{"id":152,"date":"2008-06-10T13:35:58","date_gmt":"2008-06-10T11:35:58","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=152"},"modified":"2013-01-05T21:50:43","modified_gmt":"2013-01-05T20:50:43","slug":"so-ganz-einfach-ist-das-system-wohl-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=152","title":{"rendered":"So ganz einfach ist das System wohl nicht"},"content":{"rendered":"<p>Am 22. Mai erreichte mich per Anhang ein PDF Dokument, das sich mit dem aktuellen Problem der hohen Benzinpreise auseinandersetzte. Der Autor machte darin den Vorschlag, zwei der gr\u00f6\u00dften Tankstellenketten zu boykottieren und Treibstoff stattdessen woanders zu kaufen, z.B. bei freien Tankstellen. Ziel dieser Aktion sollte sein, die betroffenen Mineral\u00f6lkonzerne durch diesen \u00f6ffentlichen Druck zu zwingen, ihre Preise zu senken, um wieder Kunden zu gewinnen, und auf diesem Weg einen Preiskampf in die Wege zu leiten, der dem Geldbeutel des Konsumenten zu Gute kommen sollte.<\/p>\n<p>An sich klingt das machbar, und, wer wei\u00df, vielleicht h\u00e4ngt es mit dieser Aktion zusammen, dass am vergangenen Sonntag der Literpreis f\u00fcr Super Plus bei Shell Bliesdalheim bei 1,48 lag und, zum Vergleich, bei der freien Tankstelle Habkirchen bei 1,51 Euro? Aber wer kann das schon sagen&#8230; denn letztendlich bleibt ganz klar die Tatsache, dass das System der Preisgestaltung nicht ganz so unkompliziert ist, wie der Autofahrer es aus dem beschr\u00e4nkten Blickwinkel seiner Windschutzscheibe im Vorbeifahren wahrzunehmen glaubt.<\/p>\n<p>Denn es ist ja so, dass die t\u00e4glich verf\u00fcgbare Menge an Benzin auf dem Weltmarkt begrenzt ist, und das hei\u00dft, dass eine Verschiebung der Nachfrage zu anderen Anbietern dazu f\u00fchren wird, dass diese auf Grund der unerwartet h\u00f6heren Nachfrage die auf diese Weise entstehenden Engp\u00e4sse dadurch decken m\u00fcssen, den zus\u00e4tzlichen Bedarf bei dem zu kaufen, dessen Lager gerade weniger belastet sind: beim boykottierten Betrieb.<\/p>\n<p>Aber nicht nur dadurch wird die spontane Aktion untergraben, denn weiterhin ist anzunehmen, dass ein Gro\u00dfteil des Gewinns eines Mineral\u00f6lkonzerns eben nicht auf dem Konsumentengesch\u00e4ft (= Autofahrer an Tankstellen) beruht, sondern auf Termingesch\u00e4ften mit Gro\u00dfunternehmen wie Verkehrsbetrieben, Fluglinien und Reedereien.<\/p>\n<p>Zuletzt beruht die Argumentation des besagten PDF Dokuments darauf, dass der Liter Benzin vor 35 Jahren nur umgerechnet 20 Cent gekostet habe. Das sieht im Vergleich zu den aktuell mehr als 1,50 E nach unglaublicher Raffgier aus, allerdings kann man scheinbar berechnen, dass 1,10 E davon allein auf der Inflation dieses Zeitraums beruhen, und unter Beachtung der steuerlichen Lage kann man argumentieren, dass der Netto-Benzinpreis eben <strong>nicht<\/strong> h\u00f6her ist als damals.<\/p>\n<p>Ich will nat\u00fcrlich niemandem seinen Aktionismus ausreden, wir leben in einem freien Land, aber man sollte sich immer ein realistisches Bild von seinen Einflussm\u00f6glichkeiten zu machen versuchen. Von dem <strong><a title=\"online Petitionsausschuss\" href=\"http:\/\/itc3.napier.ac.uk\/e-petition\/bundestag\/\" target=\"_blank\">Petitionsausschuss des Bundestages<\/a><\/strong> und davon, dass man Petitionen offiziell ins Internet stellen kann, wei\u00df zum Beispiel kaum einer was, und sobald einer davon erf\u00e4hrt, wird er\/sie mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit das Gesicht geringsch\u00e4tzig verziehen und sagen, das bringe ja eh nichts &#8211; aber gleichzeitig an die Wirkung populistischer Ketten-E-Mails zu glauben, ist meines Erachtens paradox. Motzen und Meckern ist am allertollsten, wenn man nicht daran glaubt, etwas damit bewegen zu k\u00f6nnen. Dann w\u00fcrde ich doch besser gleich die Klappe halten.<\/p>\n<p>Mein Dank an Kai und Andreas f\u00fcr die zu Grunde liegenden Informationen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 22. 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