{"id":1423,"date":"2011-02-16T23:05:03","date_gmt":"2011-02-16T22:05:03","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1423"},"modified":"2011-02-16T23:05:03","modified_gmt":"2011-02-16T22:05:03","slug":"andere-weihnachtsfreuden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1423","title":{"rendered":"Andere &#8220;Weihnachtsfreuden&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>Zu Weihnachten bin ich in die Heimat gefahren und habe dabei einem Freund in Riegelsberg ein Buch als Geschenk gebracht, das zu seinem neuerlichen Dasein als Wahl-Saarl\u00e4nder passte. Vom Haus zur\u00fcck zur Autobahn geht es bergan, und das Eis auf der Fahrbahn lie\u00df mich und so ziemlich jeden anderen davon absehen, schneller als 30 zu fahren. Durch diese eher ungewohnte Geschwindigkeit versch\u00e4tzte ich mich w\u00e4hrend des Umschaltvorgangs einer Ampel, das hei\u00dft, sie wurde bereits rot, als ich mich noch f\u00fcnf Meter davor befand. Ich bin zum ersten mal im Leben voll in die Eisen gegangen, merkte aber nichts davon au\u00dfer einem leisen Knirschen von unten, und als das Auto endlich stand, lag der Haltestreifen bereits hinter der Anh\u00e4ngerkupplung. Dann konnte ich auch gleich weiterfahren &#8211; zum Gl\u00fcck gab es von der nun gr\u00fcnen Ampel zu meiner rechten keinen einm\u00fcndenden Verkehr. Ich kann mich auch gl\u00fccklich sch\u00e4tzen, dass diese Ampel nicht mit einem Blitzer verbunden ist.<\/p>\n<p>Kurzfristig wird das nicht mehr passieren, weil ich das Auto wieder an seinen Besitzer abgeben musste. Ja, es ist dem Gro\u00dfvater unangenehm, st\u00e4ndig die Nachbarn bitten zu m\u00fcssen, ihn hier und da hinzufahren. Er f\u00e4hrt also wieder selbst, auch 300 km hin und zur\u00fcck nach Luxemburg zum Tanken, wie ich erfahren durfte, trotz Blindheit auf einem Auge, trotz Schw\u00e4cheanf\u00e4llen, trotz mangelnder Konzentrations- und schwindender  Reaktionsf\u00e4higkeit. Dabei w\u00e4re es f\u00fcr alle Beteiligten das Beste, wenn er das Auto stilllegte und stattdessen mit dem Taxi fahren w\u00fcrde. Mit w\u00f6chentlichen (?) Arztbesuchen und monatlichen Eink\u00e4ufen d\u00fcrfte er mit dem Taxi vermutlich billiger wegkommen, als mit Sprit, Steuern, und Versicherung. Mit zwei Fahrten pro Monat nach Hause und ein oder zwei Fahrten in die Stadt pro Woche hatte ich jeden Monat allein mehr als 80 Euro Spritkosten am Bein. F\u00fcr ihn kommen noch Steuern und Versicherung hinzu. Aber jemand, der gro\u00dfen Wert auf Selbst\u00e4ndigkeit legt, kommt nicht auf die Idee, von einer Drittperson abh\u00e4ngig sein zu m\u00fcssen, schon gar nicht in dem Alter.<br \/>\nUnd weil mir das st\u00e4ndige Hin und Her auf den Keks geht, habe ich seinem Arzt meine Sicht der Dinge geschrieben und ihn gebeten, ein amts\u00e4rztliches Fahrtauglichkeitsuntersuchungsverfahren in die Wege zu leiten. Ich bin immer noch gespannt, ob das was wird, aber nach sieben Wochen ohne Reaktion habe ich Zweifel. Vielleicht sch\u00e4tzt der Herr Doktor Becker das Einkommen, das er aus dem Patienten zieht, h\u00f6her ein, als die \u00f6ffentliche Sicherheit im Stra\u00dfenverkehr.<\/p>\n<p>Aber auch andere Dinge besch\u00e4ftigen mich. Das Haus wurde mir notariell \u00fcberschrieben und die Gro\u00dfeltern haben ein so genanntes &#8220;Nie\u00dfrecht&#8221;. Das bedeutet, ich besitze die Immobilie zwar offiziell, darf sie aber nicht verkaufen (selbst, wenn ich das wollte), und habe keinerlei Vorteile aus Eink\u00fcnften, die aus dem Haus entstehen &#8211; so zum Beispiel Mieteinnahmen.<br \/>\nUm genau solche Mieter geht es gerade. Im Laufe der vergangenen zehn Jahre haben vier Mietparteien dort gewohnt, im oberen Stockwerk. Alle diese Mietparteien waren Russlanddeutsche, und nur einer davon hat den Unmut der Gro\u00dfeltern nicht erregt. Da mich eine gewisse Entfernung vom t\u00e4glichen Geschehen des Hauses trennt, kann ich aber nicht zu 100 % beurteilen, was Sache ist, denn ich kann mich nicht darauf verlassen, dass das, was meine immer mehr der Senilit\u00e4t anheim fallenden Gro\u00dfeltern mir erz\u00e4hlen, auch tats\u00e4chlich der Wahrheit entspricht. Beide neigen (ich vermute wohlwollend, unterbewusst) zur Verzerrung der Wahrheit  zu den eigenen Gunsten und zum Verschweigen eigenen Fehlverhaltens. <\/p>\n<p>Der letzte Mieter zum Beispiel ist der Sohn der Familie von gegen\u00fcber. Er soll durch \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Alkoholgenuss und lautstarken Streit mit seiner Frau oder Freundin aufgefallen sein. Zu ihm hat der Gro\u00dfvater, wie er mir erz\u00e4hlte, wohl beim Einzug sowas gesagt wie, dass er die vorhandene K\u00fccheneinrichtung nutzen k\u00f6nne, und so, wie sich die Sache nach meinem sicherlich unzureichenden Informationsstand darstellt, hat der Mieter bei seinem Auszug die wie auch immer artikulierte Aussage so ausgelegt, dass er die Einrichtung behalten d\u00fcrfe und mitnahm. Wenn die mir dargelegte Aussage stimmt, dann handelt es sich um Diebstahl. Aber es wurde keine Anzeige erstattet, der Mieter erhielt nur (m\u00fcndlich) Hausverbot. Warum? Die Frage blieb ungekl\u00e4rt. Ich selbst m\u00f6chte behaupten, dass die drei\u00dfig Jahre alte Einrichtung eine Anzeige nicht mehr wert war. <\/p>\n<p>Wie dem auch sei, \u00fcber die neuen Mieter wird auch nur gel\u00e4stert. Er habe beim ersten Treffen abgestritten, den Sohn von gegen\u00fcber zu kennen, aber stattdessen stehle der sich zu abendlichen Besuchen ins Haus. Er, der neue Mieter, habe ihr einen Blumenpott vom Treppengel\u00e4nder au\u00dfen im Flur vor die F\u00fc\u00dfe geworfen, erz\u00e4hlt sie Gro\u00dfmutter. Das Paar habe angeboten, den Rasen zu m\u00e4hen und die Treppe zu wischen &#8211; gegen Bezahlung nat\u00fcrlich. Diese Idee wurde abgelehnt, und nun bekomme ich regelm\u00e4\u00dfig zu h\u00f6ren, dass &#8220;das Weib&#8221; nun schon seit \u00fcber einem Jahr da oben wohne und noch nicht ein einziges Mal die Treppe sauber gemacht habe. Vor etwa drei Monaten gab es da ein Aha-Erlebnis f\u00fcr mich.<br \/>\n<em>&#8220;Die arbeiten rein gar nichts im Haus!&#8221;<br \/>\n&#8220;Ich mache auch keine Arbeiten, f\u00fcr die ich laut Mietvertrag nicht zust\u00e4ndig bin, und f\u00fcr Arbeiten, die ich leiste, will ich bezahlt werden, das ist ganz normal.&#8221;<br \/>\n&#8220;Aber das geh\u00f6rt sich doch, dass man die Treppe zur eigenen Wohnung putzt! Das war schon immer so!&#8221;<br \/>\n&#8220;Steht in dem Mietvertrag, dass sie die Treppe putzen m\u00fcssen?&#8221;<br \/>\n&#8220;Nein&#8230;&#8221;<br \/>\n&#8220;Dann m\u00fcssen sie&#8217;s auch nicht tun.&#8221;<br \/>\n&#8220;Aber das ist doch unmoralisch!&#8221;<br \/>\n&#8220;Moral interessiert niemanden! Was z\u00e4hlt, sind schwarz auf wei\u00df gedruckte und unterschriebene Vertr\u00e4ge. Zeig mir mal bitte den Mietvertrag.&#8221;<br \/>\n&#8220;Sowas haben wir nicht.&#8221;<br \/>\n&#8220;<strong>Was bitte!?<\/strong>&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Ich habe daher Mustervertr\u00e4ge zusammengetragen und mir einen eigenen zusammengestellt, zuz\u00fcglich ein paar Verpflichtungen f\u00fcr den Mieter&#8230; er muss eine Kaution hinterlegen, sich eine eigene M\u00fclltonne beantragen, weil die kleine der Gro\u00dfeltern nicht f\u00fcr zwei Haushalte reicht, und ich muss ihn dazu anhalten, die M\u00fclltonnen zum Abholungstag vors Haus zu fahren, einmal im Monat die Stra\u00dfe zu fegen, den Rasen zu m\u00e4hen, die Treppe zu wischen, und im Winter Schnee zu r\u00e4umen. Das kriegen die zwei alten Leute nicht mehr hin, daf\u00fcr reicht der Strom nicht mehr. Vor allem muss ich mal pers\u00f6nlich mit dem Paar reden, um deren Version der ganzen Geschichte zu erhalten (und mir mal ein Bild davon zu machen, mit wem ich es zu tun habe). Derzeit warte ich auf eine Beurteilung meines Vertragsentwurfs durch einen Fachmann in meinem Freundeskreis&#8230;<br \/>\nIch bin in der Richtung also voll und ganz bedient.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu Weihnachten bin ich in die Heimat gefahren und habe dabei einem Freund in Riegelsberg ein Buch als Geschenk gebracht, das zu seinem neuerlichen Dasein als Wahl-Saarl\u00e4nder passte. 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