{"id":154,"date":"2008-06-10T16:19:30","date_gmt":"2008-06-10T14:19:30","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=154"},"modified":"2008-06-10T16:24:28","modified_gmt":"2008-06-10T14:24:28","slug":"nichts-wie-weg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=154","title":{"rendered":"Nichts wie weg"},"content":{"rendered":"<p>Sponsored by Opa habe ich mir einen Sonntagsurlaub geg\u00f6nnt, das hei\u00dft, ich bin zusammen mit den Gro\u00dfeltern am Sonntag Morgen um 0510 Uhr losgefahren, in die 420 km entfernte Fr\u00e4nkische Schweiz, wo ich mich unter anderem in T\u00fcchersfeld wiederfand, an dessen Ortsschild noch eine Werbung f\u00fcr die Internationale Funkausstellung in Berlin im September 1983 prangte:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float: left;\" src=\"http:\/\/img444.imageshack.us\/img444\/958\/20080608ausflug13kd2.jpg\" alt=\"T\u00fcchersfeld\" width=\"800\" height=\"600\" \/><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst kam ich allerdings nach Pottenstein, wo sich eine gro\u00dfe Tropfsteinh\u00f6hle befindet, die man Anfang der Drei\u00dfiger Jahre entdeckt hatte. Manche der gr\u00f6\u00dferen Tropfsteingebilde werden auf 150.000 bis 300.000 Jahre gesch\u00e4tzt, wohl ausgehend von der Tatsache, dass es 13 Jahre dauert, bis sich ein Milimeter der Kalkablagerung manifestiert hat. Sonderlich beeindruckend fand ich die Formationen nicht, die so hochtragende Namen wie &#8220;Papstkrone&#8221; oder &#8220;Kaiser Barbarossa&#8221; tragen, aber ich kam nicht umhin, wenigstens diese Ansammlung von Phallussymbolen zu fotografieren:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float: left;\" src=\"http:\/\/img72.imageshack.us\/img72\/2226\/20080608ausflug04mj1.jpg\" alt=\"Tropfsteine\" width=\"800\" height=\"600\" \/><\/p>\n<p>F\u00fcr 3 E (Studentenpreis) kann man an einer F\u00fchrung teilnehmen, die 45 Minuten dauert, und w\u00e4hrend die Informationslage wohl solide ist, h\u00e4tte ich mir eine bessere Rahmengestaltung gew\u00fcnscht. Dem wohl etwas \u00fcber  50 Jahre alten Angestellten merkt man an, dass er die Tour seit Jahren macht. Er kennt seinen Text auswendig und spult ihn herunter wie eine Produktbeschreibung auf einem der Dauerwerbekan\u00e4le im Fernsehen, mit sich immer wiederholender Satzmelodie. Hinzu kommt, dass die &#8220;Highlights&#8221; in dem H\u00f6hlensystem, das hei\u00dft, die drei Hallen, auch noch mit pathtischer Musik untermalt werden &#8211; das allerdings nur eingangs. Der F\u00fchrer dr\u00fcckt auf einen Knopf seiner Fernbedienung, worauf eine vorprogrammierte Folge von Lichteffekten den Ort erleuchtet, in Blau, Gr\u00fcn, Rot, Gelb und auch Wei\u00df, untermalt von eben jener Musik, die etwa eine Minute spielt und dann ausklingt, worauf wir die m\u00fcndlichen Informationen zum Platz erhalten.<\/p>\n<p>Die Musik klingt so richtig fehl am Platz, und das w\u00fcrde sie nicht, wenn sie <strong>leise<\/strong> w\u00e4hrend der <strong>gesamten<\/strong> Tour im Hintergrund zu h\u00f6ren w\u00e4re, und das Lichtspiel sollte man besser fahren, um den Text des F\u00fchrers zu untermalen, w\u00e4hrend dessen Ausf\u00fchrungen man das beschriebene Objekt ja optisch hervorheben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Ich sage nicht, dass die Investition von 3 E verschwendet war, aber die Gestaltung h\u00e4tte besser sein k\u00f6nnen. Denn H\u00f6hlen bekomme ich auch in Homburg, und Tropfsteinh\u00f6hlen auch in Niedaltdorf. Was die H\u00f6hlen in Pottenstein den saarl\u00e4ndischen Voraus haben, sind allerdings die H\u00f6hlenb\u00e4ren:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float: left;\" src=\"http:\/\/img74.imageshack.us\/img74\/7111\/20080608ausflug01ep2.jpg\" alt=\"B\u00e4r\" width=\"800\" height=\"600\" \/><\/p>\n<p>Vor circa 35.000 Jahren waren die ger\u00e4umigen Gew\u00f6lbe von mehreren Dutzend H\u00f6hlenb\u00e4ren bewohnt. Durch einen Deckeneinsturz im Eingangsbereich wurden die durchschnittlich dreieinhalbe Meter gro\u00dfen B\u00e4ren eingeschlossen und verendeten, wovon einige Knochenhaufen und eben das restaurierte Skelett k\u00fcnden.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich befinden sich im Eingangsbereich ein Gastbetrieb und auch ein Souvenirladen, wo man u.a. folgendes erstehen kann:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"vertical-align: middle;\" src=\"http:\/\/img234.imageshack.us\/img234\/2708\/20080608ausflug05cd1.jpg\" alt=\"Chinesische Weisheiten\" width=\"600\" height=\"800\" \/><\/p>\n<p>Daneben befindet sich ein Automat, an dem ich mir ein Andenken &#8220;selber&#8221; machen kann, und dazu soll ich in den linken Einwurfschlitz einen Euro werfen und in den rechten 5 Cent. Der Euro schaltet die Kurbel frei, mit deren hebelgesetzlicher Hilfe ich die F\u00fcnfcentm\u00fcnze plattwalzen und mit einem &#8220;Pottensteiner Tropfsteinh\u00f6hle&#8221; Wappen mit B\u00e4renskelett impr\u00e4gnieren lassen kann. Ja bin ich denn bescheuert oder was? Und ist das Zerst\u00f6ren von Geld nicht illegal?<\/p>\n<p>Danach wartete ich erst einmal auf die Gro\u00dfeltern, die angesichts der nicht wenigen Stufen lieber drau\u00dfen geblieben waren und sich auf die Suche nach einem Platz zum Mittagessen gemacht hatten. Mein Blick streifte dabei ein Sammelsurium von Reisenden, die ebenfalls die H\u00f6hlen besichtigen wollten, darunter ein paar ganz wenige in meinem Alter, meistens jedoch \u00e4ltere Herrschaften (darunter einer, der sich mit Hinweis auf unser HOM Nummernschild geradezu auf mich st\u00fcrzte mit der freudigen Mitteilung, dass er ein seit 40 Jahren in Wiesbaden wohnender Neunkircher sei, der sich immer freue, mit Landsleuten saarl\u00e4nnisch schw\u00e4tze zu kenne) mit kleinen Enkelkindern im Alter bis zu zehn Jahren, aber von h\u00fcbschen jungen Frauen keine Spur (in der ganzen Gegend)! \ud83d\ude42<\/p>\n<p>Wir haben also im Anschluss zu Mittag gegessen und sind mit 30 Euro f\u00fcr drei Personen satt wieder aus dem Restaurant gekommen. W\u00e4hrenddessen brach allerdings ein kurzes und heftiges Gewitter \u00fcber die Gegend herein, das just erst wieder aufh\u00f6rte, als wir wieder nach drau\u00dfen gingen. Den Rest des Nachmittags blieb das Wetter wechselhaft und schwankte zwischen hei\u00dfem Sonnenschein und Regenschauern.<\/p>\n<p>Da die Gro\u00dfeltern nat\u00fcrlich nicht mehr gut zu Fu\u00df sind, machten sie lediglich einen Spaziergang durch den Ort und fanden in ihren M\u00e4gen tats\u00e4chlich noch den Platz f\u00fcr Kaffee und Kuchen, den ich nach der Schweinshaxe mit Kn\u00f6del vergeblich h\u00e4tte suchen m\u00fcssen. Mir war dann doch eher nach Verdauungsspaziergang, allerdings offenbarte die touristisch hervorragend erschlossene Gegend eine Schw\u00e4che in Relation zu meinem Zeitplan. Mir waren drei Stunden Zeit gegeben, bevor wir uns wieder auf die vier Stunden w\u00e4hrende R\u00fcckfahrt machten, und es war leider so, dass es nur zwei sehr kurze Strecken gab und eine sehr lange. Die lange Strecke war 16 Kilometer lang, und ich h\u00e4tte sie wohl genommen, wenn ich sicher gewesen w\u00e4re, wie sich der H\u00f6henverlauf gestaltete. 16 Kilometer sind bequem in drei Stunden zu schaffen, wenn die Gegend halbwegs flach ist, allerdings habe ich es hier mit einem Mittelgebirge zu tun, von daher wollte ich es zeitlich nicht riskieren, auch im Hinblick darauf, dass ich zwar ein Telefon f\u00fcr Versp\u00e4tungsmitteilungen dabei hatte, aber eben die &#8220;andere Partei&#8221; nicht.<\/p>\n<p>Ich nahm also die zwei kurzen Touren, die mich jeweils eine Stunde besch\u00e4ftigten und mir keine Gelegenheit gaben, mich kurz hinzusetzen, weil die Sitzb\u00e4nke im Schatten nassgeregnet waren und die trockenen in der prallen Sonne standen. Um das beste daraus zu machen, betrachtete ich die Landschaft von unten<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"vertical-align: middle;\" src=\"http:\/\/img234.imageshack.us\/img234\/3964\/20080608ausflug06ca6.jpg\" alt=\"Kla,,\" width=\"600\" height=\"800\" \/><\/p>\n<p>und von oben<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float: left;\" src=\"http:\/\/img259.imageshack.us\/img259\/6707\/20080608ausflug09xy7.jpg\" alt=\"Flaggenstein\" width=\"800\" height=\"600\" \/><\/p>\n<p>und von &#8220;innen&#8221;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"vertical-align: middle;\" src=\"http:\/\/img444.imageshack.us\/img444\/1008\/20080608ausflug12zz4.jpg\" alt=\"Waldlicht\" width=\"600\" height=\"800\" \/><\/p>\n<p>und bewunderte die Gesteinsformationen:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float: left;\" src=\"http:\/\/img413.imageshack.us\/img413\/8052\/20080608ausflug11yu3.jpg\" alt=\"Leben in der Lage\" width=\"800\" height=\"600\" \/><\/p>\n<p>Die verbliebene knappe Stunde setzte ich mich dann allerdings doch noch auf eine fast trockene Holzbank mit Tisch (ich hatte Polstermaterial dabei) in die Sonne, bedeckte mich aber mit einem gro\u00dfen Regenschirm (den ich ebenfalls eingepackt hatte) und schlief dort bis um kurz vor Vier, als mich ein weiterer Regenschauer trommelnd auf die fortgeschrittene Uhrzeit aufmerksam machte, und w\u00e4hrend ein paar andere Wanderer eiligen Schrittes in Richtung Ortseingang strebten, konnte ich in meiner &#8220;Deckung&#8221; ganz entspannt meinen Aufbruch in Angriff nehmen.<\/p>\n<p>Auch hier war das Erlebnis im Vergleich zum (Reise-) Kostenaufwand eher mittelpr\u00e4chtig, denn Wanderm\u00f6glichkeiten dieser Art bekomme ich auch in der Eifel geboten, die nur wenige Kilometer n\u00f6rdlich von hier beginnt, und wohin ich kosteng\u00fcnstig mit einem \u00dcberlandbus von Trier aus fahren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Die Autofahrt in die Heimat verlief, ebenso wie die Hinfahrt, ereignislos, abgesehen von einem unspektakul\u00e4ren Engpass westlich von N\u00fcrnberg, wo ein kleiner PKW in die Leitplanke geraten war. Trotz erheblichen Sachschadens war scheinbar niemand verletzt worden, denn unter all den Blaulichtfahrzeugen, die sich den Weg durch den entstehenden Stau bahnten, befand sich kein Krankenwagen.<\/p>\n<p>Und warum ist f\u00fcr eine solche Tour eine Sonnenbrille sehr praktisch?<br \/>\nWeil man fr\u00fchmorgens in den Sonnenaufgang und sp\u00e4tabends in den Sonnenuntergang f\u00e4hrt, wenn man wie ich so weit aus dem Westen Deutschlands kommt, dass es westlicher kaum noch geht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sponsored by Opa habe ich mir einen Sonntagsurlaub geg\u00f6nnt, das hei\u00dft, ich bin zusammen mit den Gro\u00dfeltern am Sonntag Morgen um 0510 Uhr losgefahren, in die 420 km entfernte Fr\u00e4nkische Schweiz, wo ich mich unter anderem in T\u00fcchersfeld wiederfand, an dessen Ortsschild noch eine Werbung f\u00fcr die Internationale Funkausstellung in Berlin im September 1983 prangte: [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_s2mail":"","footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-154","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-mylife"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/154","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=154"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/154\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=154"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=154"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=154"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}