{"id":1789,"date":"2011-07-23T12:27:23","date_gmt":"2011-07-23T10:27:23","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1789"},"modified":"2012-12-11T19:04:34","modified_gmt":"2012-12-11T18:04:34","slug":"das-wort-zum-vierunddreisigsten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1789","title":{"rendered":"Das Wort zum Vierunddrei\u00dfigsten"},"content":{"rendered":"<p>Ein bisschen sp\u00e4t vielleicht, aber ich habe so viel andere Sachen im Kopf und zu tun, dass ich sogar von an mir vorbeirollenden Paketen tr\u00e4ume. <\/p>\n<p>Eine geradezu magere Bilanz bietet sich mir dieses Jahr, denn der Kreis der Personen, die an meinen Geburtstag denken, scheint zu schrumpfen. Ich nehme das allerdings keinem \u00fcbel, denn Berufst\u00e4tigkeit stellt, wie ich an mir selber bemerke, ganz andere Herausforderungen an das, wof\u00fcr man am Abend noch Energie aufwenden kann, als ein selbstreguliertes Studentenleben, und das Klettern auf der Karriereleiter intensiviert dies noch. Vielen Dank also an alle, die an mich gedacht haben und viel Gl\u00fcck und Erfolg f\u00fcr diejenigen, an denen der franz\u00f6sische Nationalfeiertag einfach vorbeigegangen ist. <\/p>\n<p>Was habe ich denn bekommen? 30 Euro von den Gro\u00dfeltern, Geld f\u00fcr Br\u00f6tchen, Wurst und K\u00e4se von Puck und Karl (eigentlich f\u00fcr den Rollenspielnachmittag vorgesehen, aber bei der Gelegenheit wegen der gro\u00dfen Menge an Snacks und dergleichen von Volker und Christian nicht verzehrt), <a href=\"http:\/\/www.animenewsnetwork.com\/encyclopedia\/anime.php?id=293\" title=\"OnV bei ANN\" target=\"_blank\"><strong>&#8220;Otaku no Video&#8221;<\/strong><\/a> von Ricci, die Autobiografie von Bud Spencer plus eine Sammlung weniger bekannter Filme mit ihm und Terence Hill von Melanie, ein Bundeswehrkopfkissen von Thomas, dass er mit Hilfe von Volkers Vater Horst aufgetrieben hat, man k\u00f6nnte auch Kevin erw\u00e4hnen, einen Arbeitskollegen, der ein Paket in unserem &#8220;Grenzbereich&#8221; f\u00fcr mich \u00fcbernahm&#8230; und eine kleine Packung Maoam von Alex. \ud83d\ude42<\/p>\n<p>Da ich den <strong>&#8220;Grundriss der Japanologie&#8221;<\/strong> endlich losbekam mit einem Erl\u00f6s von knapp 20 E, habe ich mir von diesem Geld auch selbst was geleistet: <strong>&#8220;First Strike&#8221;<\/strong> und <strong>&#8220;Master of Death&#8221;<\/strong> mit Jackie Chan (dessen englischer Untertitel eigentlich <em>&#8220;Magnificient Bodyguards&#8221;<\/em> lautet) und Doppel-DVD Special Editions der beiden Batman-Filme mit Michael Keaton, zuz\u00fcglich des <strong>&#8220;Zombie Survival Guides&#8221;<\/strong> f\u00fcr Melanie zu ihrem Geburtstag von ihrer Wunschliste.  <\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang muss ich allerdings auf ganz spezielle &#8220;Pappenheimer&#8221; eingehen: Meinen Herrn Gro\u00dfvater.<br \/>\nDer hat es n\u00e4mlich bewusst vermieden, mich anzurufen, weil er mir schmollte, um es mal antiquiert auszudr\u00fccken.<br \/>\n<em>&#8220;Du wei\u00dft doch, dass es uns in letzter Zeit so schlecht geht, Du h\u00e4ttest ja doch mal anrufen k\u00f6nnen! Deswegen habe ich extra nicht angerufen, weil ich b\u00f6se auf Dich war.&#8221;<\/em><br \/>\nIch muss gestehen, dass mir das gerade ziemlich gleich ist. Das Verhalten des Gro\u00dfvaters hat mich in letzter Zeit etwas abgestumpft.<br \/>\nDer erste Punkt ist aus meiner Sicht der Dinge v\u00f6llig klar: Wenn er so viel zu erz\u00e4hlen hat, soll er doch mich anrufen. Abends um Acht stehe ich in der Regel zur Verf\u00fcgung. Auf geradezu konfuzianische Gedanken, wer wen wegen der hierarchischen Generationenordnung mit Ehrerbietung \u00fcber die Telefonleitung bedenken muss, kann ich verzichten. Ich rufe niemanden an, wenn ich nichts sinnvolles zu sagen habe. Ist das so schwer zu verstehen?<\/p>\n<p>Aber der Spa\u00df geht ja noch weiter. Der Gro\u00dfvater trug sich ja, wie er sagte, mit dem Gedanken, seinen F\u00fchrerschein abzugeben. Ich bezweifle, dass das trotz aller ihm bekannten Probleme, die ich fr\u00fcher an dieser Stelle bereits beschrieben habe, mehr als ein Gedankenspiel war, aber er sagt das halt, also g\u00f6nne ich ihm Zweifel an meiner pessimistischen Meinung zum Thema. So, mitten in diese Gedanken platzte ein Krankenhausaufenthalt der Gro\u00dfmutter, und da dachte er sich, ein paar Tage mehr w\u00fcrden wohl noch gehen. Und so kam es, dass er in Breitfurt in einem Anfall von tempor\u00e4rer Geistesabwesenheit (nicht zu verwechseln mit Ohnmacht) von der Stra\u00dfe abkam und parkende Autos besch\u00e4digte und weiterfuhr. In der heimischen Garage angekommen, bog gleich die Polizei in die Einfahrt und stellte ihn zur Rede. Er k\u00f6nne sich an nichts erinnern, und der Totalschaden, den er an seinem eigenen PKW angerichtet hatte, sei ihm bis soeben nicht aufgefallen. Die Polizei (<em>&#8220;Jaja, schon klar&#8230; pusten Sie mal&#8230;&#8221;<\/em>) \u00fcberzeugte sich, dass kein Alkohol im Spiel war und die Sache wanderte ans Gericht. <\/p>\n<p>Ich bin nicht sicher, was und ob mittlerweile etwas dabei herausgekommen ist. Aber es begab sich, dass auch ich Post von der Gerichtskasse in Saarbr\u00fccken erhielt, wegen der \u00c4nderung im Grundbucheintrag, da mir ja das Haus \u00fcberschrieben worden war. Die wollten knapp 400 E Geb\u00fchren von mir, die ich heute kaum weniger gut aufbringen kann wie vor zwei Monaten. Ich brachte ihm auch diese Rechnung. Offen sagte er mir, dass ich ihm bitte solch hohe Rechnungen nicht mehr bringen m\u00f6ge, weil er ja selbst nichts habe &#8211; ich gehe also davon aus, dass wegen der Unfallfolgen Kontopf\u00e4ndungen vorliegen. Ich durfte allerdings auch mith\u00f6ren, wie er, als er mich au\u00dfer H\u00f6rweite w\u00e4hnte, klagte, warum ich denn nicht auch mal zu meinem Vater oder meiner Mutter ginge, wenn ich Geld brauchte.<br \/>\nDas erste Wort, dass mir in dem Moment durch den Kopf ging, will ich hier aus Grunden des Anstands nicht nennen. Erstens haben die beiden rein gar nichts mit dem mir \u00fcbertragenen Haus zu tun, au\u00dferdem arbeitet meine Mutter als Putzfrau und mein Vater lebt von staatlicher Erg\u00e4nzung zu seiner mageren Rente. Die haben nichts am Lappen, wie man so sagt. Es sollte jedenfalls weniger sein als eine Bosch-Betriebsrente. Aber wenn man die nat\u00fcrlich durch Altersstarrsinn abs\u00e4gt, nennt man das wohl eine Arschkarte!<br \/>\nPositiver Punkt: Seinen F\u00fchrerschein hat er zum letzten Mal gesehen.<br \/>\nIch habe das Gef\u00fchl, dass ihn diese Sache sehr belastet, denn in diesen wenigen Wochen scheint er k\u00f6rperlich noch st\u00e4rker abgebaut zu haben als in den vergangenen Monaten. Man sollte annehmen, dass es nicht mehr lange dauert. <\/p>\n<p>Reden wir noch kurz von der Gro\u00dfmutter, weil sie ja im Krankenhaus war. Sie hatte Nierensteine, die immer wiederkommen, weil sie bestenfalls eine null-siebener Flasche Sprudel am Tag trinkt. Zuerst wurde ein Katheter gelegt, um den Harnabfluss zu garantieren, worauf sie ein paar Tage nach Hause konnte. Dann sollte sie zur\u00fcck ins Krankenhaus, um die Nierensteine zu entfernen und es wurde ein neuer Katheter gelegt. Daraufhin ging sie wieder zwei Wochen nach Hause, bevor sie erneut hinging, um den Katheter entfernen zu lassen. Die Angelegenheit ist damit an sich beendet &#8211; sie kann sich nur nicht daran erinnern. Sie glaubt, dass man sie mehrmals ins Krankenhaus rief, untersuchte, und unverrichteter Dinge wieder nach Hause schickte. Als ob Nierensteine den modernen Arzt an seine Grenzen f\u00fchrten&#8230; aber eine irgendwie lustige Sache gab es zum Abschluss. Anl\u00e4sslich meines Besuches zeigte mir die Gro\u00dfmutter eine CD. Das Krankenhaus habe ihr diese &#8220;Schallplatte&#8221; gegeben, aber sie habe ja gar keinen &#8220;Plattenspieler&#8221; daf\u00fcr. Es handele sich wohl um eine Aufnahme von einem Kinderchor. Ich besah mir die CD: Sie kommt von der radiologischen Abteilung, ist f\u00fcr die pers\u00f6nlichen Unterlagen der Patientin bestimmt und enth\u00e4lt die MRT-Aufnahmen der Nierensteine, um quasi beim n\u00e4chsten Mal den Befund zu erleichtern. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein bisschen sp\u00e4t vielleicht, aber ich habe so viel andere Sachen im Kopf und zu tun, dass ich sogar von an mir vorbeirollenden Paketen tr\u00e4ume. Eine geradezu magere Bilanz bietet sich mir dieses Jahr, denn der Kreis der Personen, die an meinen Geburtstag denken, scheint zu schrumpfen. 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