{"id":13,"date":"2006-12-19T17:24:57","date_gmt":"2006-12-19T16:24:57","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=13"},"modified":"2008-01-07T13:45:54","modified_gmt":"2008-01-07T12:45:54","slug":"world-of-warcraft-fur-arme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=13","title":{"rendered":"World Of Warcraft &#8211; f\u00fcr Arme"},"content":{"rendered":"<p>Beziehungsweise: f\u00fcr Bescheidene.<br \/>\nSowas spiele ich derzeit.<br \/>\nNat\u00fcrlich hei\u00dft das Machwerk nicht &#8220;<strong>World of Warcraft<\/strong>&#8220;, sondern anders, n\u00e4mlich &#8220;<strong>Angband<\/strong>&#8220;. Aber es ist genauso wie <strong>WoW<\/strong>. Einschr\u00e4nkend sollte man sagen: <em>&#8220;Es ist wie WoW, nur ohne tolle Grafik, ohne online, ohne Quests und ohne Multiplayer.&#8221;<\/em><br \/>\nDa mag jetzt einer einwenden:<br \/>\n<em>&#8220;Dann ist es also gar nicht wie <strong>WoW<\/strong> und Du hast einen ironischen Scherz gemacht!?&#8221;<\/em><br \/>\nNein, ich habe keinen Scherz gemacht.<br \/>\nGamer anderer Sorte k\u00f6nnten einwenden:<br \/>\n<em>&#8220;Dann ist es also eher so ein bisschen wie das erste <strong>Diablo<\/strong>?&#8221;<\/em><br \/>\nEin bisschen vielleicht wie <strong>Diablo<\/strong>, ein bisschen von beidem.<\/p>\n<p>Was bleibt von <strong>WoW<\/strong> denn \u00fcbrig, wenn man tolle Grafik, online, Multiplayer und Quests davon subtrahiert? Was bleibt, ist ein Rollenspiel, das ganz bedeutende Urinstinkte des Menschen anspricht:<br \/>\n1. Jagen und Sammeln<br \/>\n2. Statussteigerung<\/p>\n<p>Das Spiel in seiner derzeitigen Form stammt aus dem Jahre 1996 und braucht &#8211; man halte sich fest &#8211; 3,5 MB Speicherplatz auf der Festplatte.<br \/>\nUnd daf\u00fcr kriegt man eine Art <strong>WoW<\/strong>?<br \/>\nJa klar.<\/p>\n<p>Die Leute, die sich das Spiel ausgedacht haben, waren Tolkienfans. Das zeigt sich nicht nur daran, dass es in der Charaktergenerierung Hochelben und Dunadan gibt, sondern auch an der Geschichte des Spiels: \u00c4ltere Versionen hei\u00dfen zum Beispiel &#8220;<strong>Moria<\/strong>&#8221; und der Dungeon war urspr\u00fcnglich in dem Kontext angesiedelt. Jetzt hei\u00dft die Sache &#8220;<strong>Angband<\/strong>&#8220;, und Angand ist eine Stadt, in der sich der Zugang zu einem unterirdischen Labyrinth (Dungeon) befindet.<\/p>\n<p>In der Stadt selbst gibt es ein Haus, wo der Held (bzw. die Heldin) wohnt, einen Laden f\u00fcr Magier, einen f\u00fcr Priester, zwei f\u00fcr Krieger (Waffen hier und R\u00fcstungen da), einen Alchimieladen, einen Schwarzmarkt und einen Gemischtwarenh\u00e4ndler, den wir fr\u00fcher lieber <em>&#8220;den Kr\u00e4mer&#8221;<\/em> genannt haben.<br \/>\nUnd die H\u00e4ndler sind alle doof. Da findet man im Dungeon z.B. eine Phiole mit einer hellbraunen, klaren Fl\u00fcssigkeit. Der Alchimist bietet einen Standardpreis auf alle nicht weiter untersuchten Tr\u00e4nke und stellt erst NACH dem Kauf fest, um was es sich handelt.<br \/>\n<em>&#8220;Sie einigen sich schnell auf den Preis: 15 GS f\u00fcr den hellbraunen, klaren Trank. Es handelt sich um Apfelsaft. Der H\u00e4ndler beschimpft Sie als Bastard.&#8221;<br \/>\n<\/em>Das machen alle H\u00e4ndler so. Am Anfang kann man so ein paar Kr\u00f6ten verdienen, indem man den H\u00e4ndlern nicht identifizierten Schrott verkauft. Da man dann wei\u00df, welcher Trank was ist, klappt das sp\u00e4ter nicht mehr, und ab einer gewissen Spielstufe tut man besser daran, f\u00fcr 60 GS eine magische Schriftrolle zu kaufen, mit Hilfe derer man Gegenst\u00e4nde identifizieren kann. Zauberst\u00e4be z.B. sind den Einsatz meist wert.<\/p>\n<p>In der Stadt gibt es bissige Hunden und Katzen, die einen ohne Grund anfallen, Diebe und R\u00e4uber, betrunkene Gesellen, unangenehme S\u00f6ldner und den Bauern Maggot, der einem was von seinen entlaufenen Hunden und von Pilzen erz\u00e4hlt. Wirklich reden kann man da mit niemandem. Neben jemandem zu stehen und per Tastendruck auf die Person zu zu steuern, bedeutet, sie anzugreifen. F\u00fcr Kommunikation gibt es keinen &#8220;Startbefehl&#8221;. Und deswegen gibt es auch keine Questen (Aufgaben), die man erf\u00fcllen k\u00f6nnte. Man schnetzelt sich einfach durch den Dungeon. Hm&#8230; das hei\u00dft, die Sache mit Maggot und seinen Hunden k\u00f6nnte eine Aufgabe sein&#8230; wenn ich dann allerdings im Dungeon bin und werde von den beiden Viechern angefallen, dann kriegen die eben kaltes Eisen in die Rippen. Und weil einem der Bauer danach immer noch auf den Keks geht, erschl\u00e4gt man den am besten auch gleich, wenn man mal wieder &#8220;zu Auftanken&#8221; oben ist. Er wandert dann wie alle anderen erschlagenen Dorfbewohner in den &#8220;Kill Score&#8221;, nur um im Laufe einer bestimmten Anzahl von Runden wieder zu erscheinen&#8230;<\/p>\n<p>Ja, hier geht&#8217;s um Runden! Das Spiel ist nur optisch Echtzeit, wie ein Laterna Magica Effekt beinahe. Zeit vergeht nur dann, wenn der Held sich bewegt oder eine Aktion ausf\u00fchrt. H\u00e4lt er still, passiert auch nichts, weder im Guten noch im B\u00f6sen. Man kann also zwischendurch mal l\u00e4nger auf den Pott, wenn&#8217;s sein muss. Beim echten <strong>WoW<\/strong> sollen manche Leute damit ein Problem haben, sagt man.<\/p>\n<p>Aber gut, dann geht man halt da runter, senkrechte Vogelflugperspektive, und t\u00f6tet allerlei Getier, dessen Bezeichnungen ich hier nicht im einzelnen auflisten will. Und warum t\u00f6tet man die alle? Um Erfahrungspunkte zu schaufeln nat\u00fcrlich, mit einem Stufenanstieg die statistischen Werte der Spielfigur in die H\u00f6he zu treiben und noch effektiver Monster zu jagen. Des weiteren findet man in so einem Dungeon auch immer Geld, das man daf\u00fcr aufwendet, immer bessere Austr\u00fcstung zu kaufen. Ich sagte ja: Urinstinkte.<\/p>\n<p>Und so &#8220;manch einer&#8221; traut sich zu weit vor oder l\u00e4uft in eine Falle: Entweder sieht man sich pl\u00f6tzlich Gegnern gegen\u00fcber, die zu gut austeilen, als dass man schnell mit ihnen fertig werden k\u00f6nnte oder aber man trifft an sich l\u00e4cherliche Gegner, die aber in der Lage sind, sich zu vermehren &#8211; wie z.B. &#8220;Riesenl\u00e4use&#8221;. Die sind am fatalsten, wenn man eine fette R\u00fcstung tr\u00e4gt. Schwere R\u00fcstungen machen langsamer, und da sich die Spielgeschwindigkeit aus dem Schnelligkeitsverh\u00e4ltnis von Held und Feind berechnet, kann es halt sein, dass die gro\u00dfe Laus bis zu drei Z\u00fcge machen kann, bevor der Held seinen eigenen Zug zugelassen bekommt.<br \/>\nIn der Praxis dr\u00fcckt sich das so aus:<\/p>\n<p>Der Held betritt einen Raum mit drei schlafenden L\u00e4usen drin.<br \/>\n<em>&#8220;Ha! Nur drei! Und sie schlafen!&#8221;<\/em> sprach&#8217;s und macht einen Schritt.<br \/>\nGro\u00dfe R\u00fcstungen sind aber nicht nur schwer, sondern auch laut.<br \/>\nDie L\u00e4use erwachen.<br \/>\nDer Held macht einen weiteren Schritt in den Raum und auf den Feind zu.<br \/>\nJede Laus macht derweil zwei oder drei Schritte und verdoppelt sich dabei&#8230;<\/p>\n<p>Selbst wenn man dann mit jedem Schlag eine Laus t\u00f6tet, ist man bald von L\u00e4usen umstellt und kann nicht mehr entkommen, weil die L\u00e4use schneller reagieren und die freie Bresche sofort wieder schlie\u00dfen, bevor der ger\u00fcstete aber langsame Held sich auf den rettenden Ausgang zu bewegen kann. Umstellt von neun sich regenerierenden Gegnern, von denen jeder zwei Angriffe aus\u00fcbt f\u00fcr jede einsame Attacke des Helden? Das macht niemand lang mit. Wehe dem, der keine Magie zur Hand hat, sich aus dem t\u00f6dlichen Kreis &#8220;raus zu beamen&#8221;. Dann steht da am Ende ein ASCII Grabstein:<br \/>\n<em>&#8220;Agrimoth&#8221;<br \/>\n&#8220;Zwergenkrieger Stufe 10&#8221;<br \/>\n&#8220;Get\u00f6tet von einer Riesenlaus auf Level 3&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Viel frustrierender ist es allerdings, wenn da nicht steht <em>&#8220;Get\u00f6tet von XYZ&#8221;<\/em>, sondern <em>&#8220;verhungert&#8221;<\/em>.<br \/>\nJa, das geht schnell. Nach einer bestimmten Anzahl von Schritten wird der Held hungrig. Nach einigen (nicht wenigen) weiteren Schritten wird er schwach und f\u00e4llt schon mal in Ohnemacht&#8230; wie kann man bei solch deutlichen Vorboten verhungern? Einfach:<br \/>\nMan st\u00f6\u00dft auf seinem Weg andauernd gegen die Wand. Man bekommt davon keinen Schaden (wie anno dazumal in <strong>&#8220;Dungeon Master&#8221;<\/strong>), aber es erscheint eine kleine Textmeldung oben links: <em>&#8220;Da ist eine Wand im Weg&#8221;<\/em>. Genau dort erscheinen auch andere Textmeldungen, wie <em>&#8220;Sie fallen vor Hunger in Ohnmacht&#8221;<\/em>, in der gleichen Schriftfarbe und ebenso klein. Man achtet wegen des vielen Wandkontakts kaum darauf. Der Hinweis <em>&#8220;Hunger&#8221;<\/em> befindet sich ganz unten links im Bild, in gelb zwar, aber ebenso unauff\u00e4llig weit weg, wenn man sich nicht angew\u00f6hnt, darauf zu achten. Und dann rennt man durch den Dungeon, haut jeden H\u00f6hlenork bereits mit einer geradezu l\u00e4ssigen Ohrfeige aus dem Weg und pl\u00f6tzlich sieht man sich seinem Grabstein gegen\u00fcber: <em>&#8220;&#8230; verhungert&#8221;<\/em>.<\/p>\n<p>Und das Tollste daran ist: Man kann seinen Helden nicht dadurch retten, dass man einen fr\u00fcheren Speicherstand aufruft. Wenn man das Fenster zumacht, wird automatisch gespeichert, und vom &#8220;Friedhof&#8221; aus muss man das Spiel schlie\u00dfen und neu starten, ohne M\u00f6glichkeit, die Option &#8220;\u00d6ffnen&#8221; anzuwenden. Ein toter Held ist ein toter Held, ohne Wiederkehr. Das ist frustrierend.<br \/>\nAndererseits finde ich, dass es auch eine gro\u00dfe Motivation ist. Der S\u00fcchtige vor dem Spielautomaten in der Kneipe verliert auch eine M\u00fcnze nach der anderen, und denkt sich trotzdem <em>&#8220;Einmal muss es klappen!&#8221;<\/em> Als Angband-Spieler denke ich genau so (mittlerweile sind meine Helden nach Nummern benannt, aktuell &#8220;No18&#8221;), und meine Chancen, dass es mal klappt, sind besser als in der Kneipe, denke ich.<\/p>\n<p>Aber was klappt denn da eigentlich potentiell? Gute Frage, denn das Spiel liefert keinerlei Story oder so, aus der man einen Anfang oder ein Ende ersehen k\u00f6nnte. Man ist in der Stadt Angband gefangen und muss schon aus lauter Langeweile in den Dungeon, mit der fadenscheinigen Begr\u00fcndung im Hinterkopf, &#8220;um das B\u00f6se zu besiegen&#8221;. Das Spielkonzept stammt aus guten (?), alten Zeiten, wo das noch ausreichte.<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich ging ich davon aus, dass es sich um ein Endlosspiel handelte, also um unendlich viele Stockwerke, in denen man sich so weit wie m\u00f6glich vork\u00e4mpft, um eine gute Position in der Highscore Liste zu erhalten. Jedes Mal, wenn man den Dungeon betritt oder ein Stockwerk wechselt, bekommt man vom Generator eine v\u00f6llig neue Karte. Auch bei einem eher d\u00fcmmlichen Spiel wie <strong>Diablo<\/strong>, das bei jedem Spielstart den Dungeon anders aufbaut, blieben die Baupl\u00e4ne w\u00e4hrend des Spiels doch gleich. Nicht so bei <strong>Angband<\/strong>. Die Chancen, das selbe Stockwerk noch einmal zu spielen, sind gleich Null. Auch auf dem R\u00fcckweg. Das Portal von Angband ist eine multidimensionale Angelegenheit.<\/p>\n<p>Auf einem Umweg habe ich erfahren, dass das Spiel in der Tat ein Ende hat.<br \/>\nDer Magieshop bietet einen Spruch an, der hei\u00dft <strong>&#8220;Level Teleportation&#8221;<\/strong>, und in der aufrufbaren Erl\u00e4uterung ist in etwa folgendes zu lesen:<br \/>\n<em>&#8220;Level Teleportation bringt sie einen Level nach oben oder nach unten. Von der Stadt aus k\u00f6nnen Sie nur nach unten teleportieren. Vom Level 99 aus k\u00f6nnen Sie nur dann nach unten teleportieren, wenn Sauron besiegt wurde. Vom Level 100 aus k\u00f6nnen sie nur dann nach unten teleportieren, wenn Morgoth besiegt wurde.&#8221;<\/em><\/p>\n<p>AHA!<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich frage ich mich, was man denn nach Morgoth, dem b\u00f6sen Gott, von dem alles \u00dcbel ausging, m\u00f6glicherweise noch folgen kann? Vielleicht finde ich es irgendwann heraus.<\/p>\n<p>Das Spiel kann man kostenlos und unverbindlich runterladen von<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.thangorodrim.net\/\">http:\/\/www.thangorodrim.net\/<\/a>.<\/p>\n<p>Von Angband gibt es mittlerweile eine Menge Spinoffs&#8230;<br \/>\nunter anderem &#8220;<strong>Animeband<\/strong>&#8220;.<br \/>\nBin mal gespannt, was da so l\u00e4uft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beziehungsweise: f\u00fcr Bescheidene. Sowas spiele ich derzeit. Nat\u00fcrlich hei\u00dft das Machwerk nicht &#8220;World of Warcraft&#8220;, sondern anders, n\u00e4mlich &#8220;Angband&#8220;. Aber es ist genauso wie WoW. 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