{"id":1324,"date":"2010-12-03T22:58:01","date_gmt":"2010-12-03T21:58:01","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1324"},"modified":"2013-01-13T19:01:02","modified_gmt":"2013-01-13T18:01:02","slug":"kaicho-wa-maid-sama","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1324","title":{"rendered":"Kaich\u00f4 wa Maid-sama"},"content":{"rendered":"<p>Der letzte Artikel in dieser Kategorie ist vom Januar 2009? Das m\u00fcssen wir gleich \u00e4ndern, und <em>&#8220;Kaich\u00f4 wa Maid-sama&#8221;<\/em> bietet sich direkt an.<\/p>\n<p>Schmissige \u00dcbersetzung? Gibt&#8217;s nicht. Wahrheitsgem\u00e4\u00df aber langatmig l\u00e4uft der Titel hinaus auf<br \/>\n<em>&#8220;Die Vorsitzende der Sch\u00fclervertretung ist ein Hausm\u00e4dchen franz\u00f6sischen Stils&#8221;<\/em>.<\/p>\n<p>Stellen wir zur besseren Kl\u00e4rung also die beiden Hauptcharaktere vor:<\/p>\n<p>Misaki, die Protagonistin. 17 Jahre alt, gut aussehend, intelligent, topfit, soziale Unterschicht. Ihre Schule wurde erst vor kurzer Zeit f\u00fcr beide Geschlechter zug\u00e4nglich, davor war sie eine reine Jungenschule, mit \u00fcblem Ruf. Als Sch\u00fclersprecherin will sie das Image der Schule aufm\u00f6beln, indem sie die Jungs diszipliniert, um die Frauenquote (aktuell 25 %) zu erh\u00f6hen. Um sicherzustellen, dass sie sich durchsetzen kann, hat sie einen Dan (Meistergrad) in Aikid\u00f4 erworben, stemmt Gewichte, und lernt flei\u00dfig, um die Nase vorn zu haben, um einer Vorbildfunktion gerecht zu werden.<br \/>\nDa ihre Familie arm ist (der Vater hat Schulden angeh\u00e4uft und hat sich dann davongemacht), muss sie aber auch arbeiten, um essen zu k\u00f6nnen, und sie hat wegen des guten Stundenlohns eine Anstellung in einem Maid Caf\u00e9 mit dem Namen &#8220;Maid Latte&#8221;.<\/p>\n<p>Bei einem Maid Caf\u00e9 handelt es sich um einen Gastwirtschaftsbetrieb, bei dem es weniger um das kulinarische Angebot, als um eher um Optik und Atmosph\u00e4re geht. Dazu sprechen die ausschlie\u00dflich weiblichen Servicekr\u00e4fte allerfeinstes Japanisch mit all seinen verschn\u00f6rkelten H\u00f6flichkeitsformen und tragen dabei einen Kleidungsstil, den man im Englischen als &#8220;French Maid&#8221; bezeichnet:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"Frz Hausm\u00e4dchen, jap Interpretation\" src=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/4\/4d\/Japanese_maid.jpg\/250px-Japanese_maid.jpg\" title=\"Maid in Tokyo (Cosplay)\" class=\"aligncenter\" width=\"250\" height=\"333\" \/><\/p>\n<p>Das ist per se nichts Anz\u00fcgliches, obwohl sich damit ein Fetisch verbindet, wie es mit allen Arten von Uniformen der Fall ist.<\/p>\n<p>Misaki arbeitet also in einem solchen Caf\u00e9 (&#8220;in einem Nachbarort&#8221;) zusammen mit einer Anzahl weiterer junger Frauen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Nun ist ein solcher Job aber per Definition mit Servilit\u00e4t und einer mindestens implizierten Art von Unterwerfung verbunden, ganz zu schweigen von dem angesprochenen Sex Appeal &#8211; von daher will sie nicht, dass irgendjemand von ihrer Schule davon erf\u00e4hrt. Diese Art von Nebenjob ist zwar durch Schulregeln nicht verboten, aber ihre Autorit\u00e4t als Sch\u00fclersprecherin w\u00fcrde zweifelsfrei darunter leiden.<\/p>\n<p>Kommen wir zur m\u00e4nnlichen Hauptrolle: Takumi, meist &#8220;Usui&#8221; genannt.<br \/>\nGleicher Jahrgang wie Misaki, gleiche Attribute: Gut aussehend, intelligent, topfit. Er bleibt weitgehend ein Geheimnis f\u00fcr den Zuschauer, man kann \u00fcber sein Privatleben anhand einer Handvoll Informationen nur Vermutungen anstellen. Dass er keine Familie hat, dass er steinreich ist und in der feinen Lebensart extrem bewandert. Er ist auf eine Art und Weise so offen und ehrlich mit seinen Gef\u00fchlen f\u00fcr Misaki, dass sie ihm seine Zuneigung nicht abkauft. Au\u00dferdem hat er die Angewohnheit, sie zu necken, was sie ihm nat\u00fcrlich negativ auslegt &#8211; dabei genie\u00dft er lediglich ihre Reaktion. Ein Verhalten, das ich nicht weiter absonderlich finde, ich mache das n\u00e4mlich ebenfalls.<\/p>\n<p>Es handelt sich also um eine romantische Kom\u00f6die, die ihren Humor daraus sch\u00f6pft, dass einerseits der m\u00e4nnliche Protagonist aus seiner Liebe keinen Hehl macht und sie auf ungew\u00f6hnliche Art und Weise zeigt, w\u00e4hrend andererseits die weibliche Protagonistin sich ihrer Gef\u00fchle nicht sicher ist und ihre entgegengesetzten Rollen getrennt wissen will.<\/p>\n<p>So weit, so gut, denn ich will die Handlung nicht zu sehr auswalzen. Ich hatte Spa\u00df, die Serie anzusehen, da die Charakterinteraktion viele sch\u00f6ne und lustige Szenen bereit h\u00e4lt, abgesehen davon ist die grafische Gestaltung sehr sch\u00f6n, die SynchronsprecherInnen zeigen ein hohes Niveau, und der Soundtrack ist nicht zuletzt geradezu empfehlenswert, wenn man im Gro\u00dfen und Ganzen japanischen Animesoundtracks etwas abgewinnen kann.<\/p>\n<p>Nur einen Pferdefu\u00df hat die ganze Sache: Geschlechterdarstellung.<br \/>\nDeswegen hat es auch gereicht, nur in K\u00fcrze auf die Hauptcharaktere einzugehen. Denn die Sache stellt sich so dar:<br \/>\nDie Autoren stellen Misaki eingangs als starkes, intelligentes und selbst\u00e4ndiges M\u00e4dchen vor, das den unwilligen Jungs ihrer Schule Paroli bietet und damit Erfolg hat. Die Jungs verdammen sie zwar als eine Art D\u00e4mon, aber letztendlich haben sie Respekt vor ihr und sie hat die Schule damit im Griff.<br \/>\nAber wehe, falls diese Ihre Dom\u00e4ne verlassen wird. Man k\u00f6nnte sie beinahe mit dem &#8220;Alten&#8221;, dem Kapit\u00e4nleutnant in Buchheims &#8220;Das Boot&#8221;, vergleichen: Unbesiegbar auf dem Meer, entkommt den haarstr\u00e4ubendsten Situationen &#8211; und kaum setzt er seinen Fu\u00df wieder an Land, wird er get\u00f6tet.<\/p>\n<p>Misaki wird nat\u00fcrlich nicht get\u00f6tet. Sie &#8220;rettet&#8221; mehrfach M\u00e4dchen ihrer Schule aus unangenehmen Situationen, aber wenn sie auf Schwierigkeiten und Gegner au\u00dferhalb der eigenen Schule trifft, muss sie st\u00e4ndig von Usui gerettet werden, der sie unter Einsatz seines Lebens und seiner Gesundheit besch\u00fctzt; sei es, dass der Gegner ebenfalls ein Kampfsportass ist, oder sei es einfach nur, dass sie zum fraglichen Zeitpunkt wegen einer Erk\u00e4ltung &#8220;zuf\u00e4llig&#8221; nicht im Vollbesitz ihrer Kr\u00e4fte ist.<br \/>\nDas, was sie, quasi zum Ausgleich, au\u00dferhalb f\u00fcr ihn tut, sind alles typisch weibliche Dienstleistungen: Sie bedient ihn im Caf\u00e9, und sie kocht ihm Reisbrei, als er krank ist. (Es ist \u00fcberhaupt zu bemerken, dass es unter den weiblichen Charakteren zwar auch &#8220;Vorgesetzte&#8221; gibt &#8211; die Besitzerin des &#8220;Maid Latte&#8221; und ihre Schwester, die ebenfalls eine Art Restaurant hat &#8211; aber auch die bieten &#8220;nur&#8221; Dienstleistungen an, sie sind im weitesten Sinne &#8220;caretakers&#8221;, deren Lebensinhalt daraus besteht, sich um das Wohl anderer Leute zu k\u00fcmmern.)<\/p>\n<p>Was sagt uns diese Art der Darstellung \u00fcber Misaki:<br \/>\n<em>&#8220;Ja, sie sieht gut aus, ist intelligent und topfit, aber letztendlich ist sie halt doch nur ein M\u00e4dchen.&#8221;<\/em><br \/>\nUnd das finde ich sehr schade. Eine Chance vergeben, einen selbst\u00e4ndigen weiblichen Charakter zu f\u00fchren. Ich verlange nicht, dass SIE es ist, die IHN rettet, aber eine Frau, die nicht immer wieder mal vor Unbill gerettet werden muss, ist durchaus eine Erholung in der Welt der fiktionalen Unterhaltung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der letzte Artikel in dieser Kategorie ist vom Januar 2009? Das m\u00fcssen wir gleich \u00e4ndern, und &#8220;Kaich\u00f4 wa Maid-sama&#8221; bietet sich direkt an. Schmissige \u00dcbersetzung? Gibt&#8217;s nicht. Wahrheitsgem\u00e4\u00df aber langatmig l\u00e4uft der Titel hinaus auf &#8220;Die Vorsitzende der Sch\u00fclervertretung ist ein Hausm\u00e4dchen franz\u00f6sischen Stils&#8221;. 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