{"id":162,"date":"2008-07-27T16:09:03","date_gmt":"2008-07-27T14:09:03","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=162"},"modified":"2008-07-27T16:12:32","modified_gmt":"2008-07-27T14:12:32","slug":"ignorant-oder-unbelehrbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=162","title":{"rendered":"Ignorant oder unbelehrbar"},"content":{"rendered":"<p>Es ist eine Weile her, also sollte ich mal wieder was zum Besten geben.<\/p>\n<p>Zum Beispiel das Gewinnspiel, dass ich vor einiger Zeit im Alleencenter gesehen habe.<br \/>\nAuf der Ausstellungsfl\u00e4che stand eine schwarze Limousine und ein aufgestelltes Schild wies darauf hin, dass es sich um ein Gewinnspiel handelte, bei dem man wohl das platzierte Auto gewinnen k\u00f6nne. Das in Regenbogenfarben glitzernde Nummernschild sagte &#8220;GEWINN&#8221;. Ich h\u00e4tte nat\u00fcrlich nichts dagegen, einen Wagen zu gewinnen, den man f\u00fcr einen f\u00fcnfstelligen Betrag wieder verkaufen kann, also sah ich mir die Angelegenheit mal an. Auf einem ebenfalls aufgestellten Tisch lagen die bunten Teilnahmekarten, wo man seine Daten eintragen sollte, bevor man sie durch den offenen Schlitz des Beifahrerfensters ins Innere des Wagens warf.<\/p>\n<p>Ganz oben war nat\u00fcrlich gro\u00df zu lesen, um was es ging:<br \/>\n<strong>&#8220;Gewinnen Sie einen BMW F\u00fcnfhundertirgendwas!&#8221;<\/strong> Die genaue Zahl habe ich vergessen. Ist auch unwichtig. Ich warf einen Blick auf den hier abgestellten Wagen. Es war ein Audi. Aha. Die Karte sagte weiterhin aus, dass man, wie \u00fcblich, Name, Geburtsdatum und Postanschrift angeben solle, allerdings waren auch E-Mail Adresse und Telefonnummer Pflichtfelder. Dann wollte ich mir nat\u00fcrlich die Teilnahmebedingungen nicht entgehen lassen, und in denen war zu lesen, dass ich mich bereit erkl\u00e4re, mich von dem Veranstalter und den Sponsoren per Post, Mail und Telefon \u00fcber weitere Gewinnspiele und &#8220;interessante Angebote&#8221; informieren zu lassen. Von einem Widerrufsrecht keine Spur. Ich wei\u00df nicht, ob ein solches gesetzlich verankert ist und nicht extra genannt werden muss, aber ich konnte nicht anders, als \u00fcber die Aktion laut zu lachen.<\/p>\n<p>In diesem Moment bewegte sich eine junge Mutter mit Kinderwagen auf die Rolltreppe zum Kaufland zu. Als sie realisierte, dass es sich bei dem Hindernis nicht um eine simple Werbeaktion handelte, sondern dass es da scheinbar was zu gewinnen gab, bog sie leicht ab, kam direkt zu dem Tisch, wo ich stand, nahm eine Karte, las, gemessen an der Zwischenzeit, die genannte \u00dcberschrift, und begann, den Teilnahmezettel auszuf\u00fcllen. Neugierig, was wohl passieren w\u00fcrde, nahm ich meinen eigenen Zettel wieder zur Hand und las die Teilnahmebedingungen laut und deutlich vor.<\/p>\n<p>Das schien die Gewinnwillige jedoch in keiner Weise zu beeindrucken. Sie f\u00fcllte brav alle erforderlichen Felder aus und warf die Karte ins Auto, woraus ich durch die unget\u00f6nte Scheibe ihre pers\u00f6nlichen Daten problemlos ablesen konnte. Das traf nat\u00fcrlich auf die Mehrzahl der Zettel nicht zu, weil sie im Fu\u00dfraum, zwischen den Sitzen oder einfach mit der beschrifteten Seite nach unten gelandet waren, aber einige waren eben lesbar und somit auch f\u00fcr Interessierte, die mit der Aktion rein gar nichts zu tun hatten, verwertbar.<\/p>\n<p>Es ist interessant, dass sich fast jeder \u00fcber Werbung beschwert, die ungefragt und unn\u00f6tig im Briefkasten landet, aber scheinbar haben viele Leute kein Problem damit, sich eben f\u00fcr den Empfang \u00fcberfl\u00fcssiger, weil nie wahrgenommener, Angebote&#8230; anzubieten. Aber w\u00e4hrend ich zum Beipiel Briefwerbung ohne Zeitverlust ins Altpapier werfe, st\u00f6ren mich Werbemails schon mehr, und wenn mich irgendeiner wegen sowas unvermittelt anrufen w\u00fcrde, best\u00fcnde die Gefahr, dass es mir ernsthaft den Tag versaut. Okay, mein Mobilfunkanbieter ruft mich alle Jahre mal an, um mich \u00fcber unn\u00f6tige Angebote zu unterrichten, aber das <strong>k\u00f6nnte<\/strong> mich ja immerhin interessieren.<\/p>\n<p>Letztlich hat sich in dem Bereich folgendes Gespr\u00e4ch mit einer Werbedame abgespielt:<br \/>\n<em>&#8220;Herr Schwarz, wir danken Ihnen, dass sie sich letztes Jahr f\u00fcr uns entschieden haben. Was w\u00fcrden Sie davon halten, noch g\u00fcnstiger zu telefonieren und Geld zu sparen?&#8221;<\/em><br \/>\n&#8220;Das kommt drauf an, was es mich kostet.&#8221;<br \/>\n<em>&#8220;(lacht) F\u00fcr 3,50 Euro im Monat w\u00fcrden Sie drei\u00dfig Freiminuten erhalten. Der aufgerechnete Minutenpreis w\u00fcrde damit unter dem liegen, den Sie aktuell zahlen, und 30 Minuten werden Sie auf jeden Fall vertelefonieren.&#8221;<\/em><br \/>\nIch konnte mal wieder nicht anders, als \u00f6ffentlich laut zu lachen.<br \/>\n&#8220;Sie kennen nat\u00fcrlich meine Telefonrechnungen nicht. Ich habe im Monat eine Rechnung zwischen zwei und drei Euro.&#8221;<br \/>\nEine Sekunde Stille, dann<em>&#8220;(verwirrtes Gestammel)&#8221;<\/em><br \/>\n&#8220;Ich erz\u00e4hl Ihnen keinen Schei\u00df. Ich telefoniere extrem wenig. Wenn ich Ihr Angebot annehme, w\u00fcrde meine Telefonrechnung steigen. Ich bin genau deswegen zu Ihnen gewechselt, weil ich dann keine Grundgeb\u00fchr zahlen muss, die bei <strong>keinem<\/strong> Anbieter in einem vern\u00fcnftigen Verh\u00e4ltnis zu meinen gespr\u00e4chszeiten stehen w\u00fcrde.&#8221;<br \/>\n<em>&#8220;Dann&#8230; belassen Sie Ihren Vertrag nat\u00fcrlich am besten so, wie er aktuell ist. Haben Sie vielen Dank.&#8221;<\/em><br \/>\n&#8220;Ich danke <strong>Ihnen<\/strong> f\u00fcr den lustigen Anruf.&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist eine Weile her, also sollte ich mal wieder was zum Besten geben. Zum Beispiel das Gewinnspiel, dass ich vor einiger Zeit im Alleencenter gesehen habe. 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