{"id":1881,"date":"2011-07-30T17:32:59","date_gmt":"2011-07-30T15:32:59","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1881"},"modified":"2017-10-22T12:23:19","modified_gmt":"2017-10-22T10:23:19","slug":"king-of-kylltal-teil-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1881","title":{"rendered":"King of Kylltal (Teil 9)"},"content":{"rendered":"<p>Dann also der Freitag, an dem ich nicht so bei der Sache war, wie es notwendig gewesen w\u00e4re. <\/p>\n<p>Bei zwei Kunden musste ich noch einmal aus dem Auto springen, weil ich die Unterschrift vergessen hatte, und weil ich mit den Gedanken zur falschen Zeit mehr bei der Tourplanung war, als beim akuten Tourablauf, verga\u00df ich einen Kunden in Birresborn und musste nach Ablieferung der Expresse in Gerolstein noch einmal f\u00fcnf Kilometer zur\u00fcckfahren, weil mich der R\u00fcckweg \u00fcber die Ostroute und damit noch weiter weg f\u00fchren w\u00fcrde. <\/p>\n<p>Der Konzentrationsmangel und die damit einhergehende Einschr\u00e4nkung meiner Entscheidungsf\u00e4higkeit zeigten sich als erstes bei Herforst, wo ich den Waldweg nach Arenrath und Landscheid nehmen wollte, um festzustellen, ob das schneller sei, als die Landstra\u00dfe (ist es nicht); der Waldweg wurde n\u00e4mlich mittendrin von einer Baumf\u00e4llmaschine blockiert, die allerdings gen\u00fcgend Platz fand, um mich gerade so noch durchzulassen.<br \/>\nSeinen H\u00f6hepunkt fand mein mangelndes Urteilsverm\u00f6gen nach diesem Omen dann am nord\u00f6stlichen Wendepunkt der Tour, als ich nach S\u00fcden abbiegen wollte, drei Stopps vor Schluss, in Essingen. Den Kunden dort hatte ich um etwa 1445 erledigt, es war nicht unrealistisch, zwischen Vier und halb F\u00fcnf daheim zu sein. Da ich von diesem Punkt aus noch nie direkt nach Neroth gefahren war, befragte ich das Navigationsger\u00e4t nach der k\u00fcrzesten Strecke. TomTom zeigte mir eine Nebenstrecke, eigentlich einen Weg f\u00fcr landwirtschaftliche Fahrzeuge. Die Witterung war feucht, aber der Weg war geschottert, und als ich erkannte, das diese Schotterung irgendwann aufgeh\u00f6rt hatte und in festgefahrene Erde \u00fcbergegangen war, da war es zu sp\u00e4t. Obwohl&#8230; eigentlich war es erst dann zu sp\u00e4t, als ich mich in einem Beurteilungsfehler dazu entschloss, eine leicht geneigte, schmale, und vor allem feuchte Stelle zu \u00fcberfahren, anstatt die Sache sofort aufzugeben und r\u00fcckw\u00e4rts in Richtung Stra\u00dfe zur\u00fcckzusto\u00dfen. <\/p>\n<p>Als erstes musste ich einen kleinen Baum, der quer \u00fcber dem Weg hing, entfernen. Dann \u00fcberquerte ich eine weitere Stelle, die schlammig war.  Das war der Zeitpunkt, wo mir d\u00e4mmerte, dass ich hier besser nicht entlang gefahren w\u00e4re. Hundert Meter weiter eine dritte Stelle mit weichem Boden. Hier entschloss ich mich zun\u00e4chst, wieder zur\u00fcckzufahren, was mangels Platz ja nur r\u00fcckw\u00e4rts ging, wohlgemerkt mit jeweils einem knappen halben Meter Platz links und rechts vom Wagen. Ich kam zur\u00fcck zur zweiten Stelle mit weichem Boden und merkte schnell, dass der Wagen zu wenig Halt fand und Richtung Abhang rutschte. Ob das Stangenholz an der Stelle mich vor einem \u00dcberschlag bewahrt h\u00e4tte, erscheint mir fraglich. Bevor die Sache hoffnungslos wurde, entschied ich mich, die Methode &#8220;mit dem Kopf durch die Wand&#8221; zu probieren. Ich fuhr wieder geradeaus und passierte die dritte weiche Stelle, wonach der Bodenzustand sich stabilisierte und alles gut gegangen zu sein schien &#8211; aber nur hundert Meter weiter kam der Weg aus dem Wald heraus und f\u00fchrte \u00fcber eine Wiese. Man konnte die Fahrspur zwar erkennen, gerade so, aber sie war alles andere als ausgewalzt, ich w\u00fcrde nie und nimmer diese Wiese \u00fcberqueren k\u00f6nnen, ohne mich festzufahren. Also wieder zur\u00fcck. <\/p>\n<p>Weiche Stelle #3 machte keine Schwierigkeiten, aber #2 konnte nicht ohne Aufwand \u00fcberwunden werden. Ich sammelte erst mal wieder Holz, um dem Boden mehr Stabilit\u00e4t zu verleihen, aber es half nur begrenzt. Zuletzt \u00fcberfuhr ich die Stelle quer, mit Lenkrichtung quasi in den H\u00fcgel hinein, was zu einer de facto geraden Fahrrichtung f\u00fchrte, weil die Schr\u00e4glage des Wegs ein Abrutschen zum Abhang hin verursachte, was nur durch Querstellen ausgeglichen werden konnte.<br \/>\nAber dieses Verfahren funktionierte an Stelle #1 nicht mehr. Erstens war die Schr\u00e4ge extremer, zweitens war der Boden dort aufgeweichter, und drittens war der Weg hier noch schmaler, was die notwendige Querstellung des Fahrzeugs verhinderte. Nach zwei oder drei Metern steckte das linke Hinterrad im Schlamm am Wegrand. Weiteres Man\u00f6vrieren, das mir bei B\u00fcscheich damals die Unterf\u00fctterung der Spur erm\u00f6glicht hatte, war wegen der oben genannten Faktoren unm\u00f6glich, da ich f\u00fcrchten musste, den Hang hinunter zu kippen, von dem ich noch eine Lineall\u00e4nge entfernt war. <\/p>\n<p>Ich entschied, Mike nicht mit dem Problem zu bel\u00e4stigen, so lange ich noch eine Option hatte, die ich probieren konnte, und bewegte mich im Laufschritt den Kilometer zur\u00fcck nach Essingen, was mich \u00fcberraschend wenig aus der Puste brachte &#8211; zehn Kilogramm weniger auf den Rippen machen sich scheinbar bemerkbar, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Beruf einen sp\u00fcrbaren Beitrag zur Ausdauer liefert.<br \/>\nDer erste Bauer musste leider mein Anliegen, den Sprinter aus dem Dreck zu ziehen, zur\u00fcckweisen, weil er gleich einer Kindergruppe, die sich vor dem Stall versammelt hatte, Reitstunden gebe. Der zweite, den ich fragte, musste mich ebenfalls entt\u00e4uschen, weil seine Fahrzeugbatterie gerade nicht eingebaut sei und am Ladeger\u00e4t hing, empfahl mir aber seinen Nachbarn gegen\u00fcber.<br \/>\nBei dem handelte es sich um einen wohlgen\u00e4hrten Mann in etwa meinem Alter, der sich sofort bereit erkl\u00e4rte, mir zu helfen. Von den dreien verf\u00fcgte er auch \u00fcber den gr\u00f6\u00dften Schlepper, so breit, dass ich Zweifel hatte, ob das Ding \u00fcberhaupt in den Waldweg passte. <\/p>\n<p>Es passte allerdings, und am Sprinter angekommen, mussten wir uns erst \u00fcberlegen, wie wir den mir zur Verf\u00fcgung stehenden Gurt am Transporter befestigen sollten. Eine Anh\u00e4ngerkupplung hat das Fahrzeug nicht, an die Achse kamen wir nicht ran, also machte ich den Vorschlag, den Haken an der Halterung des Trittbretts hinten einzuh\u00e4ngen. Mein Bauer war da etwas misstrauisch, auch im Hinblick auf den Spanngurt von knapp zehn Zentimetern Breite, der das Gewicht allein aushalten musste, aber viel Auswahl bot sich uns nicht. Er zog also, ich legte den R\u00fcckw\u00e4rtsgang ein und f\u00fcnfzig Meter weiter konnte ich wieder allein fahren (was sehr f\u00fcr die Qualit\u00e4t dieser Spanngurte spricht), zuerst ein paar Hundert Meter zur\u00fcck bis zu einer Wendegelegenheit bei der Bahnschranke, wo der Landwirt auf mich wartete, f\u00fcr den Fall, des es doch noch Schwierigkeiten geben sollte. Es gab zum Gl\u00fcck keine.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck auf der Landstra\u00dfe bedankte ich mich f\u00fcr die Hilfe, sch\u00fcttelte seine Hand und fragte, was ich als Gegenleistung anbieten k\u00f6nne, aber er meinte, das sei schon in Ordnung. Ihn besch\u00e4ftige derzeit viel mehr seine Heuernte, weil das Wetter laut Vorhersage auch in den folgenden Tagen kaum trockener werde, und weil das gem\u00e4hte Gras eine Weile in der Sonne trocknen m\u00fcsse und bei Regen verfaule, wage er derzeit das Risiko nicht, die vierzig in der kommenden Woche anstehenden Hektar zu m\u00e4hen. Ich w\u00fcnschte ihm also alles Gute und machte mich auf den Weg nach Hause mit den letzten Stopps in Neroth, Wallenborn und Meisburg. Ich trage mich allerdings dennoch mit dem Gedanken, ihm einen Kasten Bier zu bringen, denn ich wei\u00df ja, wo er wohnt. <\/p>\n<p>Zuhause war ich dann so gegen F\u00fcnf, und wenn ich den Umweg nach Birresborn und die Aktion bei Essingen wegrechne, h\u00e4tte ich sogar um Vier daheim sein k\u00f6nnen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dann also der Freitag, an dem ich nicht so bei der Sache war, wie es notwendig gewesen w\u00e4re. 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