{"id":131,"date":"2008-02-13T00:39:19","date_gmt":"2008-02-12T23:39:19","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=131"},"modified":"2017-10-22T13:16:59","modified_gmt":"2017-10-22T11:16:59","slug":"begegnungen-die-eingewanderte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=131","title":{"rendered":"Begegnungen &#8211; die Eingewanderte"},"content":{"rendered":"<p>Gerade wo ich dachte, jetzt m\u00fcsste mit den auff\u00e4lligen Typen doch mal Schluss sein, kamen zwei weitere. Zun\u00e4chst einmal eine Frau Mitte Vierzig, die als Innenarchitektin und Raumdesignerin arbeitete und f\u00fcr einen ihrer Kunden und dessen erlesene Wohnung einen ebenso erlesenen Teppich suchte. So erlesen, dass auch ein Preis von 18000 E sie nicht beeindruckte.<\/p>\n<p>Ihr Kunde hatte wohl alles individuell designen und farblich ausgestalten lassen. Die K\u00fcche mit viel Chrom, die W\u00e4nde und das Mobilar in den Farben Grau und Brombeer (?), der Arbeitsbereich \u00fcbergehend in das Wohnzimmer, in Ahorn gehalten, mit wei\u00dfen Ledersesseln am Esstisch und einer dunkelbraunen Ledersitzecke gegen\u00fcber, nat\u00fcrlich alles auf feinstem Parkett. Die W\u00e4nde in Wei\u00df, Gold und hellen Erdfarben.<br \/>\nUnd auf das Parkett sollte nun auch ein passender Teppich. So an 3&#215;4 m hatte sie dabei gedacht (was bedeutet, dass der daf\u00fcr vorgesehene Raum mal mindestens 5&#215;6 m hat, eher mehr, aber das ist nur eine Vermutung meinerseits).<\/p>\n<p>Bei den alten Persern braucht man da nicht suchen. Da gibt es zu viele Floralmuster auf der einen und zu simple Designs mit schwachen Farb\u00fcberg\u00e4ngen auf der anderen Seite. Das eine ist zu verspielt, zu kompliziert, zu unruhig, das andere zu schlicht. Da m\u00fcssen alte Chinesen ran, also &#8220;durchw\u00fchlten&#8221; wir ein paar Stapel.<\/p>\n<p>Zwischendrin erz\u00e4hlte sie ein bisschen von ihren M\u00fchen, den Kunden von ihren farblichen Vorstellungen zu \u00fcberzeugen, die wirklich was herhielten, soweit ich das als \u00c4sthetiklaie beurteilen kann, und der Kunde hatte auch keine besseren Vorschl\u00e4ge.<br \/>\nDann bedauerte sie das schmale Teppichangebot in Trier, denn die Teppichgalerie an der Porta sei zwar fein, aber halt klein (ihr persischer Gatte befindet sich in unserer Kundendatei), und sie habe den Kunden nicht \u00fcberzeugen k\u00f6nnen, einmal mit ihr nach Hamburg zum Hafen zu fahren. Dort kenne sie so ziemlich jeden potentiellen Lieferanten, weil sie dort aufgewachsen sei.<\/p>\n<p><em>&#8220;Ach, Sie kommen aus Hamburg? Wir sind auch \u00f6fters zum Teppicheinkauf dort.&#8221;<\/em><br \/>\n<em>&#8220;Ja, ich lebe in Trier&#8230; aber mein Herz ist in Hamburg&#8230; (schnief)&#8221;<\/em> und diesen letzten Satz sagte sie mit einer solch erstickten Stimme, dass ich schon Tr\u00e4nen \u00fcber das Gesicht kullern zu sehen glaubte. Allerdings war sie dann 10 Sekunden sp\u00e4ter wieder auf dem Damm, wie man so sagt.<\/p>\n<p>Und dann fanden wir einen an sich passenden Chinesen, mit blauer Bord\u00fcre, einem hellbraunen Blumengebilde in der Mitte auf goldgelb gl\u00e4nzendem Hintergrund (den sie mit dem Aussehen eines L\u00f6wenfels verglich), starrte wie gebannt auf den Teppich und sagte dann in einer Stimme wie eine Siebenj\u00e4hrige, die einen Hundewelpen unter dem Weihnachtsbaum entdeckt: &#8220;Der ist so sch\u00f6n! Das ist so mein Problem: Ich verliebe mich immer sofort in solche Dinge!&#8221; und dr\u00fcckte dabei die Handfl\u00e4chen an ihre Wangen und machte ein derart ger\u00fchrtes Gesicht, wie man es sonst nur im Film zu sehen bekommt. Sie bewunderte dann noch diesen und jenen Kunstgegenstand, lie\u00df ihre Visitenkarte da und versprach, sich mit ihrem Kunden zu besprechen, bevor sie dann ging.<\/p>\n<p>&#8230; und dann kam auch schon &#8220;der Negotiator&#8221; zur T\u00fcr herein&#8230; doch von dem beim n\u00e4chsten Mal&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerade wo ich dachte, jetzt m\u00fcsste mit den auff\u00e4lligen Typen doch mal Schluss sein, kamen zwei weitere. Zun\u00e4chst einmal eine Frau Mitte Vierzig, die als Innenarchitektin und Raumdesignerin arbeitete und f\u00fcr einen ihrer Kunden und dessen erlesene Wohnung einen ebenso erlesenen Teppich suchte. So erlesen, dass auch ein Preis von 18000 E sie nicht beeindruckte. 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