wollen sich vielleicht nicht sch\u00e4men m\u00fcssen. Dem Arbeitgeber kommt das zu Gute, denn er kann gezielt dem einen mehr und den anderen weniger zahlen, ohne dass sich das rumspricht und jemandem gewisse vielleicht ungerecht erscheinende Sonderbehandlungen auffallen k\u00f6nnten. Ich bin daf\u00fcr, das zu \u00e4ndern und rede mit meinen Kollegen frei dar\u00fcber, was ich verdiene, aber ich werde es zu meinen Lebzeiten vermutlich nicht mehr erleben, dass sich diese Hemmschwelle senkt.<\/p>\n<p>Ende Dezember war ich dann in Koblenz und wir verglichen unsere ganz allgemeinen Standpunkte. Meine Idee von 1600 E Nettolohn waren den beiden zu hoch gegriffen. Meine aktuelle Kompetenz rechtfertigte dieses Einkommen nicht. Gegenvorschlag: 1400 E, ohne Verhandlungsspielraum. Das gelte auch f\u00fcr die anderen beiden. Rama sagte, wenn er jedem das volle Disponentengehalt zahle, sei es f\u00fcr ihn g\u00fcnstiger, er heuere sich jemanden an, der morgens nur zum Disponieren komme. Rhetorisch geschickt wurden Mikes \u00fcberragende Kompetenzen in den Dialog eingestreut: \u00dcber zehn Jahre Fahrerfahrung, kann \u00fcberall als Springer eingesetzt werden, mehrere Jahre Dispoerfahrung, LKW-F\u00fchrerschein, Gefahrgutschein. Dagegen sieht fast jeder Bewerber erst einmal blass aus.<br \/>\nMeine Aufgabe sollte es dagegen sein, mich um Formulare, Antr\u00e4ge, Termine, und allgemein disziplinarische Dinge zu k\u00fcmmern, wie die \u00dcberpr\u00fcfung des Zustands der Autos, vor allem im Hinblick auf deren Hygiene im Inneren, denn die lie\u00df und l\u00e4sst arg zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. Im Gegenzug w\u00fcrde man mich von der Fahrerarbeit ein St\u00fcck weit entlasten, damit ich auch Zeit h\u00e4tte, diese Aufgaben wahrzunehmen; denn Fahrzeug- und F\u00fchrerscheinpr\u00fcfung kann man ja nur vornehmen, wenn Fahrzeuge und Fahrer auch da sind, und das ist nun mal die Zeit, in der ich selber am Band stehen muss, um meine vorrangige Arbeit als Fahrer zu machen. Wie diese Entlastungen aussehen w\u00fcrden, wurde nicht weiter genannt. Ich hakte nicht nach, da ich zu diesem Zeitpunkt noch davon ausging, dass der Zeitansatz in Koblenz der gleiche sei, wie in Trier: Also Bandstart um 0530, und ich war durchaus gewillt, \u00fcbergangsweise fr\u00fch genug in Trier aufzubrechen, um weiterhin um 0445 in der Halle sein zu k\u00f6nnen, und letztendlich in die Koblenzer Gegend umzuziehen. Ich war lang genug in Trier, ich brauch die Aussicht auf die Uni nicht mehr. Au\u00dferdem brauche ich nach dem Wegfall meiner Gersheimer &#8220;Home Base&#8221; eh mehr Platz, Umzug unumg\u00e4nglich, dann ist es mir auch egal, wohin.<\/p>\n<p>Die anderen beiden &#8220;S\u00e4ulen&#8221; des neuen Modells sollten zum einen Stranski und zum anderen ein ebenfalls sehr erfahrener Mitarbeiter sein, den ich hier mal Dhalsim nenne, dabei ist er weder Inder noch sonderlich gro\u00df gewachsen, sondern Kongolese und eher ein Sitzriese. Die beiden haben auf Grund ihrer langj\u00e4hrigen Liefert\u00e4tigkeit eine umfangreiche Ortskenntnis angesammelt, die sollten sich um die morgendliche Zuteilung der Fracht k\u00fcmmern, genauer um die Anpassung der Zuteilung durch die unflexible automatische Disposition an den jeweiligen Tagesbedarf.<br \/>\nDas klang vern\u00fcnftig und mein Vertrag sollte ab Februar greifen. Weihnachten war vorbei und der Januar w\u00fcrde wie gewohnt ruhig sein, also Gelegenheit bieten, sich einzuarbeiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; und im Osten, \u00e4h, ich meine nat\u00fcrlich AM HIMMEL standen dunkle Wolken. Die Bedrohung kam geografisch gewisserma\u00dfen aus dem S\u00fcden, wenn man die Transoflex Konzernzentrale Weinheim meint. 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