{"id":1913,"date":"2011-08-13T21:33:07","date_gmt":"2011-08-13T19:33:07","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1913"},"modified":"2014-01-04T22:28:28","modified_gmt":"2014-01-04T21:28:28","slug":"otaku-no-video","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1913","title":{"rendered":"Otaku no Video"},"content":{"rendered":"<p>Es handelt sich hierbei um einen zweiteiligen Anime, der stellenweise durch Interviews unterbrochen wird, in dem es um so genannte Otakus geht. Ich will den Begriff nicht gro\u00df definieren, denn es ist schwierig, mit einer wechselvollen Geschichte, und k\u00f6nnte ein ganzes Buch f\u00fcllen. Stattdessen will ich mich darauf beschr\u00e4nken, einen Otaku als Fan von popul\u00e4rkulturellen Ph\u00e4nomenen verschiedenster Art zu umschreiben, mit der Konnotation, dass sein Hobby auch sein Lebensinhalt ist. Die Beschreibung trifft sicherlich auch auf so manchen kleinb\u00fcrgerlichen, deutschen Kegelbruder zu, und ich bin nicht der Meinung, dass man den Begriff Otaku eng fassen sollte oder kann, weil die im Fanbereich g\u00e4ngige Definition den Otaku auf japanische Popul\u00e4rkultur festlegt.<\/p>\n<p>Die gezeichneten Teile (mit Charakterdesigns von <a href=\"http:\/\/www.animenewsnetwork.com\/encyclopedia\/people.php?id=102\" title=\"Sonoda bei ANN\" target=\"_blank\">Sonoda Kenichi<\/a>) handeln von zwei solchen Otakus. Sie gr\u00fcnden ein Unternehmen, haben einen Riesenerfolg mit dem Verkauf von Modelkits, verlieren durch eine Intrige alles, fangen im Animebereich neu an, kaufen binnen weniger Jahre ihre alte Firma zur\u00fcck, bauen einen riesigen Vergn\u00fcgungspark f\u00fcr Otakus, und verlieren wieder alles durch den Anstieg des Meeresspiegels im Zuge der globalen Erw\u00e4rmung.<br \/>\nGrafik und Animation sind ihrer Zeit angemessen, die Sprechrollen sind gut besetzt, nur leider weist die Geschichte ein paar L\u00fccken auf und das Ende ist sehr interpretationsbed\u00fcrftig. Aber darum soll es hier nicht gehen.<\/p>\n<p>Die Interviews dagegen zeigen n\u00e4mlich echte Leute, die fr\u00fcher Otakus waren oder heute noch welche sind; daneben werden Statistiken eingeblendet, zum Beispiel eine, die aufzeigt, dass Cosplayer, also Menschen, die sich die Kost\u00fcme ihrer Lieblingscharaktere schneidern und damit zu Fantreffen gehen, relativ selten, daf\u00fcr aber &#8220;Wiederholungst\u00e4ter&#8221; seien, oder aber, dass so genannte &#8220;Science Fiction (SF) Clubs&#8221; an Universit\u00e4ten in den fr\u00fchen Achtzigern im Schnitt mehr Mitglieder hatten, als andere Clubs.<\/p>\n<p>Ich habe diesen Film schon einmal gesehen, es wird so 1999 gewesen sein, und ich fand ihn damals sehr interessant &#8211; interessant genug, um ihn Jahre sp\u00e4ter auf meine Amazon-Wunschliste zu setzen, und Ricci war so nett, ihn mir zum Geburtstag zu schenken, wof\u00fcr ich ihr sehr dankbar bin.<br \/>\nIch denke, dass es wahr ist, dass man in der Regel mit den Jahren kritischer wird. Je \u00e4lter man ist, desto mehr hat man bereits gesehen, die Vergleichsm\u00f6glichkeiten sind vielf\u00e4ltiger, und man wird w\u00e4hlerischer bei dem, worin man seine Freizeit investiert. Ich muss also sagen, dass ich <em>Otaku no Video<\/em> heute wesentlich kritischer betrachte, als vor \u00fcber zehn Jahren, und es kommt ja hinzu, dass ich genau das studiert habe, n\u00e4mlich japanische Popul\u00e4rkultur. <\/p>\n<p>Zum einen ist mir v\u00f6llig unklar, was der Anime, abgesehen davon, dass es um Fansubkultur geht, mit den Interviews zu tun hat. Der Anime zeigt zwar zwei Menschen, die ihre ganze Energie in ihr Hobby stecken, die aber damit Erfolg haben und nicht nur einen tiefen sozialen Fall \u00fcberwinden, sondern nachher noch gr\u00f6\u00dfer dastehen als zuvor. Sie geben nie auf und haben den Willen und die Energie, ihr Leben erfolgreich zu gestalten.<br \/>\nGanz anders die in den Interviews dargestellten Personen, deren Namen verf\u00e4lscht, deren Gesichter nicht gezeigt und deren Stimmen zum Gro\u00dfteil verzerrt werden, damit sie in der \u00d6ffentlichkeit nicht erkannt werden. Zwei sind als untere Konzernchargen zu erkennen, einer wird als &#8220;Verk\u00e4ufer&#8221; bezeichnet, der andere sagt, er programmiere Buchhaltungssoftware, einer ist scheinbar ein Missionar aus den USA, aber die \u00fcbrigen sind alle im Sumpf der Unterschicht gelandet und stecken geblieben. Diese Leute wirken alle schmuddelig und manisch, und der einzige, der eigentlich ganz normal und nicht unsympathisch wirkt, ist ein Krimineller, der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Cel\" title=\"\"Cel\" bei Wikipedia\" target=\"_blank\">Cels<\/a> und Skizzen von Produktionsfirmen stiehlt, um sie an Fans zu verkaufen. <\/p>\n<p>Alle interviewten Personen sind negativ dargestellt, von objektiver Berichterstattung keine Spur. Die erste Person, der Verk\u00e4ufer, beschreibt seine Aktivit\u00e4ten im SF Club seiner Universit\u00e4t, wie zum Beispiel jeder sein Spezialgebiet hatte, wie man sich erg\u00e4nzte, zusammen auf Fantreffen ging und feierte und derlei Dinge &#8211; wie der Interviewer dann trotz solcher Schilderungen auf die Idee kam, die Frage zu stellen, ob er damals &#8220;richtige Freunde&#8221; (&#8220;Shiny\u00fb&#8221;) gehabt habe, bleibt v\u00f6llig schleierhaft, als wolle er ihn mit Gewalt in eine Schublade stopfen. Schlie\u00dflich sind doch alle Otaku vereinsamte und verwahrloste Sozialkr\u00fcppel, oder?<br \/>\nDass es ganz normale Fans gibt, die vielleicht nicht gern zugeben, dass sie Anime m\u00f6gen, aber ganz normale Leben mit Familie und Beruf leben, wird v\u00f6llig ausgeklammert. Stattdessen wird der Eindruck erweckt, bei Fans von Popul\u00e4rkultur handele es sich um irgendwelche Freaks. Dass man nicht noch <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Miyazaki_Tsutomu\" title=\"Artikel auf Wikipedia\" target=\"_blank\">Miyazaki Tsutomu<\/a> erw\u00e4hnt hat, den so genannten Otaku-M\u00f6rder, der die gesamte Subkultur in den Dreck zog und den Begriff &#8220;Otaku&#8221; lange Jahre extrem negativ belastete, ist auch alles, was mich \u00fcberrascht, denn <em>Otaku no Video<\/em> entstand Anfang der Neunziger, also nicht allzu viele Jahre nach Miyazakis Untaten. <\/p>\n<p>Ich muss die Echtheit der Interviews allerdings in Zweifel ziehen. Der interviewte Programmierer sagte, er habe in seinem &#8220;Audio Club&#8221; nur am Rande mit Anime und Cosplay zu tun gehabt, worauf der Interviewer ihn mit einem Fanzine (&#8220;D\u00f4jinshi&#8221;) und einem eingerahmten Foto konfrontiert, was den Programmierer peinlich ber\u00fchrt und in Erkl\u00e4rungsnot bringt. Was das Bild und das \u00fcberreichte Comicheft mit dem Angesprochenen zu tun haben, wird weder gezeigt noch gesagt, das hei\u00dft, der Zusammenhang bleibt v\u00f6llig und verd\u00e4chtig suggestiv der Interpretation des Zuschauers \u00fcberlassen. Was aber den letzten Rest meines Vertrauens in die Echtheit dieses Interviews im Speziellen quasi ausradiert hat (und mich an den \u00fcbrigen allgemein zumindest stark zweifeln l\u00e4sst), war am Ende, dass der Programmierer einen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gundam\" title=\"Gundam bei Wikipedia\" target=\"_blank\">Gundam<\/a>-Artikel, den <a href=\"http:\/\/i18.photobucket.com\/albums\/b112\/kaikaiAA\/char\/P3280053.jpg\" title=\"Link zum Bild\" target=\"_blank\">Helm von Char Aznable<\/a>, neben seinem Schreibtisch hervornahm, aufsetzte, und aus der Serie zitierte: <em>&#8220;Niemand interessiert sich f\u00fcr die Fehler Deiner Jugend.&#8221;<\/em><\/p>\n<p>GAINAX, Sch\u00f6pfer von <em>Evangelion<\/em> und <em>Fushigi no Umi no Nadia<\/em>, ein Unternehmen, das von solchen Fans lebt, zeichnet sich mitverantwortlich f\u00fcr dieses Werk &#8211; was haben die sich dabei gedacht? Haben sie sich was dabei gedacht? Oder wurde das Material ohne deren Zutun zusammengeschnitten? Handelt es sich hierbei um eine subtil humoristische japanische Art, ein Parodievideo zu vertreiben, und die Lizenznehmer im Westen haben das nur nicht verstanden? Ich wei\u00df es nicht. <\/p>\n<p>Es w\u00e4re vermutlich ebenso wenig im Sinne von GAINAX (oder jedes Multimediaproduzenten) gewesen, h\u00e4tte man die Dinge mit aufgenommen, die ich in dem Video vermisse. Mir fiele eine Reihe von \u00f6konomischen Begleitumst\u00e4nden ein, die man kaum treffender bezeichnen kann, wenn man sagt, dass man in Japan als Fan elektronisch (oder elektrisch) dargebotener Produkte ma\u00dflos \u00fcber den Tisch gezogen wird.<br \/>\nW\u00e4hrend man mit einer Vielzahl von Manga zu erschwinglichen Preisen geradezu erschlagen wird, muss der Fan von Anime im Einzelnen und Filmen allgemein geradezu kriminell tief in die Tasche greifen.<br \/>\nW\u00e4hrend man hierzulande Animeserien in relativ kosteng\u00fcnstigen Sammelboxen kaufen kann, mit vier, sechs, oder sogar mehr Episoden pro DVD, was zus\u00e4tzlich Platz im Regal spart, betr\u00e4gt die in Japan \u00fcbliche Zahl von Episoden pro Scheibe gerade einmal zwei, und da dann aufklappbare Boxen ein Ding der Unm\u00f6glichkeit werden, nimmt eine TV-Serie von nur 52 Episoden einen knappen halben Meter Regalplatz ein. <\/p>\n<p>Aber das ist nat\u00fcrlich nur ein minderes Problem, denn die Hauptbelastung liegt im Preis. Dass das fr\u00fcher bereits so war, erkannte ich 2003 daran, dass es dort keine Leervideokassetten zu kaufen gab, die mehr als 120 Minuten Spielzeit hatten. In Deutschland waren 240 Minuten die Norm, und 120er waren vermutlich ebenso selten wie 300er. Man sieht also, dass auch eine Sammlung von TV-Aufnahmen mit h\u00f6heren Kosten verbunden war, als bei uns.<br \/>\nUnd hier bei uns f\u00e4llt auch der Preis eines Films auf DVD binnen eines Jahres nach seiner Ver\u00f6ffentlichung in der Regel auf einen Zehner, doch scheint dieses Ph\u00e4nomen in Japan nicht zu existieren. Selbst f\u00fcr \u00e4ltere Filme, in meinem Fall waren das <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/G.I._Samurai\" title=\"Wikipedia (englisch)\" target=\"_blank\"><em>Sengoku Jieitai<\/em> (1979)<\/a> und <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Sailor_Suit_and_Machine_Gun\" title=\"Wikipedia (englisch)\" target=\"_blank\"><em>Sailorfuku to Kikanj\u00fb<\/em> (1981)<\/a>, bezahlt man noch 4000 Yen, anno 2004 etwa 30 E. Die irre Spitze bildete allerdings ein Pornofilm auf Videokassette, den Frisuren nach zu urteilen aus den tiefsten 90ern, den ich in einem Gebrauchtwarenladen f\u00fcr sage und schreibe 16000 Yen, also etwa 120 E, herumstehen sah. Man \u00fcberlege sich, was das f\u00fcr eine Serie bedeutet, die auf 26 DVDs verteilt wird. Und es ist ja auch nicht so, dass es in Japan gar keine Sammelboxen g\u00e4be: Ich erinnere mal an <em>Attack No. 1<\/em>, bei uns bekannt als <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mila_Superstar\" title=\"Artikel auf Wikipedia\" target=\"_blank\"><em>Mila Superstar<\/em><\/a>, f\u00fcr das man in Japan 2003 (bei der Ver\u00f6ffentlichung anl\u00e4sslich der Volleyballweltmeisterschaft) 750 E h\u00e4tte hinlegen m\u00fcssen. Die komplette Serie gibt es in Deutschland auf 12 DVDs f\u00fcr weniger als ein Zehntel dieses Preises. Das bedeutet, dass ein wahrer japanischer Fan entweder viel Geld haben oder alternativ in \u00e4rmlichen Verh\u00e4ltnissen leben muss, wenn er seinem Hobby nachgehen will &#8211; was wiederum bedeutet, dass die japanische Preispolitik ma\u00dfgeblich f\u00fcr das schlechte Image der Fans verantwortlich ist.<\/p>\n<p>Und von alldem keine Rede in einem Film, der zumindest vorgeblich das Otaku-Ph\u00e4nomen beleuchten will. Ich komme allerdings zu dem Schluss, dass hier weniger informiert, als eher Vorurteile gen\u00e4hrt werden sollen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es handelt sich hierbei um einen zweiteiligen Anime, der stellenweise durch Interviews unterbrochen wird, in dem es um so genannte Otakus geht. Ich will den Begriff nicht gro\u00df definieren, denn es ist schwierig, mit einer wechselvollen Geschichte, und k\u00f6nnte ein ganzes Buch f\u00fcllen. 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