{"id":2270,"date":"2013-03-10T12:42:09","date_gmt":"2013-03-10T11:42:09","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=2270"},"modified":"2013-03-10T12:42:09","modified_gmt":"2013-03-10T11:42:09","slug":"gaytal-kamikaze-teil-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=2270","title":{"rendered":"Gaytal Kamikaze (Teil 14)"},"content":{"rendered":"<p>Die Zeit tr\u00fcbt jede Erinnerung und viele, viele Einzelheiten sind bereits verloren gegangen.<br \/>\nIch glaube, im Fluss der Beschreibungen, was in meinem Arbeitsleben so l\u00e4uft, war ich zuletzt etwa am Ende des zweiten Quartals 2012 angekommen, und um die Ereignisse der Zwischenzeit nachzuvollziehen, existiert nur eine Sammlung von Stichw\u00f6rtern. Ich glaube, ich wollte zuletzt noch \u00fcber Rudi und seinen Abgang sprechen, den marokkanischen Araber mit dem Hang zum religi\u00f6sen Konservatismus, um es freundlich auszudr\u00fccken.<\/p>\n<p>Um die Entwicklung kurz zu rekapitulieren, wie sie bereits im Teil 10 der Reihe <strong>Gaytal Kamikaze<\/strong> beschrieben ist: Rudi kam im Fr\u00fchjahr zu unserer Truppe und wurde dem Bitburger Bereich zugeteilt, das hei\u00dft, er stand am Beginn des Paketbands zwischen mir und den Bandauflegern und er lernte den Job von Bert, der Konz-Saarburg \u00fcbernehmen sollte, weil er da unten in der Gegend wohnt. Rudi befand sich also in der Einarbeitungsphase, und jeder w\u00fcrde auch heute noch einsehen, dass neue Leute mehr Verst\u00e4ndnis und Unterst\u00fctzung brauchen. Ich versuchte also, ihm die Prinzipien beizubringen und in welcher Reihenfolge man die notwendigen Dinge morgens tut, um effizient zu arbeiten.<br \/>\nErstens nimmt man Pakete vom Band.<br \/>\nZweitens verpasst man ihnen einen Beladescan.<br \/>\nDrittens stapelt man sie in Reihenfolge ihrer vorgesehenen Beladung.<br \/>\nViertens l\u00e4dt man die Pakete ins Auto.<br \/>\nF\u00fcnftens setzt man die Stoppliste, also die Reihenfolge der Kunden, fest.<\/p>\n<p>Irgendwie kam das nicht alles bei Rudi an. Dass er lange f\u00fcr seine Tour brauchte, war am Anfang klar. W\u00e4hrend der ersten paar Wochen braucht jeder lange, aber in der Regel stellt sich irgendwann Routine ein und man kommt durch Hilfe von au\u00dfen und durch eigenen Verstand auf Verbesserungen, die die t\u00e4gliche Arbeitszeit verk\u00fcrzen.<br \/>\nNur nicht bei Rudi. Der fuhr auch nach drei Monaten noch fast so lange wie am ersten Tag und war immer am jammern, dass er das nie schaffen werde.<br \/>\n<em>&#8220;Der Kurde hat zwischendurch noch ein Nickerchen gemacht und war trotzdem um drei Uhr fertig!&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Wer ist dieser Kurde? Das ist UNM\u00d6GLICH! Ich werde NIE vor f\u00fcnf zuhause sein!&#8221;<\/em><br \/>\nAber gut, ich bin ja kein Unmensch und unterst\u00fctzte ihn weiter, so gut es ging, indem ich zum Beispiel Pakete f\u00fcr ihn vom Band nahm, w\u00e4hrend er Pakete stapelte, einr\u00e4umte, oder seine Stoppliste bearbeitete. Ich betete die Priorit\u00e4tenliste mehrfach hoch und runter. Ergebnislos. Er machte die Dinge weiter so, wie er sie f\u00fcr richtig erachtete, auch wenn es nicht richtig war, was er tat. Er war davon \u00fcberzeugt, alles richtig zu machen &#8211; und dass es andere Umst\u00e4nde waren, die seinen Tag verdarben&#8230; oder andere Leute. <\/p>\n<p>Wohl auch durch den Stress, den er hatte (und den er sich selber machte), wurden seine Nerven nicht besser, bis er sie nach und nach verlor. Er war zunehmend unh\u00f6flich zu Kollegen: Wenn etwas nicht lief, wie er das wollte, wurde er gegen\u00fcber den Damen in der Ablaufkontrolle durchaus schon mal &#8220;unwirsch&#8221;. Auch gegen\u00fcber Kunden \u2013 einer meiner Tier\u00e4rzte, den er vertretungsweise beliefert hatte, nannte es sogar &#8220;frech wie Rotz&#8221;: <em>&#8220;In der Zeit, die meine Frau brauchte, um vom Esstisch aufzustehen und zur Haust\u00fcr zu gehen, hatte der schon zweimal geklingelt und dann wurde er auch noch frech, dass man gef\u00e4lligst Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr haben solle, dass er wegen Ramadan nichts essen und trinken d\u00fcrfe \u2013 als ob wir was daf\u00fcr k\u00f6nnten.&#8221;<\/em><br \/>\nDa war Rudi bei Frau S. nat\u00fcrlich an die falsche geraten, denn die ist das, was man im maskulinen Volksmund wohl &#8220;einen Besen&#8221; nennt. Ich habe auch ein paar Monate gebraucht, bis ich sie aufgetaut bekommen habe. <\/p>\n<p>Toppen wir nun den &#8220;bislang krassesten Fall&#8221;, wie er in Teil 10 dieser Reihe beschrieben wurde. Damals hatte er Laubschi ja mit einer ungl\u00fccklichen Wortwahl dazu aufgefordert, seine Pakete aus der Ecke mit den Irrl\u00e4ufern zu nehmen. Das geht noch besser: Als er mal sp\u00e4t dran und als einer der letzten Fahrer noch im Depot war, machte er Musik im Auto an und beschallte die Halle mit irgendetwas Arabischem. Unsere Transohex war davon gar nicht begeistert, sie wollte in Ruhe ihre Arbeit im Verschlusslager machen und forderte ihn auf, &#8220;das Gedudel&#8221; abzuschalten. Daraufhin soll er sowas gesagt haben wie <em>&#8220;Fick Dich!&#8221;<\/em><br \/>\nSOLL er gesagt haben. Transohex Laubschi ging damit sofort zum Chef R., der bestellte Rudi ein und wollte h\u00f6ren, was der dazu zu sagen habe. Rudi stritt alles ab und man h\u00f6rt, er habe auf Allah geschworen und gesagt, er k\u00f6nne das unm\u00f6glich gesagt haben, weil es nicht Teil seiner Kultur sei. Schlie\u00dflich sei er auf den Trichter gekommen, eine Verschw\u00f6rung gegen sich zu vermuten. Eine Verschw\u00f6rung, die er nicht f\u00fcrchte, weil man sich nur vor Gott f\u00fcrchten solle (er sagte dies auch bei anderen Gelegenheiten, bei denen er sich ungerecht behandelt f\u00fchlte, \u00f6fter und reckte dabei immer omin\u00f6s den Zeigefinger gen Himmel). Vielleicht h\u00e4tte man seiner Paranoia einen Funken Glauben schenken k\u00f6nnen, wenn es nicht mindestens einen Ohrenzeugen seines Ausbruchs gegeben h\u00e4tte. Big M war in seinem Wagen zu Gange und hatte die Sache geh\u00f6rt, allerdings hat er zu sp\u00e4t erfahren, dass ein Termin bei R. angesetzt worden war. <\/p>\n<p>Aber er k\u00fcndigte auch an, er werde nicht mehr lange bleiben. Im Fr\u00fchsommer sagte er einmal, er werde im Dezember nach Irland gehen, um dort im Rahmen eines Praktikums seine FH-Abschlussarbeit zu verfassen. Aha!? War mir gar nicht klar, dass er Englisch konnte. Aber ich hatte auch keine Gelegenheit, diesbez\u00fcglich etwas festzustellen.<\/p>\n<p>Mit seinem Verhalten brachte er fast jeden gegen sich auf, vielleicht mit Ausnahme von Bert. Und meiner Wenigkeit. Ich r\u00e4umte vorerst weiter Pakete f\u00fcr ihn ab und half ihm, wo ich konnte, obwohl er mir langsam auf den Keks ging. Ich fuhr meine Unterst\u00fctzung langsam zur\u00fcck, indem ich auch Pakete durchlaufen lie\u00df, worauf er sich lauthals dar\u00fcber beschwerte, dass ich ihn im Stich lie\u00dfe. Bert redete ruhig, Mike eher ungehalten mit ihm: <em>&#8220;Sei froh, dass Du neben Dominik stehst, jeder andere h\u00e4tte Dir bereits in den Arsch getreten!&#8221;<\/em> Mike hatte Recht &#8211; denn ich investierte jeden Tag mehr als 15 Minuten meiner eigenen Zeit in seine Aufgaben. Aber diese Unterredung mit Mike f\u00fchrte dann dazu, dass er endg\u00fcltig zu der Meinung kam, Mike und ich seien die K\u00f6pfe der Verschw\u00f6rung gegen ihn, und dass wir ihm absichtlich immer mehr und mehr Pakete auf die Tour disponierten, um selbst noch fr\u00fcher Feierabend und ihn fertig zu machen. Er ging in seiner egomanischen Verblendung sogar soweit, laut zu vermuten, dass nur er allein so lange fahren m\u00fcsse und dass alle anderen um drei oder halb vier sp\u00e4testens zuhause seien. Dieses Selbstmitleid kotzte mich zunehmend an. <\/p>\n<p>Der H\u00f6hepunkt trat im Zuge des Ramadan ein. Er machte wie \u00fcblich alles so, wie er allein es f\u00fcr richtig hielt \u2013 und setzte sich irgendwann mit gequ\u00e4ltem Gesichtsausdruck auf die Ladefl\u00e4che seines Transporters.<br \/>\nGesichter machen, ja, das kann er, wenn ich das noch schnell einschieben darf. Wir hatten da mal einen Vortrag von Peter, der sich dar\u00fcber beklagte, dass sich Fahrzeugsch\u00e4den geh\u00e4uft hatten. Er sprach niemanden direkt an, jeder, der einen Lackschaden verursacht hatte, wusste, dass er gemeint war. Es ging um f\u00fcnf oder sechs Leute. Ich war dabei, Rudi war dabei. Der aber stand da&#8230; wie soll ich das beschreiben? Er lehnte sich stehend an die Wand, die Stirn am erhobenen Unterarm, und machte ein Gesicht wie das Leiden Christi, wie man so sch\u00f6n sagt. In seinem Fall vielleicht: <em>&#8220;Allah, warum pr\u00fcfst Du mich so?&#8221;<\/em> Ich h\u00e4tte fast lachen k\u00f6nnen damals.<br \/>\nW\u00e4hrend er also so da sa\u00df, auf seinem Trittbrett, wie nach einem Marathonlauf, lief ein Bitburger Paket nach dem anderen durch. Ich machte ihn darauf aufmerksam und fragte, was er da mache. Er ging sofort in die Luft und sagte, ich sei ignorant und noch andere Dinge, die ich im Detail vergessen habe. Nicht vergessen habe ich, wie er schlie\u00dflich sein Ego aufbl\u00e4hte, dass es kaum mehr in die Halle passte: <em>&#8220;Ich bin ein richtiger Mann! Ich bin nach Deutschland gekommen, ohne Verwandte, ich habe Deutsch gelernt und hier studiert! Das habe ich geschafft!&#8221;<\/em> (Ich habe bis heute nicht verstanden, was das mit der damaligen Situation zu tun hatte.)<br \/>\n<em>&#8220;Ja, sch\u00f6n&#8230; ich bin nach Japan gegangen&#8230; ohne Verwandte, ich habe Japanisch gelernt und auch dort studiert&#8230; warum glaubst Du eigentlich, Du seist was Besonderes?&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Ich lasse mich hier nicht unterkriegen! Ich bin ein richtiger Mann!&#8221;<\/em><br \/>\n(Ich GLAUBE, dass er das mit dem &#8220;richtigen Mann&#8221; auch so meinte, dass er als Einziger mutig gegen Unrecht ansprach, w\u00e4hrend alle anderen Fahrer sich angstvoll unter das kapitalistische Terrordiktat duckten &#8211; oder so \u00e4hnlich.)<br \/>\n<em>&#8220;Du willst ein richtiger Mann sein? Dann arbeite doch mal wie einer! Bislang arbeitest Du eher wie ein kleines M\u00e4dchen! Ich muss auch Leistung bringen, wenn ich mal nen schlechten Tag habe!&#8221;<\/em><br \/>\nPeter kam in diesem lauten Moment dazu, zog meine Aufmerksamkeit auf sich und sagte zu mir, ich solle noch heute durchhalten, ab morgen werde sich da was \u00e4ndern.<br \/>\nDer Moment war sogar so laut geworden, dass Leute, die mich seit meiner Einstellung kannten, direkt erstaunt dar\u00fcber waren, dass ich mich auch aufregen konnte.<\/p>\n<p>Nun ja&#8230; es ging bereits l\u00e4nger das Ger\u00fccht, dass Rudi gehen m\u00fcsse, nicht zuletzt wegen seiner Querelen mit Kunden, und mein Tierarzt war nicht der einzige, der sich \u00fcber ihn beschwert hatte. Fast jeder wusste, dass Rudi nicht \u00fcber seine Probezeit hinaus besch\u00e4ftigt werden w\u00fcrde; nur Rudi wusste es nicht \u2013 und Peter war der einzige, der nicht wusste, dass es bereits jeder andere wusste. Irgendwie eine seltsam lustige Situation.<br \/>\nDer Tag darauf: Rudi wurde morgens, nachdem er das Auto in die Halle gestellt hatte, von Peter einbestellt. Rudi fiel aus allen Wolken, das hatte er nicht kommen sehen. Wie h\u00e4tte er das auch kommen sehen k\u00f6nnen, so geblendet von seiner eigenen Selbst\u00fcberzeugung?<br \/>\nDas traf ihn so hart, dass er, wie mir Octavia erz\u00e4hlte, am Nachmittag erneut vor der Halle auftauchte, in der Hoffnung, Peter vorzufinden, um ihn zu bitten, seine Entscheidung r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen. Muss ihn einige \u00dcberwindung gekostet haben, seinen Stolz f\u00fcr diesen Auftritt einmal zu schlucken. Peter lie\u00df sich allerdings nicht sehen und unsere Damen waren allesamt froh, dass er endlich weg war. Und Mike bekam noch einmal Mordgedanken, als er Rudis Transporter ausr\u00e4umte: Da fanden sich Dutzende Abholbelege, die Rudi eigentlich als Quittung an Kunden h\u00e4tte abgeben sollen und ein halbes Dutzend PET-Flaschen voller Pisse, die Rudi zwar gef\u00fcllt, aber nie entleert und entsorgt hatte.<\/p>\n<p>Zwischendurch h\u00f6rte man Ger\u00fcchte, er sei als Promoter zu einem bekannten Elektronikdiscounter gewechselt. Ich wei\u00df nicht, ob ich dem Ger\u00fccht Glauben schenken kann, denn Rudi hat keine Pers\u00f6nlichkeit oder Einstellung, die f\u00fcr den Kundendienst &#8211; ganz zu schweigen von Werbung &#8211; in auch nur der geringsten Weise zu gebrauchen w\u00e4re.<br \/>\nMan h\u00f6rte auch von Versuchen, als Fahrer bei DPD und GLS zu landen. Beim DPD sei er \u00fcber zwei oder drei Probetage nicht hinausgekommen und bei GLS habe er es verschissen, weil er sich zu realit\u00e4tsfremd gab, wie man sagen k\u00f6nnte. Hier also die Geschichte, die ich geh\u00f6rt habe:<\/p>\n<p>Er hatte sich bei GLS beworben, die damals noch aus dem Saarland hochgefahren kamen, um Trier zu bedienen. Er wurde einem der Trierer Fahrer als Praktikant zugeteilt und wurde von diesem gewisserma\u00dfen an der Haust\u00fcr abgeholt. Aus irgendeinem Grund kam er zu der Meinung, dies w\u00fcrde f\u00fcr immer so bleiben &#8211; ich habe auf seine festgefahrenen Denkmuster ja bereits hingewiesen: Wenn er morgens bei der \u00dcberpr\u00fcfung seiner Sendungsliste eine Tour\u00e4nderung wahrnahm, war er auch regelm\u00e4\u00dfig der Meinung, das werde so bleiben: <em>&#8220;Bleibt das jetzt so? F\u00fcr immer?&#8221;<\/em> Allein die Art der Frage nervte mich schon. <em>&#8220;Nein, nichts ist f\u00fcr immer. Das bleibt so lange so, bis man auf etwas anderes kommt.&#8221;<\/em> Rudi mochte halt keine Ver\u00e4nderungen. Der braucht einen Job, wo er jeden Tag das selbe macht, ohne \u00c4nderung der Routine. F\u00fcr alles andere ist er geistig nicht flexibel genug.<br \/>\nWie dem auch sei: Bald schon ging es auf seiner GLS Tour darum, dass er morgens ins Depot kommen m\u00fcsse, wie jeder andere auch. Das sah er ja gar nicht ein und er fragte, ob man ihn nicht immer morgens abholen k\u00f6nne, um die Tour zu fahren. Da war der Fahrer schon ein bisschen ungehalten: <em>&#8220;Du schwingst Deinen Arsch gef\u00e4lligst ins Depot und l\u00e4dtst Dein Auto selbst!&#8221;<\/em> Und beim Management soll er es vergeigt haben, als er im Augenblick der Wahrheit verlangt haben soll, dass er garantiert nicht mehr als 60 Kunden pro Tag fahren m\u00fcsse. <em>&#8220;Es gibt keine GLS Tour mit nur 60 Stopps!&#8221;<\/em><br \/>\nDa ging er hin und war nur noch als &#8220;die Pfeife&#8221; bekannt. <\/p>\n<p>Ich bitte allerdings zu beachten, dass ich mich f\u00fcr den Wahrheitsgehalt dieser \u00c4u\u00dferungen nicht verb\u00fcrgen kann, die kamen \u00fcber mehr als drei Ecken zu mir und ich wei\u00df ja, dass manche Zeitgenossen eine Geschichte gern mal ausschm\u00fccken. <\/p>\n<p>An einem sonnigen Herbsttag war er auf Kurzbesuch wieder da. Gekleidet in beste arabische \u00c4sthetik&#8230; glaube ich. Sandfarbener Leinenanzug mit bordeauxrotem Hemd, D&#038;G Sonnenbrille, feine Lederschuhe in hellbraun. Ich w\u00e4r beinahe blind geworden. Er hatte an dem Tag eine Unterredung mit Peter, die der mir freundlicherweise eine Weile darauf schilderte. Wie leider alle in Ungnade gefallenen &#8220;Ausscheider&#8221; hatte auch Rudi noch Lohnforderungen, brachte diese aber ganz anders als die anderen auf seine eigene Art vor. Er habe eine gute Arbeit in Luxemburg gefunden und verdiene 7000 E im Monat. Auf die paar Hundert Kr\u00f6ten k\u00f6nne er nat\u00fcrlich verzichten, das Geld sei nicht so wichtig, aber es gehe ihm um sein Recht. Er sprach gern von &#8220;seinem Recht&#8221;, das er sich zum Teil irgendwie zusammensponn und das er auf seine extrem selbstbezogene Art auslegte. Das passte nat\u00fcrlich alles nicht zusammen, denn eigentlich war er doch mit seinem FH Studium noch nicht am Ende, oder? Das sollte doch erst nach einem sechsmonatigen Praktikum in Irland, beginnend im Dezember 2012, zu Ende sein, oder? Ich neige dazu, ihm nicht zu glauben, wenn er was von einem 7000 E schweren Job erz\u00e4hlt, den kriegt man ohne Abschluss n\u00e4mlich nicht einfach so. Das einzige, was Luxemburg realistisch macht, sind seine Franz\u00f6sischkenntnisse; was alles andere betrifft, traue ich ihm eher zu, eine L\u00fcge zu erz\u00e4hlen, um nicht als Loser dazustehen, um vorzugeben, er habe was erreicht, auch ohne uns. Klingt wie verwirrter Kram? Rudi IST ein wirrer Typ. Er will sich ja nur vor Gott f\u00fcrchten&#8230; ob dessen Prophet nicht auch gepredigt hat, dass Stolz eine Tods\u00fcnde ist? Bei den \u00c4hnlichkeiten zwischen christlichen und moslemischen Glaubensdogmen w\u00fcrde es mich nicht wundern. Er ist in der Tat der Einzige, dessen Abgang ich nicht bedauere, nicht im Geringsten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zeit tr\u00fcbt jede Erinnerung und viele, viele Einzelheiten sind bereits verloren gegangen. Ich glaube, im Fluss der Beschreibungen, was in meinem Arbeitsleben so l\u00e4uft, war ich zuletzt etwa am Ende des zweiten Quartals 2012 angekommen, und um die Ereignisse der Zwischenzeit nachzuvollziehen, existiert nur eine Sammlung von Stichw\u00f6rtern. Ich glaube, ich wollte zuletzt noch [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_s2mail":"yes","footnotes":""},"categories":[10],"tags":[1694,1690,218,275,1946],"class_list":["post-2270","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitswelt","tag-arbeitseffizienz","tag-arbeitsorganisation","tag-dummheit","tag-irrsinn","tag-transoflex"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2270","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2270"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2270\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2508,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2270\/revisions\/2508"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2270"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2270"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2270"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}