{"id":1602,"date":"2011-04-22T16:01:09","date_gmt":"2011-04-22T14:01:09","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1602"},"modified":"2017-10-22T12:33:07","modified_gmt":"2017-10-22T10:33:07","slug":"ackern-im-garten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1602","title":{"rendered":"Ackern im Garten"},"content":{"rendered":"<p>Meine Freundin hat also zu Beginn des Monats ihre eigene Magisterpr\u00fcfung erfolgreich hinter sich gebracht, womit wir nun offiziell ein Akademikerpaar w\u00e4ren. Nur f\u00fchlen wir uns nicht so, und wie es aussieht, f\u00fchlt sich auch keiner zu akademischer Arbeit hingezogen.<br \/>\nVorerst bedeutet dies jedoch, dass man nun vom Beginn einer geregelten Freizeit sprechen kann, in dem Sinne, dass es wieder Sinn macht, Spieltermine zu planen, ohne deswegen ein schlechtes Gewissen haben zu m\u00fcssen.<br \/>\nIch habe Anfang April nach dreimonatigem Zur\u00fcckhalten das <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Battlestar_Galactica_(Spiel)\">&#8220;Battlestar Galactica&#8221; Brettspiel<\/a> gekauft, und als Mitbringsel aus den USA haben wir einen Ableger des <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fluxx\">&#8220;FLUXX&#8221; Kartenspiels<\/a> geschenkt bekommen, das k\u00f6nnte man alles mal in Angriff nehmen. <\/p>\n<p>Die Zeit seitdem ist mit nicht wenig fernsehen verbracht worden, da wir nat\u00fcrlich, jeder f\u00fcr sich, eine Menge Zeug haben, dass sich im Laufe der Zeit angesammelt hat, aber nie angesehen werden konnte. Ich selbst habe mittlerweile ein paar Sachen zum ersten oder auch zum dritten Mal gesehen, und muss feststellen, dass die &#8220;Powerpuff Girls&#8221; Serie besser ist als &#8220;Dexter&#8217;s Lab&#8221;. Trotz diverser Schw\u00e4chen in einigen der dargebotenen Geschichten sind die Genussh\u00f6hen von Bubbles, Blossom und Buttercup h\u00f6her als die von Dexter. <\/p>\n<p>Man soll aber nicht glauben, ich h\u00e4tte nichts zu tun. Meine Chefin hat dieses Jahr, beg\u00fcnstigt durch das fr\u00fche sommerliche Wetter, mit der Neugestaltung ihres Gartens begonnen, eine Arbeit, die sich seit Jahren aus verschiedenen Gr\u00fcnden verz\u00f6gert hat. Den Garten selbst haben wir im vergangenen Herbst bereits umgestaltet, und in den letzten vier Wochen ging es an die Anbauten des zum Garten geh\u00f6renden H\u00e4uschens.<br \/>\nEs handelte sich um einen Toilettenanbau und einen Lagerraum, die weg und durch etwas Neues ersetzt werden m\u00fcssen. So gibt es ab demn\u00e4chst einen neuen Lagerschuppen aus Stein anstatt aus Brettern und Dachpappe, und die neue Toilette wird mittels eines noch zu \u00f6ffnenden Durchgangs mit dem Innenraum des H\u00e4uschens verbunden. Die Fl\u00e4che, die \u00fcbrig bleibt, soll als Brennholzlager dienen.<br \/>\nDen Aufbau der neuen Raumanordnung \u00fcbernimmt der Bruder der Chefin, offiziell ein versierter Installateur mit Meistertitel, tats\u00e4chlich aber ein respektabel f\u00e4higer Allrounder im Handwerksbereich. Lediglich der Abriss und das Hin- und Herschleppen von Material \u00fcbernahmen Leute wie ich.<\/p>\n<p>Zwei Freunde von Halina wurden angeworben, um bei den Hilfsarbeiten zu helfen, und einen Gro\u00dfteil der ersten Mauer haben die zwei ohne mich abgerissen. Mangels technischem Ger\u00e4t wurde und wird das mit dem Vorschlaghammer gemacht. Ich kam also f\u00fcr den zweiten Mauerteil an und h\u00f6rte zu, wie sich die beiden \u00fcber die M\u00fchsamkeit der Aktion unterhielten &#8211; man muss dabei aber beachten, dass der Gr\u00f6\u00dfere wegen eines Unfalls seinen rechten Arm nicht mehr voll einsetzen kann, au\u00dferdem ist er Diabetiker, und dass der Kleinere d\u00fcrr wie ein Streichholz ist. Es kommt noch dazu, dass beide dauerarbeitslos sind und scheinbar in der Regel bis nach Mitternacht vorm Fernseher h\u00e4ngen und erst gegen Mittag aufstehen. Es ist also ganz klar, dass die von anstrengender Arbeit eine andere Vorstellung haben als ich. Ich sah mir den Rest der Mauer des ersten Schuppens kurz an (uralte Hohlblocksteine, lachlachlach) klopfte binnen 20 Minuten alles weg, und mir wurde gerade mal warm dabei. Abrei\u00dfen macht Spa\u00df, das wusste ich ja schon. F\u00fcnf Bauschuttschubkarren sp\u00e4ter war der Platz frei und die Ytongplatten f\u00fcr den Neubau konnten her.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nat\u00fcrlich nicht, wie eine ordentliche Ausbildung auf dem Bau aussieht, aber ich k\u00f6nnte mir vorstellen, dass man bereits in der ersten Woche beigebracht bekommt, wie man Steine stapelt &#8211; n\u00e4mlich \u00fcberlappend, damit sich die einzelnen Schichten gegenseitig stabilisieren.<br \/>\nDie beiden Helfer stapelten so, wie ihnen die Steine gerade in die Hand kamen. Ich erkl\u00e4rte es ihnen dreimal und zeigte es zweimal, aber der Gro\u00dfe sagte, das solle ja nur ein paar Tage stehen, und es sei nicht davon auszugehen, dass sich ein Erdbeben ereigne. Der Haufen stehe stabil genug. Nach der Plackerei heute (die beiden hatten die Steine in den H\u00e4nger geladen) sei ihm das auch v\u00f6llig egal.<br \/>\nJa, mit solchen Sorgfaltsaufgaben ist es m\u00f6glicherweise wie mit der Zockerei mit gef\u00e4hrlichen Wertpapieren: So lange alles gutgeht, sind alle gl\u00fccklich, aber wenn es schiefl\u00e4uft, ist das Geschrei gro\u00df (gerade weil es sich hierbei um die Art von &#8220;Stein&#8221; handelt, die man als Stra\u00dfenkreide verwenden kann, das hei\u00dft die Bl\u00f6cke sind anf\u00e4llig f\u00fcr Sturzsch\u00e4den). Ich gab also der Chefin dar\u00fcber Bescheid &#8211; nicht um zu petzen, sondern wegen der milit\u00e4rischen Grundregel &#8220;Melden macht frei&#8221;: Das bedeutet, ich mache mich frei von der Verantwortung f\u00fcr diese Nachl\u00e4ssigkeit, indem ich den Handlungsbedarf an eine h\u00f6here Stelle abgebe.<br \/>\nKurz: Die beiden haben weder die Disziplin noch die Energie, eine mittelm\u00e4\u00dfig anstrengende Arbeit \u00fcber einen ganzen Arbeitstag durchzuhalten. Wo soll die Energie auch herkommen, wenn man alle halbe Stunde eine rauchen muss? Und <em>&#8220;die ern\u00e4hren sich ausschlie\u00dflich von Pizza und Fastfood&#8221;<\/em>, wurde mir gesagt. Sie sind ja keineswegs unsympathisch, nur zum Arbeiten sind sie nicht zu gebrauchen. Dabei sollte man doch annehmen, dass man sich wenigstens bei solchen Freundschaftsdiensten M\u00fche gibt?<\/p>\n<p>Ein \u00e4hnliches Muster zeigte sich beim Abriss des zweiten Schuppenteils ein paar Tage sp\u00e4ter, das hei\u00dft eine Mauer von zwei mal zwei Metern, bei der es sich um Hohlblocksteine gemischt mit Ziegelsteinen handelte.<br \/>\n<em>&#8220;Hm, mit (elektrischem) Mei\u00dfelhammer dauert das wohl einen halben Tag. Mit Vorschlaghammer einen ganzen,&#8221;<\/em> sagt der Gro\u00dfe.<br \/>\nSoso.<br \/>\nDie meiste Zeit brauchte das Wegfahren des Schutts danach, die zweitmeiste Zeit das Leerr\u00e4umen der Regale davor. Insgesamt dauerte die Aktion einen Nachmittag. Die Entfernung der Wand selbst brauchte 30 Minuten.<\/p>\n<p>Das Freir\u00e4umen drumherum war allerdings m\u00fchselig, da sich im Laufe der Jahre und Jahrzehnte eine Menge Erde angesammelt hatte, und die musste abgetragen werden, um eine gerade Lagerfl\u00e4che zu erhalten und um eine neue Mauer ziehen zu k\u00f6nnen, deren Vorg\u00e4nger wohl vor langer Zeit einmal unter dem Einfluss der Erdmassen des h\u00f6her liegenden Grundst\u00fccks dahinter und einiger Baumwurzeln eingest\u00fcrzt war.<br \/>\nH\u00e4tte es sich nur um Erde gehandelt, w\u00e4re die Sache ja gut gewesen, aber zuerst zeigte sich, dass nicht geringe Mengen an grobem Schutt mit da lagen, dann entdeckten wir armdicke Wurzeln, und letztendlich legten wir ein kreisrundes Blech frei, in dem sich Erde, Bauschutt, und ein zusammengekn\u00fclltes Plastiknetz fanden. Was mochte das sein?<\/p>\n<p>Leider handelte es sich nicht um das Versteck einer geplanten Altersversorgung des Vorbesitzers, sondern, wie einer der Nachbarn anmerkte, um die vermutlich erste Toilette, die das H\u00e4uschen irgendwann einmal erhalten hatte. Der viele Sandsteinschutt, der sich im Boden finde, sei au\u00dferdem damit zu erkl\u00e4ren, dass der H\u00fcgel nach Mariahof hinauf, an dessen Fu\u00df das H\u00e4uschen steht, am Ende und im Nachhinein des Kriegs als Abraumhalde verwendet worden sei. Wir w\u00fchlten also gerade in Kriegstr\u00fcmmern. <\/p>\n<p>Nach dem Freir\u00e4umen konnte die Estrichplatte des neuen Schuppens gegossen werden, und jedes S\u00e4ckchen Estrich wiegt 40 Kilo. Eine knappe Tonne davon haben wir zur Verwendung f\u00fcr den Neubau vom Parkplatz herschleppen m\u00fcssen.<br \/>\nDass die Chefin oft g\u00fcnstiges Arbeitsmaterial einkauft, machte sich auch gleich im ersten K\u00fcbel bemerkbar, dessen Inhalt verr\u00fchrt werden wollte: Der daf\u00fcr vorgesehene Bohrer (mit aufgestecktem Quirl) signalisierte nach einer Minute mit stinkenden Rauchzeichen sein Ableben. Es musste also von Hand, beziehungsweise mit der Schaufel, gemischt werden. Der Kleine hatte wohl mal im Stra\u00dfenbau gearbeitet, aber seine k\u00f6rperliche Leistungsf\u00e4higkeit reichte nicht aus, um den Estrich so anzur\u00fchren, dass das Endprodukt v\u00f6llig durchfeuchtet war. Seufz. Also nahm ich mir die Schaufel und nahm mich des Problems an. Beim dritten Sack hatte ich die vor Jahren mal gelernte Technik wieder drin und es lief den Umst\u00e4nden gem\u00e4\u00df ganz wunderbar, wobei der Kleine beim weniger fordernden Gie\u00dfen und Glattstreichen gute Arbeit leistete.<br \/>\nNebenbei lernte ich an dem Tag die Verwendungsf\u00e4higkeit von Malzbier als Energydrink zu sch\u00e4tzen, da der enthaltene Traubenzucker auftretende Energietiefs schnell \u00fcberbr\u00fcckte. <\/p>\n<p>Ein anderer Nachbar der Gartenkolonie fiel mir \u00fcbrigens weniger positiv auf, was nichts mit dem Umbau des Grundst\u00fccks zu tun hat, mich aber dennoch \u00e4rgerte, weil ich das Gef\u00fchl habe, dass man mich auf den Arm nehmen wollte.<br \/>\nW\u00e4hrend ich den Schutt auf den H\u00e4nger lud, der am Vereinsheim der Kleing\u00e4rtner bereitstand, rief mich der gerade mit Ausbesserungsarbeiten besch\u00e4ftigte Eigner eines H\u00e4uschens (neben jenem Vereinsheim) an: Ob ich einen gro\u00dfen Winkel dabei h\u00e4tte.<br \/>\nIch \u00fcberlegte kurz, was der meinen k\u00f6nnte, sagte dann aber, dass ich ihm leider nicht helfen k\u00f6nne. Anstatt dass er dann sowas sagt wie <em>&#8220;Schade, dann halt nicht&#8221;<\/em> oder <em>&#8220;Okay, danke&#8221;<\/em>, sah er mich weiter eindringlich an, als erwarte er, dass ich schnell einen &#8220;gro\u00dfen Winkel&#8221; f\u00fcr ihn stricke oder sowas. Ich ging also davon aus, dass er noch was sagen wollte, so sahen wir uns etwa zehn weitere Sekunden lang an, und als nichts kam, ging ich einfach wieder.<br \/>\nAls ich ein paar Minuten sp\u00e4ter mit der n\u00e4chsten Schubkarre zur\u00fcckkam, rief er mich wieder an: Ob ich einen gro\u00dfen Winkel gefunden h\u00e4tte. Dass ich nicht darauf kam, was der von mir wollte, und dass er sich nicht klarer ausdr\u00fcckte, frustrierte mich nicht wenig, und um nichts unfreundliches zu sagen (sollte ich ihm alternativ ein UTM-Gitter anbieten?), gab ich ihm per K\u00f6rpersprache zu verstehen, dass ich keine Ahnung hatte, von was er redet und lie\u00df ihn erneut stehen. <\/p>\n<p>Nicht, dass ich meine Arbeit nicht m\u00f6gen w\u00fcrde, aber so langsam ist es genug. Ich verlange doch schon nicht mehr, als ein Dach \u00fcber dem Kopf und saubere H\u00e4nde. Ist das zu viel verlangt? Wohl kaum. Aber so manchem potentiellen Arbeitgeber schmeckt vielleicht mein Generalistenstatus nicht, und da ich kein konkretes T\u00e4tigkeitsfeld au\u00dferhalb des universit\u00e4ren Elfenbeinturms gelernt habe, verstehen sie wom\u00f6glich auch meine Motivation nicht, genau bei ihnen zu arbeiten.<br \/>\nIst seinen Lebensunterhalt ohne fremde Hilfe bestreiten zu k\u00f6nnen, etwa kein Grund? Nat\u00fcrlich will kein Arbeitgeber h\u00f6ren, dass es mir v\u00f6llig schnuppe ist, wo ich arbeite, so lange ich meine geringen Anspr\u00fcche erf\u00fcllt bekomme, also sollte ich diesen Gedanken unter Verschluss halten. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Freundin hat also zu Beginn des Monats ihre eigene Magisterpr\u00fcfung erfolgreich hinter sich gebracht, womit wir nun offiziell ein Akademikerpaar w\u00e4ren. Nur f\u00fchlen wir uns nicht so, und wie es aussieht, f\u00fchlt sich auch keiner zu akademischer Arbeit hingezogen. Vorerst bedeutet dies jedoch, dass man nun vom Beginn einer geregelten Freizeit sprechen kann, in [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_s2mail":"yes","footnotes":""},"categories":[10,4,444],"tags":[1694,1698,1629,337,434,1643,333,330,338],"class_list":["post-1602","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitswelt","category-spiele","category-uni-mylife","tag-arbeitseffizienz","tag-arbeitsmoral","tag-arbeitssuche","tag-aushilfsjob","tag-jobbewerbung","tag-jobsuche","tag-minijob","tag-nebenjob","tag-studentenjob"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1602","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1602"}],"version-history":[{"count":26,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1602\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2719,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1602\/revisions\/2719"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1602"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1602"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1602"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}