{"id":118,"date":"2008-01-14T15:13:19","date_gmt":"2008-01-14T14:13:19","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=118"},"modified":"2009-09-25T11:44:22","modified_gmt":"2009-09-25T09:44:22","slug":"die-stixi-achse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=118","title":{"rendered":"Die Stixi-Achse"},"content":{"rendered":"<p><em>&#8220;Deutschland und Japan im Zweiten Weltkrieg&#8221;<\/em> lautet der Titel eines Buches, das man mir zu Weihnachten geschenkt hat, und angesichts der Vertiefung meines Kenntnisstandes zum Thema &#8220;Dreierpakt&#8221;, bzw. &#8220;Achse Berlin-Rom-Tokio&#8221;, f\u00fchle ich mich extrem dankbar daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Seit Weihnachten habe ich das Buch st\u00fcckweise w\u00e4hrend meiner Zug- und Busfahrten gelesen und verwunderliche Dinge entdeckt.<\/p>\n<p>Dass die Achsenm\u00e4chte keine gemeinsame Kriegsf\u00fchrung hatten, wie das bei den Alliierten der Fall war, war mir ja bekannt, dass die militarische Zusammenarbeit minimal war, wusste ich ebenfalls, oder ich glaubte es zu wissen, denn dass eine milit\u00e4rische Zusammenarbeit \u00fcberhaupt nicht gegeben war, das wusste ich nicht.<\/p>\n<p>Die politischen Ziele Deutschlands und Japans waren von vorneherein viel zu verschieden, als dass ein Vertrag wie der so genannte &#8220;Dreim\u00e4chtepakt&#8221; das Papier wert gewesen w\u00e4re, auf dem er gedruckt war. Die Deutschen wollten Lebensraum im Osten, das hei\u00dft Kolonialisierung durch Vernichtung der slawischen Bev\u00f6lkerung, w\u00e4hrend die Japaner, brutal wie sie dabei waren, ihre &#8220;Gro\u00dfoastasiatische Wohlstandssph\u00e4re&#8221; errichten wollten. Ein kaum weniger rassistisches Konzept, mit dem man Asien von den Wei\u00dfen befreien wollte. Die betroffenen V\u00f6lker w\u00fcrden dann zwar asiatische statt europ\u00e4ische Herren haben, aber immerhin war keine ethnische Gruppe per se zur Vernichtung vorgesehen.<\/p>\n<p>In Deutschland regierte Hitler alleine und f\u00fcr den war von Anfang an klar, dass der Hauptfeind die Sowjetunion war. In Japan herrschte eine autorit\u00e4re Oligarchie, das hei\u00dft, es waren mehrere Meinungen zur Diskussion vertreten, wenn man diese auch auf die Rivalit\u00e4t von Heer und Marine polarisieren kann. Das Kaiserreich war wohl der Antikomintern beigetreten, aber nach zwei relativ kleinen Gefechten mit der Roten Armee, bei denen das japanische Heer etwa eine Division einb\u00fc\u00dfte, setzte sich die Marine mit ihrem Plan von der S\u00fcdexpansion durch, obwohl im Fernen Osten anno 1941 ein Truppenverh\u00e4ltnis gegeben war, das es den Japanern erlaubt h\u00e4tte, die Sowjets einfach von der Landkarte zu fegen.<\/p>\n<p>Das japanische Heer war bis 1943 immer noch daran interessiert, den sowjetischen Fernen Osten anzugreifen, aber nicht nur die eigene Marine verhinderte solche Pl\u00e4ne, sondern auch der alleinige Entscheidungstr\u00e4ger strategischer Fragen bei den Deutschen: Hitler war ausgesprochen gegen ein japanisches Eingreifen gegen die UdSSR. Die Wehrmacht werde das alleine schaffen, davon war nicht nur Hitler, sondern auch der Wehrmachtsf\u00fchrungsstab \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>Die deutsche Seekriegsleitung auf der anderen Seite  bef\u00fcrwortete ein gemeinsam koordiniertes Vorgehen auf den Weltmeeren, aber da hatten die japanischen Admirale was dagegen. Die Kombinierte Flotte w\u00fcrde das alleine schaffen. Sie wurden erst nach der Midway-Schlacht vom Juni 1942 und dem Totalverlust von vier Flugzeugtr\u00e4gern kleinlauter &#8211; aber nicht kooperationsbereiter. Entgegen dem Anliegen der deutschen Marine zeigte man in Tokio kein Interesse an einem Tonnagekrieg, sondern zog es weiter vor, U-Boote ausschlie\u00dflich gegen Kampfschiffe einzusetzen, anstatt gegen Versorgungs- und Transportschiffe. Dass die st\u00e4rkste Tr\u00e4gerflotte machtlos ist, wenn man ihre Tankschiffe versenkt, ist der Admiralit\u00e4t offenbar nie in den Sinn gekommen.<br \/>\nWarum? Auch diese Frage bleibt bislang unbeantwortet. Ich pers\u00f6nlich glaube nicht, dass es mit dem Bushid\u00f4, der Kriegerehre, zusammenhing, daf\u00fcr habe ich Japaner als zu pragmatisch kennen gelernt.<\/p>\n<p>Gleichzeitig versuchten die Japaner immer wieder, im Krieg zwischen dem Dritten Reich und der Sowjetunion zu vermitteln, was der Deutsche nat\u00fcrlich aus ideologischen Gr\u00fcnden ablehnte. Erst, als der Hammer l\u00e4ngst gefallen war, 1944, ging man ernsthafter an ein gemeinsames Wirken heran. Aber zu diesem Zeitpunkt allerdings waren die bislang strittigen Punkte zwischen Stalin, Roosevelt und Churchill beigelegt, und Stalin hatte sich nicht nur der Forderung nach bedingungsloser Kapitulation angeschlossen, sondern sich auch bereit erkl\u00e4rt, drei Monate nach Ende der Kampfhandlungen in Europa gegen Japan in der Mandschurei loszuschlagen. Dabei gibt es Anzeichen, dass bei entsprechendem deutschen Willen noch 1943 ein Sonderfrieden mit den Sowjets realisierbar gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Alle beteiligten Seiten sahen im Dreim\u00e4chtepakt nur ein propagandistisches Mittel. Vielleicht haben sich die Italiener mehr davon erhofft, aber deren politischer Einfluss war zusammen mit ihrem milit\u00e4rischen in Afrika dahingeschmolzen. Die Hauptverb\u00fcndeten, will man sie \u00fcberhaupt so nennen, hatten jedoch viel zu verschiedene Ziele vor Augen, als dass eine Zusammenarbeit fruchtbar h\u00e4tte sein k\u00f6nnen. Im Extremfall, wenn die politischen Man\u00f6ver der Deutschen einerseits und der Japaner andererseits aufgegangen w\u00e4ren, h\u00e4tte sich eine Konstellation gebildet, in der Deutschland zusammen mit Briten und Amerikanern gegen Sowjets und Japaner gek\u00e4mpft h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Dieses interessante Szenario hat sogar einen realen Aufh\u00e4nger. Und dieser Aufh\u00e4nger ist das, was ich in dem Buch vermisse. Denn wie kann man die Entwicklungen der Beziehungen Japans und Deutschlands im Zweiten Weltkrieg aufzeigen, ohne im Einleitungskapitel darauf hinzuweisen, dass es eine offizielle Milit\u00e4rmission des Dritten Reiches gab, die sich zur Beratung und Ausbildung der Truppen Chiang Kai-sheks in China aufhielt? Dazu noch zeitweise unter F\u00fchrung des ehemaligen Chefs der Heeresleitung Hans von Seeckt, also niemand unwichtigem eigentlich. Erst 1938 wurde das Unternehmen eingestellt. Man wandte sich den Japanern zu, lie\u00df die Chinesen fallen und schnitt sich damit von einer bedeutenden Rohstoffquelle ab.<br \/>\nIrgendwo wird in einem Nebensatz erw\u00e4hnt, dass der deutsche Generalstab traditionell gute Beziehungen nach China gehabt habe, aber das war&#8217;s dann auch. Dieses Thema wird generell unter den Teppich gekehrt oder ignoriert, es gibt nur wenige Publikationen dazu.<\/p>\n<p>Der Artikel bei <a title=\"Feldgrau\" href=\"http:\/\/www.feldgrau.com\/articles.php?ID=11\" target=\"_blank\"><strong>Feldgrau<\/strong><\/a> st\u00fctzt sich auf ein halbes Dutzend, von daher stammt mein Wissenstand, nachdem ich in den TIME LIFE Videos <em>&#8220;Das Jahrhundert der Kriege&#8221;<\/em> ganz baff Chinesen unter dem Kommando Chiang Kai-sheks in Wehrmachtsgrau sehen konnte, ohne dass der Kommentator darauf irgendwie einging. Und dann dauerte es bis Winter 2003, bis ich zuf\u00e4llig \u00fcber die oben genannte Webseite <em>&#8220;Feldgrau&#8221;<\/em> stolperte, denn trotz meiner mehr oder minder regelm\u00e4\u00dfigen Begutachtung entsprechender Literatur in den Auslagen von Buchl\u00e4den habe ich nie etwas dar\u00fcber in gedruckter Form gesehen.<\/p>\n<p>Ein interessantes Szenario f\u00fcr Alternativhistoriker?<\/p>\n<p>Japan mit der UdSSR gegen die USA und Gro\u00dfbritannien.<br \/>\nDie USA in Asien mit Deutschland gegen Japan.<br \/>\nDeutschland h\u00e4lt Westeuropa gegen die Briten und bindet die Sowjets  auf der Linie Murmansk-Sewastopol.<\/p>\n<p>Hm&#8230; <em>&#8220;Axis &amp; Allies&#8221;<\/em> braucht ganz dringend einen flexiblen Editor f\u00fcr geostrategische Szenarien. \ud83d\ude42<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Deutschland und Japan im Zweiten Weltkrieg&#8221; lautet der Titel eines Buches, das man mir zu Weihnachten geschenkt hat, und angesichts der Vertiefung meines Kenntnisstandes zum Thema &#8220;Dreierpakt&#8221;, bzw. &#8220;Achse Berlin-Rom-Tokio&#8221;, f\u00fchle ich mich extrem dankbar daf\u00fcr. 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