{"id":219,"date":"2008-09-15T14:00:05","date_gmt":"2008-09-15T12:00:05","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=219"},"modified":"2009-09-24T18:02:36","modified_gmt":"2009-09-24T16:02:36","slug":"zaa-zaa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=219","title":{"rendered":"Zaa~ Zaa~ !!"},"content":{"rendered":"<p>Ich freue mich jedes Jahr auf <strong>&#8220;Trier spielt&#8221;<\/strong>, und das war dieses Jahr nicht anders. Gesteigert wurde diese Vorfreude durch das Wissen, dass ich wieder am Viehmarkt stehen w\u00fcrde, wo f\u00fcr dieses Jahr eine \u00dcberschneidung mit der <strong>&#8220;Looney Tunes Sport Party&#8221;<\/strong> geplant war, also mit Leuten in lustigen Kost\u00fcmen, wie man sie aus den Warner Bros. Cartoons so kennt. Es hatte zu <strong>&#8220;Trier spielt&#8221;<\/strong> noch nie geregnet, also hoffte man in der Organisation weiterhin auf dieses Gl\u00fcck, allerdings handelte es sich bei 2008 um das Verflixte Siebte Jahr.<\/p>\n<p>Nach einem kurzen Briefing ab 0800 im Haus des Handels brachten wir unser Material zu den vorgesehenen Standorten, gut zu erkennen an den gro\u00dfen Heliumflaschen, die am Laternenpfahl befestigt waren. Wie \u00fcblich hatte die ausliefernde Feuerwehr (oder das THW?) nicht darauf geachtet, die Ventil\u00f6ffnungen auch in einer passenden Richtung anzubringen, n\u00e4mlich idealerweise in Richtung Infostand, sondern seitlich vom Laternenpfahl weg zeigend. Aber gut, es h\u00e4tte schlimmer sein k\u00f6nnen. Leider kam es schlimmer.<\/p>\n<p>Um 0915 war der Infostand aufgebaut, die Verkaufsware ausgelegt, und alles andere so gut wie m\u00f6glich verstaut. Und dann fing es an zu regnen. Und es regnete ununterbrochen bis mindestens sechs Uhr abends. Als ich vor meinem Wohnblock ausstieg, da regnete es nicht mehr, aber das k\u00f6nnte in dem Moment auch an der gefahrenen Distanz gelegen haben.<\/p>\n<p>Im Laufe der verregneten Stunden meldeten sich aus unserem Zust\u00e4ndigkeitsbereich vier Veranstalter ab, die wegen mangelndem Publikumsverkehr keinen Sinn darin sahen, weitere Zeit zu investieren, aber die Jungs von den <strong>Looney Tunes<\/strong> lie\u00dfen sich ihre Motivation durch nichts ersch\u00fcttern. Sie verzichteten zwar darauf, Kost\u00fcme zu tragen, aber ansonsten zogen sie ihr Programm durch und lockten die wenigen, scheinbar ebenso unersch\u00fctterlichen Familien auf dem Platz durch moderne Marktschreierei. Mit Geschicklichkeitsspielen, die auf der \u00fcberdachten B\u00fchne stattfanden, konnte man T-Shirts gewinnen, und ein paar ganz Harte lie\u00dfen sich auch vom Regen nicht abschrecken und machten Korbw\u00fcrfe an <strong>&#8220;Daffy Duck&#8217;s Dunk&#8221;<\/strong> Wand, ohne Dach.<\/p>\n<p>Hin und wieder kam der eine oder andere der Animateure in den Pausen zu uns r\u00fcber, um ein bisschen zu plaudern. Dies sei der letzte der 26 Termine der Deutschlandtour, und w\u00e4hrend der H\u00e4lfte der Termine habe es geregnet, sagt einer, der Heiko hei\u00dft. Sie h\u00e4tten so oft bei Regen auf- und abgebaut, dass ihnen das letzte Mal hier auch nichts mehr ausmache. Ich w\u00fcnschte Ihnen weiterhin viel Gl\u00fcck, w\u00e4hrend ich andauernd das angesammelte Regenwasser vom Zeltdach sch\u00fctte und meine vier Mitarbeiter mit mehr oder weniger langen Gesichtern auf der Sitzbank im Zelt sitzen. So ab drei Uhr war es mit dem Sitzen dann allerdings vorbei, weil Wind aufkam und wir hin und wieder das Zelt festhalten und weggewehte Artikel aufsammeln mussten.<br \/>\nWir hatten dabei noch das Gl\u00fcck, dass unsere beiden Zeltw\u00e4nde so positioniert waren, dass sie Wind und Regen abhielten. Der Stand auf dem Domfreihof hatte seine \u00d6ffnung genau in den Wind. Dort war alles nass geregnet. Aber die dort Eingeteilten nahmen das mit \u00fcberraschend viel Humor und boten den Dombesuchern lauthals T-Shirts f\u00fcr Kinder und Enkel, Buttons und Luftballons an.<\/p>\n<p>Mit f\u00fcnf Personen am Stand waren wir situationsbedingt hoffnungslos \u00fcberbesetzt. In der Regel l\u00e4uft die Sache ja auch so, dass wir st\u00e4ndig Trauben von Kindern ums Zelt rum stehen haben, die die Gasballons schneller abgreifen wollen, als wir sie f\u00fcllen k\u00f6nnen. Dieses Jahr w\u00fcrde ich sch\u00e4tzen, dass um die zwei Dutzend Ballons vergeben wurden. So alle halbe Stunde kam mal jemand und bat um einen oder zwei. Ich h\u00e4tte den Stand alleine schmei\u00dfen k\u00f6nnen und w\u00e4re nie ins Schwitzen gekommen. Ganz im Gegenteil froren die anderen vier und verkr\u00fcmelten sich einzeln hin und wieder zum Eingang der Tiefgarage neben der Sparkasse, weil dort ein warmer Luftstrom herauswehte.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ging auch alles andere schlecht, was den Warenverkauf anging. Unser Stand hat f\u00fcnf T-Shirts und drei Buttons verkauft. Jeweils drei davon an die selbe Person, einen gutgelaunten Unternehmer aus Kanzem, der seinen drei Kindern was mitbringen wollte.<br \/>\nBei einer Gelegenheit stand da ein Gro\u00dfvater mit seinem Enkel, der sich eines der gelben Hemden w\u00fcnschte, was der Gro\u00dfvater in wohlwollendem Ton auch begr\u00fc\u00dfte &#8211; bis er erfuhr, dass eines davon unerh\u00f6rte sieben Euro kostete. <em>&#8220;Dann nehm ich das nicht, ich dachte die seien umsonst f\u00fcr die Kinder.&#8221;<\/em> Verzeihung, irgendwie muss sich Trier spielt auch finanzieren!<br \/>\nEin anderer Gro\u00dfvater kam eine Stunde sp\u00e4ter mit seiner Enkelin an den Stand, die wohl knapp 1,50 gro\u00df war. Meine Kollegin wollte ihr eins in ihrer Gr\u00f6\u00dfe anbieten, aber ich sagte ihr, sie sollte vielleicht eine Nummer gr\u00f6\u00dfer nehmen, da man im Alter von 12 Jahren wohl immer noch w\u00e4chst. Also fragte sie den Kunden, wie es denn mit Gr\u00f6\u00dfe 152 stehe. <em>&#8220;Ist das nicht auch ein bisschen wenig?&#8221;<\/em> fragte der Herr, und sie gab an, die Hemden fielen gr\u00f6\u00dfer aus, als das offizielle Ma\u00df, sie selbst trage Gr\u00f6\u00dfe 152 (sie ist schlank und etwa 1,70 lang). Und da sagt der zu ihr: <em>&#8220;Ach, Sie sind doch nicht erwachsen, Sie haben doch keine Ahnung!&#8221;<\/em> Sprach&#8217;s und verschwand. Nun ja, sie ist 24. Aber vielleicht verschwimmt die Alterseinsch\u00e4tzung zu sehr, wenn man mal \u00fcber 60 ist?<br \/>\nNa ja, es kamen auch nette Leute vorbei, die zwar nichts kauften, aber uns alles Gute bei dem miesen Wetter w\u00fcnschten. Ich war ihnen f\u00fcr die aufmunternden Worten sehr dankbar, wurde ich doch heuer um das Beste an der ganzen Sache betrogen: freie Kommunikation mit Leuten und Kindern. Sehr schade.<\/p>\n<p>Dieses Jahr ist garantiert ein dickes Minus in der Kasse. Ein schwacher Trost besteht wohl darin, dass T-Shirts und Buttons (mit dem <strong>&#8220;Trier spielt&#8221;<\/strong> Logo) ja nicht schlecht werden und im kommenden Jahr wieder angeboten werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es waren auch wieder zehn Kubikmeter Spielsand geliefert worden, f\u00fcr die die Volksbank verantwortlich war, aber die strichen so gegen 13 Uhr die Segel, und der Sand lag in der Gegend rum. Urspr\u00fcnglich war er abgedeckt worden, aber der Wind hatte die Abdeckung im Laufe des Tages nutzlos gemacht. Sagenhafterweise fanden sich zwei etwa F\u00fcnfj\u00e4hrige, die sich, nicht einmal zum Entsetzen ihrer Eltern, in den feuchten Sand st\u00fcrzten und zehn Minuten darin w\u00fchlten.<\/p>\n<p>Interessant dabei war auch, dass ein \u00f6rtlicher Spielzeugladen Gutscheine gespendet hatte, vier St\u00fcck f\u00fcr jeden Stand, im Sinne von: Man kauft f\u00fcr drei\u00dfig Euro ein und bekommt zehn geschenkt. Diese Gutscheine sollten wir an Besucher abgeben, die uns besonders sympathisch erschienen. Einen davon gaben wir dem Herrn aus Kanzem, weil er wirklich ein netter Kerl war. Als dann sp\u00e4ter die beiden Kinder im Sand spielten, dachten wir, der Familie k\u00f6nnten wir ja ebenfalls einen geben, weil diese Kinder eben die einzigen waren, die den Sand \u00fcberhaupt beachteten. Als der Kollege dann gerade den (laminierten) Gutschein aus dem Karton nahm, sah er, wie die beiden &#8220;G\u00f6ren&#8221; anfingen, den Sand fr\u00f6hlich quer \u00fcber den Platz zu werfen, und zwar ohne, dass ihre Eltern das irgendwie f\u00fcr unangebracht hielten. Der Gutschein verschwand wieder in dem Karton.<\/p>\n<p>Dann gibt es eine Sorte &#8220;Besucher&#8221;, die sich scheinbar auch vom Regen nicht abhalten l\u00e4sst, unsere St\u00e4nde einen nach dem anderen heimzusuchen: Unversch\u00e4mte Luftballongammler. Nach f\u00fcnf Jahren Erfahrung will ich es wagen, eine allgemeine Beobachtung zu \u00e4u\u00dfern: Diese Gruppen sind ausschlie\u00dflich m\u00e4nnlich, haben vier bis f\u00fcnf Mitglieder, sind nie \u00e4lter als 15, neigen dazu, Diebstahl zumindest anzudeuten, und bestehen in vier von f\u00fcnf F\u00e4llen aus Jugendlichen &#8220;mit Migrationshintergrund&#8221;, wie man so sch\u00f6n sagt.<\/p>\n<p>Und genau solche waren auch dieses Jahr unterwegs. Die fragen nicht einfach nach ein paar Luftballons &#8211; die wollen immer die ganze T\u00fcte. Und wenn die T\u00fcte exponiert herumliegt, dann nehmen sie die schon mal vorsorglich in die Hand. Die hier beschriebenen vier Jungs waren bereits zum zweiten Mal da.<br \/>\n<em>&#8220;Kann ich das haben?&#8221;<\/em> fragt einer, mit der T\u00fcte in der Hand, weil ich nicht schnell genug war.<br \/>\n<em>&#8220;Gib das wieder her!&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Was machen Sie denn, wenn ich jetzt einfach wegrenne?&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Dann m\u00fcsste ich Dich verfolgen und zur Strecke bringen. Das macht Dir weniger Spa\u00df als mir.&#8221;<\/em><br \/>\nEr legt die T\u00fcte wieder auf die Theke. Da rei\u00dft ein anderer einen der vier Buttons in der Auslage vom Pappaufsteller und fragt, ob er den haben k\u00f6nne.<br \/>\n<em>&#8220;Die kosten ein Euro pro St\u00fcck.&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Ja, ich zahl einen Euro.&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Okay, wenn Du zahlst, kannst Du ihn behalten.&#8221;<\/em><br \/>\nWorauf er den Button wieder an den Aufsteller heftet und mich fragt:<em>&#8220;Wer kauft denn so&#8217;n Schei\u00df?&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;So Leute gibt&#8217;s.&#8221;<\/em><br \/>\nIn dem Moment sp\u00fcre ich einen Luftzug in der linken Gesichtsh\u00e4lfte. Ein weiterer von den Fatzkes hat einen Luftballon halb aufgeblasen, h\u00e4lt mir die \u00d6ffnung ins Gesicht und bedenkt mich mit seiner Atemluft. F\u00fcr einen Sekundenbruchteil habe ich erwogen, ihm daf\u00fcr die Nase zu brechen, aber ich bin ja ein beherrschter Mensch.<br \/>\n<em>&#8220;Lass den Schei\u00df!&#8221;<\/em> (Oha, das habe ich vor genau 363 Tagen schonmal zu jemandem gesagt.)<br \/>\nDa schaut der mich mit treuem Hundeblick an und sagt: <em>&#8220;Verzeihung, tut mir ganz schrecklich leid.&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Verzieht Euch. Ihr habt schon beim ersten Mal Luftballons bekommen.&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Wir sind zum ersten Mal hier! Ausl\u00e4nder sehen alle gleich aus, oder? Fremdenfeindlich oder was?&#8221;<\/em> Allein f\u00fcr das d\u00e4mliche Grinsen dabei h\u00e4tte man ihm die Beine brechen sollen.<br \/>\n<em>&#8220;Ich hab nichts gegen Ausl\u00e4nder. Ich hab was gegen unversch\u00e4mte Leute. Und jetzt zieht Leine!&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Sie zogen auch tats\u00e4chlich davon und kamen nur einmal wieder, um zu zeigen, dass man an der <strong>Looney Tunes<\/strong> B\u00fchne T-Shirts geschenkt bekommt. Ich w\u00fcnschte, diese Deppen w\u00fcrden mich damit verschonen, sich gegenseitig ihre M\u00e4nnlichkeit zu beweisen.<br \/>\nSp\u00e4ter stellte ich fest, dass einer der vier Buttons an dem Pappaufsteller fehlte, aber der Aufsteller war zu diesem Zeitpunkt bereits zwei- oder dreimal vom Wind auf den Platz geschleudert worden, von daher k\u00f6nnte es auch sein, dass das St\u00fcck irhendwohin davongerollt war.<\/p>\n<p>Dass diese Stadt hier \u00fcberreichlich mit Bekloppten gesegnet ist, wissen wir schon l\u00e4nger, aber vielleicht war es dieses Jahr wegen der gro\u00dfen L\u00fccken zwischen den einzelnen Besuchern auff\u00e4lliger. Es gibt in Trier diese offenbar geistig verwirrte Frau, ich sch\u00e4tze sie auf etwas \u00e4lter als 40, die Fahrg\u00e4ste zum Beispiel in den Stadtbussen mit intimsten Anfragen bel\u00e4stigt (<em>&#8220;Zeig mir mal Deine Klitoris!&#8221;<\/em>), und kaum, dass am Freitag Mittag zuf\u00e4llig in meiner Anwesenheit die Rede von ihr war, durfte ich sie dann am Samstag live erleben, wie sie im Laufe weniger Stunden viermal den Viehmarkt durchschritt und unter Verwendung vulg\u00e4rster Ausdrucksweisen ihren wo auch immer herstammenden Unmut kundtat. Sie sprach niemanden direkt an, sondern schrie den Leuten im Vorbeigehen aus einiger Entfernung w\u00fcste Beleidigungen zu. Bei ihrem ersten Durchmarsch br\u00fcllte sie was von <em>&#8220;ihr dreckigen Huren!&#8221;<\/em>, und die folgenden drei Male ignorierte ich ihre Inhalte und h\u00f6rte nur noch ihre \u00fcberschnappende Stimme, das war mir dann genug.<\/p>\n<p>Eine andere Veranstaltung im Bereich Viehmarkt \u00fcberschnitt sich zuf\u00e4llig mit unserer: Der rheinland-pf\u00e4lzische Landesparteitag der CDU in der Europahalle, und zwar inklusive Bundeskanzlerin. Das Polizeiaufgebot war allerdings kaum wahrnehmbar. Ab und zu ein Streifenwagen, der vorbeifuhr. Ich hatte mit einem sichtbaren Aufgebot gerechnet, das mindestens 500 m Umkreis um die Halle absichern w\u00fcrde.<br \/>\nAber die ganze Sache war irgendwie unauff\u00e4llig. Da waren zwei Herren in Anz\u00fcgen, die fragten, wo die Europahalle sei. Da war meine Bekannte Elisabeth, Mitglied der Jungen Union, die als Ordnerin eingeteilt war, und als solche nicht nur die Presse zur\u00fcckdr\u00e4ngen musste, sondern auch Angelas Hand hatte sch\u00fctteln d\u00fcrfen. Bill Clinton berichtete etwas ganz \u00e4hnliches von einer Begegnung mit JFK. Und dann war da noch ein hemds\u00e4rmeliger CDU-Mensch Ende Drei\u00dfig, der das Spielangebot auf dem Platz lobte, weil er dachte, es sei das Kinderbetreuungsprogramm f\u00fcr den Parteitag.<br \/>\nAber sonst? Ich h\u00e4tte gedacht, dass ein solcher Parteitag mehr Leute zieht, die ja auch irgendwann mal durch den Eingang der Halle gehen m\u00fcssen, und nat\u00fcrlich die Einsatzwagen der Presse. Die k\u00f6nnen ja wohl nicht alle schon vor uns da gewesen sein? Oder waren das so wenige?<\/p>\n<p>Die Verpflegungsregelung hatte sich auch dieses Jahr wieder ge\u00e4ndert. In den vergangenen Jahren hatte immer wieder eine Firma Gutscheine spendiert, zum Beispiel McDonald&#8217;s, Burger King, Backwerk, oder Hochwald. Das war dieses Jahr nicht der Fall. Stattdessen gab es dieses Jahr gesponserte Getr\u00e4nke aus dem n\u00e4chsten Supermarkt. Aber in meiner Pause wollte ich schon gerne was essen, und man hatte erz\u00e4hlt, dass eine Konditorei am Domfreihof einen Stand habe, wo es umsonst Kaffee und Kuchen gebe. Da das erstens besser ist, als nichts, und dar\u00fcber hinaus auch noch f\u00fcr umsonst, ging ich da gleich mal hin.<br \/>\nEs wurde zu einem Ereignis der Art <em>&#8220;Zur rechten zeit am rechten Ort&#8221;<\/em>. Als ich ankam, keinen Kuchen entdecken konnte, und auf den Infostand zuging, um zu fragen, wie es denn mit dem angeblichen Essen auss\u00e4he, kam auch eine Besucherin soeben mit einem mit Alufolie \u00fcberdeckten Teller zum Infostand. Es stellte sich als ein Marmorkuchen heraus, scheinbar das letzte St\u00fcck des vor kurzem abgebauten &#8220;Verschenkstands&#8221;, und sie gab uns die H\u00e4lfte davon ab. Der Kuchen war noch warm, schmeckte gar nicht schlecht, war nur ein bisschen schwer zu schlucken, so ohne Fl\u00fcssigkeit.<\/p>\n<p>Mein Anteil war eher unbefriedigend in Anbetracht meines Fr\u00fchst\u00fccksapfels um Sieben, also untersuchte ich die Angelegenheit und ging ins <strong>Caf\u00e9 Walderdorff<\/strong>, aber dort wusste man nichts davon, von denen war die Aktion wohl nicht ausgegangen. Ich verabschiedete mich vom Domfreihof und ging zum ersten Fressladen, der mir ins Auge fiel &#8211; und das war der Kebapladen am Hauptmarkt.<\/p>\n<p>Wenn Ihr in diese Stadt kommt, esst niemals, niemals nie <strong>Kebap am Hauptmarkt<\/strong>.<br \/>\n&#8211; Das Fleisch ist gepresstes Hack<br \/>\n&#8211; Es ist nicht wirklich gebraten, sondern nur zart angebr\u00e4unt<br \/>\n&#8211; Die Portionen sind (gesch\u00e4tzt) ein Viertel kleiner als der regionale Schnitt<br \/>\n&#8211; Sie kosten 10 % mehr als der regionale Schnitt<br \/>\n&#8211; Die Bedienung ist schnellschnellschnell, bezahlen, da bitte, tsch\u00fc\u00df, der n\u00e4chste bitte.<br \/>\n&#8211; Der Geschmack ist sehr mittelm\u00e4\u00dfig<br \/>\n&#8211; Der einzig positive Punkt ist das zur Abwechslung wirklich scharfe Chilipulver<\/p>\n<p>Bereits ab Mittag begann unsere Belegschaft zu mutma\u00dfen, ob denn nicht schon um drei Uhr Schluss sein w\u00fcrde, angesichts des sich nicht bessernden Wetters, aber es kam nicht dazu. Wir begannen halt um 17 Uhr mit Abbauen, anstatt, wie \u00fcblich, erst um halb Sechs. Die anderen vier bibberten wegen des nasskalten Wetters, w\u00e4hrend mir, wahrscheinlich, weil ich die ganze Zeit gestanden und mich mehr bewegt hatte, erst so gegen vier Ihr so langsam k\u00fchl wurde.<br \/>\nWir packten alles, was von Wert war, in M\u00fclls\u00e4cke, weil die Kartons durchgeweicht waren, entfernten die Sands\u00e4cke, die das Zelt festhielten, und trugen das Konstrukt als ganzes unter die Arkaden der Sparkasse, wo wir es auseinandernahmen und in den daf\u00fcr vorgesehenen Sack packten. Im warmen Luftzug der Tiefgarage warteten wir dann noch etwa 15 Minuten auf die Helfer von der Brotstra\u00dfe.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck im Haus des Handels breitete ich mit ein paar anderen die Zeltbestandteile auf dem Fu\u00dfboden aus, damit sie besser trockneten. Ich hoffe, dass jemand daran denkt, das Material auch irgendwann umzudrehen, da ja beide Seiten nass geworden sind.<\/p>\n<p>Ich frage mich, welcher Trottel sich diese Zelte ausgedacht hat. Die sind zwar aus PVC, die N\u00e4hte sind allerdings keineswegs dicht. Wir mussten also eine daf\u00fcr eigentlich nicht vorgesehene Plane von der Qualit\u00e4t eines haus\u00fcblichen M\u00fcllsacks zwischen Gest\u00e4nge und Dach anbringen, um nicht unterm Dach nass zu werden! Und weil das alles nicht so passte, wie es ideal w\u00e4re, bildeten sich darin Wassertaschen, die st\u00e4ndig vorsichtig nach au\u00dfen weggestreift werden mussten. Die Folie ist dabei an mehr als einer Stelle gerissen, worauf wir immer wieder mit Klebeband aushelfen mussten.<\/p>\n<p>Wie dem auch sei, um kurz vor Sechs war dann offiziell Feierabend. Ich h\u00e4tte, wie im vergangenen Jahr, auch noch beim Wegschippen des Sands geholfen, aber nicht bei dem Wetter. Ich besah mir die Arbeiten im Vorbeigehen, aber im Gegensatz zu mir hatten die alle Regenkleidung an, und meine Klamotten waren wegen der organisatorisch notwendigen Ausfl\u00fcge aus dem Unterstand heraus klamm und kalt, also fuhr ich lieber nach Hause.<\/p>\n<p>Wegen meiner selbstlosen \u00dcberstunden im vergangenen Jahr, wo sich alle abgeseilt hatten, w\u00e4hrend der Spielsand noch weg musste, hat man mir dieses Jahr einen Bonus zugesprochen. Ich wei\u00df noch nicht, wie viel es ist, und ich rechne mit maximal einem Zehner. Dann h\u00e4tte sich das letztendlich doch noch gelohnt, denn letztes Jahr hatte man mir zwar anerkennend auf die Schulter geklopft, bildlich gesprochen, und eine Belohnung in Aussicht gestellt, aber bei der \u00dcberpr\u00fcfung meines Konoauszugs war davon nichts zu sp\u00fcren gewesen. Dann eben erst dieses Jahr, besser sp\u00e4t als nie.<\/p>\n<p>So richtig verulkt kam man sich als Helfer dann am Tag darauf vor: Der Sonntag bot bestes Veranstaltungswetter mit strahlend blauem Himmel und angenehmen Temperaturen. Ich frage mich, wie viele Leute bei der City Initiative angerufen haben, um zu fragen, warum man die Veranstaltung am Samstag nicht einfach schon am fr\u00fchen Morgen abgesagt, und stattdessen nicht auf den Sonntag verschoben habe.<\/p>\n<p>Falls sich 2009 die Gelegenheit ergibt, werde ich mich wieder in mein gelbes Hemd werfen und es noch einmal mit dem Luftballonverteilen versuchen. Und auf besseres Wetter hoffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich freue mich jedes Jahr auf &#8220;Trier spielt&#8221;, und das war dieses Jahr nicht anders. 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