{"id":1074,"date":"2010-06-11T15:34:48","date_gmt":"2010-06-11T13:34:48","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1074"},"modified":"2017-10-22T12:44:57","modified_gmt":"2017-10-22T10:44:57","slug":"der-marathon-geht-weiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1074","title":{"rendered":"Der Marathon geht weiter"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin noch da. Das wissen die meisten meiner Abonnenten nat\u00fcrlich auch so, aber vielleicht schreibe ich mal was f\u00fcr zwischendurch?<\/p>\n<p>Am 31. Mai habe ich mein m\u00fcndliches Examen in der Anglistik bestanden, was ich zwei Wochen davor noch f\u00fcr unm\u00f6glich gehalten hatte. Denn zum einen bin ich drei Wochen mit der Arbeit hinterher, die sich immer wieder verz\u00f6gerte, weil ich den Bettelkram einfach nicht mehr sehen konnte, aber auch die Tatsache, dass ich mindestens zwei Tage der Woche zum Bestreiten meines Lebensunterhalts brauche, spielt da eine gewisse Rolle. Aber zum ersten Mal seit Jahren habe ich das Gef\u00fchl, dass das Gesamtunternehmen &#8220;Hochschulabschluss&#8221; irgendwie zu machen ist.<\/p>\n<p>Gedacht war eigentlich, Anfang Mai bereits mit den Vorbereitungen f\u00fcr das Examen in der Japanologie zu beginnen, aber so wie es gelaufen ist, musste ich meinen Pr\u00fcfungstermin in der Anglistik vom 21. auf den 31. Mai verschieben, weil ich sonst nicht fertig geworden w\u00e4re. Das ist dann auch nur unter str\u00e4flicher Missachtung des sprachhistorischen Teils gelungen, und am Ende fehlten immer noch zwei Stunden um den kompletten Rest wiederholen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich habe ein Stressbew\u00e4ltigungsseminar in Anspruch genommen, bei dem es allerdings &#8220;nur&#8221; um Vorbereitung von Vortr\u00e4gen ging. Aber das war immerhin etwas. Leider waren die angesprochenen Verfahren mir bereits bekannt, oder aber ich war nicht der rechte Typ daf\u00fcr, wie zum Beispiel Assoziationslisten: Man denke sich ein Thema, hole einmal tief Luft, und schreibe dann innerhalb von drei Minuten so viele damit zusammenh\u00e4ngende Begriffe wie m\u00f6glich auf ein Liste, die alphabetisch von A bis Z angeordnet ist. Da meine assoziative Spontaneit\u00e4t gegen Null strebt (mir f\u00e4llt nie was ein, wenn mich jemand fragt, ob ich noch Fragen habe), kriege ich vielleicht vier oder f\u00fcnf Begriffe hin, sofern wir nicht \u00fcber ein Thema reden, \u00fcber das ich WIRKLICH Bescheid wei\u00df.<\/p>\n<p>Ich konnte aus dem Seminar nur wenig, aber immerhin etwas, zum Thema Vermeidung von Blackout mitnehmen. Ich entschied mich daher f\u00fcr eine Einzelsitzung mit der Leiterin &#8211; ein verpatztes Examen w\u00fcrde mich mehr kosten als die veranschlagten 15 E. Ein paar Tage zuvor gibt man ein paar Assoziationslisten ab, und beantwortet auf einem Fragebogen Fragen zur eigenen Meinung zur Pr\u00fcfung, und wie man den Pr\u00fcfer einsch\u00e4tzt. Auf dieser Basis wird die Sitzung dann vorbereitet.<\/p>\n<p>Ich bin nicht sicher, ob das alles meine Bed\u00fcrfnisse befriedigte. Ein wichtiger Punkt waren psychologische Kniffe, wie man einem Unzul\u00e4nglichkeitsgef\u00fchl entgegenarbeitet. Dabei habe ich keine Minderwertigkeitskomplexe, auch nicht angesichts meiner Gewissheit, dass ich nicht zum Akademiker geboren bin. Ich bin mir dank guter Freunde \u00fcber meine Qualit\u00e4ten durchaus im Klaren, was mich ein bisschen dr\u00fcckt, ist nur der Eindruck, dass es sich nicht um Qualit\u00e4ten handelt, die man in konkrete Jobchancen umrechnen kann.<br \/>\nEine weitere Sache ist die Aufbesserung der subjektiven Wahrnehmung:<br \/>\n<em>&#8220;Woran denkst Du vermutlich, wenn Du am Morgen der Pr\u00fcfung aufstehst?&#8221;<\/em><br \/>\n&#8220;Vermutlich an ein Begr\u00e4bnis.&#8221;<br \/>\n<em>&#8220;Was ist f\u00fcr Dich das optische Gegenteil von einem Begr\u00e4bnis?&#8221;<\/em><br \/>\n&#8220;\u00c4h&#8230; vielleicht&#8230; ein Sonnenblumenfeld?&#8221;<br \/>\n<em>&#8220;Gut! Wenn Dich das Bild vom Begr\u00e4bnis \u00fcberf\u00e4llt, dann denk an ein Sonnenblumenfeld.&#8221;<\/em><br \/>\nOder:<br \/>\n<em>&#8220;Lachen hebt das Lebensgef\u00fchl. Druck Dir ein paar Witze aus, und wenn Deine Stimmung zu d\u00fcster wird, dann lies Dir ein paar durch und lach mal.&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Das mit den Witzen habe ich nicht getan&#8230; aber der Gedanke an Sonnenblumenfelder, als ich vor der B\u00fcrot\u00fcr der Dozentin sa\u00df, lie\u00df mich doch lachen.<\/p>\n<p>Am wichtigsten war aber meines Erachtens, die Pr\u00fcfungssituation einmal durchzugehen, ein Rollenspiel. Also kurz vor die T\u00fcr gehen, hereingerufen werden, f\u00f6rmliche Sprache, Begr\u00fc\u00dfungsfloskeln, und die Aufforderung <em>&#8220;Erkl\u00e4ren Sie doch bitte mal, was XYZ ist.&#8221;<\/em> In meinem Fall <em>&#8220;ein Korpus&#8221;<\/em>. Ich redete auf Anhieb sechs Minuten lang, mit ein paar Sekunden Pause ab und zu, um den weiteren Redefluss zu koordinieren. Ich glaube, es hat mir sehr geholfen, die Situation ansatzweise schon mal erlebt zu haben, und auch noch erfolgreich hinter mich gebracht zu haben. Der Zuschuss an Selbstbewusstsein gab den Ausschlag, um das Lampenfieber klein zu halten.<\/p>\n<p>Am Sonntag vor der Pr\u00fcfung bin ich ganz von zuhause ausgerissen, um mir meine gesammelten Audiodateien beim Spazierengehen anzuh\u00f6ren. Ich arbeite diesmal mit einem neuen Verfahren des Lernens: Ich leihe B\u00fccher aus oder kopiere sie, anstatt aber Textstellen nur anzustreichen, spreche ich sie in ein Mikrofon und nehme sie als MP3 Dateien auf, die  ich zwecks Wiederholung dann beim Spazierengehen anh\u00f6re. Allein die  Aufnahmen f\u00fcr die Anglistikpr\u00fcfung belaufen sich (ohne die H\u00f6rtexte der <em>Canterbury  Tales<\/em>) auf \u00fcber neun Stunden. Ich\u00a0hatte allerdings am Ende nur zwischen sieben und acht Stunden Zeit, bevor ich ins Bett gehen sollte, denn ausgeschlafen sein ist besser, als auch noch  die letzten beiden Stunden irgendwie in den Kopf zu pressen.<\/p>\n<p>Diesen Zeitraum verbrachte ich auf dem Petrisberg, nicht wenig davon auf dem Gel\u00e4nde der ehemaligen Landesgartenschau, wo ich den vermutlich coolsten Spielplatz, der mir je unter die Augen gekommen ist, vorfand.<\/p>\n<p>Ich erinnere mich mal eben an die Zeiten vor \u00fcber 25 Jahren:<br \/>\nWir haben alle gern im Sandkasten gespielt, aber leider blieben die Kan\u00e4le, die wir gruben, immer trocken. Eine Gie\u00dfkanne mit Wasser, um Fl\u00fcsse zu simulieren, wurde nur ganz selten gew\u00e4hrt oder war gar nicht  greifbar, und wenn doch, dann versickerte das Wasser recht schnell. Meist wurden Fl\u00fcsse mit Hilfe des trockenen Oberfl\u00e4chensands simuliert.<br \/>\nAuf dem Petrisbergspielplatz gibt&#8217;s dagegen Wasser genug, und das ganze System ist sogar darauf ausgelegt, als Gruppe mit Arbeitsteilung zu agieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/20100530-Spielplatz-PetB-01.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"20100530  Spielplatz PetB 01\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/20100530-Spielplatz-PetB-01-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, wo das Wasser hier oben genau herkommt, aber es macht einen sauberen Eindruck. Wie man sehen kann, holt man es auf drei Arten ins Spielsystem:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/20100530-Spielplatz-PetB-02.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"20100530  Spielplatz PetB 02\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/20100530-Spielplatz-PetB-02-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das Rad l\u00e4uft durch ein kleines, mit Wasser gef\u00fclltes Becken. In dem Rad sind becherf\u00f6rmige Sch\u00f6pfer angebracht. Sie nehmen Wasser aus dem Becken auf und\u00a0sch\u00fctten es auf eine Rampe aus, womit sich die obere Kippe f\u00fcllt, die sich bei entsprechendem F\u00fcllstand in die untere ergie\u00dft (die nach dem gleichen Prinzip funktioniert), und \u00fcber die gelangt das Wasser dann in die Kan\u00e4le der Bodenkonstruktion. Die Flie\u00dfrichtung des Wassers kann man dabei grob mit den Gummisperren beeinflussen, die man auf dem Bild erkennen kann.<\/p>\n<p>So mancher Besucher geht allerdings mit etwas Ungeduld an das System  heran. Dreht man das Sch\u00f6pfrad zu schnell, trifft das Wasser aus den  Bechern nicht die Rampe Richtung Kippe, sondern geht dar\u00fcber hinaus und landet gleich wieder unten im Reservoir. Dieses ist auch nur in der Lage, so-und-so-viel Wasser pro Zeiteinheit abzugeben, das hei\u00dft, wenn  man zu schnell am Rad dreht, trifft man wegen der Fliehkr\u00e4fte nicht nur die Rampe nicht, sondern kriegt die Sch\u00f6pfbecher erst gar nicht voll, weil der Pegel im Reservoir nicht schnell genug wieder steigen kann.<\/p>\n<p>Dann gibt es da ganz gew\u00f6hnliche Handpumpen:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/20100530-Spielplatz-PetB-03.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"20100530  Spielplatz PetB 03\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/20100530-Spielplatz-PetB-03-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a><\/p>\n<p>Immerhin treiben sie ein kleines Wasserrad an. Ich glaube, das ist f\u00fcr den Spa\u00dffaktor nicht ohne Bedeutung, aber ich habe auch gern an  solchen Pumpen gespielt, die kein Rad hatten. Der Brunnen an einer der Wanderh\u00fctten in der N\u00e4he meines Heimatorts war ein Fixpunkt meiner Waldwanderungen, wenn ich im hei\u00dfesten Sommer zu Fu\u00df zu etwa zehn Kilometer entfernten Spielnachmittagen aufbrach. Ich muss bei Gelegenheit mal pr\u00fcfen, ob die Pumpe noch da ist&#8230;<\/p>\n<p>Im Hintergrund des Bildes kann man \u00fcbrigens etwas sehen, was ein  bisschen wie ein Marterpfahl aussieht, aber es handelt sich ebenfalls um  eine Art Brunnen. In den Holzpfahl sind metallene Wasserr\u00f6hrchen  eingebaut, und der Pfahl steht in einem Becken von vielleicht 80 auf 80  cm. An der Au\u00dfenseite befinden sich Plastikknubbel, zwei an jeder der  beiden zug\u00e4nglichen Seiten, und wenn man diese pumpend mit dem Fu\u00df  bet\u00e4tigt, beginnt Wasser aus den Rohren zu sprudeln, das dann ebenfalls in den Holzkan\u00e4len landet.<\/p>\n<p>Zuletzt ist da noch etwas, das optisch mehr herh\u00e4lt, als seine Bedienung Spa\u00df macht:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/20100530-Spielplatz-PetB-04.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"20100530  Spielplatz PetB 04\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/20100530-Spielplatz-PetB-04-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ich glaube, das nennt sich &#8220;Archimedische Schraube&#8221;. Man dreht mal wieder am Rad und sch\u00f6pft damit im Becken Wasser ab. Das Wasser kommt in Wasserglasmengen oben an und l\u00e4uft \u00fcber eine Rinne in ein Drehrad, das so ein bisschen wie eine Turbine aussieht. Man kann es wegen des Aufnahmewinkels leider nicht sehen. Es ist jedenfalls nicht m\u00f6glich, schnell genug Wasser zu sch\u00f6pfen, um diese &#8220;Turbine&#8221; in Gang zu setzen, weil die in Intervallen ankommende Wassermasse dazu nicht ausreicht. Dem entsprechend gering fiel im Zeitraum meiner Beobachtung das Interesse an den Schrauben aus.<\/p>\n<p>Von jedem dieser Konstrukte gibt es zwei, und sie leiten ihr Wasser erst einmal in das bereits erw\u00e4hnte Kanalsystem.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/20100530-Spielplatz-PetB-05.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"20100530  Spielplatz PetB 05\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/20100530-Spielplatz-PetB-05-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Kan\u00e4le leiten das Wasser in h\u00f6lzerne Rinnen, die ich in den Alpen bereits gesehen zu haben glaube.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/20100530-Spielplatz-PetB-06.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"20100530  Spielplatz PetB 06\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/20100530-Spielplatz-PetB-06-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ganz klar, dass die Spielkinder bereits Sand in die Rinnen geworfen haben, um zu sehen, wie er wieder weggesp\u00fclt wird. Stattdessen h\u00e4lt er sich hartn\u00e4ckig. An dieser Stelle habe ich den Sand mal in die Hand genommen und fand ein sehr feink\u00f6rniges Produkt vor, dass sich wirklich toll anf\u00fchlte, kein Vergleich zu dem gr\u00f6beren Bausand, den ich in meiner Kindheit in Kindergartensandkasten und am Spielplatz hatte.<\/p>\n<p>\u00dcber die Rinnen landet das Wasser dann im Sandbecken, und ich habe leider verpasst, eine Gesamtaufnahme davon zu machen. An jenem Tag war nicht so wirklich viel los, es regnete zeitweise und es war auch sonst eher bew\u00f6lkt. Mit entsprechendem Arbeitseinsatz kann man den Sandkasten jedenfalls zu einem T\u00fcmpel machen, zur Freude der Kinder, und m\u00f6glicherweise zum Grauen der Eltern, denen das Waschen der Kleidung  obliegt, aber Beobachtungen an einem sonnigen, warmen Tag haben gezeigt, dass der Spa\u00df der Kinder ein bedeutender Motivationsfaktor f\u00fcr die W\u00e4scher und ihre Toleranz ist.<\/p>\n<p>Und, ganz wichtig: An diesem Spielplatz lassen sich Sonnenschirme aufspannen. Wenn ich da an meinen Spielplatz denke&#8230; ich muss mich direkt wundern, dass da nicht \u00f6fter &#8220;Fremdenlegion\u00e4re im W\u00fcstenfort&#8221; gespielt wurde. Dort gab&#8217;s nur pralle Sonne und hei\u00dfen Sand. Schatten war in den B\u00fcschen am Rand des Spielplatzes, in der rostigen Lokomotive und unter der Rutsche gegeben. Aber auf dem Petrisberg gibt&#8217;s nicht nur Spielwasser, sondern auch Trinkwasser: Neben den Pumpen, Schrauben und Sch\u00f6pfern steht ein Brunnen aus Edelstahl, aus dessen Rohr feinstes Trinkwasser str\u00f6mt, und nicht so eine Durst machende Kalkl\u00f6sung wie bei uns zuhause im Gau, und geschmacklich auch besser als das Leitungswasser im Apartmentblock gegen\u00fcber der Uni.<\/p>\n<p>Der Sandkasten am Petrisberg bietet fest integriertes Spielzeug. Unter diesem hier kann ich mir nicht so recht was praktisches vorstellen, obwohl die Funktionsweise eigentlich klar ist:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/20100530-Spielplatz-PetB-07.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"20100530  Spielplatz PetB 07\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/20100530-Spielplatz-PetB-07-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a><\/p>\n<p>Aber von weit gr\u00f6\u00dferem Interesse sind diese Dinger hier:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/20100530-Spielplatz-PetB-08.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"20100530  Spielplatz PetB 08\" src=\"https:\/\/codealpha.bidan.de\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/20100530-Spielplatz-PetB-08-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a><\/p>\n<p>Irre, oder? Die haben Bagger im Sandkasten. Nicht diese einkaufst\u00fctengro\u00dfe Mickey-Mouse-Kacke aus Plastik mit der Schaufelkapazit\u00e4t eines Eierbechers, sondern aus Metall, wo man mit echtem K\u00f6rpereinsatz dran rummachen kann. Okay, sie k\u00f6nnen ihren  Standort nicht \u00e4ndern, aber auch ein Sechsj\u00e4hriger kann die Ausrichtung ver\u00e4ndern und 360\u00b0 um sich herum Sand schaufeln (und Wassergr\u00e4ben anlegen), wie&#8217;s ihm Spa\u00df macht. Alles, was fehlt, ist die Kurbel, mit der man das Teil vom Sitz aus schwenken kann. Man muss halt absteigen und dr\u00fccken.<\/p>\n<p>Von meinen sieben Stunden habe ich ca. zwei Stunden am Wasserrad zugebracht, das ist sehr beruhigend. Und noch einmal eine halbe Stunde in dem Bau nebenan, aus dem die R\u00f6hrenrutsche rausragt, weil es ganz heftig zu regnen begann. Ansonsten war ich in der Gegend unterwegs, meist auf befestigten Wegen, und entdeckte bei dieser Gelegenheit den Trierer Standort des Deutschen Wetterdienstes.<\/p>\n<p>Irgendwann habe ich auch die G\u00e4rten der Trierer Partnerst\u00e4dte bewundert (Italiener haben scheinbar mehr Ahnung von G\u00e4rten als Briten), darunter den kleinen japanischen Steingarten, der von der Stadt Nagaoka gesponsert wurde. Das hei\u00dft allerdings nicht, dass sie ihn auch angelegt h\u00e4tten, also &#8220;jemand aus Nagaoka&#8221;. Wenn ich mich recht  erinnere, zeichnet sich eine Kommilitonin aus meinen Japanisch-Grundkurs daf\u00fcr verantwortlich. Ist auch h\u00fcbsch geworden. Ich muss nur gestehen, dass es mir seltsam anmutet, wenn der in den Kies geharkte Fluss von einer  Steininsel unterbrochen wird, und auf der anderen Seite fortgef\u00fchrt wird, anstatt den Stein zu umflie\u00dfen, aber ich verstehe zu wenig von Steing\u00e4rten, um das beurteilen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Um etwa 2115 Uhr fing es wieder an zu regnen, und diesmal wollte es nicht wieder aufh\u00f6ren. Ich beschloss, mit dem Bus nach Hause zu fahren. Da sa\u00df ich dann an der Bushaltestelle &#8220;Am Wasserturm&#8221; und l\u00f6ffelte den Rest aus meinem Joghurtpott, den ich  mitgenommen hatte. Ich h\u00e4tte mir drei\u00dfig Minuten dumm rumsitzen sparen k\u00f6nnen, wenn mir aufgefallen w\u00e4re, dass die auf dem Fahrplan angegebene Abfahrtszeit mit &#8220;AST&#8221; gekennzeichnet ist: Das Anrufsammeltaxi hei\u00dft so, weil es nur kommt, wenn man sich zuvor telefonisch angek\u00fcndigt hat. Um kurz vor Zehn spannte ich meinen Schirm auf und ging halt doch zu Fu\u00df nach Hause.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen um 1045 machte ich mich auf den Weg, <em>&#8220;dressed for the occasion.&#8221;<\/em> Und diese Pr\u00fcfung hatte einen ganz anderen Charakter als die von Mr. Stubbs. Der sitzt \u00fcblicherweise mit bierernstem Gesicht dem Pr\u00fcfling gegen\u00fcber, seine K\u00f6rpersprache allein macht mich (und nicht nur mich) schon nerv\u00f6s, und alle Antworten, die nicht so lauten, wie er es h\u00f6ren will, sind falsch.<em><\/em><\/p>\n<p><em>&#8220;Was sind Kanji?&#8221;<\/em> fragte er mich damals, im November 2005.<br \/>\nDas erwischte mich v\u00f6llig unvorbereitet. Er hatte in meinen Unterlagen gelesen, dass ich Japanologe bin, und dachte, er t\u00e4te mir einen Gefallen, von daher nehme ich ihm das nicht \u00fcbel. Aber in dem Moment brachte mich das v\u00f6llig aus dem ohnehin kaum vorhandenen Konzept. Japanische Kanji wurden im Rahmen der mir vorliegenden Einf\u00fchrung in die Linguistik von Yule nur in dem Kapitel \u00fcber die schriftliche Umsetzung von Sprache angerissen. Ich erkl\u00e4rte also etwas von Ideogrammen und Logogrammen, und dass man die aus dem Chinesischen stammenden Zeichen nicht einfach in eine dieser gegebenen Kategorien einordnen k\u00f6nne, weil es sich bei einigen um stilisierte grafische Darstellungen handele, w\u00e4hrend andere v\u00f6llig abstrahiert seien, und wiederum ein paar wenige nur wegen ihrer phonetischen Eigenschaften \u00fcbernommen worden seien.<\/p>\n<p>Er wollte aber h\u00f6ren <em>&#8220;Kanji sind Morpheme&#8221;<\/em>. Ja, jetzt, wo Sie&#8217;s sagen, f\u00e4llt&#8217;s mir auf. Ich habe mich selbst in der Japanologie nie mit den theoretischen linguistischen Grundlagen der Schriftzeichen auseinandersetzen m\u00fcssen. Die Besch\u00e4ftigung mit dem Wortlevel konzentrierte sich auf gebundene Morpheme, also wie man einen Passiv oder einen Kausativ oder was wei\u00df ich noch alles konstruiert. Die Kanji selbst waren halt einfach da. Nicht einmal Frau Katsuki sagte jemals explizit <em>&#8220;Kanji sind Morpheme&#8221;<\/em>. Zumindest kann ich mich nicht erinnern. Hier zeigte sich in erster Linie meine Assoziationsschw\u00e4che, verschiedene Informationsschnipsel aus verschiedenen Gebieten miteinander zu kombinieren: W\u00e4re ich in dieser Hinsicht begabter, w\u00e4re nichts klarer gewesen, als dass Kanji Morpheme sind.<\/p>\n<p>Wie dem auch sei, bei Frau Sand l\u00e4uft das ganz anders. W\u00e4hrend im Herbst 2005 kritisch dreinblickende b\u00e4rtige M\u00e4nner am Tisch sa\u00dfen, wirkte meine Pr\u00fcferin (und die Beisitzerin ebenso) eher entspannt (was nicht ohne positive Wirkung bleiben konnte), l\u00e4chelte sogar dann und wann, und sogar einem dr\u00f6gen Beobachter wie mir musste auffallen, dass sie betont langsam sprach, um das bessere Verst\u00e4ndnis der Fragen zu gew\u00e4hrleisten (und wom\u00f6glich auch, um damit Zeit zu schinden). Zu meiner eigenen \u00dcberraschung schaffte ich es, meine Sprechgeschwindigkeit unter Kontrolle zu halten. In der &#8220;Generalprobe&#8221; war mir das noch nicht gelungen. Nach etwa f\u00fcnf Minuten hatte sich mein Herzschlag normalisiert und ich konnte mich auf die Fragen konzentrieren.<\/p>\n<p>Der Abschnitt Korpuslinguistik lief recht gut. Jargon\/Slang nicht ganz so gut, aber auch nicht schlecht. Gefragt, welche Begriffe (aus der Unterweltsprache der Drei\u00dfiger und Vierziger Jahre) man denn in der heutigen Sprache finde, verga\u00df ich nat\u00fcrlich die unverf\u00e4nglichen Dinge wie <em>&#8220;to get roped into something&#8221;,<\/em> oder <em>&#8220;a Shill&#8221;, <\/em>oder <em>&#8220;Shylock&#8221;<\/em> w\u00e4re wohl ein sch\u00f6nes Beispiel mit literarischem Hintergrund gewesen, oder <em>&#8220;pot&#8221;<\/em>. Stattdessen wurde mein Gehirn geflutet von einer F\u00fclle sexueller Begriffe in Bezug auf Prostitution (<em>&#8220;gobbledeegook&#8221;<\/em>), Homosexualit\u00e4t (<em>&#8220;gay&#8221;<\/em> oder <em>&#8220;butch&#8221;<\/em>), oder sonstig von der Norm abweichendem Sexualverhalten (<em>&#8220;queer&#8221;<\/em>), und irgendwie hatte ich Hemmungen, dies angesichts zweier weiblicher Gegen\u00fcber auch zu verwenden. Mir fiel aber <em>&#8220;to take the Mickey&#8221;<\/em> ein, weil der Begriff in dem Artikel \u00fcber Spott als Humorform in der IT Industrie zu finden ist, abgeleitet aus dem <em>&#8220;Mickey Finn&#8221;<\/em> der Vierziger, als der Begriff in Drogenkreisen eine Bet\u00e4ubungsdosis bezeichnete (Zigarrenasche in Limonade???), die man jemanden verabreichte, der einem auf den Keks ging und den man auf diese Weise aus der intimen Sph\u00e4re der &#8220;Opiumh\u00f6hle&#8221; entfernte.<br \/>\nGanz und gar kein Glanzpunkt war der sprachhistorische Teil, in dem ich nur kurz Anfang und Ende der mittelenglischen Periode kurz definierte, und mich radebrechend daran versuchte, die Unterschiede des Mittelenglischen zum modernen Englisch darzulegen. An der Stelle rettete mich gewisserma\u00dfen der Gong.<br \/>\nMit 2,3 fiel diese Teilnote schon ein St\u00fcck besser aus als mein Abitur.<\/p>\n<p>Im Anschluss an die Pr\u00fcfung &#8220;musste&#8221; ich als erstes die Medientechnik  besuchen, von der ich wei\u00df, dass da ein Schrankregal voll alkoholischer  Getr\u00e4nke rumsteht (die ich als ACT Vertreter zum Gro\u00dfteil selbst dorthin  gebracht habe). Zwei Gl\u00e4ser Schnaps wollte ich mir g\u00f6nnen, doch am Ende  sind es f\u00fcnf geworden, und mein Nachhauseweg verlief nicht ganz so  gradlinig.<\/p>\n<p>Aber in diesem Sinne geht es in diesen Wochen weiter. Ich vertone also gerade eine Biografie von Oda Nobunaga, von Jeroen Pieter Lamers, eine Dissertation von 1998. Bei den japanischen Artikeln w\u00e4re es wohl besser, wenn ich eine \u00dcbersetzung einspreche&#8230; das macht das Einpr\u00e4gen einfacher, und letztendlich wird die Pr\u00fcfung in deutscher Sprache stattfinden.<\/p>\n<p>Der Countdown l\u00e4uft also, und X = 0 ist am 14. August. Na ja, eigentlich dann, sobald ich die Pr\u00fcfung in Phonetik hinter mich gebracht habe, was so zwischen dem 10. und dem 14. August angepeilt ist. Der 14. August ist deshalb von Bedeutung, weil ich meine schriftliche Arbeit am 14. Mai abgegeben habe, und drei Monate danach alles unter Dach und Fach sein muss.<\/p>\n<p>Zwischendurch habe ich sogar ein paar Bewerbungen geschrieben&#8230; den Gro\u00dfteil an die US Armee in Kaiserslautern, die innerbetriebliche Weiterbilder, Arbeitsleistungsinspektoren, und was wei\u00df ich noch alles braucht, und daf\u00fcr nicht schlecht zahlt (im Falle meiner Bewerbungen \u00fcber 1900 E Einstiegsgehalt, brutto, steigt schrittweise im Laufe der Monate und Jahre). Das Bewerbungsverfahren ist denkbar einfach: Man f\u00fcllt ein Formular aus und schickt es mit der Post nach Lautern. Man braucht kein geschwollenes Anschreiben, kein Bewerbungsbild, keine Zeugnisse, nur eine grobe Darlegung des Lebenslaufs und Erfahrungshintergrunds. Alles, was \u00fcber das Formular hinausgeht nur auf Anfrage.<\/p>\n<p>Eine Bewerbung habe ich auch an das Bundessprachenamt gesendet, die zwei Stellen f\u00fcr Fremdsprachenassistenten Englisch zu vergeben haben, mit Aussicht auf Verbeamtung als &#8220;Regierungsrat&#8221; im h\u00f6heren Dienst. Die wiederum erlauben die Bewerbung per Mail. Dann packt man halt mal alles in eine PDF und versucht sich bei der Gelegenheit an einem Anschreiben. Dort soll man Angeh\u00f6rigen des BMVg (und der Bundeswehr) nicht nur Englisch eintrichtern, sondern soll dabei das &#8220;interaktive Klassenzimmer&#8221; anwenden, das zuf\u00e4llig auch Teilthema meiner m\u00fcndlichen Pr\u00fcfung in der Anglistik war. Das schmiert man dem Personalchef nat\u00fcrlich gleich aufs Brot, dass man in der Richtung bereits Grundlagen hat.<br \/>\nDie zahlen etwa 200 E weniger Anfangsgehalt als die Amerikaner, aber beamtete Sicherheit klingt f\u00fcr mich pers\u00f6nlich verlockender als Gewinnmaximierung.<\/p>\n<p>Ich hab schon gar nicht mehr gewusst, wie Hoffnung riecht. Neuerdings habe ich ernsthaft das Gef\u00fchl, dass zur Abwechslung mal alles tats\u00e4chlich klappen wird und vielleicht doch nicht kompromisslos auf Blut, Schwei\u00df und Tr\u00e4nen hinausl\u00e4uft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin noch da. Das wissen die meisten meiner Abonnenten nat\u00fcrlich auch so, aber vielleicht schreibe ich mal was f\u00fcr zwischendurch? Am 31. Mai habe ich mein m\u00fcndliches Examen in der Anglistik bestanden, was ich zwei Wochen davor noch f\u00fcr unm\u00f6glich gehalten hatte. 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