{"id":1750,"date":"2011-06-05T16:30:42","date_gmt":"2011-06-05T14:30:42","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1750"},"modified":"2017-10-22T12:26:08","modified_gmt":"2017-10-22T10:26:08","slug":"king-of-kylltal-teil-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1750","title":{"rendered":"King of Kylltal (Teil 4)"},"content":{"rendered":"<p>Ja, leider gibt es derzeit nicht viel anderes, \u00fcber das ich schreiben k\u00f6nnte&#8230; abgesehen von dem sentimentalen Bedauern, das ich sp\u00fcre, wenn ich den traditionellen Spieleabend, den ich seit Jahren am Dienstag Abend zelebrierte, ins Nichts verschwinden sehe. Ortswechsel und Berufst\u00e4tigkeit einzelner Spieler machen die Sache unm\u00f6glich, obwohl man sich derzeit noch dagegen wehrt. Ich glaube aber nicht, dass der Todeskampf des Spielabends am Dienstag noch lang dauern wird. Ich bin jedenfalls drau\u00dfen und hoffe nur, mit noch ortsnahen Freunden an einem oder zwei Freitagen im Monat weitermachen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Am Samstag jedenfalls war ich in Plaidt. Dabei handelt es sich um eine Art Vorstadt von Koblenz, und die Firma, f\u00fcr ich arbeite, das hei\u00dft der Subunternehmer, hat dort ihren Hauptsitz.<br \/>\nEs handelt sich um einen reichlich unscheinbaren Hauptsitz, denn da ist eine zum Unternehmen geh\u00f6rende Werkstatt und quasi in einem Nebenraum ein kleines B\u00fcro, \u00fcber dessen T\u00fcr ein nicht mehr ganz neu aussehendes Firmenschild h\u00e4ngt. Und das bei einem Volumen von ca. 80 Fahrzeugen, die jeden Tag von den Depots in Koblenz und Trier ausschw\u00e4rmen.<br \/>\nIch erinnere mich zur\u00fcck an alte Amiga-Tage, wo es ein Spiel mit der Bezeichnung &#8220;Transworld&#8221; gab. Es handelte sich um eine Wirtschaftssimulation, in der man ein Transportunternehmen verwaltete, das allerdings nicht nur die Waren anderer Leute transportierte, sondern die Waren selber kaufte und verkaufte. Wenn man da 20 LKWs zusammenhatte, sa\u00df man nicht mehr in einem kleinen B\u00fcro in einer unbedeutenden Vorstadt, sondern verf\u00fcgte in der Regel \u00fcber ein pomp\u00f6s ausgebautes Firmengeb\u00e4ude mit riesigem Warenlager &#8211; soviel zur Realit\u00e4t. <\/p>\n<p>Eigentlich war der Sprinter nur wegen seiner Bremsen hier, aber ich hatte vorsorglich eine Liste von M\u00e4ngeln erstellt, die ich beseitigt haben wollte. Zum Beispiel funktionierte die Zentralverriegelung des Laderaums nicht, das hei\u00dft, die Fahrerkabine lie\u00df sich abschlie\u00dfen, aber der Laderaum nicht. Der obere der beiden Zigarettenanz\u00fcnder streikte ebenfalls, und ich brauche derzeit beide als Steckdosen, den einen f\u00fcr das Navi, den anderen f\u00fcr den Akku des Scanners. Die Wischerbl\u00e4tter mussten dringend ersetzt werden, weil die falschen nach Trier geliefert worden waren. Die sa\u00dfen nicht und waren notd\u00fcrftig befestigt, was zur Folge hatte, dass die Wasserd\u00fcse die Scheibe nicht richtig traf und nur zwei Drittel der Gesamtfl\u00e4che effektiv gereinigt wurden. Der Motor des rechten Au\u00dfenspiegels war scheinbar auch kaputt, denn man konnte ihn nur noch von Hand verstellen. Dies lie\u00df sich scheinbar nicht beheben, aber es ist auch ein minderes Problem, da man einen Spiegel ja nicht h\u00e4ufig einstellen muss. Dann war noch der \u00d6lstand zu niedrig und eine Halterung des Sicherungsnetzes im Laderaum hatte sich aus der Verankerung gel\u00f6st. Und zuletzt hatte irgendeiner den Knopf des elektrischen Fensterhebers links abgebrochen. Der lie\u00df sich zwar auf die Steuerungseinheit wieder aufsetzen, aber er sitzt halt locker. Der Mechaniker sagte, diese Kn\u00f6pfe gebe es nicht einzeln, man m\u00fcsse die gesamte Steuerung neu kaufen, aber auch das ist ein minderes Problem. Ach ja, auch einen neuen Drehknopf f\u00fcr die R\u00fcckenlehne habe ich bekommen, das wird das Fahren noch einen Tick angenehmer machen. <\/p>\n<p>Den Termin hatte ich um 0900, um 0838 war ich vor Ort. Der zust\u00e4ndige Kfz-Meister war bereits da und lie\u00df mich rein, die drei Mechaniker kamen um kurz vor Neun. Ich fand eine internationale Truppe vor: Der Meister ist scheinbar geb\u00fcrtiger Pole, Mechaniker 1 kommt aus einer arabischen Familie, Mechaniker 2 stammt aus Afrika, Mechaniker 3 ist Deutscher. Und der Chef meines Unternehmnens, der einen leicht antiquiert klingenden deutschen Namen tr\u00e4gt, ist ein \u00e4gyptischer Kopte, dem man den Orientalen eindeutig ansieht. Es w\u00e4re fast eine linguistische Studie wert, wie diese unterschiedlich gearteten Menschen miteinander kommunizieren, da &#8211; ich sage mal &#8211; die Zuwanderer zwar alle deutsch sprechen, aber eben auch Unsicherheiten und wohl fossilisierte Fehler bei der Sprachanwendung an den Tag legen. 90 % Sinn machendes Deutsch w\u00fcrde ich attestieren, und die Missverst\u00e4ndnisse, die sich aus den restlichen 10 % ergeben, w\u00e4ren sicherlich eine Betrachtung wert. F\u00fcr eine Hauptseminarsarbeit ist es bestimmt genug Stoff. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich die Mechaniker um den Wagen k\u00fcmmerten, hatte ich Gelegenheit, mit dem Chef zu reden, und es war erstaunlich angenehm. Er hat VWL studiert und dann Automobilkaufmann gelernt, wir redeten \u00fcber Sprache, Kultur, Religion, Demokratiebegehren und Toleranz, \u00fcber Arbeitsmoral (zum Beispiel, das Auto = den eigenen Arbeitsplatz sauber zu halten) und Medienkritik im Hinblick auf die apokalyptische Darstellung irgendwelcher Krankheiten, kurzum: Ich konnte mit meinem Allgemeinwissen von Tutmosis bis Mubarak und Saleh gl\u00e4nzen und mein Gegen\u00fcber verstand, was ich sagte. Bei den Kollegen im Depot bleibe ich sonst auf halbem Wege stecken, sofern sich mal eine Gelegenheit f\u00fcr ein Gespr\u00e4ch ergibt, in dem es nicht um die gemeinsame Arbeit oder allt\u00e4gliche Dinge geht. Dies bekr\u00e4ftigt meine Meinung, dass es angenehm ist, f\u00fcr Orientalen zu arbeiten. Wenn ich f\u00fcr Deutsche arbeite, gibt es nat\u00fcrlich einen auf den Deckel, wenn was schiefl\u00e4uft, und wenn es gut l\u00e4uft, dann wird das stillschweigend als normal betrachtet. Arbeite ich zum Beispiel f\u00fcr T\u00fcrken, lesen auch die mir die Leviten, wenn was daneben geht, aber die loben einen auch, wenn man was gut macht &#8211; zumindest die, mit denen ich in den vergangenen zehn Jahren gearbeitet habe. Aber ich glaube, ein Muster zu erkennen. Um von einem Deutschen gelobt zu werden, muss man vermutlich die Firma retten, aber ich will auch nicht unerw\u00e4hnt lassen, dass auch die Chefin im Teppichladen immer wieder mal was Positives sagt, wenn ein gro\u00dfes Unterfangen wie der Messeaufbau fl\u00fcssig vonstatten geht, wof\u00fcr ich immer sehr dankbar war.<\/p>\n<p>Einschub, Klammer auf: Wie l\u00e4uft das eigentlich mit der Teppichgalerie weiter?<br \/>\nIch habe mit Frau G. ausgemacht, dass ich an Wochenenden, sofern notwenig, Arbeiten \u00fcbernehme, die f\u00fcr sie und Halina allein k\u00f6rperlich zu herausfordernd sind, also zum Beispiel gr\u00f6\u00dfere Teppichvorlagen oder auch Aufr\u00e4umaktionen, nachdem jemand die gro\u00dfen Exemplare hat sehen wollen. Die kleinen Dinge wie Staubsaugen, Autos waschen, Teppiche klopfen und derlei Dinge wird wohl Halina \u00fcbernehmen d\u00fcrfen (deren langes Gesicht ich mir durchaus vorstellen kann, weil sie solche Arbeiten bislang nur ganz selten hat machen m\u00fcssen), da die Konjunkturlage in dem Gesch\u00e4ft derzeit nicht zulasse, den Rahmen von 400 E auszusch\u00f6pfen, und f\u00fcr einen Tag die Woche wolle sie keinen neuen Mitarbeiter anlernen. Ich mache in der Paulinstra\u00dfe also auf reiner Notwendigkeitsbasis weiter und das ist mir ganz recht.<br \/>\nKlammer zu.<\/p>\n<p>Ich fragte den Chef nach meinem Arbeitsvertrag, worauf er seine Unterlagen ansah und meinte, dass er lediglich nicht alles notwendige zusammen habe &#8211; meine Lohnsteuerkarte und mein Sozialversicherungsausweis fehlten noch. Ich halte das mal fest&#8230; die Lohnsteuerkarte m\u00fcsste im Teppichladen sein, und wenn ich mich nicht irre, habe ich den Sozialversiucherungsausweis dem Arbeitsamt \u00fcbergeben. Wir redeten auch \u00fcber Gehalt, Urlaub, und meine Ambitionen, soweit sie \u00fcber den Job eines Transportfahrers hinausgehen:<br \/>\nDas pauschale Gehalt eines Fahrers regelt sich scheinbar so, dass ca. 1250 E fest gezahlt werden, 200 E sind als &#8220;Pr\u00e4mie&#8221; angegeben, und pro Arbeitstag gibt es 6 E f\u00fcr Spesen&#8230; das ist jetzt zumindest aus meinen Ged\u00e4chtnis hervorgekramt, die Daten bekomme ich demn\u00e4chst ja noch schriftlich.<br \/>\nUrlaub gibt es zwei Tage pro Monat, wobei mir wegen der Vertretungsschwierigkeiten empfohlen wird, nicht mehr als eine Woche am St\u00fcck zu nehmen, und au\u00dferdem gilt f\u00fcr die ersten sechs Monate Urlaubssperre. Er f\u00fcgt allerdings hinzu, dass er volles Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr habe, dass ein Universit\u00e4tsabsolvent sich besser bezahlte Jobs sucht, und dass es kein Problem sei, mal einen Tag frei zu nehmen, um ein Vorstellungsgespr\u00e4ch zu besuchen. Er lege sowas nicht als Untreue aus und habe auch Leute wieder eingestellt, die nach ein oder zwei Jahren wieder zur\u00fcckkehren wollten.<\/p>\n<p>Um knapp halb Zwei war alles erledigt, bis auf eins: Der Wagen muss in etwa drei Wochen nochmal in die Werkstatt, um die Sch\u00e4den, die mein Vorg\u00e4nger an der Karosserie verursacht hat, zu beheben. Das bedeutet ausbeulen und neu lackieren, und in der Zwischenzeit, das hei\u00dft \u00fcber drei oder vier Tage, muss ich eben wieder einen Leihwagen fahren. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ja, leider gibt es derzeit nicht viel anderes, \u00fcber das ich schreiben k\u00f6nnte&#8230; abgesehen von dem sentimentalen Bedauern, das ich sp\u00fcre, wenn ich den traditionellen Spieleabend, den ich seit Jahren am Dienstag Abend zelebrierte, ins Nichts verschwinden sehe. Ortswechsel und Berufst\u00e4tigkeit einzelner Spieler machen die Sache unm\u00f6glich, obwohl man sich derzeit noch dagegen wehrt. 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