{"id":1948,"date":"2011-09-17T11:55:47","date_gmt":"2011-09-17T09:55:47","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1948"},"modified":"2013-09-08T15:33:00","modified_gmt":"2013-09-08T13:33:00","slug":"king-of-kylltal-teil-12-und-ende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1948","title":{"rendered":"King of Kylltal (Teil 12 und Ende)"},"content":{"rendered":"<p>Letzter Montag im August: Kalaschnikow hatte noch immer Krankenschein wegen einer Lungenentz\u00fcndung, high on antibiotics. Das bedeutete, dass entgegen der Regel, dass Montage ruhig verlaufen, die Paketladung dreier Einsatzgebiete auf zwei verteilt werden musste und aus irgendeinem Grund war die Versandmenge sp\u00fcrbar h\u00f6her als gew\u00f6hnlich.<br \/>\nDie LKWs waren \u00fcberlastet, was mir eine Palette f\u00fcr Gerolstein bescherte, die allein 540 kg wog, und in Landscheid hatte jemand ein Dutzend Pakete bestellt, die jeweils \u00fcber 10 Kilo wogen und ein Einzelvolumen von etwa 50 x 50 x 20 cm hatten. Und die passten am Ende nicht mehr rein, zwei mussten drau\u00dfen bleiben, und dar\u00fcber hinaus standen da noch die Sendungen f\u00fcr Zemmer und Orenhofen. Also Landscheid raus und Zemmer und Orenhofen rein, Landscheid musste dann doch der LKW fahren. Allerdings war eines der Landscheider hinter die Palette gefallen und unm\u00f6glich wieder rauszukriegen, ohne die Palette wieder zu entladen, das w\u00fcrde ich dann am Folgetag per ABL (das hei\u00dft per Unterschrift auf altmodischem Papier) zustellen. Der Sprinter war mit mehr als 1500 kg Zuladung \u00fcberladen, das Trittbrett hinten hing noch knapp \u00fcber meinem Kn\u00f6chel.<\/p>\n<p>Dann rief mich der Depotchef noch zu sich. Was ich \u00fcber eine Zustellung f\u00fcr einen Elektroladen in Niederkail wisse, der Kunde habe sich dar\u00fcber beschwert, dass ich nun schon die zweite Alternativzustellung get\u00e4tigt h\u00e4tte, obwohl er doch zuhause gewesen sei. Zum Gl\u00fcck war der Fall mir gegen\u00fcber bereits durch Nachbarn des Kunden gekl\u00e4rt worden.<br \/>\nDer Empf\u00e4nger hei\u00dft Quade, und f\u00fcr mich liest sich das spontan englisch, also [kweid]. Der Laden findet sich in der Br\u00fcckenstra\u00dfe 5, die Br\u00fcckenstra\u00dfe geht nahtlos in die Karl-Kaufmann-Stra\u00dfe \u00fcber und die Br\u00fcckenstra\u00dfe 5 befindet sich verwirrenderweise am Anfang der Stra\u00dfe &#8211; jeder h\u00e4tte das Haus also erstmal f\u00fcr die Nummer 1 gehalten und nach dem dritten Haus links Ausschau gehalten.<br \/>\nF\u00e4hrt man die Stra\u00dfe entlang, ist das dritte Haus tats\u00e4chlich die Nummer 5 &#8211; aber die Karl-Kaufmann-Stra\u00dfe 5. Dort befindet sich kein Name an allen drei Klingeln, und auf den Paketlabels steht in keiner Silbe etwas von einem Elektrofachgesch\u00e4ft geschrieben, sondern nur der Name des Empf\u00e4ngers, was perfekt nach einem Privatkunden aussieht. Als ich bei einer jungen Nachbarin klingelte, um die Pakete loszuwerden, sagte die <em>&#8220;Ach, f\u00fcr den Keith? Das nehm ich an.&#8221;<\/em> Meine Vorstellung vom amerikanischen Empf\u00e4nger wurde also zweifelsfrei best\u00e4tigt &#8211; scheinbar.<\/p>\n<p>Seltsam wurde es ein paar Tage sp\u00e4ter, als die selbe Adresse zwei Fernseher erhielt, aber ich hatte ja keinen Grund, an der bisherigen Sachlage zu zweifeln.<br \/>\nDie Fernseher gab ich bei einer anderen Nachbarin ab, die nach meiner Weiterfahrt die Adresse noch einmal \u00fcberpr\u00fcfte. Sie bemerkte den Fehler und wies mich tags drauf darauf hin, als ich rein zuf\u00e4llig ein Paket f\u00fcr ihre Schwester hatte und gegen\u00fcber hielt. Der eigentliche Empf\u00e4nger der Fernseher beschwerte sich beim Depot und hei\u00dft nicht [kweid] sondern [&#8216;kwade]. Die Sache war also bereits gekl\u00e4rt und ich konnte dem Chef versichern, dass sich das Missverst\u00e4ndnis nicht wiederholen werde. <\/p>\n<p>Die Reorganisation der Einsatzgebiete brachte nicht nur die erwarteten Probleme mit sich. Umgestellt wurde nicht mitten in der Woche am 1. September, sondern erst am ersten Montag im September. Bis dahin durfte ich noch einmal nach Kirchweiler fahren, wo die Kundin noch immer verschnupft war, weil Peter seine Notiz der Zahlenkombination ihrer Garage unauffindbar verlegt hatte. Diese Art von Schlamperei begeistert nat\u00fcrlich niemanden, aber man kann auch \u00fcbertreiben.<br \/>\nAls der Fall neu war, bat ich sie um die Zahl, aber sie war zu dem Zeitpunkt sehr ver\u00e4rgert und &#8220;auf dem Sprung&#8221;, sagte, dass sie keine Lust habe, mir diese Information jetzt zu geben, stieg in ihr Auto und fuhr davon. Danach war Kelvin einmal dort, und wie man h\u00f6rt, hat er ihr bei der Gelegenheit wegen ihrer nachtragenden Art so deutlich die Meinung gegeigt, dass er zum Chef zitiert wurde und sich einen Verweis einfing. Immerhin erz\u00e4hlte er aber in der Folgezeit, dass die Frau ihn mit ausgesuchter Freundlichkeit behandele. <\/p>\n<p>Anders bei mir. Bei der n\u00e4chsten Gelegenheit hatte ich 14 Pakete und sie war nicht zuhause. Dennoch erkl\u00e4rte sich eine Nachbarin bereit, die Sendung anzunehmen und ich warf der Kundin eine Mitteilung in den Briefkasten, in der ich sie h\u00f6flich bat, mir die Geheimzahl per SMS schicken oder mich anzurufen. Und dann war ich eben in meiner letzten Woche Kylltal\/Gerolstein noch einmal dort, mittwochs, und sie hatte sich nicht gemeldet &#8211; das stank sogar mir gewaltig, denn ich konnte am allerwenigsten daf\u00fcr, dass sie zuhause bleiben musste, um Lieferungen entgegenzunehmen.<br \/>\nSie war zuhause, zum Gl\u00fcck, guckte mich beim \u00d6ffnen der T\u00fcr an wie ein schmollendes Reh und fragte unter \u00dcbergehung der \u00fcblichen Begr\u00fc\u00dfungsformel: <em>&#8220;Ich dachte, ich bek\u00e4me meine Lieferungen ab diesen Monat von Koblenz aus?&#8221;<\/em> Ich gebe zu, dass ich ihr in diesem Moment am liebsten den Hals umgedreht h\u00e4tte, versuchte mich aber an einem gewinnenden L\u00e4cheln und teilte ihr mit, dass die \u00c4nderungen aus organisatorischen Gr\u00fcnden erst ab kommenden Montag eintreten w\u00fcrden.<br \/>\nUnd dann kam es, dass freitags noch einmal eine Lieferung f\u00fcr sie kam. Ich sagte Mike, was ich davon hielt, mich noch einmal mit dieser Person abgeben zu m\u00fcssen, und am Ende fuhr Kelvin die Ladung. <\/p>\n<p>\u00c4rgernis am Rande: Die Empfangstheke am Haupttor der Air Base Spangdahlem bekommt ein neues Telefon. Was ja gut ist, weil diese alte Gurke, die man da bislang verwenden musste, um Kunden anzurufen, sicherlich aus den fr\u00fchen 80ern stammte &#8211; allerdings wurde das alte Telefon entfernt, ohne dass sofort ein neues installiert wurde. Und das bedeutet, dass ich jedes Mal, wenn ich Spangdahlem anfahre, mein eigenes Geld vertelefonieren muss, um meine Pakete loszuwerden, und das kann ja wohl nicht sein. Vielleicht sollte ich auch sagen &#8220;m\u00fcsste&#8221;, denn in den allermeisten F\u00e4llen der letzten Zeit \u00fcbernimmt Mike die Basis und ich fahre nur die Adressen im Dorf an, Garber, Penrose, Indelicato, und wie sie alle hei\u00dfen. <\/p>\n<p>Ich selbst wurde dann am Montag ohne Umschweife ins kalte Wasser gesto\u00dfen und bekam eine reduzierte Tourreihenfolge mit knapp \u00fcber 40 Stopps und Hilfe beim Einladen &#8211; daf\u00fcr bin ich Mike dankbar, aber es \u00e4nderte nichts daran, dass ich mangels Orts- und Situationskenntnis von Montag bis Donnerstag erst nach 20 Uhr nach Hause kam. Da reichte die Zeit noch f\u00fcr ein schnelles kaltes Essen wie Cornflakes oder zwei belegte Brote, und geduscht habe ich in dem Zeitraum auch nur zweimal, ein feuchter Lappen musste gen\u00fcgen.<br \/>\nAber ich hatte auch kleine Erfolgserlebnisse: Zwar kam ich am Donnerstag ebenfalls sp\u00e4t nach Hause, aber anders als an den Tagen zuvor waren alle Pakete ausgeliefert, und am Freitag schaffte ich die Heimkehr bereits gegen Sieben Uhr &#8211; obwohl ich im Schnitt mehr Pakete fahre, als auf der Gerolsteintour. Und in dieser Jahreszeit zeigt sich ein Vorteil des \u00dcberlandfahrers: Mittagessen und Nachmittagssnacks wachsen einem vom Wegrand her fast in den Mund. Die B\u00e4ume tragen zentnerweise \u00c4pfel und Birnen. Man muss nur mal kurz anhalten und die Hand ausstrecken und schon ist das Mittagessen gesichert. <\/p>\n<p>Und damit endet die Kylltalserie. Ich habe \u00fcber eine Fortsetzung, bzw. einen Titel f\u00fcr dieselbe, nachgedacht, bin aber noch zu keinem Ergebnis gekommen. Und weiter schreiben &#8220;muss&#8221; ich ja, weil gerade ein neues Einsatzgebiet neue Eindr\u00fccke vermittelt, die man kommunizieren kann &#8211; und darin liegt ja der Zweck dieses Blogs.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzter Montag im August: Kalaschnikow hatte noch immer Krankenschein wegen einer Lungenentz\u00fcndung, high on antibiotics. Das bedeutete, dass entgegen der Regel, dass Montage ruhig verlaufen, die Paketladung dreier Einsatzgebiete auf zwei verteilt werden musste und aus irgendeinem Grund war die Versandmenge sp\u00fcrbar h\u00f6her als gew\u00f6hnlich. 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