{"id":198,"date":"2008-08-17T14:25:38","date_gmt":"2008-08-17T12:25:38","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=198"},"modified":"2012-12-11T19:41:19","modified_gmt":"2012-12-11T18:41:19","slug":"uber-die-verbesserungswurdigkeit-von-verbesserungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=198","title":{"rendered":"\u00dcber die Verbesserungsw\u00fcrdigkeit von Verbesserungen"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe im Laufe meines Studiums acht Hausarbeiten geschrieben.<br \/>\nZu einer davon bekam ich einen kurzen m\u00fcndlichen Kommentar, nachdem mir nach dem Empfang der Note &#8220;3&#8221; die Frage entrutschte, ob sie denn wirklich so schlecht gewesen sei.<br \/>\nZu einer weiteren bekam ich sechs Zeilen eines handschriftlichen Kommentars.<br \/>\nErst bei der Abholung der Note meiner allerletzten Hausarbeit wurden mir in einem ausf\u00fchrlichen Gespr\u00e4ch die Gr\u00fcnde daf\u00fcr dargelegt, warum sie nur mit einer &#8220;2&#8221; benotet worden war.<\/p>\n<p>Im Laufe dieses Gespr\u00e4chs hatte ich mehrere &#8220;Aha!&#8221; Erlebnisse, auf die ich jetzt nicht weiter eingehen muss, weil es mir um etwas umfassenderes geht, n\u00e4mlich das g\u00e4ngige Procedere bei der Abhandlung individueller Hausarbeiten.<\/p>\n<p>Alle Fachbereiche, denke ich, bieten f\u00fcr das Grundstudium Kurse an, in denen man lernt, wie man Hausarbeiten so verfasst, dass der Pr\u00fcfer sie nicht als Beleidigung seiner akademischen Ehre auffasst, und die meisten Fakult\u00e4ten und viele Dozenten haben ganz eigene Auffassungen davon, wie zum Beispiel richtig zitiert wird, aber auch das ist nur ein kleiner, nervender Aspekt des hiesigen akademischen Ausbildungsprozesses. Dazu z\u00e4hlt auch das seltsame Ph\u00e4nomen innerhalb meiner eigenen Fakult\u00e4t, dass die einen Dozenten eine Arbeit benoten und zur\u00fcckgeben, w\u00e4hrend andere nur die Note bescheinigen und die Arbeit einbehalten, mit dem Hinweis, das sei so \u00fcblich. Ich muss nicht verstehen, warum das in einem B\u00fcro &#8220;so \u00fcblich&#8221; ist und zwei Meter nebendran nicht.<\/p>\n<p>Denn was mich so richtig st\u00f6rt, ist das praktische Nichtvorhandensein von Feedback. Ich schreibe eine Hausarbeit und erhalte eine Note darauf, aber wenn ich nicht gezielt nachfrage, wird man mir nicht einfach so erz\u00e4hlen, wie die Note begr\u00fcndet worden ist. Ist das eine Art Test? Eine Art Sieb, mit dem man die Spreu vom Weizen trennen will? Denn nur wirklich motivierte Studierende werden nachfragen und auf Anfrage Verbesserungsvorschl\u00e4ge f\u00fcr k\u00fcnftige Arbeiten erhalten, worauf sie diese verbessern und entsprechend h\u00f6here Noten erhalten k\u00f6nnen. <em>&#8220;Hoffentlich-ist&#8217;s-bald-vorbei&#8221;<\/em> Studenten wie meine Wenigkeit kommen erst am Ende ihres Studiums auf die Idee, nach sowas zu fragen, und ich wage zu behaupten, dass ich in der Mehrheit bin.<\/p>\n<p>Durch das Nichtaussprechen solcher Informationen wird jedenfalls die akademische Leistungsf\u00e4higkeit und gegebenenfalls die Motivation der Studierenden ged\u00e4mpft, denn <em>&#8220;selber Nachfragen zeugt von Intelligenz&#8221;<\/em> hin oder her, ich erwarte eigentlich von meinem Dozenten, dass er von sich aus auf meine Schw\u00e4chen als Verfasser eingeht und sie mir erl\u00e4utert, anstatt sich die W\u00fcrmer aus der Nase ziehen zu lassen. Ein Sprechstundentermin dauert in der Regel 15 Minuten, und ich denke, das ist genug Zeit, die gegebene Note darzulegen.<\/p>\n<p>Aber wenn man im Magisterstudiengang unterwegs ist, dann macht das eigentlich gar nichts aus. Die einzige Note, die f\u00fcr den Abschluss von Bedeutung ist, ist die Note auf die Examensarbeit, alles andere spielt \u00fcberhaupt keine Rolle. Wenn ich mich denn all die Jahre gerade so mit der Parole <em>&#8220;4 gewinnt&#8221;<\/em> durch die Seminare gewurschtelt habe, dann aber in einem Anflug von Genie eine 1A Magisterarbeit hinlege, dann ist das ja toll, aber der umgekehrte Fall w\u00e4re tragisch, denn eigentlich w\u00fcrden ja \u00fcber Jahre gesammelte, mehrheitlich sehr gute Seminarsnoten mehr \u00fcber meine F\u00e4higkeiten aussagen, als die Abschlussarbeit allein, denn es ist ja nur eine Arbeit, und Schei\u00dfe passiert halt.<\/p>\n<p>Aber egal, in Bezug auf die geschilderte Verbesserungsw\u00fcrdigkeit von Verbesserungen wird die Situation in der folgenden Zeit kritischer, und das liegt daran, dass sich Bachelor und Master Studieng\u00e4nge durchgesetzt haben &#8211; und in diesen Studieng\u00e4ngen z\u00e4hlt jede Note. Da wird es wesentlich wichtiger, ein gutes Feedback zur Arbeit zu erhalten, um Wiederholungsfehler zu vermeiden.<\/p>\n<p>Aber vielleicht wird auch das Teil eines Aussiebeverfahrens, denn mir scheint, dass das System elitisiert wird. Wie erfuhr ich von einem meiner Dozenten der Anglistik?<br \/>\n<em>&#8220;Sie sind verpflichtet, bestimmte Module (Seminare) zu belegen, und wenn sie eines der Pflichtmodule nicht schaffen, dann sind Sie raus. Auf die Art und Weise h\u00e4tte ich nie meinen Doktor geschafft!&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Ich habe mir nicht selbst eine \u00dcbersicht verschafft, von daher kann ich nicht sagen, ob die Aussage so absolut stimmt. Aber es klingt schon so ein bisschen nach Zwangsjacke, zumindest im Vergleich zu den laissez-faire Magisterzeiten, wo man seinen Stundenplan bauen konnte, wie es Spa\u00df machte. Die M\u00f6glichkeiten, sich auf breiter Basis Wissen anzueignen, das vielleicht auch mal ein bisschen au\u00dferhalb der offiziellen Einschreibung liegt, f\u00e4llt jedenfalls flach, und das finde ich pers\u00f6nlich sehr schade.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe im Laufe meines Studiums acht Hausarbeiten geschrieben. Zu einer davon bekam ich einen kurzen m\u00fcndlichen Kommentar, nachdem mir nach dem Empfang der Note &#8220;3&#8221; die Frage entrutschte, ob sie denn wirklich so schlecht gewesen sei. Zu einer weiteren bekam ich sechs Zeilen eines handschriftlichen Kommentars. 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