{"id":1608,"date":"2011-04-22T16:43:37","date_gmt":"2011-04-22T14:43:37","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1608"},"modified":"2017-10-22T12:32:51","modified_gmt":"2017-10-22T10:32:51","slug":"die-randstad-reise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1608","title":{"rendered":"Die Randstad-Reise"},"content":{"rendered":"<p>Das Arbeitsamt hatte mir Jobangebote geschickt, darunter eines von einer Zeitarbeitsfirma in Wiesbaden mit der Bezeichnung &#8220;Jobleister&#8221;. In dem Angebot war von Lagerarbeit in einem Lebensmittellager die Rede, und das klang ja nicht uninteressant. Nach Anfrage bei dem Unternehmen stellte sich allerdings heraus, dass von einer dauerhaften Besch\u00e4ftigung an einem Ort keine Rede sein k\u00f6nne. In der Antwort, die ich erhielt, stand zu lesen, dass der Zeitarbeiter drei Wochen irgendwo eingesetzt w\u00fcrde, die Unterkunft werde gestellt, und im Anschluss ein paar Tage Heimaturlaub erhalte, wobei er sich seinen Einsatzort nicht aussuchen d\u00fcrfe.<br \/>\nNa wie sch\u00f6n. Das bedeutet, dass sich meine Beziehung auf ein paar Tage im Monat beschr\u00e4nken soll und dass ich von einem Arbeitsplatz zum n\u00e4chsten wechsele, ohne jemals irgendwo eingegliedert werden zu k\u00f6nnen? Das hei\u00dft st\u00e4ndig neue Nervosit\u00e4t dar\u00fcber, ob man mit den neuen Kollegen klarkommt, kein soziales Netzwerk und so weiter.<br \/>\nHaben die ne Meise? Ich nehme gern Arbeit an, f\u00fcr die ich umziehen muss, und erst Recht Arbeit, f\u00fcr die ich nicht umziehen muss, aber wie ein Wanderarbeiter st\u00e4ndig zwischen verschiedenen Orten zu pendeln l\u00e4uft mit mir nicht. <\/p>\n<p>Eine weiteres Angebot dreht sich um die Stelle eines Produktionshelfers in der Herzogenbuscher Stra\u00dfe in Trier, inklusive Link zum urspr\u00fcnglichen Jobangebot \u00fcber die Firma Randstad.<br \/>\nRandstad ist ebenfalls eine Zeitarbeitsfirma, die Arbeitskr\u00e4fte verleiht. Immerhin genie\u00dft Randstad unter all den Krisennutznie\u00dfern noch einen guten Ruf. Nur der mir gegebene Link, der war ung\u00fcltig.<br \/>\nIch setzte mich also mit Randstad in Verbindung und man lud mich zu einem Beratungsgespr\u00e4ch ein, damit ich meine Personalien und meine Arbeitserfahrungen und -w\u00fcnsche vermitteln konnte. Lustigerweise befindet sich Randstad im selben Geb\u00e4ude wie der Vertreter meiner Haftpflichtversicherung.<br \/>\nDie Trierer Stelle gab es scheinbar nicht mehr, und da ich im Personalbogen angegeben habe, dass ich aus Gewissensgr\u00fcnden keinesfalls in der Tabakindustrie arbeiten w\u00fcrde, fiel JTI, einer der bedeutendsten Arbeitgeber in Trier, schonmal raus.<br \/>\nAber man konnte mir was anderes anbieten &#8211; in Saarwellingen oder in Bitburg. Da ich nicht mobil bin, fiel Bitburg v\u00f6llig flach. In Saarwellingen k\u00f6nnte ich, dank Heimatn\u00e4he, eher arbeiten, weil ich mir zum einen das Auto des Gro\u00dfvaters leihen k\u00f6nnte, um nicht v\u00f6llig auf Fahrgemeinschaften angewiesen zu sein.<br \/>\nUm das abzukl\u00e4ren, m\u00fcsste ich allerdings nach Saarwellingen fahren. <\/p>\n<p>Ich habe nur eine grobe Vorstellung davon, wo Saarwellingen \u00fcberhaupt liegt, also verlie\u00df ich mich auf die Angaben der Verbindungssuchmaschine der Deutschen Bahn. Dort hie\u00df es, ich solle mit dem Zug nach Dillingen fahren, dann mit dem Bus nach Nalbach, und in Nalbach in den n\u00e4chsten Bus umsteigen, der mich nach Saarwellingen bringen sollte.<br \/>\nEin Anruf bei der dortigen Niederlassung von Randstad ergab, dass ich an der Haltestelle &#8220;Schulzentrum&#8221; aussteigen solle. <\/p>\n<p>Der Tag der Reise war k\u00fchl, eine Art Temperaturloch in der Folge fast sommerlicher Tage im April 2011. Zwischen Merzig und Dillingen regnete es sogar ein wenig, aber bei Ankunft in Dillingen war es trocken. Vorerst.<br \/>\nDer ben\u00f6tigte Bus stand bereits da, ich zahlte 2,70 E und los ging die Fahrt. Kurz vor Nalbach gab es einen heftigen Regenschauer, und mir wurde klar, dass Reisen zu Vorstellungsgespr\u00e4chen scheinbar immer was dramatisches bieten mussten, um dr\u00fcber zu schreiben. <\/p>\n<p>Nalbach ist ein kleines Dorf, wo es nicht viele Haltestellen gibt. Ich fragte den Fahrer, wo ich denn in den Bus nach Saarwellingen umsteigen k\u00f6nne, und wurde an die n\u00e4chste Haltestelle verwiesen. Da stand ich nun, und immerhin regnete es nicht mehr. Auf dem Fahrplan findet sich eine Reihe von Bussen, aber da stehen nur die Endhaltestellen und nicht, \u00fcber welche Orte sie fahren. Ich bem\u00fchte also meine Reisenotizen und suchte die darin angegebene Liniennummer: Eine halbe Stunde Wartezeit tat sich auf.<br \/>\nEtwa einen Kilometer weiter konnte ich den Ortsausgang sehen, und direkt an der Haltestelle war ein Supermarkt. Ich kaufte in aller Seelenruhe was zu trinken, stieg letztendlich in den vorgesehenen Bus, und zahlte erneut 2,70 E.<\/p>\n<p>Und ab diesem Zeitpunkt wurde meine Laune strapaziert.<br \/>\nSaarwellingen liegt bestenfalls zwei Kilometer hinter Nalbach. Statt drei\u00dfig Minuten totzuschlagen, h\u00e4tte ich auch zu Fu\u00df hingehen k\u00f6nnen! Es gibt in Saarwellingen auch keine Haltestelle &#8220;Schulzentrum&#8221;, obwohl auf den Pl\u00e4nen f\u00fcr die Schulbusse vor Ort genau das zu lesen ist. Es gibt eine Haltestelle, die nach einer Schule benannt ist, direkt am Ortseingang, aber ich dachte mir, dass wohl keine Haltestelle &#8220;Schulzentrum&#8221; im Fahrplan stehen w\u00fcrde, wenn es sie nicht g\u00e4be.<br \/>\nPositiv war in diesem Moment zu vermerken, dass in dieser Buslinie ein Bildschirm h\u00e4ngt, auf dem die kommenden f\u00fcnf Haltestellen angegeben sind.<br \/>\nEine Haltestelle &#8220;Schulzentrum&#8221; gibt es tats\u00e4chlich nicht, also stieg ich aus, als ich diesen Umstand klar ablesen konnte. <\/p>\n<p>Ich rief bei Randstad an, um zu erfahren, wo ich denn nun hinmusste.<br \/>\nEin St\u00fcck die Stra\u00dfe hoch, links, geradeaus bis zum Supermarkt, links ins Industriegebiet, dann einfach die Stra\u00dfe runter. Leicht zu finden eigentlich, und viel von den knapp zwei Kilometern w\u00e4ren mir nicht erspart geblieben, selbst wenn ich eine Haltestelle vorher ausgestiegen w\u00e4re. H\u00e4tte ich mich von der Schule aus auf den Weg gemacht, w\u00e4re der Fu\u00dfmarsch allerdings noch ein paar Hundert Meter weiter gewesen.<br \/>\nGut, ein paar Hundert Meter sind Kinkerlitzchen. Die Fehlinformation st\u00f6rte mich an dieser Stelle mehr als die zwanzig Minuten zu Fu\u00df. Dabei hatte ich noch Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck, denn es war ein Graupelschauer, der mich dabei kalt erwischte, und kein Regen. Das traf meine kalten Ohren zwar irgenwie hart, aber immerhin weichte meine Jacke nicht durch.<\/p>\n<p>Sch\u00f6n war&#8217;s halt nicht, und dass mich die Umst\u00e4nde nervten, konnte ich, obwohl ich mir M\u00fche gab, nicht wirklich verbergen &#8211; was meine Vermittlerin vor Ort zu der Meinung verleitete, ich w\u00fcrde Ihr die Schuld f\u00fcr irgendwas an der Sache geben.<br \/>\n<em>&#8220;Wollen Sie \u00fcberhaupt hier arbeiten?&#8221;<\/em> fragte sie mich gleich eingangs.<br \/>\nEine v\u00f6llig bescheuerte Frage, aber ich kann mich bei genauerer \u00dcberlegung auch des Verdachts nicht erwehren, dass man in diesem Beruf oft auch mit Kunden der Jobb\u00f6rse zu tun bekommt, die sich in Hartz-IV eingerichtet haben und tats\u00e4chlich keinen Bock mehr auf Arbeit haben.<br \/>\n<em>&#8220;Ja glauben Sie denn, ich w\u00fcrde von Trier aus hier runter gondeln, wenn ich das nicht wollte?&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Na ja, weil Sie so ein Gesicht machen&#8230;&#8221;<\/em>, wobei sie sich an einer Imitation versuchte.<br \/>\n<em>&#8220;Ich bin eben durch einen Schauer gelaufen, da macht man schonmal so ein Gesicht.&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Aber daf\u00fcr kann ich doch nichts!&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Das hat auch niemand behauptet. Wenn ich unh\u00f6flich war, tut es mir nat\u00fcrlich leid.&#8221;<\/em><br \/>\nLeuten, die jede Kleinigkeit pers\u00f6nlich nehmen, sollte man so lange in den Hintern treten, bis sie sich diese Paranoia abgew\u00f6hnt haben. Ich finde es jedenfalls zum Kotzen.<\/p>\n<p>Aber gut, was hat Randstad denn nun zu bieten?<br \/>\nZum einen eine Stelle am Flie\u00dfband bei einem Fordzulieferer. Ein Fahrzeugmodell der Firma wird in den kommenden Jahren am Standort Saarwellingen produziert. Es gibt Leute, die sagen, dass so ein Flie\u00dfbandjob wie ein Sechser im Lotto sei. So sei das Grundgehalt zwar niedrig, aber durch Schicht-, Nachtarbeit- und Feiertagszulagen komme da einiges zusammen.<br \/>\nDie andere Stelle war Lagerarbeit bei Anterist &#038; Schneider, altehrw\u00fcrdige Spedition, aber nat\u00fcrlich weit weniger gut bezahlt. Ich gab wahrheitsgem\u00e4\u00df an, dass ich am Flie\u00dfband noch nicht gearbeitet habe und dass ich in Lagerarbeiten \u00fcber mehr Erfahrung verf\u00fcge. Das wurde im Nachhinein scheinbar so ausgelegt, dass ich den Produktionsjob keinesfalls machen wolle, denn von dem war nie wieder die Rede, w\u00e4hrend ich einige Tage sp\u00e4ter vom Lager eine schlichte Absage erhielt. <\/p>\n<p>Einer nat\u00fcrlichen Neigung folgend pflanzte ich mich zwecks R\u00fcckreise an einer Bushaltestelle auf, die in die Richtung f\u00fchrte, aus der ich gekommen war. Kaum stand ich dort, fuhr gegen\u00fcber ein Bus mit der Aufschrift &#8220;Saarlouis Hbf&#8221; ab. Ich versuchte, mich zu erinnern, ob Saarlouis von Trier aus gesehen denn nun hinter oder vor Dillingen lag&#8230; aber ich kam nicht drauf. Ich fahre immer nur durch, aber um die Reihenfolge der Orte hatte ich mir nie Gedanken gemacht.<br \/>\nEine Weile sp\u00e4ter kam der Bus, auf den ich wartete, und interessanterweise hielt auch der am Bahnhof von Saarlouis, und zwar nachdem er vorher auch am Dillinger Bahnhof Halt machte. Da ich mir nicht sicher war, ob der Regionalexpress, den ich nehmen wollte, auch in Dillingen h\u00e4lt, bat ich um eine Fahrkarte nach Saarlouis. Die koste aber mehr, als wenn ich in die entgegengesetzte Richtung f\u00fchre, sagte die Fahrerin &#8211; 4,10 E.<br \/>\nIch gestatte mir ein bitteres Grinsen, denn schlie\u00dflich hatte ich heute f\u00fcr einen Bruchteil dieser Strecke bereits 5,40 E gezahlt, weil die Fahrplanauskunft der Bahn nicht die beste ist.<br \/>\nOb ich von Trier nach Saarlouis oder nach Dillingen fahre, macht \u00fcbrigens keinen Unterschied, denn auch ohne Tagesticket kostet die Fahrt mit Einzelfahrschein das gleiche, warum auch immer. Ist scheinbar nah genug beisammen.<br \/>\nDer Rest von Tag war sonnig, um am Bahnhof konnte ich mich auch wieder von der Jacke trennen.<\/p>\n<p>Ich bekam bei Randstad immerhin einen Schirm geschenkt &#8211; vielen ehrlichen Dank. Aber was Positiveres war aus diesem Beratungsgespr\u00e4ch nicht rauszuholen. Wof\u00fcr bin ich nach Saarwellingen gefahren? Es wurde rein gar nichts besprochen, was sich nicht auch per Mail oder am Telefon h\u00e4tte kl\u00e4ren lassen. Alle Unterlagen hatte ich bereits in Trier ausgef\u00fcllt, es gab nichts zu unterschreiben, nichts, was meine Anwesenheit n\u00f6tig gemacht h\u00e4tte. Stattdessen sind mir f\u00fcr nichts und wieder nichts Fahrtkosten entstanden, um deren Ersatz ich das Arbeitsamt bitten muss. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Arbeitsamt hatte mir Jobangebote geschickt, darunter eines von einer Zeitarbeitsfirma in Wiesbaden mit der Bezeichnung &#8220;Jobleister&#8221;. 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