{"id":2512,"date":"2013-04-01T18:57:41","date_gmt":"2013-04-01T16:57:41","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=2512"},"modified":"2013-05-01T12:24:05","modified_gmt":"2013-05-01T10:24:05","slug":"gaytal-kamikaze-teil-16","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=2512","title":{"rendered":"Gaytal-Kamikaze (Teil 16)"},"content":{"rendered":"<p>Dann kamen schwarz-wei\u00df-rote Tage: Im F\u00f6hrener Depot des Deutschen Paketdienstes DPD war die Bandanlage ausgefallen. Die Pakete mussten von Hand weitergeschoben werden und es blieb massenweise Zeug liegen. Der DPD suchte h\u00e4nderingend nach Springern, die tags drauf den \u00dcberschuss abarbeiten helfen w\u00fcrden.<br \/>\nEs war Sommer &#8211; zumindest theoretisch war wenig los &#8211; und Peter schickte mich und Big M nach F\u00f6hren.<br \/>\n<em>&#8220;Sei um halb Acht dort&#8221;<\/em>, sagte er zu mir.<br \/>\nMeinem Sinn f\u00fcr Ordnung folgend, war ich bereits um sieben Uhr vor Ort und lie\u00df mich vom Disponenten vom Dienst einweisen. Und dann stand ich da und wartete und wartete und wartete. <\/p>\n<p>Das DPD-Paketband lief wieder, und es l\u00e4uft langsam. Die Pakete, die die Fahrer trotzdem verpassten, wurden am Bandende gesammelt und ich half den Leuten dort, weil ich nichts anderes mit mir anzufangen wusste. Das Depot F\u00f6hren besteht aus zwei Fl\u00fcgeln, in denen zwei getrennte B\u00e4nder laufen. Es kommt also vor, dass Pakete f\u00fcr Band A im Fl\u00fcgel B auftauchen, und dieser Fall tritt nicht selten auf. Der DPD hat zu diesem Zweck eine eigene Minitour am laufen, deren Fahrer nur damit besch\u00e4ftigt ist, Pakete von einem Teil des Geb\u00e4udes in den anderen zu fahren. Ich glaube, stra\u00dfentauglich ist die schrottig aussehende Kiste eh nicht mehr.<br \/>\nSind nun alle Pakete von den Paletten \u00fcber das Band gelaufen, werden die Durchl\u00e4ufer wieder aufgelegt und laufen mit der hier \u00fcblichen, gem\u00fctlichen Geschwindigkeit zur\u00fcck an den Fahrern vorbei, und dann noch einmal nach vorn. Dann sind hoffentlich nur noch die Pakete \u00fcbrig, mit denen wirklich keiner was anfangen kann.<br \/>\nDieses Procedere dauerte bis um neun Uhr. Zwei Stunden meiner wertvollen Zeit waren bereits den Bach runter und im Zugwind war mir doch etwas kalt. Beim DPD halten die Autos n\u00e4mlich an Laderampen, das hei\u00dft sie stehen au\u00dferhalb des Geb\u00e4udes. Diese Rampen sind zum Beladen nat\u00fcrlich offen und es zieht wie im Affenstall. <\/p>\n<p>Ein Blick in die Runde zeigte mir noch etwas: Es gibt hier keine Heizung. Das ist doch nicht zu glauben &#8211; der DPD stellt hier ein Depot auf, dieser Bau kostet 9 Millionen Euro, eine Million davon allein f\u00fcr die Bandanlage, die mittlerweile zum wiederholten Male ausgefallen ist, und bei all dem Investitionsluxus waren ein paar Peanuts f\u00fcr Heizstrahler nicht mehr drin??<br \/>\nDazu muss man sagen, dass dieses Geb\u00e4ude nicht aus Beton besteht, es handelt sich um eine bessere Wellblechh\u00fctte. Es gibt einen Betonsockel in Fu\u00dfh\u00f6he, nat\u00fcrlich, aber wenn ich mich dahin b\u00fccke, kann ich mit meinen Fingern unter dem Blech durch einen Spalt ins Freie fassen.<br \/>\n<em>&#8220;Das ist menschenverachtend!&#8221;<\/em> sagte einer der Fahrer, den ich darauf ansprach. <em>&#8220;Letzten Winter waren es hier drin an einigen Tagen 15 Grad unter Null; wir haben hier mit drei Jacken gearbeitet!&#8221;<\/em><br \/>\n(Nach dem darauf folgenden Winter berichtete mir allerdings ein Fahrer, dass im F\u00f6hrener Depot mittelerweile Heizstrahler aufgestellt worden seien.)<\/p>\n<p>Der Chef dort ist ein hemds\u00e4rmeliger Typ, der auf den ersten Blick weder wie der Chef noch sonderlich unsympathisch aussieht, aber wie es scheint, wird der auch mal rabiat, wenn ihm was gegen den Strich l\u00e4uft. Als ich ihn das erste Mal sah, verscheuchte er eine Verdi-Mitarbeiterin vom Tor des Gel\u00e4ndes, die Flugzettel an einfahrende Fahrzeuge verteilte. Allgemein las ich aus dem Klang seiner Stimme, dass es sich nicht um eine Person handelt, die viel Duldsamkeit besitzt. Eindeutiges Urteil f\u00fcr mich: Da w\u00fcrde ich niemals freiwillig arbeiten. <\/p>\n<p>Aber gut: Irgendwann fragte mich der Disponent, wo ich mich denn auskenne und er beschloss, mich nach Gerolstein zu schicken: Mit einem ganzen Auto voller gro\u00dfer Pakete f\u00fcr insgesamt zwei Kunden. Die Kunden selbst kannte ich zwar nicht, aber ich kannte die Stra\u00dfen. Danach sollte ich zur\u00fcckkommen und eine Reihe von kleineren Paketen aufnehmen &#8211; allerdings in der Gegend von Gillenfeld, wo ich mich nun gar nicht auskenne. Kein Problem, hie\u00df es, die Disposition gebe die Stoppreihenfolge vor, das m\u00fcsse (und k\u00f6nne) der Fahrer nicht selber machen. <\/p>\n<p>Um meine Aufgabe bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen, bekam ich eine kurze Einweisung in den Scanner und ich durfte ohne DPD-Kleidung nicht einfach losfahren. Es gab zum einen kostenlose Hemden mit irgendeiner Werbung drauf, die besagte, dass man beim DPD umweltfreundlich fahre (vermutlich ist der DPD am Emissionspapierhandel beteiligt), aber die sahen bescheuert aus, also w\u00e4hlte ich ein Originalhemd vom DPD. Gutes Material. Zu dem Zeitpunkt ging ich noch davon aus, dass die etwas mehr als sechs Euro, die f\u00fcr diese Variante f\u00e4llig waren, (zu zahlen vom Arbeitgeber, also Peter) eine Art Pfand oder eine Leih- und Reinigungsgeb\u00fchr seien, aber sp\u00e4ter wurde mir dann klar, dass ich das Hemd k\u00e4uflich erworben hatte und dass es nun unerwartet zu meinem Privatbesitz z\u00e4hlte. (Streng genommen war es Peters Besitz, aber der fragte mich nie danach.) Eigentlich intelligent, denn wenn die Leute f\u00fcr die Sachen zahlen, passen sie vielleicht besser darauf auf? Ich komme jedenfalls nicht umhin, zu vermuten, dass wir bei Transoflex in der Tat mit dem billigsten ausgestattet werden, was der Textilmarkt herh\u00e4lt. <\/p>\n<p>Ich d\u00fcste also nach Gerolstein hoch, leider nicht auf der sch\u00f6nen Strecke an der Kyll entlang, weil die Stra\u00dfe n\u00f6rdlich von St. Thomas immer noch gesperrt war. Stattdessen \u00fcber Neustra\u00dfburg und r\u00fcber nach Densborn. Die zwei Kunden in Gerolstein waren schnell abgefertigt und ich ging was zu essen kaufen. <\/p>\n<p>Der DPD-Scanner ist ein klobiges Ding und man bedient ihn nat\u00fcrlich ganz anders als das Motorolager\u00e4t bei Transoflex. W\u00e4hlt man einen Kunden, erscheinen die Zahlencodes der zu liefernden Pakete auf dem Display. Scannt man den Barcode auf einem Paket, verschwindet dessen Zahlenreihe. Ist das Display also leer, hat man alle.<br \/>\nDie Tourreihenfolge kann man weder beeinflussen noch ablesen, wenn ich mich recht erinnere, wohin es als \u00fcbern\u00e4chstes gehen w\u00fcrde, blieb also im Dunkeln. Dabei genie\u00dfe ich eigentlich gern den Vorteil, auf diese Dinge Einfluss nehmen zu k\u00f6nnen und gegebenenfalls Informationen vorgreifen zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Zur\u00fcck in F\u00f6hren bekam ich ein halbes Auto mit kleinen Paketen f\u00fcr eine Anzahl von Privatkunden in einem mir v\u00f6llig unbekannten Gel\u00e4nde. H\u00e4ngen und W\u00fcrgen war da angesagt. Das Verfahren mit Kunden, die nicht zuhause sind, erkl\u00e4rte mir zum Beispiel erst jemand am zweiten Tag: Daf\u00fcr gibt es nicht nur einfache Benachrichtigungszettel (von denen man mir keine mitgegeben hatte), sondern diese DPD-Zettel haben einen aufgedruckten Barcode, den man scannen muss, um die Benachrichtigung f\u00fcr das System zu aktivieren. Aber beim ersten Mal stand ich da und wusste nicht, was ich machen sollte. <\/p>\n<p>Gegen Ende von Tag 1 erl\u00f6ste mich der Scanner vom Stress: Die Batterie war alle und ein Ladeger\u00e4t hatte man mir nicht gegeben. Also zur\u00fcck ins Depot zum Abmelden. Dort stellt man sich in die Schlange der anderen Fahrer, die an einem Fenster und einem Tor vorfahren, um nicht ausgelieferte oder abgeholte Pakete abzugeben und um Quittungen f\u00fcr ihre Nachnahmesummen zu erhalten. <em>&#8220;Den Beleg heben Sie bitte drei Monate lang auf&#8221;<\/em>, sagte die Dame am Schalter sp\u00e4ter zu mir. Ich wartete in dieser Schlange \u00fcber eine halbe Stunde lang &#8211; man sollte also wohl am besten als erster oder auf den letzten Dr\u00fccker ankommen, weil man nichts machen kann, als dumm rumsitzen, wenn man keinen kennt, mit dem man sich unterhalten k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Am Tag 2 hatte ich dann ja mehr Plan von der Sache: Ich kam gegen halb Neun, was keineswegs zu sp\u00e4t war, bekam ein Zustellungsgebiet, einen Scanner und Pakete zugeordnet, die schon da lagen, wo sie sein sollten, ich nahm einen Stapel Benachrichtigungszettel an mich und erfragte noch zwei, drei Bedienungsdetails, die mir am Vortag noch nicht ganz klar gewesen waren. Der Tag war anspruchsvoller als der vorherige, aber dank der gewonnenen Informationen und Erfahrungen war die Sache weit nicht ganz so stressig. Was an Stress blieb, ergab sich daraus, dass ich wieder mal wo unterwegs war, wo ich mich nicht auskannte, s\u00fcdlich und \u00f6stlich von Hermeskeil.<\/p>\n<p>Ich sah auch interessante Orte&#8230; zum Beispiel sah ich mal Z\u00fcsch, wo einer unserer Stammkunden sitzt, auf einem Reiterhof, dessen Einfahrt unter LKW-Fahrern ber\u00fcchtigt ist. Diese Einfahrt sah ich nun mit eigenen Augen und verstand endlich, was mit &#8220;der Dachkante&#8221; und &#8220;der Regenrinne&#8221; gemeint war.<br \/>\nDann fuhr ich in einen Ort, der &#8220;Abentheuer&#8221; hei\u00dft, und ich fragte mich, warum ein Dorf in so sch\u00f6ner Lage touristisch nicht besser erschlossen wird. Die Klanggleichheit mit dem Wort &#8220;Abenteuer&#8221; dr\u00e4ngt einem doch eing\u00e4ngige Werbeslogans geradezu auf: <em>&#8220;Abentheuer erleben!&#8221;<\/em>, <em>&#8220;Willkommen im Abentheuer-Land!&#8221;<\/em> und so weiter. Die Landschaft ist reizvoll und l\u00e4dt zum Wandern und Entspannen ein.<\/p>\n<p>Just in dieser Zeit schien Konrad das Gl\u00fcck hold zu sein: Er fand einen Job als Lagerist. Nicht in Luxemburg aber weit besser bezahlt mit geregelten Arbeitszeiten. Ich w\u00fcnschte ihm alles Gute.<br \/>\n<em>&#8220;Jetzt lernt meine Tochter endlich mal ihren Vater kennen!&#8221;<\/em> sagte er und ging. Ohne die Runde Kaffee zu schmei\u00dfen, die er uns schuldete, nachdem er einmal quasi sto\u00dfseufzend gesagt hatte, er werde uns allen einen Kaffee ausgeben, wenn er mal keine Bodenleisten von der Firma H\u00e4fele in seiner Beladung haben w\u00fcrde. Diese Bodenleisten kommen in knapp armdicken, mehrere Meter langen Paketen, die manchmal nur knapp drei Meter haben, manchmal aber auch nur knapp noch in den Sprinter passen. Sie fliegen einem den ganzen Tag im Weg rum. Immerhin sind die Dinger nicht empfindlich. Dass wir die liefern, ist wohl der \u00dcberredungskunst der Transoflex Au\u00dfendienstler zuzuschreiben, denn so mancher Schreiner hat dar\u00fcber schon den Kopf gesch\u00fcttelt:<br \/>\n<em>&#8220;Das ist doch bescheuert! Grad eben war DHL mit den Paletten da, und jetzt kommst Du und bringst die Leisten extra!&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Ich vermisste Konrads Humor. <em>&#8220;Pass mal auf, der ist in drei Monaten wieder da&#8230;&#8221;<\/em> meinte Big M und grinste dazu, als habe ihm die Vorsehung Einblick ins Schicksalsbuch gew\u00e4hrt. Ich war mir mit Puck einig: <em>&#8220;Warum sollte er so bl\u00f6d sein??&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Aber kurz vor Weihnachten war Konrad tats\u00e4chlich wieder da. War er so bl\u00f6d?<br \/>\n<em>&#8220;Was machst Du denn wieder hier?&#8221;<\/em><br \/>\n<em>*grunz*<\/em><br \/>\nHm&#8230; der machte ein wirklich d\u00fcsteres Gesicht.<br \/>\n<em>&#8220;Wie geht&#8217;s Dir denn?&#8221;<\/em> fragte ich vorsichtiger.<br \/>\n<em>&#8220;Besser.&#8221;<\/em><br \/>\nScheinbar war ihm gleich am &#8220;ersten&#8221; Tag nicht nach Reden. Ich lie\u00df ihm Zeit.<br \/>\nIrgendwann kam er dann heraus damit. Der neue Job hatte an sich gute Konditionen, aber es handelte sich um ein Lager f\u00fcr Lacke und L\u00f6sungsmittel &#8211; und wie es scheint, l\u00f6sten die allgegenw\u00e4rtigen D\u00e4mpfe eine allergische Reaktion bei ihm aus.<br \/>\n<em>&#8220;Wenn ich da schon reinkam, hatte ich das gef\u00fchl, mir h\u00e4tt einer eine mit &#8216;nem Vorschlaghammer verpasst.&#8221;<\/em><br \/>\nSchlie\u00dflich h\u00f6rte er, dass in den letzten Jahren bereits zwei Mitarbeiter an Krebs gestorben seien, da habe er sich gro\u00dfe Sorgen gemacht, aber der Tropfen, der das Fass zum \u00fcberlaufen brachte, war tats\u00e4chlich ein solcher: Ein Spritzer L\u00f6sungsmittel traf ihn am linken Arm.<br \/>\n<em>&#8220;Mir ist die Haut vom halben Oberk\u00f6rper abgefallen!&#8221;<\/em> erz\u00e4hlte er und zeigte mir die Restwunde am Unterarm: So stelle ich mir eine Napalmverbrennung vor. <\/p>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt war Big M schon nicht mehr bei uns. Seine Migr\u00e4ne und seine Blutungen waren nicht zu stoppen und er hatte sich telefonisch krank gemeldet. Nach seinem Unfall hatte er mir die Krankenscheine durch einen Fensterspalt ins Auto geworfen, aber diesmal unterblieb das. Peter fragte mich, ob ich da was w\u00fcsste, aber Big M war nicht erreichbar, ich konnte ihm nichts sagen. Als ich Big M mal traf, sagte der, er habe das Attest per Post an Peters Adresse geschickt, aber der hat es scheinbar nie bekommen. Unsere Leute waren regelm\u00e4\u00dfig im Verzug, was die Einsendung ihrer \u00e4rztlichen Krankenbescheide betraf &#8211; was soll der Arbeitgeber da denken?<br \/>\nPeter ist in dieser Hinsicht tolerant, wie es scheint, aber das Schicksal holte Big M auf ganz andere Art und Weise ein: Jemand sah ihn im Blaumann auf einem Werkstattgel\u00e4nde in Euren, und dieser Jemand war ein Bekannter von Mike. Mike erfuhr also von der Schwarzarbeit, dem entsprechend erfuhr es auch Peter und Big M wurde fristlos gefeuert.<br \/>\nMike ist ein Musterbeispiel an effektivem Networking. Der kennt alle und jeden und jeder tr\u00e4gt ihm Informationen zu. So rief er mich eines Abends an, als ich schon ins Bett gehen wollte und teilte mir mit, dass ich die Seitenscheibe vom Auto nicht hochgefahren hatte &#8211; einer seiner Informanten war vorbeigefahren, hatte das Auto erkannt und die Information an Mike weitergeleitet. Unglaublich.<\/p>\n<p>Big M hatte nicht nur die Firma verlassen, er machte sich auch sonst rar. Im Sommer hatte er mindestens zweimal pro Woche bei mir am Tisch gesessen, um zu reden oder zu spielen. Nach seinem Abgang war es schwer, geradezu unm\u00f6glich, ihn zu fassen zu kriegen. Zum einen schuldete er mir noch 50 E und zum anderen hatte er noch ein Buch von mir, dazu noch eines, das ich f\u00fcr meine DSA-Gruppe selbst geschrieben hatte, das war viel wertvoller als 50 E. Er war nie zuhause, rief nie zur\u00fcck, kam auch nicht vorbei. Ich schrieb ihn fast komplett ab.<\/p>\n<p>Den Kleinen erwischte es Ende Sommer \u00e4hnlich. Der hatte sich Ende Fr\u00fchjahr eine Stei\u00dffistel eingefangen. Unangenehme Sache, ich hatte selbst mal eine. In der Regel dauert der Heilungsprozess vier bis sechs Wochen, in meinem Fall waren es acht Wochen, in denen ich krank geschrieben war, weil es ein paar Komplikationen gab. Die Wunde muss von innen nach au\u00dfen zuwachsen, weil sich sonst ein Hohlraum bildet, der ein neuer Infektionsherd werden kann und so weiter. Beim Kleinen dauerte es \u00fcber drei Monate, bis er wieder zur Arbeit kam. In dem Zeitraum hatte er sich gegen einen Aufhebungsvertrag wehren m\u00fcssen, den Peter ihm vorgeschlagen hatte &#8211; was eigentlich gegen die guten Sitten verst\u00f6\u00dft. Der Kleine solle selbst k\u00fcndigen, und wenn er auskuriert sei, werde man ihn sofort wieder einstellen. Nun kommt der Kleine aus einer Familie, die nichts am Lappen hat &#8211; wovon soll er leben? Zuletzt lief es darauf hinaus, dass er bei halbem Gehalt mit Krankenschein zuhause blieb.<br \/>\nAls er dann wieder da war, lief die Sache nicht mehr wirklich rund. Er hatte weiterhin Schmerzen und nahm dagegen irgendwelche Schmerzmittel. Allerdings nicht solche, die Otto Normaldosenbiertrinker gegen Kopfschmerzen nehmen w\u00fcrde, sondern echte Bomben mit 500 mg Wirkstoff pro Tablette oder sogar mehr. Er sagte, die schw\u00e4cheren h\u00e4tten keine Wirkung. Da fragte ich mich doch, ob er sich im Laufe seiner Krankheitsgeschichte der letzten Jahre nicht irgendwo ein Suchtproblem eingefangen hatte. Nicht zu seinem Ruf trug auch eine Information bei, die irgendwoher gekommen war: Man hatte ihn am Steuer eines Wagens gesehen, wie er mit irgendwelchen alten Leuten herumfuhr. Er beteuerte, er gehe keiner Schwarzarbeit nach, sondern habe im Rahmen einer ehrenamtlichen Aufgabe f\u00fcr eine gemeinn\u00fctzige Organisation lediglich einmalig ein paar Leute von A nach B gefahren. <\/p>\n<p>Als der Stei\u00df wieder sitzen konnte, wurde es ein Backenzahn, der klopfend auf sich aufmerksam machte. Der Kleine arbeitete weiter, fuhr in der Trierer Innenstadt und nahm seine Bomben. Das vernebelte ihm scheinbar in einem Ma\u00dfe die Sinne, dass er Dutzende Kunden wieder mitbrachte. Er sagte, die Medikamente machten ihn schl\u00e4frig und er habe lieber eine Pause eingelegt. Peter schickte ihn nach Hause und die K\u00fcndigung gleich hinterher. Und das mitten in der Vorweihnachtszeit. Als ob das Jahr nicht schon beschissen genug gewesen w\u00e4re&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dann kamen schwarz-wei\u00df-rote Tage: Im F\u00f6hrener Depot des Deutschen Paketdienstes DPD war die Bandanlage ausgefallen. 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