{"id":1350,"date":"2010-12-18T15:30:33","date_gmt":"2010-12-18T14:30:33","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1350"},"modified":"2017-10-22T12:43:29","modified_gmt":"2017-10-22T10:43:29","slug":"warum-essen-sie-dann-keine-hahnchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1350","title":{"rendered":"&#8220;Warum essen sie dann keine H\u00e4hnchen?&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>Was besseres als eine Parodie Marie Antoinettes ist mir nicht eingefallen als \u00dcberschrift f\u00fcr diese Idee, die mir in den vergangenen Tagen durch den Kopf ging. Warum mir dieses naive Zitat, in dem es eigentlich um Kuchen ging, eingefallen ist, erkl\u00e4re ich gleich.<\/p>\n<p>Zum monatlichen Einkauf habe ich meine Gro\u00dfeltern besucht, just an den Tagen, an denen die Presse das Schneechaos in Deutschland ausgerufen hatte. Ich will das nicht kleinreden, bestimmt hat es viele Leute w\u00f6rtlich eiskalt erwischt und mancherorts wird die Lage auch ernst gewesen sein &#8211; soweit es mich betrifft, kann ich mich nicht beschweren. Ich konnte \u00fcber 100 km von meiner Haust\u00fcr in Trier bis in mein Heimatdorf fahren, ohne dabei mehr als 500 m schnee- oder eisbedeckte Fahrbahn gesehen zu haben. Das waren ein paar Meter an offenen Stellen, wo der Wind den Schnee auf die Stra\u00dfe geweht hatte, und die letzten Meter, nachdem ich von der Hauptstra\u00dfe im Dorf abgebogen war. Mein ehrlicher Dank also an die M\u00e4nner (und Frauen?) der R\u00e4umdienste, die ganz hervorragende Arbeit in dem von mir befahrenen Bereich geleistet haben.<\/p>\n<p>Was hat das mit H\u00e4hnchen zu tun? Kommt sofort: Da wir den Morgen mit Einkaufen verbracht hatten, blieb keine Zeit f\u00fcr die Vorbereitung eines Mittagessens. Die beiden alten Herrschaften erm\u00fcden sich bei einem Gang durch einen gro\u00dfen Supermarkt zu sehr, um nachher noch Energie zum Kochen zu haben. An diesem Tag stand jedoch in der Dorfmitte ein H\u00e4hnchengrill und ich wurde geschickt, f\u00fcr jeden ein halbes H\u00e4hnchen zu holen.<br \/>\nIch unterhielt mich ein bisschen mit der Besitzerin dar\u00fcber, warum sie keine H\u00e4hnchenkeulen anbiete, und sie sagte, dass man H\u00e4hnchenfleisch zwar nachgeworfen und auch wieder los bek\u00e4me, dass der spezielle Spie\u00df, also das Metallkonstrukt, an dem man die Keulen befestigt, allein jedoch bereits 600 Euro koste, und sie scheue die Investition. Wir sprachen auch ein bisschen \u00fcber Preise, und das brachte mich unweigerlich zu dem Preisvergleich, den ich hier ausf\u00fchren m\u00f6chte:<\/p>\n<p>Dass Verbraucherpreise st\u00e4ndig steigen, muss ich keinem erz\u00e4hlen, das wei\u00df jeder. Aber es gibt Unterschiede.<br \/>\nVor etwa zehn Jahren kaufte ich zum ersten Mal in meinem Leben einen gro\u00dfen Sack Reis, im Asialaden der Familie Hary in Saarbr\u00fccken. Damals bekam ich 22,5 kg thail\u00e4ndischen Bruchreis f\u00fcr 17,50 Mark.<br \/>\nSeitdem ist der Reispreis um das Dreifache gestiegen: Heute bezahle ich f\u00fcr 20 kg thail\u00e4ndischen Bruchreis (also f\u00fcr 11 % weniger Masse) 26 Euro. (Das hei\u00dft, ich w\u00fcrde so viel zahlen, wenn ich statt Langkornreis Bruchreis kaufen w\u00fcrde. F\u00fcr 20 kg normalen thail\u00e4ndischen Langkornreis sind heute 30 Euro die Norm.)<br \/>\nIrgendwie kann ich das nachvollziehen. Zum einen ist da die Inflation, zum anderen Wirtschaftskrisen, dann l\u00e4sst m\u00f6glicherweise die Steigerung des Wohlstands in den Anbaul\u00e4ndern die Preise steigen, und man darf auch nicht vergessen, dass es in den vergangenen Jahren zu vielen Naturkatastrophen gekommen ist, die die Bereitstellung von Nahrungslieferungen notwendig machten, die wirtschaftlich als Steigerung der weltweiten Nachfrage zu werten sein d\u00fcrften.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich als Laie sieht diese Preisentwicklung also irgendwie plausibel aus, obwohl ich mir bestimmt \u00fcber vieles im Unklaren bin und so einiges sicherlich auch falsch verstehe. Ich h\u00e4tte jedenfalls nicht weiter dar\u00fcber nachgedacht, wenn mir an jenem Einkaufstag nicht zwei weitere Preisschilder aufgefallen w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Noch ein R\u00fcckblick: Als ich etwa zw\u00f6lf Jahre alt war, \u00fcberkam mich ein heftiges Verlangen nach Wiener W\u00fcrstchen, von denen ich mir nach der Schule ein Kilo an der Fleischtheke kaufte, und das Kilo kostete 16 Mark.<br \/>\n21 Jahre sp\u00e4ter kostet ein Kilo Wiener an der Fleischtheke im Supermarkt 10 Euro, also nur wenig mehr als damals.<\/p>\n<p>Ebenso hatte ich wenige Jahre sp\u00e4ter den Plan, mal ein Schnitzel mit Pommes zu essen. Auf der Speisekarte war das Gericht mit 10,50 Mark angegeben.<br \/>\nWenn ich heute f\u00fcr eine normale Schnitzelportion mit Pommes mehr als sechs Euro zahlen soll, f\u00fchle ich mich schon beinahe \u00fcber den Tisch gezogen. F\u00fcr eine Portion, die mich s\u00e4ttigt, sind in der Regel zehn Euro f\u00e4llig, aber das ist auch nicht wenig f\u00fcr einen normalen Magen.<br \/>\nVielleicht ist es deshalb ein schlechtes Argument. Ich komme daher lieber zu den versprochenen H\u00e4hnchen:<\/p>\n<p>Vor zwanzig Jahren stand im Ort meiner Schule auf dem so genannten Paradeplatz eine Imbissbude, wo ein halbes H\u00e4hnchen 5,50 Mark kostete. H\u00e4tten H\u00e4hnchen die gleiche Preisentwicklung mitgemacht, wie der Reis, dann m\u00fcsste ein halbes H\u00e4hnchen heutzutage etwa 8,50 Euro kosten &#8211; und zwar ohne Salat und Pommes. Ein halbes H\u00e4hnchen kostet aber nur 2,70 Euro.<\/p>\n<p>Warum sind Fleisch- und Fleischnebenprodukte der hier genannten Art von der allgemeinen Preisentwicklung (scheinbar) ausgenommen?<br \/>\nDer Witz von dem Kunden, der in die B\u00e4ckerei kommt und sich beschwert, dass ein Brot vor 20 Jahren soundsoviel gekostet habe, worauf die Angestellte in den Backraum ruft, ob noch Brot von vor 20 Jahren da sei, ist keiner mehr.<br \/>\nSind die Futtermittelpreise seit 20 Jahren stabil? Wohl kaum, aber wenn ja, warum kostet dann mein Brot, das doch prinzipiell aus dem gleichen Rohstoff besteht, immer mehr? Wurden in der Zucht und Fleischverarbeitung in den vergangenen Jahren massiv Stellen gek\u00fcrzt? Dann w\u00e4re aber doch irgendwann eine Grenze erreicht, unterhalb der ein Betrieb nicht funktionieren kann und die Preise m\u00fcssten in einem normalen Ma\u00df zu steigen beginnen. Verzichtet irgendjemand in der Kette zwischen Z\u00fcchter und Endverbraucher auf seine Gewinnmarge? Unvorstellbar. Gibt es so viele Anbieter mit so viel Schlachtmasse mehr, bei deutlich weniger stark gestiegener Nachfrage? Aber wer l\u00e4sst sich denn auf ein Gesch\u00e4ft ein, wenn es da nichts oder nur wenig zu verdienen gibt (und es nicht vielleicht der Geldw\u00e4sche dient)? Sind die Mastbedingungen heute so viel schlimmer als vor 20 Jahren, um auf diese Art und Weise Geld zu sparen, das der Kunde dann dankbar nicht zu zahlen braucht?<\/p>\n<p><strong>Wiesenhof<\/strong> bezeichnet sich auf der <a href=\"http:\/\/www.wiesenhof-online.de\/index.php?page=unternehmen&amp;pageID=1&amp;title=Philosophie\"><strong>Firmenseite im Internet<\/strong><\/a> als &#8220;Deutschlands Gefl\u00fcgelmarke Nr. 1&#8221; und pr\u00e4sentiert sich als Unternehmen, das &#8220;seit jeher besondere Ma\u00dfst\u00e4be in punkto Qualit\u00e4t, Sicherheit und Transparenz&#8221; setze. Ich habe also am 7. Dezember eine Mail geschrieben, in der ich in Kurzfassung meine Beobachtung schilderte und fragte, was Wiesenhof dazu sage, warum der Preis f\u00fcr Gefl\u00fcgel seit Jahrzehnten stabil geblieben sei.<br \/>\nAm 17. Dezember erhielt ich folgende Mitteilung, Zitat (minus Gru\u00dfformeln):<\/p>\n<p><em>&#8221; (&#8230;) Ihre Feststellung bez\u00fcglich der konstanten Preise ist richtig. Das ist \u00fcbrigens nicht jedem Verbraucher bewusst.<\/em><\/p>\n<p><em>In der Gefl\u00fcgel-Aufzucht gab es in der Vergangenheit einige Fortschritte bei den verwendeten Technologien und in der Forschung und Entwicklung. Die sich ergebenden Kostenvorteile wurden, auch durch den starken Wettbewerb bedingt, immer an den Verbraucher weitergegeben.<\/em><\/p>\n<p><em>Was hat sich ge\u00e4ndert bzw. warum ist die Aufzucht von H\u00e4hnchen heute kosteng\u00fcnstiger?<\/em><\/p>\n<p><em>Hauptgrund ist die z\u00fcchterische Selektion. So ist bei den heute in der Aufzucht eingesetzten Rassen die Futterwertung wesentlich besser als noch vor Jahren. Und Futter ist der wesentliche Kostenfaktor. Eine gute Futterverwertung ist auch vor dem Hintergrund wichtig, dass Futter-Ressourcen nicht verschwendet werden und weniger H\u00fchnermist anf\u00e4llt. Zus\u00e4tzlich wurden die Futtermischungen selbst nach wissenschaftlichen Erkenntnissen optimiert. So ist heute schon sehr gut erforscht, in welchem Lebensabschnitt bestimmte N\u00e4hrstoff-, Vitamin- und Mineralstoffzusammensetzungen am sinnvollsten sind.<\/em><\/p>\n<p><em>Daneben werden schon die Elterntierherden, die die Bruteier erzeugen, gegen die h\u00e4ufigsten Krankheiten mit qualitativ hochentwickelten Impfstoffen gesch\u00fctzt. Dieser Impfschutz geht auf die K\u00fcken \u00fcber und macht sie deutlich widerstandsf\u00e4higer. Die Bruteier werden hygienisiert und in nahezu keimfreien, hochmodernen Br\u00fctereien ausgebr\u00fctet. All diese Entwicklungen haben dazu gef\u00fchrt, dass die Verluste bei der Aufzucht in den Jahren minimiert wurden. Das ist einmal aus Tierschutzgr\u00fcnden vern\u00fcnftig und spart zudem nat\u00fcrlich auch Kosten.<\/em><\/p>\n<p><em>Der internationale Wettbewerb, in dem wir uns befinden, zwingt zu weiteren kreativen L\u00f6sungen. So wird der H\u00fchnermist, der bei unseren Partner-Landwirten anf\u00e4llt, zu gro\u00dfen Teilen kompostiert und dann in der Pilzzucht eingesetzt. Erzeugt werden damit z.B. Champignons und \u00fcbrig bleibt Humus, der von Baumschulen abgenommen wird. Wir nutzen dar\u00fcber hinaus das Fett aus den Schlachtabf\u00e4llen zur Raffination von Gefl\u00fcgel\u00f6l. Damit fahren ca. 600 unserer LKW\u00b4s. Das spart nicht nur Kosten sondern entlastet auch die Umwelt nicht unerheblich.<\/em><\/p>\n<p><em>Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer solcher Beispiele.<\/em><\/p>\n<p><em>Leider sind die Preisschwankungen an den Rohstoffm\u00e4rkten in j\u00fcngster Vergangenheit erheblich gestiegen. Und da z.B. in Deutschland bereits sehr viel Ackerfl\u00e4che f\u00fcr nachwachsende Rohstoffe (vor allem Mais f\u00fcr subventionierte Biogas-Anlagen) verwendet wird, m\u00fcssen wir in der Zukunft mit nachhaltigen Preissteigerungen beim Futter rechnen. Das wird leider nicht nur Gefl\u00fcgelfleisch mittelfristig verteuern sondern betrifft alle anderen Fleischsorten auch. (&#8230;)&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Nun ja&#8230; zum Thema Wiesenhof kursierte 2009 das folgende Video:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=rVG63fzCZBo\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=rVG63fzCZBo\">Skandal bei Wiesenhof<\/a><br \/>\nSieht nach hoch motivierten Ein-Euro-Jobbern aus.<\/p>\n<p>Man vergleiche hierzu auch den folgenden schriftlichen Bericht:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/wendland-net.de\/index.php\/artikel\/20100112\/y5wu-bauernverband-wirbt-fuer-haehnchenmast-skandal-bei-wiesenho\"><strong>Wendland.net: Skandal bei Wiesenhof<\/strong><\/a><\/p>\n<p>Wenn man seine H\u00fchnchen und H\u00e4hnchen nat\u00fcrlich so zusammenpfercht, spart man zus\u00e4tzlich zu dem Gesagten nat\u00fcrlich auch Raummiete, Instandhaltungskosten, und Transportraum.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was besseres als eine Parodie Marie Antoinettes ist mir nicht eingefallen als \u00dcberschrift f\u00fcr diese Idee, die mir in den vergangenen Tagen durch den Kopf ging. Warum mir dieses naive Zitat, in dem es eigentlich um Kuchen ging, eingefallen ist, erkl\u00e4re ich gleich. Zum monatlichen Einkauf habe ich meine Gro\u00dfeltern besucht, just an den Tagen, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_s2mail":"yes","footnotes":""},"categories":[7,1920],"tags":[],"class_list":["post-1350","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-mylife","category-zeitgeschehen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1350","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1350"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1350\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2984,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1350\/revisions\/2984"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1350"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1350"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1350"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}