{"id":1980,"date":"2011-09-26T20:32:21","date_gmt":"2011-09-26T18:32:21","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1980"},"modified":"2014-01-04T21:38:03","modified_gmt":"2014-01-04T20:38:03","slug":"gaytal-kamikaze-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1980","title":{"rendered":"Gaytal Kamikaze (Teil 2)"},"content":{"rendered":"<p>Kl\u00e4ren wir doch jetzt mal die Frage, wie es sein kann, dass der Kurde neuerdings wieder Bitburg f\u00e4hrt, wof\u00fcr ja eigentlich Kelvin verantwortlich war. Zumindest glaube ich, dass diese Information aus vergangenen Eintr\u00e4gen irgendwie ersichtlich wurde.<br \/>\nEines sch\u00f6nen Tages bemerkte Mike bei der Kontrolle der Auslieferfortschritte am Nachmittag, dass Kelvin eben keine Fortschritte mehr machte. Er rief ihn an und Kelvin meldete v\u00f6llig \u00fcberraschend, dass er krank sei. Morgens war er noch fit gewesen, aber sowas kann ja mitunter pl\u00f6tzlich kommen, und man muss bedenken, dass Kalaschnikow ja mit einer fast chronischen Lungenentz\u00fcndung ruml\u00e4uft, die er aus Arbeitswut weder auskuriert, noch durch st\u00e4ndiges Rauchen irgendwie sonst einer Besserung zuf\u00fchrt. <\/p>\n<p>Jedenfalls platzte am folgenden Morgen eine kleine Bombe:<br \/>\nKelvin hatte am Tag zuvor bemerkt, dass er ein Paket vermisste und deshalb Anzeige gegen Unbekannt erstattet, das hei\u00dft, das Depot mit allen Mitarbeitern unter Generalverdacht gestellt. Bis dato wei\u00df noch keiner, was daraus geworden ist. Laut Zentralcoomputer hat Kelvin das Paket um etwa zehn Minuten vor Sieben vom Band genommen, also gescannt, und die Video\u00fcberwachung w\u00fcrde wohl zeigen, ob er es ins Auto geladen oder ob es jemand illegal an sich genommen hat. Dabei ist dieser Extremfall eigentlich auszuschlie\u00dfen, denn es handelt sich um ein Tchibopaket, das hei\u00dft, da ist kein Kaffee drin, sondern die Art von Tand, der in den Superm\u00e4rkten im so genannten &#8220;Tchibo-Shop&#8221; aush\u00e4ngt. Welcher Idiot w\u00fcrde sowas klauen? Es ist eher anzunehmen, dass Kelvin das Paket an den falschen Kunden ausgeliefert hat und nicht mehr wei\u00df, wo. Oder er hat vergessen, seine kaputte Heckklappe zu sichern (die h\u00e4lt nur mit einem innen angebrachten Expander zu) und das Ding ist rausgefallen. Mike wollte oder konnte auf sp\u00e4tere Nachfrage hin keine weiteren Angaben machen.<\/p>\n<p>Kelvin tauchte daraufhin nicht mehr in Trier auf, was ich verstehen kann, da seine Beliebtheit radikal ins Bodenlose gesunken war. Ich verstehe seinen Schritt ja auch nicht. Wenn ein Paket wegkommt, dann redet man doch zuerst mal mit den Disponenten und mit den Chef, aber wendet sich doch nicht sofort an die Polizei. Ich denke, er wird seine Gr\u00fcnde haben, und ich vermute, dass seine Motivation in seiner Zeit als Hermes-Fahrer begr\u00fcndet liegen k\u00f6nnte.<br \/>\nDa hatte er wohl dreieinhalbe Jahre gearbeitet, Montag bis Samstag, bis abends nach 22 Uhr, ohne Urlaubsgenehmigung, mit heute noch ausstehenden Lohnforderungen von etwa 5000 E. W\u00fcrde mich nicht wundern, wenn er sich da einen Schaden im Kopf geholt h\u00e4tte. W\u00e4hrend andere Fahrer immer f\u00fcr weniger Ladung dankbar waren, nahm er alles mit, was er kriegen konnte, vor allem Paletten. Und wenn man ihn darauf ansprach, dass er ja auch fr\u00fcher bei Frau und Kind sein k\u00f6nnte, fragte er, was er denn so fr\u00fch zuhause solle. Seine Frau (ebenfalls Fahrerin) sei daran gew\u00f6hnt, dass er erst abends zur\u00fcckkehre und frage ihn sonst, wo er denn jetzt schon herkomme. Zur k\u00fcnstlichen Verl\u00e4ngerung des Arbeitstages ging er mehrfach am Tag Kaffee trinken oder stellte sich am Nachmittag auch schon mal eine Stunde auf einen Parkplatz. Und dann stand er jeden Morgen um Drei auf, war sp\u00e4testens um halb F\u00fcnf im Depot und hielt dort paradoxerweise noch ein Nickerchen, bis die &#8220;normalen&#8221; Leute um F\u00fcnf eintrafen. <\/p>\n<p>Es hie\u00df dann also, Kelvin sei firmenintern nach Koblenz gewechselt (und der Kurde erhielt f\u00fcrs erste den Kofferwagen, den Kelvin bislang gefahren hatte). Aber zwei Wochen sp\u00e4ter verbreitete sich das Ger\u00fccht, er habe dort seine neue Tour nicht gebacken bekommen und sei g\u00e4nzlich gek\u00fcndigt worden. Als der Kurde neulich bei ihm war, um die Kelvin \u00fcberlassene Tankkarte abzuholen, sagte der nur, wenn man so einen verst\u00e4ndnislosen Chef habe (er meine den Chef vom Depot, nicht den Herrn JP), bleibe einem gar nichts anderes \u00fcbrig, als Anzeige gegen Unbekannt zu erstatten, und f\u00fchrte das leider nicht weiter aus. Allerdings lie\u00df er sich vom Kurden den Personalausweis zeigen und eine peinlich detailgenaue Quittung ausf\u00fcllen, in der er die \u00dcbergabe der Tankkarte best\u00e4tigte. Der war wegen dieser paranoiden Haarspalterei jedenfalls &#8220;oberstinkesauer&#8221;, wie es Barney Ger\u00f6llheimer einmal angesichts einer laut probenden skandinavischen Band ausgedr\u00fcckt hatte.<\/p>\n<p>Und das war nicht alles, was man an seltsamen Dingen aus Koblenz h\u00f6rt: Pl\u00f6tzlich tauchte am 19. September Kalaschnikows Fahrzeug in unserer Halle auf, nur von Kalaschnikow keine Spur. Stattdessen fuhr nun der Kurde damit. Kalaschnikow habe sich krank gemeldet und es sehe so aus, als wolle er ganz aussteigen. <\/p>\n<p>Sind denn in Koblenz alle bekloppt? Ist in Koblenz vielleicht einfach der Stress h\u00f6her? Immerhin handelt es sich um ein mehrfach gr\u00f6\u00dferes Depot mit einem viel l\u00e4ngeren Paketband, an dem allein ein Dutzend Aufleger arbeiten und ca. 60 Fahrzeuge unserer Firma stationiert sind. Wenn ich so dar\u00fcber nachdenke, f\u00e4llt mir eine m\u00f6glicherweise nebens\u00e4chliche Anekdote ein, die unser Lagerist Antonius (Name ge\u00e4ndert) \u00fcber das Familienfest unserer Distributionsgruppe (das hei\u00dft alle Angestellten aus Koblenz und Trier) erz\u00e4hlt hat, als ich ihn am Montag danach fragte, wie es denn gelaufen sei (ich hatte an dem Tag bereits eine famili\u00e4re Einladung, der ich folgen musste):<br \/>\n<em>&#8220;Am Trierer Tisch war total Gr\u00f6hl und Party, und die Koblenzer, die sa\u00dfen nur ganz still und ruhig da.&#8221;<\/em> (Und das viel kleinere Trierer Team habe bereits in der ersten Nachmittagsh\u00e4lfte den gr\u00f6\u00dften Teil der bereitgestellten Cocktails gesoffen, noch bevor das Fest richtig angefangen hatte.) <\/p>\n<p>Ich f\u00fchle mich versucht, aus dieser Anekdote R\u00fcckschl\u00fcsse auf das jeweilige Betriebsklima zu ziehen, und das Sammelsurium an Faktoren, die das emotionale Klima in einer Firma beeinflussen, kennt jeder zumindest implizit, der Vollzeit irgendwo arbeitet. Wie man meinen Eintr\u00e4gen entnehmen kann, halte ich die Stimmung in Trier f\u00fcr sehr gut. Nat\u00fcrlich haben auch mal Leute einen schlechten Tag, und wenn eine Serie zu dicht aufgelegter, gro\u00dfer, oder schwerer Pakete f\u00fcr den selben Fahrer auf einmal anrollt, dann vergeht dem auch schon mal der Spa\u00df, aber allgemein kann ich mich nicht beschweren &#8211; und ich bin jemand, an dem eine schlechte Atmosph\u00e4re nicht einfach abprallt. Ich mache diese Arbeit gern, und das liegt nicht nur an der Arbeit an sich, sondern auch an den Leuten, die ich dort treffe. <\/p>\n<p>Aus dem Grund habe ich \u00fcbrigens beschlossen, den Versuch zu unternehmen, aus den Kollegen dort eine neue Spielgruppe aufzuziehen, mit denen man sich einmal im Monat zusammensetzen und <em>&#8220;BANG!&#8221;<\/em> oder <em>&#8220;Battle Star Galactica&#8221;<\/em> oder sonst was spielen kann. Prinzipielles Interesse haben bereits welche bekundet, was ja nie viel hei\u00dft. Von daher suche ich mir einen gr\u00f6\u00dferen Kreis von Interessierte und hoffe, dass sich ein Kern von Stammspielern ergibt. Aber das wird sich noch zeigen m\u00fcssen. <\/p>\n<p>Mike sagt \u00fcbrigens, ich m\u00fcsse \u00f6fter mal \u201eNein\u201c sagen \u2013 da ich wenige Pakete im Auto habe, erkl\u00e4re ich mich oft bereit, Pakete f\u00fcr die Fahrer zu \u00fcbernehmen, die ihre Autos voll haben. Ich m\u00fcsse aber den Zeitfaktor besser im Auge haben: Ich fahre weniger Pakete, aber fast dreimal so viele Kilometer. Die vollen Autos sind um zwei Uhr Nachmittags leer und die Fahrer liegen auf der Couch, ich habe meinen letzten Kunden, wenn\u2019s gut l\u00e4uft, um Vier und muss dann noch etwa eine Stunde fahren, bis ich zuhause bin. Ich sollte Hilfe also nur noch dann zusagen, wenn der Betroffene nicht alles ins Auto bekommt.<\/p>\n<p>Wenn ich schon von &#8220;den Leuten&#8221; spreche, dann komme ich zum Schluss noch zu neueren personellen Entwicklungen.<br \/>\nZun\u00e4chst einmal wurde der Kurde von Peter auf Gefahrgutlehrgang nach K\u00f6ln geschickt, zwei Wochenenden. Ausgerechnet der, der f\u00fcr so viele Sch\u00e4den, Strafen und Bu\u00dfgelder verantwortlich ist? Meine Freundin meinte schon sp\u00f6ttelnd, dass es sich dabei vielleicht um eine ausgekl\u00fcgelte Intrige handele, den Kurden loszuwerden: Der Dozent in K\u00f6ln sei daf\u00fcr bekannt, sehr streng zu sein und Kursteilnehmer, die unp\u00fcnktlich zum Unterricht erschienen, aus dem Lehrgang zu werfen, und die Disziplin unseres kurdischen Kollegen ist ja nun mal keine. Ich halte Peter allerdings nicht f\u00fcr diese Art von Mensch, von daher glaube ich eher, dass er ihn durch \u00dcbergabe von Verantwortung zu erziehen versucht. Ebenfalls ein interessanter milit\u00e4rischer Grundsatz: Wenn ein Rekrut rebellisch oder sonst irgendwie quer kommt, mach ihn zum Stuben\u00e4ltesten oder gib ihm sonst eine Verantwortung. Das hat schon bei manchen Leuten Wunder bewirkt.<br \/>\nUnd, man h\u00f6re und staune, der Kurde war unter den zwei Dritteln der Teilnehmer, die den Kurs tats\u00e4chlich bestanden haben. Jetzt warten wir darauf, dass er einen ausgibt. <\/p>\n<p>Des weiteren zieht sich die Beantragung der Mittel f\u00fcr einen C\/E F\u00fchrerschein beim Arbeitsamt in die L\u00e4nge. Mein urspr\u00fcnglicher Vermittler ist nicht mehr f\u00fcr mich zust\u00e4ndig, weil ich nicht arbeitslos mit Hartz-IV Bezug bin. Er verwies mich an eine Frau Cornell, die f\u00fcr Arbeitssuchende ohne Leistungsbezug zust\u00e4ndig ist, aber auch die musste mich nach einem f\u00fcnf Minuten dauernden Informationsgespr\u00e4ch unverrichteter Dinge wieder gehen lassen, weil ich mich zwar arbeitssuchend gemeldet habe, aber immer noch in Arbeit sei. Sie verwies mich an ein Programm mit der Bezeichnung &#8220;Wegebau&#8221;, wo sich allerdings nicht der von Arbeitslosigkeit bedrohte Arbeitnehmer, sondern dessen Noch-Arbeitgeber melden m\u00fcsse, um eine arbeitsplatzerhaltende Ma\u00dfnahme f\u00fcr den Arbeitnehmer zu beantragen. Ich gab die entsprechenden Daten an Peter weiter und harre nun der Dinge, die da kommen. <\/p>\n<p>Peter braucht nun aber einen LKW-Fahrer ab dem 1. Oktober und hatte sich noch nicht wirklich um einen Ersatz f\u00fcr den leider gegangenen DJ gek\u00fcmmert. Ich hielt also R\u00fccksprache mit jemandem, der einen C-F\u00fchrerschein hat, sprach die Sache mit Peter ab, und erreichte somit, dass Puck ab Anfang Oktober das Einf\u00fchrungspraktikum bei Transoflex macht.<br \/>\nIch hatte gar nicht darauf zu hoffen gewagt, dass Puck zusagen w\u00fcrde, und die sehr wenigen Leute, denen ich vor diesem Eintrag davon erz\u00e4hlt habe, wollten es kaum glauben. Ich freue mich selbst, dass er sich dazu entschlossen hat und hoffe, dass er den Job und damit mehr Perspektive und Struktur (und Einkommen) in seinem Leben erh\u00e4lt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kl\u00e4ren wir doch jetzt mal die Frage, wie es sein kann, dass der Kurde neuerdings wieder Bitburg f\u00e4hrt, wof\u00fcr ja eigentlich Kelvin verantwortlich war. Zumindest glaube ich, dass diese Information aus vergangenen Eintr\u00e4gen irgendwie ersichtlich wurde. 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