{"id":2211,"date":"2012-08-19T21:45:26","date_gmt":"2012-08-19T19:45:26","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=2211"},"modified":"2017-10-22T12:17:11","modified_gmt":"2017-10-22T10:17:11","slug":"gaytal-kamikaze-teil-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=2211","title":{"rendered":"Gaytal Kamikaze (Teil 12)"},"content":{"rendered":"<p>Ich wollte ja noch \u00fcber die Kosten reden, im Sinne von Kosten, die der Fahrer so zu tragen hat, wie es scheint.<br \/>\nLack- und Karosseriesch\u00e4den tr\u00e4gt grunds\u00e4tzlich der Fahrer, wenn er sie verursacht hat. Ob das &#8220;grob fahrl\u00e4ssig&#8221; geschieht, oder ob er sich beim vorsichtigen Man\u00f6vrieren um eine enge Kurve lediglich um zwei entscheidende Zentimeter versch\u00e4tzt hat, interessiert niemanden. Wie es scheint, weigert sich die Versicherung des Unternehmens hartn\u00e4ckig, \u00fcberhaupt irgendwas zu zahlen. Zumindest bekommen wir an der Basis das erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Konkret: Zuerst hatte schlie\u00dflich auch ich den gelben Pfosten bei der Ausfahrt aus dem Depot gestreift. Das Blech unter dem Scheinwerfer war verbogen und der Lack abgeschabt, das Plastikteil unterhalb der Schnauze des Sprinters brach und es bildete sich ein Riss von 20 cm. Kostenpunkt: Sch\u00e4tzungsweise 400 Euro. <\/p>\n<p>Beim Wenden in einer Stra\u00dfe ber\u00fchrte ich mit dem Trittbrett das Zauntor eines Kunden, mit der Folge, dass der Haltepflock des Tors in der Mitte abgewinkelt wurde, soll hei\u00dfen: Er kam nicht mehr in seine Einfahrt, bzw. nicht mehr heraus. Und ich dachte noch: Was kann so ein St\u00fcck Metall schon kosten? Ha! Da kam ein Handwerker, um den alten Stab abzus\u00e4gen, besorgte dann einen neuen Stab und kam erneut, um diesen einzusetzen. Rundstahl, 40 cm lang, 20 mm Durchmesser, mit angeschwei\u00dften Griff zur leichteren Handhabung: 150 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Dabei kann ich mich noch gl\u00fccklich sch\u00e4tzen, dass der betroffene Kunde zu einer vern\u00fcnftigen Sorte Mensch geh\u00f6rt. Man h\u00f6rt von anderen Leuten, die sich bei solcher Gelegenheit das ganze Tor neu machen lassen. <\/p>\n<p>An einer anderen Stelle, w\u00e4hrend der Fahrt, war ich auf der Suche nach einer Hausnummer und fuhr langsam eine Stra\u00dfe runter. Ein hinter mir aufschlie\u00dfendes Fahrzeug \u00fcberholte mich daher &#8211; just in dem Moment, als ich den Blinker setzte und in die Toreinfahrt links einfahren wollte. Das gab eine Schramme, bei dem anderen mehr als bei mir. Nach meinem ersten Eindruck war der andere Schuld, aber meine Gewohnheit, selbstkritisch zu sein, l\u00e4sst mein Gewissen nicht ruhen: Habe ich vielleicht zu kurzfristig geblinkt? Habe ich in die Spiegel geschaut? Ich kann mich nicht erinnern. Diese Ma\u00dfnahmen laufen so nebenl\u00e4ufig ab, dass ich nicht mehr bewusst darauf achte. Ich w\u00fcrde mich wundern, wenn ich nicht geschaut h\u00e4tte, aber ich wei\u00df es eben nicht mehr. Es ist nicht auszuschlie\u00dfen, dass beim Blick in Innen- und Au\u00dfenspiegel das \u00fcberholende Fahrzeug im jeweils entscheidenden Moment nicht mehr im Sichtbereich war, und Kopf drehen bringt im Sprinter ja nichts. Peter meinte jedenfalls, dass dies ein Fall von beidseitiger Schuld sein d\u00fcrfte &#8211; was hei\u00dft, dass jeder auf seinen eigenen Kosten sitzen bleibt. <\/p>\n<p>Der Schaden &#8220;verschwand&#8221; bald danach: Rudi streifte beim Rausfahren meinen Wagen an genau der Stelle. Ich wei\u00df nicht, was daraus geworden ist, mich haben noch keine Ersatzforderungen erreicht. <\/p>\n<p>Bei n\u00e4chster Gelegenheit fuhr ich zur Apotheke in Irrel und fand &#8220;meinen&#8221; Parkplatz vor dem Torbogen zum Hintereingang von einem Handwerker besetzt. Auf dem Kundenparkplatz standen zwei Wagen, ein kleiner PKW und eine Art Gel\u00e4ndewagen, dahinter war noch ein Platz frei, und da fuhr ich hin. Ich h\u00f6rte ein Ger\u00e4usch, als sei ein gro\u00dfer Blumentopf aus Ton umgefallen und dachte mir in der Sekunde noch nichts dabei &#8211; bis ein Kunde aus der Apotheke kam und beim Anblick meines Fahrzeugs das Gesicht verzog. Ich setzte also wieder ein kleines St\u00fcck zur\u00fcck und sah nach, was los war: Hinter dem Gel\u00e4ndewagen versteckten sich zwei Metallpfosten, die verhindern sollten, dass der Eingang zugeparkt wurde. Die beiden waren f\u00fcr mich v\u00f6llig unsichtbar gewesen.<br \/>\nIch informierte Peter, dann den Apotheker. Der schockte mich gleich, als er erw\u00e4hnte, die beiden Pfosten seien eine Spezialanfertigung (in Leuchtturmform) von einer heute nicht mehr existenten Schlosserei gewesen, das klang gleich mal wieder nach dreistellig. Aber er beruhigte mich: So wie er das sehe, sei nur die Bodenplatte etwas verzogen und die rot-wei\u00dfe Lackierung sei eh bereits nicht mehr im besten Zustand. Er wolle mit einem Fachmann reden und mich dann anrufen.<br \/>\nDer Anruf kam am folgenden Mittag und er sagte, der Betrag sei nur geringf\u00fcgig; er werde das \u00fcbernehmen, ich k\u00f6nne ja mal etwas Schokolade f\u00fcr die Damen in der Apotheke mitbringen. Ich ging in einen Supermarkt, kaufte zehn Tafeln verschiedener Sorten Milkaschokolade, lie\u00df sie h\u00fcbsch verpacken und \u00fcberbrachte sie bei n\u00e4chster Gelegenheit.<\/p>\n<p>Das bedeutet, ich war das Problem der gesch\u00e4digten Partei los, aber die Delle in der Karosserie war ja noch da. Big M polierte den roten Lack des Pfostens aus der T\u00fcr, damit dies weniger auff\u00e4llig war, aber wie viel ich davon noch zu tragen habe, ist bislang unklar. Big M machte mir Hoffnungen, er k\u00f6nne mir die Karosserie richten und die angekratzten Stellen neu lackieren lassen, ohne, dass ich mehr als einen F\u00fcnfziger daf\u00fcr w\u00fcrde zahlen m\u00fcssen. Noch ist nichts geschehen, und das h\u00e4ngt zum Teil mit Peters Z\u00f6gerlichkeit zusammen. Big M versuchte ihm klar zu machen, dass er das k\u00f6nne, aber Peter beantwortet solche Anliegen meist mit einer Verschiebung auf sp\u00e4ter. Wenn ich also will, dass da was geschieht, muss ich selbst dranbleiben.<\/p>\n<p>Und als ob das nicht genug w\u00e4re: Bei der Abfahrt von einem Kunden auf dem Dach des HELA Baumarktes nahm ich die Kurve der Rampe zu eng und machte einen weiteren Kratzer in die hintere rechte H\u00e4lfte des Fahrzeugs. Auch hier sind die Kosten noch nicht abzusehen. Vielleicht kriege ich Big M dazu, sich darum zu k\u00fcmmern, wenn ich Urlaub habe.<\/p>\n<p>Jedenfalls kam es in jener Zeit zu einer H\u00e4ufung von Fahrzeugsch\u00e4den. Unser Subsubunternehmen kam binnen eines Monats auf etwa 4000 Euro, niemand kann sagen, woran das lag. Peter, nicht angetan, hielt eine dem entsprechend emotionale Rede dazu. Konrad war davon so beeindruckt, dass er just an dem Tag beim Rausfahren noch einmal den gelben Stahltr\u00e4ger streifte, wodurch die r\u00fcckw\u00e4rtige Abdeckung seines rechten Frontscheinwerfers herausgedr\u00fcckt wurde. Ich selbst war an diesem Tag sehr nerv\u00f6s und geriet in eine oder zwei kritische Situationen, die gl\u00fccklicherweise ohne Folgen blieben. <\/p>\n<p>In Folge dessen blieb die an sich kritische Situation leider statisch: Im Monat zuvor hatte es gehei\u00dfen, wir sollten bis zu sieben &#8220;neue&#8221; Autos bekommen (wobei die Definition von &#8220;neu&#8221; ja dehnbar ist). Das Ende vom Lied war, dass EIN neues Auto kam (und das war RICHTIG neu mit nur ein paar Tausend Kilometern auf dem Tacho) und wir ansonsten auf den schrottigen und mit Minimalaufwand gewarteteten Kisten sitzen blieben. <\/p>\n<p>Kommen wir zu etwas Unterhaltsamerem.<br \/>\nFelix wurde zum Depotchef zitiert, weil er Abholware nicht mitgenommen hatte. Es handelte sich, zugegeben, um ein sperriges Paket, das man ihm ziemlich zu Beginn seiner Tagestour geben wollte. Ohne sich mit Peter oder Mike abzusprechen, vertr\u00f6stete er den Kunden, die Ware sei ihm zu gro\u00df, da er den ganzen Tag drumherum w\u00fcrde arbeiten m\u00fcssen, und es werde vielleicht noch ein LKW kommen, um es abzuholen. Nat\u00fcrlich waren die LKW-Touren f\u00fcr den Tag bereits verplant, Elmo und Puck hatten an dem Tag nichts in der Gegend zu tun und folglich holte auch niemand das Paket ab. Warum er das Paket nicht am Ende des Tages noch geholt hat, versteht vermutlich nur er selbst, aber f\u00fcr Felix ist jegliche Arbeit nur ein notwendiges \u00dcbel, dass man so schnell wie m\u00f6glich hinter sich bringt. Ich habe seine Arbeitsweise zu einem fr\u00fcheren Zeitpunkt <a href=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1847\" title=\"KoK 8\">bereits beschrieben<\/a>.<br \/>\nEr bekam also eine R\u00fcge, und wer den Schaden hat, braucht f\u00fcr den Spott ja nicht zu sorgen. Er musste sich so einige Witze dar\u00fcber gefallen lassen, was ihm zu gro\u00df oder zu schwer sei, ganz zu schweigen von sexuellen Anspielungen \u00fcber seinen Umgang mit Damen aus den Altersheimen, die er beliefert und wo er auch \u00f6fters zu Mittag isst. <\/p>\n<p>Aber auch ein Gro\u00dfkunde in Longuich beschwerte sich \u00fcber ihn, weswegen er noch einmal zum Chef zitiert wurde. Laut Kunde war Felix unh\u00f6flich gewesen, ich nehme also an, dass ihm in seiner selbstgemachten Hektik eine unvorsichtige Bemerkung rausgerutscht ist, oder der Kunde hatte eine Dienstleistung eingefordert, die er zu leisten nicht willens war, zum Beispiel Aufstapeln von Paketen an einer bestimmten Stelle und nicht einfach nur hinter dem Lieferwagen &#8211; ich wei\u00df es nicht und es mangelt mir auch an Neugier, solche F\u00e4lle genau zu hinterfragen, wenn der Betroffene nicht selbst damit rausr\u00fcckt. Jedenfalls erz\u00e4hlt man sich, dass Felix jenen Kunden seitdem mit einer ausgesuchten H\u00f6flichkeit bedenkt &#8211; allerdings auf eine Art und Weise, die durchblicken l\u00e4sst, dass er es gezwungenerma\u00dfen tut. Puck, der ja Paletten zum gleichen Kunden bringt, erz\u00e4hlte mir jedenfalls, dass man dort dazu \u00fcbergegangen sei, Felix mit einem gewissen Humor zu betrachten, vor allem, wenn er sowas sagt wie: <em>&#8220;&#8230; und einen sch\u00f6nen Tag f\u00fcr Sie!!&#8221;<\/em> oder <em>&#8220;Ich habe heute keinen guten Tag&#8230;&#8221;<\/em>. Solche Darlegungen sind nat\u00fcrlich ohne die ihm eigene Intonation nur halb so lustig, aber Eingeweihte am\u00fcsieren sich dar\u00fcber. <\/p>\n<p>Eine Weile h\u00e4uften sich derlei Beschwerden, er bekam jeweils was auf den Deckel und irgendwann legte sich diese Phase auch wieder. Aber seine Eigenarten beh\u00e4lt er. So war er eine Woche krank gemeldet und ich schickte ihm eine SMS mit dem Inhalt <em>&#8220;Gute Besserung, Du alter Simulant! :-)&#8221;<\/em>, inklusive des Smileys, der jedem Halbdebilden klarmachen sollte, dass es sich um eine humoristische \u00c4u\u00dferung handelte. Er stattdessen schickte nicht nur mir eine Mitteilung zur\u00fcck (<em>&#8220;Dass meinst Du jetzt nicht ernst, oder???&#8221;<\/em>), sondern beschwerte sich auch noch bei Big M (<em>&#8220;Ich verstehe da absolut keinen Spa\u00df!&#8221;<\/em>), der herzhaft dar\u00fcber lachte, so wie es von mir beabsichtigt war. <\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang ist ein Ereignis bemerkenswert, das ich scheinbar noch nicht erw\u00e4hnt habe. Puck war den ersten Monat da, da hatte Felix mit Peter ausgemacht, wegen eines Familientreffens fr\u00fcher Schluss machen zu k\u00f6nnen. Peter rief daher Puck an, der wegen einer Palettenlieferung in der N\u00e4he war, damit dieser Pakete aus Felix&#8217; Wagen mitnehmen und ausliefern k\u00f6nne. Felix hatte zu diesem Zweck wohl den Schl\u00fcssel zum Lieferwagen in einem Schuppen seines Hauses hinterlegt und Peter dies auch mitgeteilt, aber Peter hatte gleichzeitig nicht durchblicken lassen, dass jemand etwas holen kommen w\u00fcrde. Felix wiederum hatte scheinbar Peter einen fr\u00fcheren Reisezeitpunkt als den tats\u00e4chlichen mitgeteilt, und ich nehme schlicht an, dass er dies tat, um irgendwelchen Eventualit\u00e4ten vorzubeugen, damit er seinen Zug nicht verpasste. Keine gro\u00dfe Sache, oder?<\/p>\n<p>Felix ist aber leicht paranoid, gerade in dieser schwierigen Zeit, wo er sich andauernd wegen diverser Fehlverhalten hatte rechtfertigen m\u00fcssen. Puck kam also an entsprechender Stelle an und fand Felix noch vor. Ich muss schon mutma\u00dfen, dass Felix in dem Moment den Verdacht hegte, Peter habe jemanden geschickt, um zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob die Geschichte mit der Familienreise auch stimme. Und da Felix in solchen Sachen ja absolut keinen Spa\u00df versteht, nicht wahr, kam ihm Pucks ganz normaler Humor auch reichlich quer. Puck hatte nicht damit gerechnet, Felix noch anzutreffen und \u00fcberlegte einen kurzen Moment, was er lockeres sagen k\u00f6nne. Felix jedenfalls sagte sp\u00e4ter zu mir, Puck habe den Eindruck von jemandem gemacht, der bei einer Heimlichtuerei erwischt worden sei, er habe &#8220;rumgedruckst&#8221;.<br \/>\nWas hat er gesagt?<br \/>\n<em>&#8220;Hallo! Peter schickt mich, um Dir ein paar Pakete zu klauen.&#8221; *grins*<\/em><br \/>\nNiemand &#8211; au\u00dfer Felix &#8211; k\u00f6nnte sowas ernst nehmen. Er wies also den Weg zum Wagen und machte sich davon. Unterwegs telefonierte er mit dem fr\u00f6hlichen Winzer und teilte diesem die &#8220;beunruhigenden&#8221; Neuigkeiten mit. Der Winzer rief daraufhin mich an, da ich Puck ja schon seit Jahren kenne, ob ich der Meinung sei, Puck habe sich von Peter vielleicht irgendwie dazu bringen lassen, Felix wegen der vielen Kundenbeschwerden durch eine solche Aktion sozusagen abschussreif zu machen. Das ist nat\u00fcrlich purer Unsinn, da Puck einer der ethisch festesten Personen ist, die ich kenne. Er hat andere Fehler, aber bei sowas w\u00fcrde er nicht mitmachen.<br \/>\nIch \u00fcbte mich also in mediatorischer Kommunikation und die Sache ging vorbei, ohne dass Beziehungssch\u00e4den entstanden. <\/p>\n<p>Zum Abschluss: Ich war \u00fcberrascht, als sich irgendwann eine scherzhafte Bemerkung von mir in die Tat umsetzte und ich im Dezember 2011 tats\u00e4chlich der Fahrzeugreinlichkeitsinspektor wurde. Ich sollte also jeden Montag pr\u00fcfen, ob die Leute ihre Autos gereinigt hatten, und Peter legte mir gleich ans Herz, nicht zu streng zu sein. Inwiefern konnte ich streng sein? Ich lege ja nur Notizen vor, in denen Fahrzeugkennzeichen Fahrern zugeordnet und mit einem Vermerk versehen werden, ob der jeweilige Fahrer seinen F\u00fchrerschein noch hat und ob er sein Fahrzeug gereinigt hat. Was f\u00fcr einen Handlungsbedarf er als Chef aus diesen Notizen interpretiert, ist allein seine Sache.<br \/>\nIch sehe das Auto au\u00dfen an: Liegt grober Stra\u00dfenschmutz vor, ist das Auto <em>&#8220;au\u00dfen ungereinigt&#8221;<\/em>, gleiches gilt, wenn der grobe Schmutz mit einem Hochdruckstrahler zwar weggesp\u00fclt wurde &#8211; aber diese Ger\u00e4te richten gegen den feinen, festgebackenen Staub rein garnichts aus. Ich erwarte keine Politur, aber einen Schwamm oder eine B\u00fcrste k\u00f6nnten die Leute schon benutzen. Sieht nat\u00fcrlich nicht jeder ein.<br \/>\nIch sehe das Auto innen an: Das schnelle Mittagessen hinterl\u00e4sst Brotkr\u00fcmel und andere Reste, zum Beispiel Flaschen, Getr\u00e4nkedosen, Servietten oder Verpackungen. Die haben im Auto ebenso wenig verloren wie Stra\u00dfendreck, der mit den Schuhen reingetragen wird, oder die dreckig-gelb-braune Schmierschicht, die nach dem Tabakrauchen an der Innenseite der Windschutzscheibe anhaftet. Dar\u00fcber hinaus scheint es, als ob manche Leute ihre Limonadenflaschen zwischen den einzelnen Trinkakten nicht verschlie\u00dfen, dann finden sich an den T\u00fcren oft klebrige Spritzreste. Im schlimmsten Fall finde ich Kaffeereste in der Ablage vor dem Fahrer, wo sich ein Becherhalter befindet. Ich erwarte auch hier keine Grundreinigung, aber wenigstens den Staub runterfegen k\u00f6nnte man doch!? Weniger Strenge macht sich bei mir dadurch bemerkbar, dass ich innen wirkklich nur nach groben Verschmutzungen suche &#8211; ungefegt, Restm\u00fcll oder Getr\u00e4nkespritzer? <em>&#8220;Innen ungereinigt&#8221;<\/em>. <\/p>\n<p>Ich habe Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, dass herbstliches Wetter die Motivation zur Reinigung nicht f\u00f6rdert. Bei Regen stelle ich mich nicht auf den Parkplatz, um den Matsch runterzuwischen. Dabei stehe ich als Kontrolleur unter einem besonderen Druck: Mein Auto MUSS das sauberste sein, und wenn es nicht das sauberste ist, muss es doch zumindest beanstandungslos sein. Wenn es wirklich h\u00e4sslich aussieht, fahre ich zur Waschanlage bei der Firma Hess. Aber das kostet drei Euro, die mir niemand ersetzt. <\/p>\n<p>Ich traf dort einen der Luxemburger Fahrer, der mir nicht nur erz\u00e4hlte, dass sie alle solchen Kosten ersetzt bek\u00e4men, sondern auch in der Regel nicht f\u00fcr Fahrzeugsch\u00e4den haften m\u00fcssten und dar\u00fcber hinaus auch noch 300 Euro mehr im Monat h\u00e4tten &#8211; bei durchschnittlich halber Arbeitsbelastung, in Paketzahlen ausgedr\u00fcckt. Die sind um Zwei zuhause, mal abgesehen vom Weihnachtsgesch\u00e4ft vielleicht, und ihre VIER LKWs fahren auch nur eine Tour am Tag, was Elmo und Puck bestenfalls im ruhigen Sommer erleben; die fahren in der Regel zweimal, und wenn sie Pech haben, m\u00fcssen sie sogar drei Touren fahren. <\/p>\n<p>Im vergangenen Februar wurde aber auch die Waschanlage ausgeschaltet: Bei Minus 20 Grad froren die Anlagen ein, an ein Reinigen der Fahrzeuge war nicht zu denken.<br \/>\nAls die K\u00e4lte zuschlug, hatten wir morgens im Lager Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Allein die B\u00fcros der Ablaufkontrolle waren geheizt. Irgendwann sp\u00fcrte ich meine Fingerspitzen und mein Gesicht nicht mehr. Im B\u00fcro fragte ich den Chef daher (w\u00f6rtlich), ab welcher Temperatur die Statuten der Distributionsgruppe denn die Inbetriebnahme der vorhandenen Heizung erlaubten?<br \/>\n<em>&#8220;Hm,&#8221;<\/em> sagte er, <em>&#8220;das muss ich mir noch \u00fcberlegen.&#8221;<\/em><br \/>\nEr \u00fcberlegte schnell. Ab dem folgenden Tag wurde die Halle auf ca. 15\u00b0 C geheizt. Das war angenehm. Aber man musste mit den Rolltoren aufpassen.<br \/>\nDie Tore hinten, wo die LKWs be- und entladen werden, sind immer auf, solange ein LKW da steht. Zwischen LKW und Mauer bleibt jedoch immer ein Spalt frei, der sich bemerkbar macht, sobald das gro\u00dfe Rolltor an der Vorderseite des Geb\u00e4udes ge\u00f6ffnet wird, weil zum Beispiel der Belgienkurier hinein-, bzw. die Luxemburger herausfahren m\u00f6chten. Das Luftvolumen des gesamten Lagers k\u00fchlt innerhalb von weniger als einer Minute v\u00f6llig aus.<br \/>\nDas Management beklagt sich nat\u00fcrlich \u00fcber die Heizkosten, und das sind die Leute, die in beheizten B\u00fcros arbeiten. Wir Fu\u00dfsoldaten sagen: Solche Kosten berechnet man in die Jahresgewinnerwartung gef\u00e4lligst von vornherein mit ein!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich wollte ja noch \u00fcber die Kosten reden, im Sinne von Kosten, die der Fahrer so zu tragen hat, wie es scheint. Lack- und Karosseriesch\u00e4den tr\u00e4gt grunds\u00e4tzlich der Fahrer, wenn er sie verursacht hat. 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