{"id":1247,"date":"2010-08-23T12:42:39","date_gmt":"2010-08-23T10:42:39","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1247"},"modified":"2013-01-13T17:11:22","modified_gmt":"2013-01-13T16:11:22","slug":"eiserne-herzen-23","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1247","title":{"rendered":"Eiserne Herzen (2\/3)"},"content":{"rendered":"<p>Der Plan meines zweiten Spielversuchs mit der Sowjetunion war wie folgt:<br \/>\n&#8211; Offensives Vorgehen gegen Japan, dabei grobe Wiederholung des Verfahrens aus dem vergangenen Spiel.<br \/>\n&#8211; Defensives Vorgehen im Westen unter maximaler Ausnutzung der vermuteten Vorbereitungszeit.<br \/>\n&#8211; Offensive im Westen nach Bereitstellung der im Osten nach dem Sieg \u00fcber Japan frei gewordenen Divisionen.<\/p>\n<p>Es gibt viele Festungswerke auf dem Spielplan, aber nur eines (auf zwei Provinzen verteilt), dessen Wert das Maximum von 10 betr\u00e4gt: Die Maginot-Linie\u2026 an der l\u00e4cherlich kurzen deutschen Westgrenze. Ich nehme ein Titanenwerk in Angriff: Unter Entbl\u00f6\u00dfung der westlichsten Provinzen entsteht eine Festungslinie von Polotsk \u00fcber Smolensk bis nach Cherson am Schwarzen Meer, das hei\u00dft im Norden entlang der D\u00fcna, dann dem Dnjepr folgend bis zu seiner M\u00fcndung, insgesamt knapp 1500 km. Auf dieser Linie graben sich etwa 170 sowjetische Divisionen ein. Das bedeutet, abgesehen von der Provinz Smolensk genie\u00dft die Rote Armee einen dreifachen Verteidigungsbonus, weil sie hinter einem Fluss liegen (+10), weil sie eingegraben sind (+10), und weil sie in den dicksten Bunkern der Welt sitzen (noch mal +10). Die Deutschen d\u00fcrfen kommen, aber erst sind die Japaner dran. Und f\u00fcr den Zeitpunkt, zu dem die erledigt sind, tritt der n\u00e4chste Bauplan in Kraft: Der Ausbau des Verkehrsnetzes in allen Provinzen, die in einer Reihe zwischen der Westgrenze der Mongolei und dem Dnjepr liegen, damit die im Osten freigewordenen Divisionen auch schnell an die Westfront kommen. Der Spa\u00df beginnt.<\/p>\n<p>Im September 1939 greifen die Deutschen Polen an und werden spielend mit denen fertig. Wenig sp\u00e4ter folgt Skandinavien und Frankreich, und ich spiele mit dem Gedanken, den Deutschen in den R\u00fccken zu fallen, w\u00e4hrend ihre Divisionen in Frankreich gebunden sind. Aber eigentlich habe ich ja ein ganz anderes Experiment vor.<\/p>\n<p>Ich beteilige mich nicht an der polnischen Teilung und bleibe den Finnen gegen\u00fcber friedlich. Stalin wollte von denen ja einige Landstreifen im Vorfeld von Leningrad zur Verbesserung der \u201enationalen Sicherheit\u201c \u2013 die Finnen lehnten ab, Stalin st\u00fcrzte sich in den katastrophalen Winterkrieg von 1939, und die Finnen reagierten mit dem einzigartigen Ereignis, dass sich eine Demokratie mit einer Diktatur verb\u00fcndete. Aber ich wollte Ruhe im Norden, w\u00e4hlte unter den angebotenen Optionen also <em>\u201eNichts tun\u201c<\/em> anstatt <em>\u201ePressebehauptungen\u201c<\/em>.<br \/>\nDas ist so ein Wort, an dem sich die Amateurhaftigkeit der \u00dcbersetzung offenbart. Denn was hatte die Presse damit zu tun? Nichts nat\u00fcrlich. \u00dcbersetzen wir \u201ePressebehauptungen\u201c zur\u00fcck ins Englische, wo der Text einmal herkam, dann lesen wir \u201epress claims\u201c \u2013 bimmelt da ein Gl\u00f6ckchen? Oder doch gleich der ganze K\u00f6lner Dom?<\/p>\n<p>Zu guter Letzt habe ich im Laufe der Jahre die deutsche Regierung immer wieder beeinflusst \u2013 eine ganz normale politische Option. Man zahlt einen Obolus und die Beziehungen zum Zielstaat verbessern sich mehr oder weniger gut. Handelt es sich um einen relativ wirtschaftsschwachen Staat, kann man diesen auch mit gro\u00dfem oder sehr gro\u00dfem Erfolg beeinflussen. Dies hat zur Folge, dass sich dessen Regierungssystem in einem Punkt auf die eigene Linie zu bewegt. Macht man das mehrfach, kann man den Zielstaat politisch v\u00f6llig angleichen. Da Deutschland aber \u00fcber ein gewisses wirtschaftliches Niveau verf\u00fcgt, gelang mir das nicht. Aber immerhin konnte ich die Beziehungen bis auf das Maximum von +200 heben. Nutzt aber nichts. 1941 kommen sie dennoch.<br \/>\nAbgesehen von meiner besonnenen Au\u00dfenpolitik habe ich auch auf die S\u00e4uberungen von 1937 verzichtet, was mir einen ausreichend gro\u00dfen Kreis von Gener\u00e4len bescherte.<\/p>\n<p>Sehen wir, was im Osten l\u00e4uft, w\u00e4hrend noch Bunker und Stra\u00dfen gebaut werden.<br \/>\nZuerst garantiere ich die Unabh\u00e4ngigkeit Nationalchinas \u2013 das gibt mir einen Kriegsgrund, sobald die Japaner mit dem S\u00e4bel rasseln. Verb\u00fcnden wollen sich die Jungs ja nicht, die ideologischen Unterschiede sind dann wohl doch zu gro\u00df. Erkl\u00e4rt man einfach so jemandem den Krieg, steigt die nationale Unruhe zu sehr, was die Wirtschaftsleistung negativ beeinflusst. Es ist immer besser, einen plausiblen Grund in den Zeitungen ver\u00f6ffentlichen zu k\u00f6nnen, also: So wie ein Hund an Laternenpf\u00e4hle pinkelt, garantiert ein Staat die  Unabh\u00e4ngigkeit eines anderen &#8211; dann kann guten Gewissens man auf die Pauke hauen, sobald einer im abgesteckten Revier rumstrolcht.<br \/>\nSp\u00e4testens 1938 marschieren die Japaner auf Peking, und die Mandschurei hinterdrein. Also erkl\u00e4re ich beiden den Krieg und \u00fcberrolle den Marionettenstaat binnen weniger Wochen, und noch ein wenig sp\u00e4ter ist Korea sowjetisch rot. Wie \u00fcblich ist kurz hinter der chinesischen Grenze Schluss mit dem Vormarsch, weil die Versorgung dort aufh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Der Flottenbau l\u00e4uft auch wieder auf Hochtouren, um viele, viele m\u00f6glichst moderne U-Boote zu produzieren, damit diese die japanische Flotte aus dem Pazifik fegen. Anders als im letzten Versuch fasse ich diesmal alle Ressourcen in einer m\u00f6glichst gro\u00dfen Flotte zusammen. Die Pazifikschlacht zieht sich \u00fcber Monate dahin, und am Ende ist die Kaiserliche Flotte vernichtet, w\u00e4hrend ich nicht mehr als zehn Boote verloren habe. Dann lande ich wieder in Fukuoka und Kanazawa, erobere Japan und danach eine Reihe von Inseln, Okinawa, Taiwan, Hainan. Irgendwann Ende 1942 greifen die ziemlich flottenlosen Japaner Pearl Harbor an, und ein knappes Jahr sp\u00e4ter ergeben sie sich den Amerikanern und werden deren Marionettenstaat. Diesmal darf ich meine Eroberungen in Japan allerdings behalten \u2013 m\u00f6glicherweise ein Programmfehler. Im Herbst 43 machen sich also der Gro\u00dfteil der 60 ostasiatischen Divisionen auf den Weg nach Westen, um an der Westfront die Offensive einzul\u00e4uten. Wenn man einer Armee, die in Mukden stationiert ist, den Befehl gibt, nach Sewastopol zu verlegen, dann wird die \u00fcbrigens einen ganz anderen Weg w\u00e4hlen, als den k\u00fcrzesten, oder den am besten ausgebauten. Niemand wei\u00df warum. Ich lotse die Jungs also von einem Autobahnabschnitt zum n\u00e4chsten, aber f\u00fcr ein irgendwann vielleicht zu machendes, weiteres UdSSR-Spiel wei\u00df ich, dass man anfangs einer Truppe einen Marschbefehl nach Sewastopol gibt und sich beim Stra\u00dfenbau auf die Provinzen konzentriert, die dabei als Marschweg angezeigt werden. Das spart auf jeden Fall Zeit, die man in Befehle investieren m\u00fcsste.<\/p>\n<p>Im Westen waren jedenfalls im Herbst 1941 die Deutschen in der UdSSR einmarschiert, trotz eines blendend guten politischen Verh\u00e4ltnisses. Was einem ein gutes Verh\u00e4ltnis zu seinen Nachbarn bringt, muss mir \u00fcberhaupt erst mal einer erkl\u00e4ren. Es bringt weder Handelsvorteile noch macht es die Beteiligten geneigter, sich an einem milit\u00e4rischen B\u00fcndnis zu beteiligen.<br \/>\nWie dem auch sei, die Verb\u00e4nde der Wehrmacht m\u00f6gen sich gewundert haben, warum sie auf keinen Widerstand stie\u00dfen und man sie einfach so ins Land lie\u00df. Es gab dort nichts mehr zu holen. Die Industrieanlagen waren bereits nach Osten verlegt worden.<br \/>\nDann trafen 180 deutsche Divisionen auf D\u00fcna und Dnjepr. Und nichts geschah. Die besahen sich, was sich ihnen da f\u00fcr ein Anblick bot \u2013 ein Festungswerk neben dem anderen am gegen\u00fcberliegenden Ufer \u2013 und blieben, wo sie waren. In den kommenden zwei Jahren wurde kein einziges Gefecht gef\u00fchrt, die Befestigungen waren scheinbar zu Respekt einfl\u00f6\u00dfend. Sitzkrieg an der Ostfront, wer h\u00e4tte das gedacht.<\/p>\n<p>Ende 1943, die rum\u00e4nische Marine war bereits aus dem Schwarzen Meer vertrieben worden, trafen dann f\u00fcnf der sechs sowjetischen Fernostarmeen im S\u00fcdabschnitt ein, vier Armeen zu je neun Divisionen, eine Armee zu zw\u00f6lf Divisionen. Eine Armee verblieb in Asien, und hielt ein wachsames Auge auf den Chinesen. Auch an der rum\u00e4nischen K\u00fcste gab es interessanterweise unverteidigte Str\u00e4nde, also landete eine Armee dort, wartete auf die n\u00e4chste, baute den Br\u00fcckenkopf aus, und so weiter, bis alle Fernostdivisionen angelandet waren. Die Karpaten bereiteten ein paar Schwierigkeiten, aber im Fr\u00fchsommer 44 war Rum\u00e4nien geschlagen und die Achsentruppen waren daraufhin nur noch damit besch\u00e4ftigt, nach Westen zu rennen. Die rote Armee stie\u00df nach Prag vor, dann wurde die Front von S\u00fcden nach Norden aufgerollt, dutzende deutsche Divisionen wurden dabei in gigantischen Kesseln von der Gr\u00f6\u00dfe Jugoslawiens vernichtet, etwa die H\u00e4lfte von denen, die die Ostfront einmal gebildet hatten. Die Rote Armee schwemmte auf dem Weg nach Westen alles weg. Einzig die Ostsee konnte ich nicht sichern \u2013 die deutsche Kriegsmarine war aus einem anderen Holz geschnitzt als ihr japanisches Pendant. Die modernen deutschen Zerst\u00f6rer erwiesen sich meinen U-Booten als gewachsen, also blieben die im Kronst\u00e4dter Hafen und \u00fcberlie\u00dfen die Sache dem Heer. Und als die Rote Armee dann auf der Linie Freiburg-Stuttgart-Frankfurt-Hamburg stand, kapitulierten die Deutschen \u2013 worauf interessanterweise die Amerikaner das \u00fcbernahmen, was \u00fcbrig war und armeeweise Soldaten importierten. Lustig dabei war \u00fcbrigens, auf welche Art und Weise die Luxemburger (Luxemburg besteht spieltechnisch urspr\u00fcnglich nur aus der Provinz Luxemburg) von dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches profitierten: Sie erhielten die Provinzen Arlons und Reims zugesprochen!<br \/>\nDa das Risiko bestand, dass die USA mich pr\u00e4ventiv angreifen w\u00fcrden, musste ich eine Wache zur\u00fccklassen, als die anderen nach S\u00fcden abdrehten, um den Italienern den Garaus zu machen. Aber auch in Italien war ich nicht schnell genug: In der Toskana angekommen, geschieht ein kleines Wunder \u2013 die Amerikaner landen in Italien! Das hatten sie sich in den letzten Jahren scheinbar nicht getraut. Ich kam, als ich sah, dass er siegte, oder was? Die Italiener ergeben sich jedenfalls den Amerikanern, die besetzen schnell die s\u00fcdlichen zwei Drittel. Immerhin habe ich die H\u00e4fen Genua und Venedig. Und ich kann mich meinem n\u00e4chsten Ziel zuwenden\u2026 haben sich nicht auch in Spanien die Faschisten eingenistet?<\/p>\n<p>Nach ein paar wenigen Monaten Mittelmeerkrieg erfolgt die Landung in Spanien, und wenn wir schon mal dabei sind, nehmen wir Portugal gleich mit. Man kann Staaten annektieren, wenn man alle Heimatprovinzen erobert hat, und Kolonien z\u00e4hlen nicht dazu. Ergibt sich der Staat, fallen auch die Kolonien an den Sieger. Die Sowjetunion hat nun also ein festes Standbein in Afrika.<\/p>\n<p>Das Spiel geht jeweils erst am 30. Dezember 1947 zu Ende, bis dahin waren es noch mehr als zwei Jahre \u2013 was tun? Die Rote Armee beginnt ihre kleine Welttour durch alle Staaten, die keine milit\u00e4rischen Verb\u00fcndeten haben: Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, T\u00fcrkei, Persien, Afghanistan, Pakistan \u2013 Indien. Die Inder sind in der Tat von den Briten in die Unabh\u00e4ngigkeit entlassen worden, aber ein B\u00fcndnis haben sie nicht.<br \/>\nW\u00e4hrend Indien in den letzten Zuckungen liegt, tun mir die Nationalchinesen einen Gefallen: Sie greifen meine verbliebene Armee an der mandschurischen Grenze an. Diese eine Armee ist s\u00e4mtlichen chinesischen Truppen mehr als gewachsen, also soll sie den Angriff zun\u00e4chst aufhalten. Ich wollte dann von Bangladesh aus in das chinesisch besetzte Tibet einfallen, aber das ging nicht, weil die Gebirgsp\u00e4sse unpassierbar sind. Es gibt keine Landverbindung dorthin durch den Himalaya. Also: Alle Truppen einschiffen und in Dalian anlanden, und dann wurde mit den Chinesen der Boden aufgewischt. Leider erwischte mich das Spielende, bevor ich auch noch in Chunking einmarschieren konnte.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend dieser Zeit schritt die Modernisierung meiner Truppen nat\u00fcrlich fort: Ich kann auf Interkontinentalraketen und Turbojetbomber umsteigen. Warum allerdings Fliegergeschwader sogar problemlos von Propeller auf Jet umger\u00fcstet werden k\u00f6nnen, w\u00e4hrend jegliche Marineeinheiten nach einer Modernisierung v\u00f6llig neu gebaut werden m\u00fcssen, bleibt fraglich.<br \/>\nAber strategische Jetbomber sind ungeheuer effektiv: Sechs Geschwader davon machen jeden Flug- und jeden Seehafen nieder, und erreichen von der Insel Hainan aus auch jeden chinesischen Winkel.<br \/>\nEs ist vorteilhaft, feindliche Flugh\u00e4fen zu zerst\u00f6ren, weil dann keine Abfangj\u00e4ger st\u00f6ren.<br \/>\nWenig Sinn macht es, Industrieanlagen anzugreifen: Nat\u00fcrlich senkt man dadurch die feindliche Rohstoffproduktion, macht gegebenenfalls Handelsabkommen zunichte, senkt dessen IK (Industriekapazit\u00e4t), und erschwert dadurch die Versorgung der Truppen, aber das Problem ist die unglaubliche Wiederaufbauleistung des Spiels. Auch eine auf Null reduzierte Kapazit\u00e4t wird nach zwei oder drei Wochen wieder voll funktionsf\u00e4hig sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Plan meines zweiten Spielversuchs mit der Sowjetunion war wie folgt: &#8211; Offensives Vorgehen gegen Japan, dabei grobe Wiederholung des Verfahrens aus dem vergangenen Spiel. &#8211; Defensives Vorgehen im Westen unter maximaler Ausnutzung der vermuteten Vorbereitungszeit. &#8211; Offensive im Westen nach Bereitstellung der im Osten nach dem Sieg \u00fcber Japan frei gewordenen Divisionen. 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