{"id":1682,"date":"2011-04-29T22:26:20","date_gmt":"2011-04-29T20:26:20","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1682"},"modified":"2017-10-22T12:32:41","modified_gmt":"2017-10-22T10:32:41","slug":"und-wieder-jobreisen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1682","title":{"rendered":"&#8230; und wieder Jobreisen"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich war ich bereits am 21. April unterwegs, um bei Key-Systems in St. Ingbert vorstellig zu werden, aber so Aufsehen erregend war die Sache nicht. Das Wetter war sch\u00f6n, der Zug fuhr in einem St\u00fcck durch, die Adresse unweit vom Bahnhof war schnell zu finden.<br \/>\nObwohl&#8230; es muss ja immer was sein:<br \/>\nAls ich mich auf den erstbesten Platz setzte, merkte ich schnell, dass es dort nach Dixiklo roch.<br \/>\nIch setzte mich ans andere Ende des Waggons, aber dort ging die T\u00fcr zwischen den Wagen scheinbar nicht zu und es war unangenehm laut.<br \/>\nIch setzte mich in den n\u00e4chsten Wagen, und kaum, dass ich dort sa\u00df, konnte ich sehen, wie sich die eben noch widerspenstige T\u00fcr sanft schloss&#8230;<\/p>\n<p>Ich glaube, ich habe mich rhetorisch weit besser geschlagen, als zum Beispiel in Oberammergau, aber das lag nicht an meiner bereits verbesserten Vorbereitung. Die Art des Gespr\u00e4chs passte einfach zu meiner Vorstellung von Kommunikation. Aber irgendwie schien das, was ich konkret vorbereitet hatte, wieder nur ungen\u00fcgend gefragt zu sein. In Abwesenheit genauerer Informationen in Bezug auf den Job, den ich machen wollte, hatte ich mir die Eckdaten der Firma eingepr\u00e4gt und mir ein paar Interna zurecht gelegt, die ich einstreuen konnte. Dar\u00fcber hinaus hatte ich diesmal eine genau festgelegte  Auflistung von Dingen, die ich als meine St\u00e4rken angeben konnte, und sogar, falls man danach fragen sollte, Schw\u00e4chen im Hinterkopf. Stattdessen war die Frage nach dem, was ich \u00fcber Firma wusste, recht schnell erledigt, weil ich ja nicht als Chronist, sondern als Mitglied des so genannten Fulfillment Teams an der manuellen Dateneingabe und Domainregistrierung arbeiten w\u00fcrde. <\/p>\n<p>Ich glaube zwar, dass es mir geschickt gelungen ist, mein Wissen \u00fcber die Firma einzustreuen (<em>&#8220;Dieser Mitarbeiter ist gerade nicht da, weil er in Vietnam ist.&#8221;<\/em> <em>&#8220;Ich nehme an, er will dort die neue Toplevel-Domain .vn an den Mann bringen?&#8221;<\/em>), aber in einem Punkt lasse ich meine Gegen\u00fcber regelm\u00e4\u00dfig zwangsweise im Dunkeln: Bei meiner Motivation genau da zu arbeiten, wo ich mich gerade bewerbe.<br \/>\nZum einen sollte jedem klar sein, dass ich \u00fcberhaupt arbeiten m\u00f6chte, weil ich Geld brauche, aber das lasse ich unausgesprochen, weil ich damit bereits schlechte Erfahrungen gemacht habe. Stattdessen kann ich meine pers\u00f6nlichen Lebensumst\u00e4nde nennen, da geh\u00f6rt die R\u00fcckzahlung meiner Schulden nat\u00fcrlich ebenso dazu wie die Sorge um die allein lebenden und immer seniler werdenden Gro\u00dfeltern, und mein Wunsch, f\u00fcr einen sympathischen Arbeitgeber zu arbeiten. Aber: Ich glaube, das ist irgendwie eine Nebensache. Es l\u00e4uft scheinbar darauf hinaus, dass man vom Bewerber erwartet, dass er oder sie eine <strong>fachliche<\/strong> Motivation hat, hier oder da zu arbeiten (<em>&#8220;Ich w\u00fcrde gern hier arbeiten, weil ich dies und das gelernt\/studiert\/gearbeitet habe und w\u00fcrde mich jetzt gern weiterentwickeln.&#8221;<\/em>).<br \/>\nIst bei mir ja ganz klar nicht der Fall. Ich bin das, was man einen Quereinsteiger nennt, es spricht nicht f\u00fcr mich, dass ich mir die Grundlagen meiner kommenden speziellen Verwendung erst aneignen muss, w\u00e4hrend es oft genug Bewerber gibt, die bereits aus einem spezialisierten Feld kommen und nur noch die f\u00fcr die Firma bedeutenden Details lernen m\u00fcssen. <\/p>\n<p>Egal, viel typischer war die Fahrt am 28. April zu Unilux in Schweich.<br \/>\nIch sehe da auch ein Muster: Saarwellingen, St. Ingbert, Salmtal.<br \/>\nDer Anfangsbuchstabe h\u00e4uft sich diesen Monat. <\/p>\n<p>Salmtal? Ja, da bin ich am 28. April hingefahren, ein Tag, der k\u00fchl und regnerisch begann, was mich zwang, Jacke und Schirm einzupacken. Kurz bevor ich die Wohnung verlie\u00df, go\u00df es in Str\u00f6men. Der Regen h\u00f6rte auf, als ich im Bus sa\u00df, aber k\u00fchl blieb es vorerst.<br \/>\nAm Bahnhof wollte ich noch schnell ein Ticket l\u00f6sen, aber der Automat sagte mir, er akzeptiere h\u00f6chstens 10 E Scheine, und ich hatte nur einen F\u00fcnfziger. Die Dame vom Snackladen hatte kein Wechselgeld, in der Kasse der B\u00e4ckerei war auch nichts zu holen, und auch der Buchladen gab mir einen Korb. Zwei Minuten vor Abfahrt gelang mir der Wechsel dann endlich im Reisezentrum, ich verbrachte eine qu\u00e4lend lange Zeit damit, meine Fahrkarte zu l\u00f6sen (immerhin akzeptierte der Automat sofort das Geld, ohne Zicken zu machen), und ich konnte in den Zug springen, Sekunden vor der Abfahrt.<\/p>\n<p>In Salmtal wollte ich zur Firma Unilux, bekannt als Hersteller von Fenstern. Eingeladen hatte mich die Zeitarbeitsfirma Tempo-Team (fr\u00fcher Team BS) und ein Herr S. zeigte so viel Einsatz, mich dreimal anzurufen, nachdem ich in zwei aufeinander folgenden Wochen keine Zeit f\u00fcr die Betriebsf\u00fchrung hatte.<br \/>\nSalmtal selbst kenne ich nur vom durchfahren, mit dem Zug, weil es auf der Strecke nach Wittlich liegt, wo ich anno 2005 eine Umfrage (oder vielleicht eher eine Aufmerksamkeitskampagne) im \u00f6rtlichen Baumarkt gemacht hatte. Streng genommen gibt es dort keinen Bahnhof, denn es handelt sich nur um einen mehr oder minder kundenfreundlich ausgebauten Bahnsteig mit einem kleinen Unterstand, in dem der Fahrkartenautomat untergebracht ist.<br \/>\nHerr S. nun hatte mir mitgeteilt, dass es einen Fu\u00dfweg vom Bahnhof den H\u00fcgel hoch zur Firma gebe, und dass die Sache gerade mal zehn Minuten in Anspruch nehme, und die F\u00fchrung beginne flexibel zwischen 1400 und 1430. Im Vertrauen darauf unterlie\u00df ich es, mir mittels einer Landkarte die geografischen Gegebenheiten einzupr\u00e4gen, und wenn es so nah war, konnte ich mir ja eine schnelle Wegbeschreibung von einem Anwohner besorgen. <\/p>\n<p>Ich stieg um 1349 aus, die Wolkendecke \u00f6ffnete sich immer mehr, und dem entsprechend wurde es w\u00e4rmer. Ich stopfte die Jacke in den Rucksack. Der H\u00fcgel war da, wie beschrieben. Gr\u00fcne Wiesen mit Blumen, soweit das Auge reicht. Da war auch ein Weg, aber der schien nur zu einer Art Bauernhof zu f\u00fchren. Um sicherzugehen, wollte ich die Option der Anwohnerbefragung in Anspruch nehmen.<br \/>\nNun fand ich aber erst mal keinen, und der erste Laden, an dem ich vorbeikam, hatte geschlossen. So landete ich um drei Minuten vor Zwei in einer Filiale der Volksbank. Ich fragte eine Dame dort nach dem Weg, worauf sie mich entsetzt ansah.<br \/>\n<em>&#8220;Ach Gott, ich kenn mich hier doch auch nicht aus&#8230;&#8221;<\/em><br \/>\nSie steckte den Kopf in einen B\u00fcroraum, aus dem daraufhin eine weitere Angestellte herauskam und mir mitteilte, dass ich die Hauptstra\u00dfe Richtung Selehm entlang gehen sollte, und in f\u00fcnf bis zehn Minuten k\u00f6nne ich das Werk dann links sehen. <\/p>\n<p>Als ich den Weg nach Selehm dann zehn Minuten lang gegangen war und nichts in Sicht war, was irgendwie nach einem Werksgel\u00e4nde oder \u00fcberhaupt nach einem Geb\u00e4ude aussah, verstaute ich wegen der einsetzenden Hitze auch meinen Pullover im Rucksack, kehrte wieder um, und wiederholte um etwa 1415 meine Frage im B\u00fcro eines Br\u00f6tchenherstellers.<br \/>\n<em>&#8220;Da sind Sie hier ganz falsch. Gehen Sie die Hauptstra\u00dfe in den Ort hinein, an der Apotheke vorbei, \u00fcber die Br\u00fccke, bis zum Kebapladen. Dort biegen Sie rechts ein und gehen immer geradeaus, dann k\u00f6nnen Sie&#8217;s nicht verfehlen.&#8221;<\/em><br \/>\nDas war die entgegengesetzte Richtung. Ich beschloss, mir die beiden von der Volksbank vorzukn\u00f6pfen, wenn ich wieder zur\u00fcckkam, aber leider kam es nicht dazu. <\/p>\n<p>Die zweite Wegbeschreibung passte. Es dauerte allerdings \u00fcber 20 Minuten, bis ich ankam, und sah mich schon mit verbissenem Gesicht darum bitten, mir wenigstens zu best\u00e4tigen, dass ich da gewesen war, wenn ich die F\u00fchrung schon verpasst hatte, um auf meinen Auslagen von \u00fcber 17 E f\u00fcr die Fahrt nicht sitzen zu bleiben.<br \/>\nDer Pf\u00f6rtner schickte mich ins Hauptgeb\u00e4ude, und in der kleinen Vorhalle standen drei Leute in Arbeitsklamotten und einer im Anzug. Das war die Gruppe, die ich suchte, nur war es nicht der Herr S., sondern ein Herr M., bei dem es sich um den Filialleiter der Tempo-Team Niederlassung in Trier handelt. Viel \u00e4lter als ich kann er nicht sein. <\/p>\n<p>Er nahm die Unterbrechung gelassen, bot mir an, meinen Rucksack und den Schirm in seinem Auto unterzubringen und mich im Anschluss mit nach Trier zu nehmen.<br \/>\n<em>&#8220;Haben Sie schon mal in Zeitarbeit gearbeitet?&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Ja&#8230; das war 2006.&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Was haben Sie denn zwischendurch gemacht?&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Einen Universit\u00e4tsabschluss.&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Sie haben einen Uniabschluss? Was haben Sie denn studiert?&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Sprachen&#8230; Japanisch und Englisch.&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Warum hat der Herr S. Sie dann hierher geschickt? Sie w\u00e4ren in einem B\u00fcrojob doch viel besser untergebracht!&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Vermutlich, weil ich Erfahrung im Lager-, Liefer- und Produktionsbereich habe&#8230;&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Die Firma Dunlop in Wittlich braucht m\u00f6glicherweise jemanden wie Sie&#8230; ich werde mal nachfragen. Suchen Sie denn was dauerhaftes oder nur was f\u00fcr zwischendurch?&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Wie darf ich das verstehen?&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Wie lange w\u00fcrden Sie denn hier arbeiten wollen?&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;So lange, bis ich was besseres finde.&#8221;<\/em><br \/>\nZwei der drei Leiharbeiter lachen laut, Herr M. grinst.<br \/>\n<em>&#8220;Ja, was soll ich sagen? Ich will bestimmt nicht bis zur Rente Fenster schrauben.&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Wir fingen daraufhin mit der Betriebsf\u00fchrung an und sahen, wie aus Holzlatten, Alust\u00fccken, Lack, und simplen Glasscheiben Hi-Tech-Fenster mit Dreifachverglasung werden.<br \/>\n<em>&#8220;Diese Scheiben werden nicht anlaufen, weil die Temperatur von Au\u00dfen die Innenfl\u00e4che nicht soweit abk\u00fchlen kann, dass die Feuchtigkeit aus der Atemluft zum Beispiel darauf niederschlagen kann. Eher werden Ihre W\u00e4nde schimmlig,&#8221;<\/em> erfuhren wir dabei.<br \/>\nMan lege au\u00dferdem Wert darauf, dass jeder Mitarbeiter, mit Ausnahme der Facharbeiter, durch alle Abteilungen rotiere, damit er nicht jeden Tag, Woche f\u00fcr Woche und Monat f\u00fcr Monat, immer das gleiche mache. Nat\u00fcrlich sei auch nicht jeder f\u00fcr jede Abteilung voll geeignet, manche Arbeiten seien nun mal k\u00f6rperlich belastender als andere. Es sei also klar, dass man \u00e4ltere Mitarbeiter von den schwersten Arbeiten fernhalte, und auch, dass mal etwas zu Bruch ginge.<br \/>\n<em>&#8220;Sie werden aber nicht gleich rausgeworfen, wenn Sie zum Beispiel so eine Scheibe kaputtmachen,&#8221;<\/em> sagt Herr M. und deutet auf ein Rohexemplar von mehreren Quadratmetern, <em>&#8220;der Abteilungsleiter wei\u00df, das sowas mal passiert und sieht das ganz locker.&#8221;<\/em> Dabei deutet er auf die blauen Container im Hof, die voller Bruchglas sind.<br \/>\n<em>&#8220;Wir hatten hier im ganzen vergangenen Jahr auch nur einen ernst zu nehmenden Unfall; ein Mitarbeiter hat einen Scheibentransportwagen zu schwungvoll gezogen, worauf der gegen seinen Fu\u00df rollte, leider hinter dem Teil, wo die Stahlkappe sitzt, und brach ihm den Mittelfu\u00dfknochen,&#8221;<\/em> f\u00e4hrt er fort.<\/p>\n<p>Interessant finde ich, dass hier das S\u00e4gemehl w\u00e4hrend des Jahres abgesaugt und gesammelt wird, um im Winter damit zu heizen. Das S\u00e4gemehl werde aber nicht nur aus diesem Grund sofort abgesaugt, denn der Holzstaub aus Buchen- und Eichenholz sei au\u00dferdem Krebs erregend.<br \/>\n<em>&#8220;Seit wann ist das denn bekannt?&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Schon immer, denke ich.&#8221;<\/em><br \/>\nDas \u00fcberraschte mich dann doch ein bisschen, denn ich w\u00fcsste nicht, dass Mitte der Achtziger im Gersheimer S\u00e4gewerk irgendein Aufhebens um den Holzstaub gemacht worden w\u00e4re, andererseits habe ich auch nie darauf geachtet, sondern bei meinen seltenen Besuchen das S\u00e4gemehl immer nur irgendwo in der Ecke rumliegen sehen. Mein Vater hatte und hat davon m\u00f6glichweise keine Ahnung, denn wir haben \u00fcber Jahre mit Buchenholz geheizt und haben es hierzu im Keller stundenlang mit der Kreiss\u00e4ge kleingeschnitten, ohne dabei irgendeine Art von Staubschutz zu tragen. Immerhin haben in der Vergangenheit Untersuchungen meiner Lunge nie irgendwelche Probleme aufgezeigt. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend der etwa 90-min\u00fctigen F\u00fchrung kommt auch die Agentur f\u00fcr Arbeit nicht zu kurz:<br \/>\n<em>&#8220;Irgendwas ist bei denen faul. Die haben kein Geld, um einem Mann, der von uns vermittelt wurde, zu einem Auto zu verhelfen, aber sie haben genug Geld, um ihn dabei zu unterst\u00fctzen, uns zu verklagen, damit wir ihm endlich einen unbefristeten Vertrag geben &#8211; dabei h\u00e4tte der l\u00e4ngst einen unbefristeten Vertrag, wenn er ein Auto h\u00e4tte. Ein brauchbares Auto kriegt man f\u00fcr einen Tausender, aber ob man f\u00fcr das Geld einen Anwalt und einen Prozess bekommt, wage ich zu bezweifeln.&#8221;<\/em><br \/>\nUnilux habe bereits einige Leute fest angestellt, setze aber Mobilit\u00e4t voraus. Unter Leiharbeitern reiche dagegen Carsharing voll aus.<br \/>\nIch bin dar\u00fcber nat\u00fcrlich am\u00fcsiert, aber man darf nicht vergessen, dass die deutsche Agentur f\u00fcr Arbeit keine zentral straff gesteuerte Institution, sondern ein Amalgam parallel und verwickelt laufender Kompetenzstr\u00e4nge ist, deren effiziente Koordination schwierig, wenn nicht sogar unm\u00f6glich ist, und oftmals zu widerspr\u00fcchlichen Situationen f\u00fchren kann. <\/p>\n<p>Insgesamt macht der Laden einen guten Eindruck, und wer sechs Monate gearbeitet hat, bekommt volles Weihnachtsgeld. Weil Unilux allerdings direkt von der Bauindustrie und ihrem Rhythmus abh\u00e4ngig ist, ruht die Produktion in der Regel zwischen Weihnachten und Ostern, plusminus weniger Wochen. Allerdings gebe es Bestrebungen, verst\u00e4rkt in den internationalen Handel einzusteigen, um mit Verk\u00e4ufen auf der s\u00fcdlichen Halbkugel die Winterflaute abzuschw\u00e4chen. Herr M. kam just spontan auf den Gedanken, dass in Japan derzeit sicherlich eine ganze Menge Fensterscheiben gebraucht w\u00fcrden &#8211; mir gef\u00e4llt der Gedanke, aber ich schwieg lieber dazu, weil ich die Macht der japanischen Bauindustrie kenne, und wie es um die Aufnahmewilligkeit ausl\u00e4ndischer Produkte dort dr\u00fcben steht&#8230; obwohl &#8220;Made in Germany&#8221; immerhin noch eine vergleichsweise gute Resonanz unter Importware allgemein finden d\u00fcrfte. <\/p>\n<p>Herr M. sagte auch etwas von Pr\u00e4mien, die das Unternehmen an die Mitarbeiter auszahle, wenn die Saison gut laufe, aber das Grundgehalt von knapp 1100 E klingt so ein bisschen abschreckend, muss ich sagen&#8230; da versuche ich es lieber auch weiter bei einer Trierer Transportfirma, dir mir mitteilte, dass ich wegen der Auftragsfluktuation gern jede Woche anrufen k\u00f6nne, um zu fragen, ob ein Job frei geworden sei, denn Fahren macht mehr Spa\u00df als Fenster schrauben, und 1200-1300 E klingen besser als <em>&#8220;knapp 1100&#8221;<\/em>. Sollte sich nichts besseres bieten, nehme ich auch Unilux&#8230; oder Dunlop. Ein Zug nach Wittlich f\u00e4hrt alle halbe Stunde.<br \/>\nWie dem auch sei: Wir sollten uns das \u00fcbers Wochenende \u00fcberlegen und man werde uns Mitte der kommenden Woche anrufen.<\/p>\n<p>Ich fahre daraufhin mit Herrn M. Richtung Trier.<br \/>\nEr hat da \u00fcbrigens ebenfalls studiert, allerdings Jura, und das ohne Abschluss, weil es ihm nicht liege, jahrelang das gleiche zu machen, au\u00dferdem brauche er befriedigende Zwischenergebnisse &#8211; er habe die Scheinfreiheit noch erreicht, f\u00fchlte sich aber auf dem Weg zum Abschluss von den Dozenten allein gelassen und warf, kein Ziel findend, das Handtuch. Er sei also ebenfalls als Quereinsteiger zur Zeitarbeit gekommen, mittlerweile Niederlassungsleiter und verdiene 2400 E; nur die 60-Stunden-Woche sei doch sehr fordernd.<br \/>\n<em>&#8220;F\u00fcr Sie finden wir bestimmt auch was passendes,&#8221;<\/em> sagte er zu mir, <em>&#8220;schicken Sie mir heute Abend einfach mal einen Lebenslauf per Mail.&#8221;<\/em><br \/>\nEr erz\u00e4hlt noch dies und jenes, von alten Studienkollegen, die zwar einen Abschluss gemacht h\u00e4tten, danach aber irgendwie auf der Strecke geblieben waren. <em>&#8220;Ich verstehe einfach nicht, warum ich auf der einen Seite vom Schreibtisch sitze und die immer noch auf der anderen.&#8221;<\/em><br \/>\nEr kritisierte auch die neoliberalen Zeitarbeitsgesetze im Ausland (Luxemburg, Frankreich, Belgien, England) und lobte den deutschen Arbeitnehmerschutz, und erz\u00e4hlt in einer Anekdote von einem Betriebsratsmitglied der Firma BOSCH, der \u00fcberrascht hatte feststellen m\u00fcssen, dass es eine firmeninterne Anweisung gibt, dass Bewerber, die Hartz-IV oder andere staatliche Unterst\u00fctzung bezogen h\u00e4tten, erst gar nicht zum Vorstellungsgespr\u00e4ch vorgeladen werden.<\/p>\n<p>Er l\u00e4sst mich am Kaufland raus, weil ich noch einkaufen muss, und wir verabschieden uns. Zuhause pr\u00fcfe ich die Lage anhand einer Landkarte, und was ich mir w\u00e4hrend meines Spaziergangs bereits gedacht hatte, best\u00e4tigte sich: Vom Bahnsteig zur Firma sind es Luftlinie in der Tat nur etwa 1000 Meter, und un\u00fcberwindliche Hindernisse scheint es keine zu geben, nur einen mehr oder minder direkt dorthin f\u00fchrenden Weg kann ich nicht entdecken. M\u00f6glicherweise handelt es sich um eine Fahrspur f\u00fcr Traktoren, die man auf dem Foto wegen des Grases nicht sehen kann.<br \/>\nAus den Beschreibungen von Herrn S. habe ich nun interpretiert, dass irgendwelche Mitarbeiter \u00f6fter und f\u00fcr gew\u00f6hnlich \u00fcber den H\u00fcgel gehen. Herr M. wiederum wei\u00df von einer solchen Abk\u00fcrzung rein gar nichts und sagt, dass die Leute mit eigenem Kfz oder Fahrgemeinschaft k\u00e4men.<br \/>\nAuch eine Zeitarbeitsfirma ist ein Amalgam aus parallel und zum Teil widerspr\u00fcchlich verlaufenden Informationsfl\u00fcssen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich war ich bereits am 21. April unterwegs, um bei Key-Systems in St. Ingbert vorstellig zu werden, aber so Aufsehen erregend war die Sache nicht. Das Wetter war sch\u00f6n, der Zug fuhr in einem St\u00fcck durch, die Adresse unweit vom Bahnhof war schnell zu finden. 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