{"id":1745,"date":"2011-06-02T15:26:39","date_gmt":"2011-06-02T13:26:39","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1745"},"modified":"2011-10-16T11:59:44","modified_gmt":"2011-10-16T09:59:44","slug":"king-of-kylltal-teil-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1745","title":{"rendered":"King of Kylltal (Teil 3)"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe gar nicht die Zeit, \u00fcber alles im Detail zu schreiben, was sich einem da bietet&#8230; Mercedes-, BMW- und Golffahrer, die jedem ihrer Klischees gerecht werden, spazierfahrende Rentner, tote Kunden, unvermittelt abbiegende (und daher bremsende) Einheimische, schmale schadhafte Eifelwaldstra\u00dfen und noch schmalere und unbefestigte Eifelwaldwege, atemberaubende Expresslieferfahrten \u00fcber Eifelserpentinen, die Hitze im an Fahrtwind mangelnden Stadtverkehr, Berge von <em>&#8220;Apotheken Umschau&#8221;<\/em>, v\u00f6llig abseits liegende Eifeld\u00f6rfchen mit drei H\u00e4usern, vier Kneipen und einem Mausefallenmuseum, Kunden, die wie eben diese D\u00f6rfer hei\u00dfen, Stra\u00dfenz\u00fcge, die neuer als der Navi sind, H\u00e4user, die zu neu sind, um bereits eine Klingel zu haben, selbst verschuldete Arbeitszeiten von halb sechs morgens bis acht Uhr abends, aber auch freundliches Entgegenkommen von Kunden und solchen Leuten, die eigentlich keine sind.<\/p>\n<p>Man sagt gern, dass Berufsverkehr den Nerven abtr\u00e4glich sei. Das finde ich gar nicht, denn wenn einem nicht gerade das Essen anbrennt, kann man die Staus gem\u00fctlich aussitzen, im Trockenen mit L\u00fcftung und Musik. Was ich bedenklicher finde, sind die einzelnen Pendler am fr\u00fchesten Morgen. Es gibt da welche, die es scheinbar nicht gebacken bekommen, rechtzeitig aufzustehen, die mit 70 durch die Innenstadt fahren und andere, die mit etwa 130 \u00fcber die Ehranger Umgehungsstra\u00dfe blasen. <\/p>\n<p>Das Gegenteil sind die Rentner, die in der Eifellandschaft spazieren fahren, oder die, die sich die \u00fcblichen Geschwindigkeiten nicht mehr zutrauen. \u00dcber Traktoren beschwere ich mich nicht, die sind halt nicht f\u00fcr hohe Geschwindigkeiten konzipiert und die Arbeit muss ja gemacht werden, und mit einem gro\u00dfen LKW muss man ja auch umsichtig fahren, gerade in den Tiefen der Eifel. Mit denen habe ich keinen Stress, aber wenn Opa Herrmann und Oma Louise in ihrem bordeauxroten Benz Bj. 1990 mit 50 km\/h durch den Wald schleichen und dabei auff\u00e4llig gestikulierend was wei\u00df ich was diskutieren, dann k\u00f6nnte mir der Hut hochgehen. <\/p>\n<p>In einem Fall war es f\u00fcr die Lieferung allerdings zu sp\u00e4t. Die <em>ASSIST GmbH<\/em> aus Merzig an der Saar verschickt Pakete \u00fcber Transoflex. Dabei handelt es sich um Artikel, die man f\u00fcr die Altenpflege ben\u00f6tigt, und so kam es, dass ich an meinem dritten oder vierten Arbeitstag an einer T\u00fcr klingelte, wo mir ein mitgenommen aussehender Mann \u00fcber 50 mitteilte, dass der Empf\u00e4nger des Pakets in der vergangenen Nacht leider verstorben sei. In der Rubrik <em>&#8220;Annahme verweigert&#8221;<\/em> bleibt einem dann nur noch die Angabe <em>&#8220;sonstige Gr\u00fcnde&#8221;<\/em>, da ja <em>&#8220;Ware versp\u00e4tet&#8221;<\/em> oder <em>&#8220;besch\u00e4digt&#8221;<\/em> zum Beispiel nicht zutreffen. <\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, wie die Stra\u00dfenkarten des Navigationsger\u00e4ts zu Stande kommen. Ich vermute, dass eine Maschine vielleicht graue Linien in Luftaufnahmen erkennt, oder dass Scans von Papierlandkarten ebenso automatisch interpretiert werden. Anders jedenfalls l\u00e4sst sich nicht erkl\u00e4ren, dass das Ger\u00e4t pl\u00f6tzlich sagt: <em>&#8220;In 400 Metern fahren Sie geradeaus.&#8221;<\/em> Nach 400 m bietet sich dem Fahrer folgendes Bild: Die Stra\u00dfe macht eine Biegung und geradeaus befindet sich ein Waldweg. Das Ger\u00e4t sucht angeblich die jeweils schnellste Strecke von A nach B, aber auf einem Waldpfad, der eigentlich nur f\u00fcr Spazierg\u00e4nger und Forstwirtschaft da ist, kann ich ja nicht 100 fahren, sondern bestenfalls 50. Das System kann verschieden Typen von Stra\u00dfen vermutlich nicht selbst unterscheiden und menschliche Dateneingabe w\u00fcrde vermutlich einiges kosten (daf\u00fcr gibt es ja &#8220;Business Solutions&#8221;, da ich annehme, dass man einer Schwerlastspedition nicht die gleiche Navisoftware wie einem Autofahrer verkaufen kann). Klar macht das Fahren \u00fcber Waldwege irgendwo Spa\u00df, aber der h\u00f6rt vermutlich auf, wenn mir ein Forstwirtschafter im Gel\u00e4ndewagen entgegenkommt. Dann muss ich n\u00e4mlich gegebenenfalls ein paar Kilometer r\u00fcckw\u00e4rts fahren, weil ich im Weg stehe und hier eigentlich nichts zu suchen habe.<\/p>\n<p>Bei einer Fahrt mit Expresspaket w\u00fcrde ich diese Option jedenfalls nicht nehmen, sondern auf der Stra\u00dfe bleiben. Ich h\u00e4tte auch nicht gedacht, dass ich mal absichtlich zu schnell auf der Landstra\u00dfe fahren w\u00fcrde. Bereiche mit 70 oder 50, das ist was anderes, aber auf gerader Strecke ohne Hinweisschild werden es schonmal mehr als 100. Wenn ein Expresspaket zu sp\u00e4t ankommt, muss die Firma den Preis zur\u00fcckerstatten, und der f\u00e4llt auf den Fahrer zur\u00fcck, sofern er die Versp\u00e4tung verschuldet hat (f\u00fcr Staus zum Beispiel kann er ja nichts).<\/p>\n<p>Derzeit sind meine Arbeitstage noch relativ lang. Das liegt zum einen an einem Mangel an Routine beim morgendlichen Laden, zum anderen an meinem derzeitigen Mangel an K\u00f6nnen in Angelegenheiten der Routenoptimierung.<br \/>\nUm effizient zu laden, muss man die groben r\u00e4umlichen Verh\u00e4ltnisse der Tour im Kopf haben und die Pakete, die den letzten Ortschaften in der Reihe zugeordnet werden, k\u00f6nnen schon eingeladen werden. Das ist aber nur der Idealfall, denn eine Expresslieferung kann den Laden durcheinanderbringen, weil man daf\u00fcr in der Regel Ortschaften in der regul\u00e4ren Abfolge aus Zeitgr\u00fcnden \u00fcberspringen muss, und dem entsprechend \u00e4ndert sich die Reihenfolge des Packens. Man spart auch Zeit, wenn man die Pakete gleich beim runternehmen vom Band einscannt, aber manchmal kommen mehrere in schneller Folge, sodass keine Zeit zum sofortigen Scannen bleibt, und gleichzeitig kann man am Ende der Serie nicht einfach die Augen vom Band nehmen, um den angesammelten Haufen zu scannen, weil man dann weitere Pakete im eigenen Postleitzahlenbereich verpassen k\u00f6nnte, was zu Unmut am Ende des Bands f\u00fchren kann, wenn sich dort die verpassten Pakete stapeln, die ja auch jemand vom Band nehmen und stapeln muss &#8211; und ich verliere Zeit, wenn ich zum Ende der Halle gehen und im Stapel nach verpassten Sendungen suchen muss. Effizienz kommt hier aus guter Finger-Augen-Koordination. Und wenn alles klappt, dass alles schnell gescannt und bereit zum Einladen grob nach Orten und Stra\u00dfen geordnet wurde, dann kann es immer noch sein, dass ein versp\u00e4teter LKW die logistische Kette unterbricht und sich die Tour so \u00e4ndert, dass sich ein anderer Endpunkt ergibt.<br \/>\nUnd dennoch kann es schnell gehen: Kalaschnikow (Name ge\u00e4ndert), der den Bereich westlich von mir bedient, ist grunds\u00e4tzlich als erster drau\u00dfen, wenn der um halb Neun losf\u00e4hrt, ist er sp\u00e4t dran. Er macht das hier seit f\u00fcnf Jahren und f\u00e4hrt bereits seit \u00fcber 20. Der arbeitet mit allen Optimierungstricks und hat sogar noch Zeit, zwischendurch am Tor eine zu rauchen.<\/p>\n<p>Mein anderes Problem ist die Optimierung der Route. Wie verbinde ich z.B. die Orte Wei\u00dfenseifen, M\u00fcllenborn, Rockeskyll, Balesfeld, Wallenborn, Bleckhausen, Deudesfeld und Gerolstein zu einer sinnvollen und m\u00f6glichst Zeit sparenden Tour, wenn wegen eines Expresspakets klar ist, dass ich Gerolstein als erstes anfahren muss?<br \/>\nW\u00e4re dies nicht der Fall, k\u00f6nnte ich eine sch\u00f6ne Runde fahren, aber wenn Gerolstein der Ort A sein muss, entsteht ein Planungsproblem, weil all diese D\u00f6rfer rundum liegen und Zickzack und \u00dcberkreuzfahrten kosten nunmal Zeit. Ich habe gestern 20 Minuten in der Touristeninformation in Gerolstein verbracht, um mir eine Karte der Eifel zu kaufen und mir von der Angestellten die Ortschaften markieren zu lassen, von denen ich noch nie geh\u00f6rt hatte. Denn man kann mir ideale Fahrtrouten vorbeten, sooft man will, ich werde mir die Strecken besser merken k\u00f6nnen, wenn ich mir mittels einer Stra\u00dfenkarte eine konkrete Vorstellung der r\u00e4umlichen Verh\u00e4ltnisse machen kann. <\/p>\n<p>Positiv \u00fcberrascht war ich bislang vom Verhalten der Einheimischen (abgesehen von demjenigen, der mich durch unangek\u00fcndigtes Abbiegen zu einer Vollbremsung veranlasste). Manche sagen, dass die Eifelbauern verschlossene Leute seien, aber dergleichen habe ich nicht bemerkt. Die Exemplare, die ich getroffen habe, waren alle freundlich, fragten auch mal nach dem Woher und Wohin, und nicht abgeneigt, die Post des Nachbarn anzunehmen. Ich bekam sogar Trinkgeld. Umgerechnet auf die Arbeitstage mehr als in den vergangenen Jahren als Teppichdarbieter.<br \/>\nAber auch und vor allem in Speicher hat man mich \u00fcberrascht. Wegen der genannten Faktoren und der <em>&#8220;Apotheken Umschau&#8221;<\/em>, die mir anscheinend zweimal im Monat 50 schwere Extrapakete beschert, war ich am Freitag sp\u00e4t dran und hatte ein paar Pakete f\u00fcr einen Laden f\u00fcr B\u00fcrobedarf. Um 2115 hat der nat\u00fcrlich geschlossen, aber ich dachte mir, dass der Besitzer vielleicht im Haus wohnt. Als ich den Namen nicht auf der Klingel vorfand, l\u00e4utete ich trotzdem mal. Die Bewohnerin war \u00fcberraschend entgegenkommend und zeigte sich bereit, die knapp zehn Pakete in ihrem Flur unterzubringen. Dann hatte sie die Idee, den Empf\u00e4nger anzurufen (ihr Vermieter), suchte daf\u00fcr die Nummer aus dem Telefonbuch, erreichte ihn nicht, suchte dann eine andere Nummer, von der sie wusste, dass es der Vater des Empf\u00e4ngers war, worauf dieser, ausgestattet mit einem Schl\u00fcssel zum Laden, zum Laden gefahren kam und mir beim Wegr\u00e4umen half, wobei er ebenso \u00fcberraschend keinerlei Tadel oder \u00e4hnliches \u00e4u\u00dferte, sondern meine Entschuldigung nur zur Kenntnis nahm und sagte, dass er ja wisse, dass ich auch irgendwann mal Feierabend haben wollte. Da war ich direkt beeindruckt. Vielleicht liegt es an meinen Vorbehalten gegen\u00fcber der Stadt, in der ich lebe, aber ich glaube, ein Trierer Kunde h\u00e4tte auf die Situation eher ungehalten reagiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe gar nicht die Zeit, \u00fcber alles im Detail zu schreiben, was sich einem da bietet&#8230; Mercedes-, BMW- und Golffahrer, die jedem ihrer Klischees gerecht werden, spazierfahrende Rentner, tote Kunden, unvermittelt abbiegende (und daher bremsende) Einheimische, schmale schadhafte Eifelwaldstra\u00dfen und noch schmalere und unbefestigte Eifelwaldwege, atemberaubende Expresslieferfahrten \u00fcber Eifelserpentinen, die Hitze im an Fahrtwind [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_s2mail":"yes","footnotes":""},"categories":[10,7],"tags":[1691,1692,1694,1690,966,1950,1258,1957,1946,87],"class_list":["post-1745","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitswelt","category-mylife","tag-arbeitsablauf","tag-arbeitsablaufe","tag-arbeitseffizienz","tag-arbeitsorganisation","tag-eifel","tag-gerolstein","tag-mercedes-benz","tag-speicher","tag-transoflex","tag-trier"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1745","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1745"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1745\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2004,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1745\/revisions\/2004"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1745"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1745"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1745"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}