{"id":1025,"date":"2010-02-26T12:44:12","date_gmt":"2010-02-26T11:44:12","guid":{"rendered":"http:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1025"},"modified":"2017-10-22T12:45:20","modified_gmt":"2017-10-22T10:45:20","slug":"welchen-teil-von-antiquitatenmesse-haben-sie-nicht-verstanden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codealpha.bidan.de\/?p=1025","title":{"rendered":"Welchen Teil von &#8220;Antiquit\u00e4tenmesse&#8221; haben Sie nicht verstanden?"},"content":{"rendered":"<p>Anfang des noch aktuellen Monats fand wieder eine Antiquit\u00e4tenmesse in Luxemburg statt, zu der ich mit der Teppichgalerie angereist bin. Den ganzen Vorbereitungsteil k\u00f6nnen wir an dieser Stelle \u00fcberspringen, weil ich schon des \u00f6fteren von solchen Messen berichtet habe, also muss ich nicht wieder auf das Ausbessern und Einpacken eingehen. Zumindest ist nichts kaputt oder verloren gegangen, also lassen wir das doch.<\/p>\n<p>Interessant wurde es allerdings nach der Ankunft.<br \/>\nDer Tag an sich war geradezu angenehm sonnig, mit etwas Arbeitsw\u00e4rme im Leib konnte man sogar im T-shirt zum Parkplatz gehen, um Ware und Aufbaumaterial aus dem Wagen zu nehmen.<br \/>\nNachdem dann die Lichtleisten hingen und der &#8220;Baldachin&#8221; \u00fcber den St\u00e4nden mal wieder unter diesen Ma\u00dfnahmen gelitten hatte (wobei ich erw\u00e4hnen muss, dass der Frontbalken nur ausgebessert und frisch gestrichen war, da er streckenweise aus Presspappe bestand, was mich an der Belastbarkeit der angeschraubten Leiste zweifeln lie\u00df), sollte es daran gehen, die mitgebrachte Ware im Stand unterzubringen, und als das wichtigste dann an der Wand hing, entdeckte die Chefin w\u00e4hrend einer Pause einen Missstand, der ihr sehr missfiel.<\/p>\n<p>Gegen\u00fcber von unserem Stand bot eine weitere Firma Teppiche an, aber sogar ein Laie wie ich erkannte auf den ersten Blick, dass es sich dabei nicht um Antiquit\u00e4ten, sondern um Neuware handelte, m\u00f6glicherweise sogar sogar um Katalogware. Ich wei\u00df nicht, wie es genau von statten ging, aber es wurde wenig sp\u00e4ter ein weiterer Anbieter entdeckt, bei dem es genauso aussah.<br \/>\nNun, ist das hier eine Antiquit\u00e4tenmesse oder nicht? Im H\u00e4ndlervertrag ist festgehalten, dass der Gro\u00dfteil der ausgestellten Waren \u00e4lter als 60 Jahre sein muss. Was wir hier hatten, war also eine bedeutende Aufweichung der Regeln &#8211; ist die Messe als Unternehmen LuxExpo bereits so arm, dass das notwendig ist?<br \/>\nDie Chefin marschierte also gleich zur Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung und beschwerte sich. Es k\u00f6nne nicht sein, dass auf einer Messe, die f\u00fcr exklusive Waren konzipiert ist, moderne Artikel angeboten werden d\u00fcrften, und drohte damit, die Messe zu boykottieren und am Stand nicht nur ein entsprechendes Hinweisschild anzubringen, sondern auch einen angemessenen offenen Brief im Trierischen Volksfreund zu ver\u00f6ffentlichen.<br \/>\nDie Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung der LuxExpo entschuldigte sich damit, dass man zwar Ausstellungsst\u00fccke pr\u00fcfe, dass Experten f\u00fcr Gem\u00e4lde, M\u00f6bel, Skulpturen, Silberwaren, usw. vorhanden seien &#8211; aber keiner f\u00fcr Teppiche. Aber sie k\u00f6nne doch diese Expertise selbst vornehmen? Ausgeschlossen, als Ausstellerin sei sie definitiv befangen &#8211; sie k\u00f6nne allerdings unabh\u00e4ngige Experten empfehlen.<\/p>\n<p>Letztendlich wurde ein Sachverst\u00e4ndiger f\u00fcr Teppiche aus Antwerpen eingeflogen. Das Ergebnis: Einer der beanstandeten Aussteller musste die Messe verlassen, der andere durfte bleiben, weil die modernen St\u00fccke, die er zeigte, selbst kreierte Musterdesigns waren, und das ist laut Vertrag erlaubt. Ganz klar, dass unsere Galerie das Gespr\u00e4ch der Messe war.<br \/>\n<em>&#8220;Na dann, wenn uns in naher Zukunft ein Pflasterstein durchs Schaufenster reinfliegt, wissen wir ja, was l\u00e4uft,&#8221;<\/em> sagte ich noch scherzhaft zur Chefin.<br \/>\nDabei sollte ich das vielleicht nicht zu laut sagen, den Teufel nicht an die Wand malen, wie man so sagt, denn die LuxExpo hat scheinbar mit gewissen Imageproblemen zu k\u00e4mpfen.<br \/>\nW\u00e4hrend einer Haushaltswarenausstellung im vergangenen Jahr, eine gro\u00dfe Sache \u00fcber zwei Hallen verteilt, war ein Stand mit Elektronik, also Fernsehern und Stereoanlagen, komplett ausger\u00e4umt worden. Eine kleine LKW Ladung Zeug im Wert von \u00fcber 100.000 E, w\u00e4hrend der Sicherheitsdienst gerade in der anderen Halle weilte. Zuf\u00e4llig? Viele Leute, die ich dar\u00fcber habe reden h\u00f6ren, sind der Meinung, dass die Abwesenheit der Wachleute alles andere als ein Zufall gewesen sei. Nat\u00fcrlich hat niemand Beweise.<br \/>\nUnd zu einer anderen Ausstellung am gleichen Ort habe wohl ein Experte einen Stand mit gef\u00e4lschten Barockgem\u00e4lden enttarnt, der daraufhin ausgeschlossen wurde &#8211; was damit endete, dass besagter Experte, als er eine Weile sp\u00e4ter die Halle verlie\u00df, auf dem Parkplatz mit vorgehaltener Pistole bedroht wurde. Wo sind wir hier eigentlich?<\/p>\n<p>Die Luxemburger Messe hat sich in den vergangenen 30 Jahren aus dem Schattendasein eines besseren Flohmarktes erhoben, und wir hoffen eigentlich nicht, dass sie wieder auf dem Weg dorthin ist.<br \/>\nDie Teppichgalerie zieht jedenfalls zun\u00e4chst die Konsequenz, keine Ware mehr am Stand zu lagern, sondern nur noch ein paar repr\u00e4sentative St\u00fccke an die Wand zu h\u00e4ngen, die man am Abend schnell mal ins Auto legen und mitnehmen kann, sodass der Stand leer ist. Das macht nat\u00fcrlich die ganze Arbeit viel schneller, weil wir nicht mehr soviel aufbauen, und beim Abbau nicht mehr \u00fcber 100 Lagernummern kontrollieren m\u00fcssen, ganz zu schweigen von der Zeit, die es dauert, so viel Ware auszusuchen, zu erfassen, einzuladen, auszuladen, anzuordnen, wieder einzuladen, zuhause wieder auszuladen, Vollst\u00e4ndigkeit zu pr\u00fcfen, und wieder in die urspr\u00fcnglichen Stapel einzuordnen.<br \/>\nAngedachte Konsequenz ist, sich wieder nach ferneren Messen umzusehen. In Metz zum Beispiel. Das ist nat\u00fcrlich ein gutes St\u00fcck Weg, aber wenn man daf\u00fcr eine Messe mit besserem Ruf und damit mit mehr potentieller Kundschaft bekommt, ist das eine \u00dcberlegung Wert. Und ich sage &#8220;wieder&#8221;, weil das fr\u00fcher die Norm war. Der verstorbene Herr G. hatte wohl die Gewohnheit, jedes Jahr auf ein Dutzend oder mehr Messen zu fahren, und auch eigene, kleine, zu veranstalten.<br \/>\nNat\u00fcrlich waren das ganz andere Zeiten. Das waren die Zeiten, als der Mittelstand nach dem Krieg wieder gen\u00fcgend finanziellen Wohlstand f\u00fcr derartigen Luxus angeh\u00e4uft hatte. Damit ist es heute vorbei, also sind die Chancen, dass in naher Zukunft ein solcher Messebetrieb einsetzt, eher gering. Ich glaube, das Hauptgesch\u00e4ft besteht heute daraus, die in den Siebzigern und Achtzigern verkauften Teppiche zu restaurieren und in Einzelf\u00e4llen zu ersetzen &#8211; die Chefin sagt, \u00fcberm\u00e4\u00dfig staubsaugende Haushaltshilfen und gelangweilte Hunde seien ihre besten Freunde.<\/p>\n<p>Ganz neue Dinge waren die, die sich nicht ereigneten: Nach Sonnenuntergang wurde es zwar eisig kalt, aber bis auf ein paar Schneefl\u00f6ckchen von der Gr\u00f6\u00dfe von Zuckerk\u00f6rnern blieb es trocken; kein Regen, kein Eis, kein Schnee, das war auf der Heimfahrt richtig entspannend, und schon beinahe langweilig zu nennen.<\/p>\n<p>Zuletzt mein besonderer Dank an unsere N\u00e4hmeisterin, die mir wohlwollend ein dickes Pausenbrot in die Hand dr\u00fcckte &#8211; Butter, K\u00e4se, Paprika. Und ausgerechnet dieses Jahr hatte ich ausnahmsweise und zum ersten Mal im Lauf der Jahre meiner T\u00e4tigkeit im Teppichladen ein eigenes Pausenbrot dabei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anfang des noch aktuellen Monats fand wieder eine Antiquit\u00e4tenmesse in Luxemburg statt, zu der ich mit der Teppichgalerie angereist bin. Den ganzen Vorbereitungsteil k\u00f6nnen wir an dieser Stelle \u00fcberspringen, weil ich schon des \u00f6fteren von solchen Messen berichtet habe, also muss ich nicht wieder auf das Ausbessern und Einpacken eingehen. 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