{"id":1366,"date":"2011-01-01T20:22:01","date_gmt":"2011-01-01T19:22:01","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1366"},"modified":"2011-03-28T10:41:08","modified_gmt":"2011-03-28T08:41:08","slug":"die-zeit-bleibt-nicht-stehen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1366","title":{"rendered":"Die Zeit bleibt nicht stehen"},"content":{"rendered":"<p>Das Jahr 2011 hat begonnen. 2010 bin ich also los, ein Jahr, das stressig anfing und frustrierend endete. Erst habe ich wegen meiner Pr\u00fcfungen gekotzt, dann habe ich einen unterdurchschnittlichen Universit\u00e4tsabschluss in Geisteswissenschaften hingelegt, und zum Ende des Jahres war und bin ich noch immer ohne festes Einkommen.<br \/>\nAls ich damals sagte, egal, wie der Abschluss wird, Hauptsache, ich komme hier raus, da habe ich kaum ahnen k\u00f6nnen, wie sehr sich das bewahrheiten w\u00fcrde.<br \/>\nJobangebote gibt es nach wie vor, aber da m\u00fcsste man schon Wirtschaftswissenschaftler sein, Informatiker, oder Ingenieur, vielleicht noch Jurist, und auf der Stufe darunter braucht man einschl\u00e4gige Berufserfahrungen, am besten mehrere Jahre inklusive Personalf\u00fchrung.<\/p>\n<p>Ein Licht der Hoffnung bleibt paradoxerweise die US Armee in Deutschland, deren &#8220;Local National&#8221; Programm sogar jemandem mit meinen Qualifikationen Chancen auf ein gutes Einkommen er\u00f6ffnet. Nat\u00fcrlich habe ich auch da bislang nur Ablehnungen erhalten, aber immerhin habe ich mich bereits ein Dutzend mal beworben, vier weitere folgen am 3. Januar, sobald das Postamt aufmacht, und ich musste bislang nur die bestbezahltesten Angebote wieder schlie\u00dfen, weil nur da und sonst nirgendwo ein Text steht, der besagt, dass ich weitere Erfahrungen und Ausbildungen brauche. In meinem Fall hilft mir das oft bel\u00e4chelte amerikanische System der Ausbildung durch &#8220;Learning by Doing&#8221;. Je nach Schulbildung werden gewisse Sachen zwar vorausgesetzt, da ich aber als Magister \u00fcber Stufe 5 verf\u00fcge, steht da in der Regel: <em>&#8220;Keine weiteren Qualifikationen vonn\u00f6ten&#8221;<\/em>, w\u00e4hrend tiefere Stufen Berufsausbildungen oder zumindest Arbeitserfahrung mitbringen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Ach, was soll&#8217;s. Es kommt, wie&#8217;s kommt. Reden wir kurz \u00fcber Weihnachten. Das war dieses Jahr nicht teurer als letztes Jahr, obwohl der Baum nat\u00fcrlich wieder einmal gr\u00f6\u00dfer war, als im Jahr zuvor. Von dem 35 E teuren St\u00fcck wurden dann auch von mir knappe 30 cm abgeschnitten, weil der Baum sonst zu instabil in seiner Halterung stand, und dazu wiederum war eine 35 E teure S\u00e4ge notwendig, weil ich den Baum nicht mit dem sonst \u00fcblichen Brotmesser k\u00fcrzen konnte, und weil ich die S\u00e4ge auch noch zu anderen solchen Arbeiten brauche. Da musste zum Beispiel der Flieder im Gau geschnitten werden.<br \/>\nWie durch Butter. Super S\u00e4ge. Der Kirschbaum wird sich vermutlich &#8220;von allein&#8221; erledigen, da die Nachbarn keinen Bock auf Laubkehren haben und das F\u00e4llen \u00fcbernehmen wollen. <\/p>\n<p>Wegen dieses Arguments sind in den vergangenen 15 Jahren \u00fcbrigens alle B\u00e4ume, die in der Nachbarschaft mal standen und mit denen ich gute Erinnerungen verkn\u00fcpfe, mit Ausnahme kleiner Obstb\u00e4ume abges\u00e4gt worden: Die Birke der Familie Schulz, die Birken und die Tannen der Familie Klein, der wundersch\u00f6n bl\u00fchende Baum der Familie Schm\u00f6ckel, der Walnussbaum auf der gro\u00dfen Wiese hinten, die wohl auch noch der Familie Klein geh\u00f6rt, und nun der zugegeben ausgeuferte Kirschbaum der Familie Philipp, der noch nie ein Sch\u00f6nling war. Sch\u00f6ne, gro\u00dfe B\u00e4ume sind also an sich gern gesehen &#8211; aber bitte mindestens f\u00fcnfzig Meter vom Grundst\u00fcck weg. <\/p>\n<p>Eine vorweihnachtliche Freude war mir auch Ronalds Besuch. Leider hatte er wegen terminlicher Verpflichtungen keine Zeit, mit uns, das hei\u00dft Karl, Christian, und mir, DSA zu spielen, was er sehr bedauert hat. Eigentlich m\u00fcsste ich auch einen Text fertig schreiben, den ich ihm versprochen habe, anstatt mich hier in Selbstgef\u00e4lligkeit zu ergehen. So selbstgef\u00e4llig, wie die Geschichte, dass ich mich bei Textbroker angemeldet habe und mein Textbeispiel, anhand dessen bewertet wird, was f\u00fcr Qualit\u00e4ten von mir zu erwarten sind, mit vier von f\u00fcnf Punkten beurteilt worden ist &#8211; f\u00fcnf bekommen nur professionelle Autoren. Vielleicht l\u00e4sst sich dort also etwas Geld dazuverdienen, durch Texte auf Bestellung.<\/p>\n<p>Ach ja, Weihnachten: Sehr beschaulich, dieses Jahr. Melanie, Ricci, und meine Wenigkeit. Sogar Melanie hat nachher bemerkt, dass drei Leute ein bisschen zu wenig war. Ich h\u00e4tte ja auch gern noch jemanden eingeladen, QiuPing und ihren Mann Wei zum Beispiel, aber Melanie war sich wegen ihrer Abschlussarbeit bis auf den letzten Dr\u00fccker nicht sicher, ob sie Weihnachten \u00fcberhaupt mit G\u00e4sten feiern wollte. Und zu guter Letzt wollte Tino dieses Jahr seine Ruhe haben.<br \/>\nAch, was mussten die sich mitten im Jahr in die Wolle kriegen? Die Streitigkeit wurde zwar offiziell beigelegt, aber ich f\u00fcrchte, dass ich meine gl\u00fccklich zu Stande gebrachte Shadowrun-Spielgruppe nach der ersten kleinen Kampagne gleich wieder vergessen kann.<\/p>\n<p>Weihnachten will nicht, glaube ich. In meinen Artikel hier, meine ich. Ich rede immer noch drum herum. Ich \u00fcberspringe dann einfach mal das Wetter. Wir haben alle gemerkt, dass es sehr kalt und verschneit und zum Teil unangenehm glatt war. Meine Gedanken zum Thema Automobil will ich noch f\u00fcr mich behalten, weil ich noch nicht wei\u00df, welche Ergebnisse aus den letzten Aktionen hervorkommen werden.<\/p>\n<p>Komme ich jetzt zu Weihnachten? Ja, los: Abgesehen von etwas Bargeld habe ich von Freunden vier Dinge geschenkt bekommen &#8211; drei DVDs (Lawrence of Arabia, Salvador, Kinskis Jesus Christus Erl\u00f6ser) und ein Spiel (Grandia 2 f\u00fcr PC). Die Uniform eines Oberstleutnants der Infanterie der Vietnamesischen Volksarmee, die ich ein paar Tage zuvor vom Kameraden Ritter erhalten hatte, war nicht f\u00fcr Weihnachten, sondern mir aus Anlass meines Studienabschlusses geschenkt worden.<br \/>\nAus Japan hat man mir einen Sushi-Kugelschreiber (da stehen die Kanji der verschiedenen Fischsorten drauf) und ein paar T\u00fcten mit Furikake, das sind Geschmack gebende Streusel f\u00fcr gekochten Reis, zukommen lassen. Ich freue mich sehr darauf!<\/p>\n<p>Wir haben Heiligabend unglaubliche Mengen Fleisch gegessen. Vielleicht haben wir auch keine unglaublichen Mengen gegessen, sondern einfach nur einen Rekordanteil gegen\u00fcber dem einsamen St\u00fcck Zucchini, das wie das Alibigem\u00fcse auf der Anrichte aussah. Angefangen hat das Ganze am Nachmittag, wo ich, einer alten Familientradition folgend, mit Grill, Holzkohle, und (untraditionellem) F\u00e4cher auf die verschneite Wiese raus stapfte, und ein Feuer entfachte, an dem wir dann zu dritt W\u00fcrstchen im Baguette a\u00dfen. Abends ging es dann weiter mit einem Raclette und Rindfleisch. Ich hatte nach diesem Gelage keine Probleme, aber mir war die Tage danach nicht so wirklich nach Essen, schon gar nicht nach Fleisch. <\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz gab es am ersten Feiertag Raclette bei meiner Mutter, wo ich zu meinem Ruhme aber beinahe komplett vegetarisch nur drei Kartoffeln und eine Garnele gegessen habe.<br \/>\nScheinbar wegen der Eigenbr\u00f6delei ihres Katers Pinot Noir (der sich nur selten dazu herabl\u00e4sst, sich anfassen zu lassen und seine Ern\u00e4hrung mit Kratzen und Bei\u00dfen quittiert) hat sich meine Mutter zus\u00e4tzlich einen Hund zugelegt, den sie &#8220;Maurice&#8221; nennt:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?attachment_id=1367\" rel=\"attachment wp-att-1367\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Maurice-sm.jpg\" alt=\"\" title=\"Maurice\" width=\"768\" height=\"576\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1367\" srcset=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Maurice-sm.jpg 768w, https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Maurice-sm-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Eine frz. Dogge, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Sieben Monate alt, quicklebendig, begr\u00fc\u00dft scheinbar jeden, als er habe der ihm bereits eine Menge Steaks mitgebracht. Mit dem Kater ist er fertig geworden, im Willensduell: Der Hund kommt ins Haus, entdeckt den Kater, und l\u00e4uft mit seinem jugendlichen Schwung auf ihn zu. Im letzten Moment verliert Pinot die Nerven und fl\u00fcchtet. Damit war die Hierarchie geregelt.<\/p>\n<p>Tags drauf zu den Gro\u00dfeltern, der Gro\u00dfvater hatte angek\u00fcndigt, auch dieses Jahr gemeinsam essen zu gehen. Zu meiner \u00dcberraschung hatte er allerdings ausnahmsweise ein Abendessen und kein Mittagessen reserviert, und dann auch noch in einer Pizzeria. Gibt es was noch hundsgew\u00f6hlicheres? Ich will mich nicht beschweren, ich wurde eingeladen und bin dankbar. Allerdings machte dieses Abendessen meinen sonst \u00fcblichen Plan zunichte, im Laufe des Nachmittags und in den Abend hinein meinen Vater zu besuchen. Den musste ich dann zwischen zwei Uhr und Viertel vor F\u00fcnf einschieben, um rechtzeitig f\u00fcr die Pizza zur\u00fcck zu sein. Dort war das Essen vielversprechender: Ein Hase und eine Pute, mit Kl\u00f6\u00dfen und So\u00dfe. Ich a\u00df einen Klo\u00df und ein St\u00fcck Fleisch. Mehr wollte nicht. Au\u00dferdem w\u00fcrde ich zwei Stunden sp\u00e4ter schon wieder etwas essen. Als Gag zwischendurch probierte mein Bruder aus, ob seine Tochter nicht vielleicht ihren Onkel, das bin ich, ankotzen w\u00fcrde, aber sie hat es zu seiner Entt\u00e4uschung nicht getan. Ich verzeihe ihm, auch im Hinblick darauf, dass sie sich den Kopf an meinem Daumen angesto\u00dfen hat und dar\u00fcber in Tr\u00e4nen ausbrach.<\/p>\n<p>Und danach das Essen, das ich ganz bestimmt nicht brauchte: Pizza essen in Wittersheim. Ich wei\u00df nicht, wie er auf den Laden gekommen ist. Scheinbar sind die Gro\u00dfeltern mal dort gewesen, aber das war zu einer Zeit, als da noch ein anderer P\u00e4chter den Betrieb f\u00fchrte. Wir w\u00e4ren auch normalerweise in das Bistro im gleichen Ort gegangen, aber auch dort hat der P\u00e4chter gewechselt, nachdem das alte Ehepaar, das fr\u00fcher verantwortlich war, sich mittlerweile im Ruhestand befindet. Der neue Chef dort bietet scheinbar nur ein einziges Men\u00fc an&#8230; ich wei\u00df noch nicht mal, ob es gut oder schlecht ist, f\u00fcr den Gro\u00dfvater war das Grund genug, da nicht mehr hinzugehen. Ob er mal bedacht hat, dass auch die Vorp\u00e4chter gerade mal zwei Men\u00fcs angeboten hatten, um Auswahl zu simulieren?<br \/>\nEgal, Pizzeria dann eben. Voll mit Leuten einer famili\u00e4ren Weihnachtsfeier. Gerade noch vier Pl\u00e4tze frei, von denen wir drei reserviert haben.<br \/>\nBlick auf die Speisekarte: Dieser Laden bietet vier Pizzen an. VIER.<br \/>\nImmerhin, es sind keine Standardkompositionen, sondern eigene Zusammenstellungen. Ich kann die Namen nicht alle widergeben, ich erinnere mich, dass eine den Vornamen des Wirts trug, und eine andere den Namen des Ortes. Abgesehen von dem, was auf jeder Pizza drauf ist, bot der Belag der &#8220;Pizza Wittersheim&#8221; Spiegelei und Lyoner. Ich wollte ohne Ei mit mehr K\u00e4se. Das Weglassen des Eis hat geklappt, aber wenn das, was da an K\u00e4se drauf war, &#8220;mehr K\u00e4se&#8221; war, dann muss da urspr\u00fcnglich so gut wie gar kein K\u00e4se drauf sein. Na ja, das kann man essen, muss man aber nicht. Es ist nicht herausragend, aber zumindest auch nicht schlecht &#8211; zumindest f\u00fcr meinen in der Regel eher anspruchslosen Geschmack.<\/p>\n<p>Kaum vom Fressen genesen, \u00fcberfiel mich die Laune, mir eine Flasche Rum zu kaufen, und ich schw\u00f6re: H\u00e4tte ich nicht am 28. Dezember am sp\u00e4ten Abend eine <a href=\"http:\/\/www.arte.tv\/de\/TV-Programm\/1029250,CmC=1029186.html\">Dokumentation \u00fcber eine &#8220;Zeitreise&#8221;<\/a> gesehen, in der eine Gruppe von Leuten in der Rolle von M\u00e4gden, Knechten, und einem Knappen von einem &#8220;Burgvogt&#8221;, der garantiert mal Grundausbilder bei der Bundeswehr war, sechs Wochen lang durch das Jahr 1419 gescheucht werden, h\u00e4tte ich an der Flasche vermutlich l\u00e4nger als nur neun Stunden gehabt. Es war einfach zu nostalgisch, den Typen reden zu h\u00f6ren.<br \/>\nIch habe auch nur ganz wenig gekotzt, aber meine Freundin um die Nacht gebracht und den folgenden Tag zwangsweise wegen Erholungsbedarf v\u00f6llig sinnfrei totgeschlagen, so dass ich erst am 30. Dezember wieder etwas mit mir anfangen konnte. Das werde ich auch bestimmt nicht wieder tun&#8230; ich bleibe beim japanischen Reiswein. Der macht sch\u00f6n high und hat keine solchen Nachwirkungen. <\/p>\n<p>Zu Silvester hat Volker nach Heusweiler gebeten. Mit seinem Bruder, der gerade in Trier weilte, h\u00e4tte ich vielleicht hinfahren k\u00f6nnen&#8230; aber die Nachwirkungen von 0,7 Liter zu 37,5 % waren mir dann doch noch zu stark, und wollte das Jahr lieber geruhsam ausklingen lassen.<br \/>\nWas auch gelang: Es ist unglaublich, wie viel Zeit man damit verbringen kann, mehrsilbige deutsche Substantive (keine nominalisierten Adjektive und auch keine Pluralformen!) zu finden, die auf &#8220;e&#8221; enden und nicht feminin sind.<br \/>\nWenn die weitaus h\u00e4ufigeren femininen Substantive die Regel sind, dann sind neutrale und maskuline die Ausnahme. Neutrale haben wir nur eins gefunden, aber bei den maskulinen Substantiven finden sich Unterausnahmen von den Ausnahmen, und bei den Tierbezeichnungen gibt es \u00dcberschneidungen, deren Ursache man wieder f\u00fcr sich ergr\u00fcnden m\u00fcsste. <\/p>\n<p>Es bleibt noch, den Rest der Weihnachtss\u00fc\u00dfigkeiten nach und nach zu verdr\u00fccken und irgendwann in ein paar Tagen den Weihnachtsbaum aus dem Fenster zu schmei\u00dfen. Dieses Mal werde ich mir auch M\u00fche geben, die Au\u00dfenantenne des Bewohners untendrunter, einen Draht vom Fenster zum Baum, den ich letztes Jahr unbeabsichtigt gekappt habe, zu verfehlen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Jahr 2011 hat begonnen. 2010 bin ich also los, ein Jahr, das stressig anfing und frustrierend endete. 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