{"id":2067,"date":"2011-11-27T18:58:07","date_gmt":"2011-11-27T17:58:07","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=2067"},"modified":"2017-10-22T12:22:36","modified_gmt":"2017-10-22T10:22:36","slug":"gaytal-kamikaze-teil-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=2067","title":{"rendered":"Gaytal-Kamikaze (Teil 5)"},"content":{"rendered":"<p>Seit wenigen Wochen steht im Pausenraum der Fahrer ein Getr\u00e4nkeautomat der Firma Dallmayr. Den Kaffee kann ich nicht beurteilen, weil ich besser keinen trinke, wenn ich noch fahren muss, aber der Kakao ist verdammt gut. Dar\u00fcber hinaus gibt es noch eine Reihe weiterer Kaffee- und Milchvariationen, zuz\u00fcglich der Fleischbr\u00fche, die in scheinbar keinem dieser Automaten fehlen darf. Aber um den Automaten soll es nur indirekt gehen.<br \/>\nWie haben einen Bandaufleger, der normalerweise &#8220;Cooler&#8221; gerufen wird, weil er so \u00e4hnlich hei\u00dft. Er ignoriert in der Regel gewisse Sicherheitsvorschriften, weil ihm die Sicherheitsschuhe zu unbequem sind, rasselte deswegen bereits mit seinem Vorarbeiter zusammen (ohne dass eine Besserung eintrat), und wenn ich mich recht erinnere, ist er aus ethnischer Sicht Kasache. Er ist allerdings v\u00f6llig integriert und zeigt keine sprachlichen Besonderheiten, die ihn aus der Trierer Masse abheben w\u00fcrden, dass er sich also als einen solchen bezeichnet, ist meines Erachtens ebenso hirnrissig wie paradox, weil diese Art von Leuten unter normalen Umst\u00e4nden ihren Status als Minderheit stolz betonen, aber bei entsprechendem rhetorischen Bedarf die Ausl\u00e4nderfeindlichkeit anprangern, die ihnen entgegen gebracht wird, und sobald sie sich benachteiligt f\u00fchlen, sich wiederum als Teil des Ganzen darstellen. Aber das nur am Rande.<br \/>\n<em>&#8220;Du bist&#8217;n Kasache?&#8221;<\/em> fragte ihn der Kurde also, <em>&#8220;Was ist denn das Schlimmste, was man zu einem Kasachen sagen kann?&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;\u00c4h, >Du Ukrainer<.\"<\/em><br \/>\nDas ist nat\u00fcrlich nicht die Art von Information, die man dem Kurden zur Hand gibt. Wenige Minuten sp\u00e4ter also:<br \/>\n<em>&#8220;Ey, Du Schei\u00df-Ukrainer, arbeite gef\u00e4lligst ordentlicher!&#8221;<\/em> oder <em>&#8220;Schwing Deinen h\u00e4sslichen ukrainischen Arsch ans Band!&#8221;<\/em> und lauter solche Sachen. Immerhin nimmt &#8220;der Ukrainer&#8221; das mit Humor und der Kurde am\u00fcsierte sich pr\u00e4chtig.<br \/>\nDa w\u00fcrde mich nat\u00fcrlich interessieren, wie der nun so Angesprochene &#8220;Ukrainer&#8221; definiert &#8211; sind das die Leute, die in der Ukraine leben? Meint er nur die &#8220;echten Ukrainer&#8221; ausschlie\u00dflich der ethnischen Russen, die immerhin etwa 17 % der Bev\u00f6lkerung der Ukraine ausmachen, und der anderen Ethnien, die ebenfalls dort leben?<br \/>\nDas psychologische Profil des &#8220;Ukrainers&#8221;, der garantiert noch unters Jugendstrafrecht f\u00e4llt, wurde aber durch einen anderen Dialog interessant beleuchtet, und jetzt komme ich darauf zur\u00fcck, was das alles mit dem Dallmayrautomaten zu tun hat.<br \/>\nHin und wieder ergibt sich eine Pause am Band, wenn zum Beispiel alle vorhandenen Paletten durchgelaufen sind und der n\u00e4chste LKW noch nicht da ist, da geht der eine oder andere schon mal gern zum Automaten oder l\u00e4sst sich was bringen. Bei einer solchen Gelegenheit entspann sich also folgender Dialog zwischen dem &#8220;Ukrainer&#8221; und einem anderen Aufleger, der bereits am anderen Ende der Halle unterwegs war, um sich was zu ziehen:<br \/>\n<em>&#8220;Ey, Homo! Bring mir ne Vanillemilch mit!&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Was!?&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Bring mir ne Vanillemilch mit, Du Homo!&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Alles klar.&#8221;<\/em><br \/>\nVon der eklatanten Homophobie, die sich geradezu pathologisch durch diese Gesellschaftsschicht zieht, will ich gar nicht reden &#8211; mir ging es in dem Moment um den witzigen Spannungsbogen zwischen der m\u00e4nnlich-prahlerischen Stra\u00dfensprache einerseits (<em>&#8220;Ey, Homo!&#8221;<\/em>) und dem Wunsch nach <strong>Vanillemilch<\/strong> andererseits: Ich war versucht, den &#8220;Homo&#8221; zu fragen, ob er ihm vielleicht noch ein paar Kekse mitbringen k\u00f6nne. <\/p>\n<p>Andere Sache: Es war und ist mein Prinzip, nicht f\u00fcr Tabakkonzerne zu arbeiten, weswegen ich dem Arbeitsamt auch dargelegt hatte, dass ich keinesfalls f\u00fcr JTI arbeiten w\u00fcrde. Es l\u00e4sst sich allerdings in meinem derzeitigen Bet\u00e4tigungsfeld nicht vermeiden, dass hin und wieder Rauchwaren und Zubeh\u00f6r zur Ladung geh\u00f6ren.<br \/>\nVor nicht allzu langer Zeit hatte ich einen entsprechenden Kunden, der eingangs die Verklebung der Kartons mit der Begr\u00fcndung, dass es bereits vorgekommen sei, dass Teile des Inhalts gestohlen worden waren, kontrollierte. Ich erkl\u00e4rte, dass ich keinerlei Interesse h\u00e4tte, mich an sowas zu vergreifen, und dass ich nicht traurig w\u00e4re, wenn der komplette Tabak dieser Welt sich in Luft aufl\u00f6se. Uh, da war der Kunde verstimmt. Ach, ob ich denn willens sei, die Zusatzbelastung von 5000 E Steuern pro Kopf und Jahr zu tragen? Sein Tonfall verriet mir, dass die Sache nur emotional ausarten w\u00fcrde, wenn ich darauf antwortete, also behielt ich den Gedanken f\u00fcr mich und verabschiedete mich mit einer reichlich unverbindlichen Antwort.<br \/>\nDenn der Punkt ist dieser: Woher hat der Mann diese Zahl her? 5000 E pro Jahr und Steuerzahler? Oder pro Einwohner? Allein aus der Tabaksteuer und mit dem Rauchen verbundenen Abgaben?<\/p>\n<p>In Deutschland leben ca. 65 Millionen Menschen, die \u00e4lter sind als 20 Jahre. Diejenigen, die j\u00fcnger sind, rechne ich mal nicht mit, obwohl auch ein Zehnj\u00e4hriger indirekte Steuern zahlt, wenn er sich ein P\u00e4ckchen Kaugummi kauft. 65 Millionen mal 5000 E macht demnach 325 Milliarden Euro &#8211; die durch Steuern und Abgaben im Zuge des allgemeinen Tabakkonsums angeblich in die Staatskasse gelangt. Allein in Deutschland. Jedes Jahr. Hallo!? Der gesamte Bundeshaushalt (ohne Neuverschuldung) betr\u00e4gt nur 280 Mrd Euro!!<br \/>\nLaut Statistik raucht in Deutschland etwa ein Viertel der Erwachsenen, sagen wir also etwas mehr als 16 Millionen Menschen. Und die sollen jedes Jahr etwa 400 Milliarden Euro f\u00fcr Zigaretten etc. ausgeben (\u00fcber 80 % des Verkaufspreises sind Steuern)? 25000 Euro pro Person und Jahr? Jedes Jahr einen Mittelklassewagen durch die Lungen gezogen?<\/p>\n<p>Das ist doch v\u00f6llig l\u00e4cherlich! Wenn ich mich nicht irre, betragen die Einnahmen aus der Tabaksteuer in der BRD &#8220;nur&#8221; 15 Milliarden&#8230; was bedeuten w\u00fcrde, dass ein kompletter Wegfall der Tabaksteuer jeden der etwa 65 Millionen erwachsenen Bundesb\u00fcrger mit etwas mehr als 230 E und Jahr belasten w\u00fcrde (&#8220;Uuuui!&#8221;) &#8211; und von diesen Kr\u00f6ten m\u00fcsste man noch die Einsparungen im Gesundheitswesen sowie die Steuermehreinnahmen durch die Senkung von Fr\u00fchinvalidit\u00e4t, Arbeitsunf\u00e4higkeit und \u00dcbersterblichkeit abziehen. Ich denke, von den 230 E bliebe nicht mehr viel \u00fcbrig.<\/p>\n<p>Ich glaube, dass eine Summe von 5000 E sich bestenfalls dann rechtfertigen lie\u00dfe, ginge man davon aus, dass alle Menschen, die irgendwie mit der Tabakindustrie in Deutschland Geld verdienen (von den Vorst\u00e4nden der Konzerne \u00fcber den Holzf\u00e4ller der Papierindustrie bis zum Saatgutverk\u00e4ufer, der beim Bauern nicht mehr so viel los wird, weil die B\u00e4cker weniger Fr\u00fchst\u00fccksbr\u00f6tchen an die Angestellten der Konzerne verkaufen k\u00f6nnen, ganz zu schweigen von den Krebs\u00e4rzten, den Reha-Spezialisten, dem Pflegepersonal, den Herstellern f\u00fcr Spezialnahrung und nat\u00fcrlich die von der Rezession betroffenen Bestattungsunternehmer!), auf einen Schlag auf der Stra\u00dfe st\u00fcnden und bis an ihr Lebensende erwerbslos w\u00e4ren. Die Summe klingt jedenfalls nach einer Statistik &#8220;gezeichnet: <em>Dr. Marlboro<\/em>&#8220;.<\/p>\n<p>Ach, wo ich schon von unliebsamen Kunden und Doktoren rede: Ich habe da ebenfalls vor noch nicht langer Zeit einen promovierten Apotheker kennen gelernt, der gl\u00fccklicherweise nur ganz selten in seiner Apotheke weilt. Viele Apotheken haben mittwochs am Nachmittag geschlossen, und seine geh\u00f6rt dazu. Durch Unstetigkeiten in der Lieferkette kommt es nun vor, dass wir Waren zur Auslieferung auch mittwochs erhalten und seine Apotheke liegt am Beginn der letzten Etappe meiner t\u00e4glichen Tour, das hei\u00dft, ich komme da nicht vor 13 Uhr hin.<br \/>\nDa ich die Apotheke verschlossen vorfand, klingelte ich an seiner Haust\u00fcr gleich nebenan, aber niemand \u00f6ffnete; Nachbarn waren zwar zuhause, sagten aber, der Herr Apotheker w\u00fcnsche wegen der Empfindlichkeit mancher Waren keine Alternativzustellung. Gut, das kann ich nat\u00fcrlich verstehen.<br \/>\nDann war ich also am Folgetag da und traf ihn zuf\u00e4llig pers\u00f6nlich an. Ich fragte ihn mit der \u00fcblichen H\u00f6flichkeit, ob er denn vielleicht eine Adresse vertrauensw\u00fcrdiger Bekannter h\u00e4tte, an der er seine Ware abgeliefert haben k\u00f6nnte. Da sagte der glatt Nein, er sei mittwochs grunds\u00e4tzlich nicht da, er w\u00fcnsche keine alternative Zustellung, und es sei ja wohl mein gesch\u00e4ftliches Risiko als Dienstleister und Lieferant, dass Empf\u00e4nger nicht da seien, dann m\u00fcsste ich halt am Folgetag noch einmal hinfahren.<br \/>\nDa stand mir vor Erstaunen erst mal der Mund offen, verlegte mich dann aber zur Abwicklung des Dialogs schnell auf eine wenn auch kurzsilbige Art von H\u00f6flichkeit, von der ein ungarischer Bekannter einmal sagte, Deutsche bedienten sich dieser nur, wenn sie kurz davor st\u00fcnden, jemandem auf&#8217;s Maul zu hauen. Ich war auch wirklich platt. \u00dcberall sonst freuen sich Kunden, wenn man ihnen anbietet, auch Umwege zu fahren, um ihnen ihre Ware so fr\u00fch wie m\u00f6glich zuzustellen, und von dem Herrn Doktor hier bekommt man daf\u00fcr einen verbalen Einlauf. Denn ist es nicht eigentlich SEIN Risiko? Hin und wieder enthalten Pakete K\u00fchlakkus, weil die enthaltenen Medikamente au\u00dferhalb des K\u00fchlschranks schnell verderben, obwohl ich festhalten muss, dass derlei Waren eher an Krankenh\u00e4user und Arztpraxen als an Apotheken zu gehen scheinen. Wenn das, was in dem Paket ist, unbrauchbar wird, bin ich daf\u00fcr nicht haftbar &#8211; ich bin nur daf\u00fcr verantwortlich, dass die Ware in \u00e4u\u00dferlich einwandfreiem Zustand ankommt, also in einem sch\u00f6nen, ungeknickten und unverbeulten Karton.<\/p>\n<p>Noch ein wilder Kunde: Karton, 50 x 50 x 20, von einer bekannten saarl\u00e4ndischen Keramikfirma. Gewicht: ein Zentner. Daraus ergab sich eine Verkettung von Fehlern meinerseits.<br \/>\nMike hatte mich morgens darauf aufmerksam gemacht, denn es handelte sich um einen 12-Uhr-Express in ein Dorf nahe der belgischen Grenze (der am weitesten von Trier entfernte Punkt meiner Tour), den ich wohl nicht schaffen k\u00f6nne, ich solle mir also keine Sorgen machen und die Ware einfach so fr\u00fch wie irgend m\u00f6glich zustellen.<br \/>\nNun ja, aber dann ging es los: Zum einen scannte ich das Paket, das bei den Paletten am Ende der Halle lagerte, bevor ich es am Auto hatte. Zum zweiten nahm ich eine etwas leichtere Sendung, die daneben wartete, zuerst mit, lie\u00df mir von Bert beim Einladen helfen, half ihm bei einem schweren Fernseher, lud dann meine eigene Fracht&#8230; und verga\u00df das Zentnerpaket.<br \/>\nAls ich dann in der N\u00e4he des Zielortes war, bemerkte ich beim Stopp vorher, dass ich die Ware vergessen hatte und markierte die Ware mit dem Hinweis &#8220;Ablieferbeleg&#8221; als ausgeliefert. Ich w\u00fcrde sie dann halt am kommenden Tag zustellen und die damit verbundene Vertragsstrafe schlucken. <\/p>\n<p>Was ich letztendlich daraus lernte, war, dass ich in solchen F\u00e4llen gar keinen Status setze. An jenem Tag verhielt es sich so, dass ich nicht direkt nach Hause fahren, sondern im Depot eine Lieferung f\u00fcr Konrads Tour aufnehmen w\u00fcrde, weil diese f\u00fcr ein Dorf in der N\u00e4he meiner Wohnanschrift bestimmt war und er sie nicht mehr in den Wagen bekommen hatte.<br \/>\nLetzter eigener Kunde um 1520, gute Zeit. Um etwa 1600, kurz bevor ich in Trier war, rief mich Gertrud (Name ge\u00e4ndert) vom B\u00fcro aus an und sagte mir, der Kunde habe sich wegen des Ausbleibens seines Expresspakets beschwert, was denn damit sei. Nicht gut. Ich erkl\u00e4rte ihr, dass ich die Ware im Depot vergessen hatte und sie morgen zustellen wollte. W\u00e4hrend sie kurz \u00fcberlegte, zeigte mein Telefon an, dass der Akku nicht mehr lange reichen w\u00fcrde, dann sagte sie, sie werde dem Kunden sagen, dass ich das Paket an einer falschen Adresse abgeliefert h\u00e4tte, wo ich es aber abholen und morgen zustellen k\u00f6nne, das sei eine Geschichte, aus der man am einfachsten wieder rauskomme. Na gut, sie hat mehr Erfahrung in dem Gesch\u00e4ft, aber es gefiel mir nicht sonderlich, da ich den Hang dazu habe, die Wahrheit zu sagen.<br \/>\nIch fuhr erst mal zum Depot, lud Konrads Zeug ein UND das Zentnerpaket, und verstaute die Ware nicht angetroffener Kunden unter meinem Bandplatz, damit sie von den schweren Sachen, die jetzt im Auto waren, nicht zerquetscht wurden. Ich fuhr los, durch die Stadt, \u00fcber Olewig aufs Land. <\/p>\n<p>Da rief Gertrud erneut an &#8211; der Kunde sei sehr ungehalten gewesen und drohe mit einer Strafanzeige, wegen Unterschriftenf\u00e4lschung oder wegen Diebstahls oder wegen was wei\u00df ich noch alles. Mein Akku meldete sich deutlich. Ich sah auf die Uhr: 1645. Ich bat Gertrud, dem Kunden mitzuteilen, dass ich ihm seine Ware noch am heutigen Abend zustelle, falls er dies w\u00fcnsche, ansonsten werde er sie ohne Umschweife am kommenden Mittag erhalten.<br \/>\n<em>&#8220;An die belgische Grenze? Wie lange dauert das?&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;So eine anderthalbe Stunde. Ein Weg.&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Ach Du gro\u00dfer Gott&#8230; bist Du sicher?&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Mein Fehler &#8211; ich \u00fcbernehme die Verantwortung daf\u00fcr. Ich lasse doch so einen Vorwurf nicht auf mir sitzen!&#8221;<\/em><br \/>\nDer Kunde wollte seine Ware tats\u00e4chlich noch haben&#8230; also los. Das Telefon schaltete ich ab, f\u00fcr den Fall, dass ich selbst noch Kommunikationsbedarf hatte, denn die Eifelh\u00f6hen lagen in dickem Nebel und ich hatte es eilig. <\/p>\n<p>Konrad hatte mir genau gemommen zwei Stopps aufgeladen, ein paar Computer und eine Klosch\u00fcssel. Den zweiten Kunden, mit der Klosch\u00fcssel, hatte ich um 1730 abgefertigt. Dass ich daher eine Europalette im Auto hatte, war ein purer Gl\u00fccksfall, denn der Express und die Palette passten so sch\u00f6n zusammen, dass sich nur wenige Millimeter Bewegungsfreiheit ergaben. Dann konnten die Kurven ruhig kommen, ohne dass ich Sch\u00e4den an der Beladung f\u00fcrchten musste.<br \/>\nUnd sie kamen. Mit Vollgas durch die vernebelte Eifel, nicht ganz mit Vollgas durch die Abschnitte, wo ich trotz voller Beleuchtung die Reflektoren der Stra\u00dfenpfosten \u00fcber 50 m weiter nicht sehen konnte. So mancher Beifahrer w\u00e4re dennoch sicherlich in Schwei\u00df ausgebrochen und meine erworbene Ortskenntnis kam mir eindeutig zu Gute, vor allem, da der Navigator wegen des Nebels zeitweise die F\u00fchlung zu seinen Satelliten verlor. Gl\u00fccklicherweise kam mir auch nichts vor den K\u00fchler, keine sp\u00e4ten Wanderer, keine F\u00fcchse, Katzen oder Rehe, und auch keine Verkehrsschilder.<\/p>\n<p>Punkt Sieben war ich am Ziel und h\u00e4ndigte die Ware aus &#8211; unbesch\u00e4digt, wie der Empf\u00e4nger zufrieden feststellte. Es handelte sich nicht um eine Keramiksp\u00fcle, sondern um eine Sonderanfertigung aus massivem Stein im Wert von einigen tausend Euro. Der Empf\u00e4nger war (zum Gl\u00fcck?) auch nicht der aufgebrachte Besteller, sondern dessen Sohn (in meinem Alter). Er sagte, er habe \u00fcberraschend einen Anruf von seinem Vater erhalten, dass da noch eine Lieferung komme, angeblich falsch zugestellt, was denn nun damit gewesen sei? Um Gertrud nicht in Verlegenheit zu bringen, sagte ich nur, dass ich einen Konzentrationsfehler gemacht habe und entschuldigte mich in aller Form. Ich k\u00f6nne seinem Vater versichern, dass keinerlei Gesetze gebrochen worden waren und dass sich die Ware nie in der Gefahr befunden hatte, zu verschwinden. Der Sohn war damit zufrieden und w\u00fcnschte mir eine gute Fahrt.<br \/>\nR\u00fcckweg auf der gleichen Strecke, ebenso schnell, obwohl ich trotz Bonbons und Orangensaft zeitweise Probleme hatte, meine Umgebung scharf zu sehen. Das hatte ich zuletzt auf der R\u00fcckfahrt von dem Messeabbau in Frankfurt, im Februar 2009. Zur\u00fcck zuhause um 2015, Tageskilometerleistung: 529. Ich schaltete mein Telefon wieder an, weil ich es als Wecker ben\u00f6tige, und steckte es ins Ladeger\u00e4t. Puck hatte mir eine SMS geschrieben, um mir mitzuteilen, dass er sich auf Mikes Anfrage bereit erkl\u00e4rt hatte, das Expresspaket an meiner Statt auszuliefern, da er viel weniger Kilometer gefahren sei, als ich. Ja, wo werd ich denn? Ich lasse doch andere Leute nicht die Suppe ausl\u00f6ffeln, die ich mir eingebr\u00f6selt habe!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit wenigen Wochen steht im Pausenraum der Fahrer ein Getr\u00e4nkeautomat der Firma Dallmayr. Den Kaffee kann ich nicht beurteilen, weil ich besser keinen trinke, wenn ich noch fahren muss, aber der Kakao ist verdammt gut. 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