{"id":129,"date":"2008-02-09T23:01:09","date_gmt":"2008-02-09T22:01:09","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=129"},"modified":"2017-10-22T13:17:13","modified_gmt":"2017-10-22T11:17:13","slug":"begegnungen-der-renommierte-kaufmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=129","title":{"rendered":"Begegnungen &#8211; Der renommierte Kaufmann"},"content":{"rendered":"<p>Ich muss hier zwei unabh\u00e4ngige Begebenheiten zusammenfassen, weil sie in die gleiche Kategorie passen und so sch\u00f6n zu erz\u00e4hlen sind &#8211; von einem gewissen (wissenden) Standpunkt aus zumindest.<\/p>\n<p>Da war eine Frau bei uns, man sah ihr einen gewissen Wohlstand an, die wollte einen Teppich bewertet haben. Immerhin fiel sie dabei nicht so tief, denn sie hatte ihn bei e-Bay gekauft, und immerhin f\u00fcr nur 50 E. Da das, was sie empfangen hatte, nicht so aussah, wie das, was der Verk\u00e4ufer per Foto angepriesen hatte, war sie zu uns gekommen.\u00a0 Der Teppich hatte keine Flecken &#8211; er war ein einziger gr\u00e4ulicher Fleck, unter dem man gerade noch erkennen konnte, dass er eigentlich gro\u00dfteils wei\u00df sein sollte. Ich glaube, es war ein Ghoum mit Jagdszenen. Die Kundin glaubte, Rotweinflecken sehen zu k\u00f6nnen, dies konnte aber nicht best\u00e4tigt werden.<\/p>\n<p>Der Knackpunkt, anhand dessen sie den Verk\u00e4ufer belangen wollte, war allerdings, dass dieser angegeben hatte, es handele sich bei dem St\u00fcck um Handarbeit. Die Chefin besah sich daraufhin das Grundgewebe von unten und von oben an und stellte lapidar fest, dass es sich um einen maschinell hergestellten Teppich handelte. Und auch ein Laie wie ich konnte sich beim Bef\u00fchlen des Flors des Eindrucks nicht erwehren, dass es sich um chemisch behandelte Wolle handelte, die zwar anfangs flauschig weich ist, wegen des fehlenden nat\u00fcrlichen Wollfetts nach wenigen Jahren rau und br\u00fcchig werden w\u00fcrde. Das bedeutet, der Teppich wird immer st\u00e4rker fusseln und eher fr\u00fcher als sp\u00e4ter durchgelatscht sein.<\/p>\n<p>Die Kundin bekam es jedenfalls offiziell und schriftlich, dass sie vom Verk\u00e4ufer betrogen worden war und gedachte, diese Blitz-Expertise ihrer Beschwerde hinzuzuf\u00fcgen. Wertvoll blieb allein der Hinweis, dass man niemals nie Teppiche auf e-Bay kaufen sollte, schon gar keine g\u00fcnstigen.<br \/>\n<em>&#8220;Dabei handelt es sich in der Regel um Ramsch, der von Privatverk\u00e4ufern quasi vom Sperrm\u00fcll geholt und ein bisschen aufgepeppt wurde, und wenn es kommerzielle Anbieter sind, handelt es sich in 95 % der F\u00e4lle um nicht minder wertlosen Ramsch, der seit sechzig Jahren im Hamburger Hafen im Lager rumliegt, weil niemand, der ernsthaft Interesse an Teppichen hat, diesen Mist kaufen w\u00fcrde.&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Viel lustiger eigentlich war aber der im Titel angegebene renommierte Kaufmann.<br \/>\nLustig ist die Begebenheit, wie man erahnen kann, wegen einer nicht zu leugnenden aufkommenden Schadenfreude, die dadurch verst\u00e4rkt wird, dass es sich bei dem renommierten Kaufmann um den angesehensten (und in seinem Fach wohl durchaus kompetenten) Juwelier der Stadt handelt.<\/p>\n<p>Jener Herr kam also in den Laden und machte sofort einen hochmotivierten Eindruck, und der Teppich, den er unter dem Arm trug, schien damit zu tun zu haben. Er erz\u00e4hlte, er habe vor wenigen Tagen eine Gesch\u00e4ftsreise in den Fernen Osten unternommen und sei dabei mit mongolischen Teppichh\u00e4ndlern zusammengetroffen, von denen er ein hervorragendes St\u00fcck erworben habe, f\u00fcr nur 150 E pro Quadratmeter, und nun wolle er die Chefin f\u00fcr eine Kooperation begeistern.<\/p>\n<p>Das am\u00fcsierte L\u00e4cheln im Mundwinkel der Chefin konnte mir nicht entgehen, und das, nachdem sie nur einen kurzen Blick auf das &#8220;Sample&#8221; geworfen hatte. Es handelte sich, wie im Falle der beschriebenen Dame,\u00a0 um eine maschinell hergestellte und chemisch auf Glanz optimierte Kopie eines persischen Teppichs, Marktwert: 0. In Buchstaben: Null.<br \/>\n(Man nennt diese Teppiche im Fachjargon \u00fcbrigens &#8220;Blender&#8221;.)<\/p>\n<p>Dem Herrn Juwelier fiel die Kinnlade. Er hatte drei St\u00fccke gekauft.<br \/>\n<em>&#8220;Zu diesem Preis ein Original zu bekommen, das auch einen Wiederverkaufswert hat, ist eine Utopie. Sehen Sie, wenn ich in den Orient fahre, um Teppiche zu kaufen, sehe ich in den Basaren eine Menge verlockend aussehenden Schmuck. Aber ich kaufe nichts davon, weil ich von Schmuck keine Ahnung habe; das wiederum ist <strong>Ihr<\/strong> Gesch\u00e4ft.&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Der Herr Kaufmann packte den mitgebrachten Teppich mit zerknirschtem Gesicht in seinen Kofferraum. Damit werde er sich den Boden seiner Garage auslegen, sagte er.<\/p>\n<p>Vielleicht sollten sich die beiden mal zu einer gemeinsamen Gesch\u00e4ftsreise koordinieren?<br \/>\nDas zu einem schelmischen Grinsen ausgewachsene am\u00fcsierte L\u00e4cheln wollte jedenfalls bis zum Abend nicht aus ihrem Gesicht weichen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich muss hier zwei unabh\u00e4ngige Begebenheiten zusammenfassen, weil sie in die gleiche Kategorie passen und so sch\u00f6n zu erz\u00e4hlen sind &#8211; von einem gewissen (wissenden) Standpunkt aus zumindest. 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